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Rothenbächer 2012
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"Ich wurde
gehänselt und bespuckt"
Ihr Leben ist eine einzige Suche nach sich selbst. Und nach
dem Glück. Erst suchte sie es bei Dieter Bohlen, dann auf dem OP-Tisch, zuletzt
im Dschungelcamp. Dort wurde Lorielle London zum Publikumsliebling. Mit
stern.de sprach sie über Transsexualität, eine schwierige Kindheit und darüber,
was sie jetzt vom Leben erwartet.
An die Kameras hat sich Lorielle London längst gewöhnt. Los
ging es vor sechs Jahren: Damals war sie Kandidat in Dieter Bohlens
Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar". Und noch ein Mann -
Lorenzo. Der Ruhm verging schnell, die Kameras blieben. Bei der Umwandlung zur
Frau ließ sich Lorielle London von RTL begleiten. Ihr Selbstdarstellungsdrang
gipfelte jetzt in der Teilnahme an der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt
mich hier raus!". Für das Image der 25-Jährigen, die wegen ihres
Auftrittes bei "DSDS" oft verspottet wurde - auch Stefan Raab hatte
es auf sie abgesehen - ein unerwarteter Volltreffer: Als erste Transsexuelle im
Dschungelcamp präsentierte sie sich nicht nur hart im Nehmen, sondern schaffte
es im Finale auch auf Platz zwei hinter Dschungelkönigin Ingrid van Bergen.
Jetzt sollen andere Transsexuelle von Londons Auftritt im Dschungel profitieren
- hofft sie zumindest.
Sie wurden im Dschungelcamp oft mit dem letzten
Dschungelkönig Ross Anthony verglichen. Der hatte nach dem Camp einige Jobs bei
RTL bekommen. Treten Sie jetzt in seine Fußstapfen?
Das wäre natürlich schön. Bei meinem Management liegen auch
schon eine Menge Angebote auf dem Tisch. Ich würde gerne das weitergeben, was
ich in meinem Leben gelernt habe. Ich hatte eine sehr schwierige Kindheit und
Jugend und bin eigentlich nicht für den großen Erfolg gemacht. Aber irgendwie
habe ich es doch geschafft, mein Leben auf die Reihe zu kriegen, auch mit
meiner Transsexualität. Aus der Erfahrung kann ich natürlich schöpfen und würde
das gerne weitergeben.
Im Fernsehen?
Genau. Ich denke da an ein Coaching-Format für Kinder und
Jugendliche. Nach "DSDS" wollte ich so vieles auf einmal. Aber ich
hatte mit nichts Erfolg. Jetzt will ich meine ganze Zeit und Energie in eine
Sache stecken. So ein eigenes Coaching-Format wäre ideal.
Gibt es da schon Gespräche mit RTL?
Der Sender weiß, dass ich das gerne machen würde. Wir werden
uns jetzt in den nächsten Tagen zusammensetzen.
Also keine OPs mehr vor laufender Kamera?
Mit den Schönheitskorrekturen habe ich soweit abgeschlossen.
Für meinen Geschmack hat sich die Dokumentation über meine Operation und meine
Umwandlung ein bisschen zu sehr in die Länge gezogen. Das soll jetzt vorbei
sein. Gerade nach dem Dschungel möchte ich mit Dingen, für die mein Herz
schlägt, in der Öffentlichkeit stehen und nicht mit OPs. Ich bin jetzt
zufrieden so wie es ist. Ich bin zwar nicht Miss Germany geworden, aber ich
werde es dabei belassen.
Sie haben auch im Dschungelcamp immer wieder betont, Sie
hätten kein Selbstbewusstsein. Trotzdem haben Sie sich auf dem OP-Tisch und im
Dschungel filmen lassen. Wie passt das zusammen?
Ich will ganz ehrlich sein. Ich habe viel Geld dadurch
gespart, dass ich mich im Fernsehen habe operieren lassen. So habe ich ganz
andere Chirurgen kennen gelernt, als wenn ich das auf eigene Faust gemacht
hätte. Diese Chirurgen waren bereit, den Preis zu drücken, wenn sie sich dafür
im TV präsentieren können. Das, was ich gespart habe, kann ich jetzt in meine
Karriere stecken. Es war mir aber auch ein Anliegen, meinen Fans und jungen
Transsexuellen öffentlich zu zeigen, was mit mir gemacht wurde.
Brüste und eine neue Nase und Kinn haben Sie bereits. Jetzt
steht noch die Geschlechtsumwandlung an...
Genau, die plane ich noch dieses Jahr. Ich will jetzt
erstmal etwas arbeiten. Wenn ich ein bisschen Luft zwischendurch habe, dann
werde ich mich darum kümmern.
Reicht die Gage, die Sie für "Ich bin ein Star - Holt
mich hier raus!" bekommen haben, für diese ganzen OPs?
Auf jeden Fall. Damit könnte ich sogar noch ein paar anderen
transsexuellen Freundinnen aus der Patsche helfen. Aber zum Glück sind die
Gesetze in Deutschland so, dass die Krankenkasse meine Geschlechtsumwandlung
übernimmt. Meine Therapeutin kann meinen Leidensdruck und die Notwendigkeit
einer Operation bestätigen. Und selbst wenn es nicht klappt: Mausi Lugner hat
mir im Dschungel erzählt, sie hätte einen befreundeten Chirurgen, der mich
sogar kostenfrei operieren würde.
Was haben Sie noch aus dem Dschungel mitgenommen, außer
Adressen von guten Chirurgen?
Ich habe viel gelernt. Ich war bisher immer Einzelgänger,
hatte Angst vor anderen Menschen. Vor allem wegen meiner sexuellen Veranlagung.
Im Dschungelcamp habe ich gelernt, dass die Menschen gar nicht so schlimm sind.
Es gibt keinen Grund, immer so ängstlich, schüchtern und menschenscheu zu sein.
Zur Person
Lorielle London wurde 1983 in Birkenfeld als Lorenzo
Woodard, Sohn einer Deutschen und eines amerikanischen Soldaten, geboren. Nach
einer Schneiderlehre belegte Woodard 2003 den zehnten Platz bei der zweiten
Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". Es folgten Auftritte
u.a. in der Reality-Show "Die Alm" und die Verwandlung zur Frau - im
TV. Eine Geschlechtsumwandlung steht noch an. Bei "Ich bin ein Star - Holt
mich hier raus!" belegte Lorielle im Januar 2009 den zweiten Platz
Mussten da erst Sonja Zietlow und Dirk Bach kommen, um Ihnen
das zu erzählen?
Ich habe das ganze Leben über gesagt bekommen, dass ich
hässlich bin. Dass es nicht okay ist, wie ich bin. Ich wurde bespuckt,
geschlagen und gehänselt. Irgendwann glaubt man selbst, dass man nicht so toll
ist. Auch nach "DSDS" wurde ich immer wieder auf der Straße
gehänselt: 'Guck mal, das ist doch der hässliche Junge aus dem Fernsehen'.
Was sagt ihre Familie zu Ihrer Umwandlung?
Meinen Vater kenne ich nicht, der lebt irgendwo in Amerika.
Meiner Mutter habe ich schon im Kindergarten erzählt: 'Mama, wenn ich groß bin,
möchte ich einen Busen haben'. Sie war also auf alles vorbereitet. Begeistert
war sie nicht, glaube ich. Aber sie hat sich nie getraut, mir etwas zu sagen,
mich zu verletzen. Zu der Zeit meiner Operationen hatten wir allerdings wenig
Kontakt. Sie hat davon aus der Zeitung erfahren.
Denken Sie, dass Sie anderen Transsexuellen mit Ihrem
Auftritt im Dschungelcamp geholfen haben?
Ich hoffe es natürlich. Ich bin im Camp sehr offen mit
Transsexualität umgegangen. Die Kameras habe ich schnell vergessen. Ich finde
es schön, wenn ich Vorbild sein kann. Vielleicht konnte ich dem einen oder
anderen bei seinem Coming-Out helfen. Wenn ich damals so jemanden gehabt hätte,
den ich im Fernsehen hätte bewundern können, dann hätte ich das meiner Mutter
vielleicht auch viel früher gesagt. Und mir wäre einiges erspart geblieben.

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