Mittwoch, 24. Mai 2017

Menschenrechte auch für Zwitter! 1 bis2 von 1000 Kindern werden mit Varianten der Geschlechtsanatomie geboren. Zwischengeschlechtliche Menschen werden im Kindesalter systematisch medizinisch nicht notwendigen, traumatisierenden kosmetischen Genitaloperationen und weiteren Zwangsbehandlungen unterworfen.

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Der "Behandlungsstandard" nach Dr. John Money

Menschenrechte auch für Zwitter!


1–2 von 1000 Kindern werden mit Varianten der Geschlechtsanatomie geboren. Zwischengeschlechtliche Menschen werden im Kindesalter systematisch medizinisch nicht notwendigen, traumatisierenden kosmetischen Genitaloperationen und weiteren Zwangsbehandlungen unterworfen. 

Diese stellen einen erheblichen Verstoß gegen ihr Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde dar, und werden von Betroffenen als genitale Verstümmelung, Folter und sexuelle Gewalt bescrieben. Überlebende und ihre Organisationen fordern die vollständige Umsetzung und Anwendung der Menschenrechte auch für Intersex-Menschen. Unsere Anliegen dürfen nicht mehr länger ignoriert werden. Die UN-Abkommen CAT, CRC, CRPD, CCPR, CEDAW, ICESCR und CPPCG verpflichten alle teilnehmenden Staaten, konkrete "Maßnahmen inklusive Gesetzgebung" zum Schutz betroffener Kinder zu ergreifen. Weltweit haben bisher Malta und Kolumbien als einzige Länder damit begonnen, diese systematischen Menschenrechtsverletzungen an betroffenen Kindern unter Strafe zu stellen.

Der “Behandlungsstandard“ nach Dr. John Money und die damit verbundenen Verstöße der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der Verpflichtung zum Einschreiten gegen diskriminierende Gepflogenheiten

In den späten 1950er Jahren begann die experimentelle chirurgische Geschlechtsangleichung „intersexueller“ Kleinkinder auf Grund der von dem Psychiater Prof. Dr. John Money von der Universität Baltimore entwickelten “Zeitfenster-Theorie”, wonach die Geschlechtsidentität bis zu einem bestimmten Alter, welches irgendwo zwischen 6 Monaten und 2 Jahren nach der Geburt liege, unbestimmt sei und daher anerzogen werden könne, wenn das körperliche Erscheinungsbild innerhalb dieses Zeitfensters eindeutig chirurgisch dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugewiesen werde.

Anfang der 1970er Jahre wurde die Geschlechtszuweisung in sowohl in der damaligen DDR als auch in der Bundesrepublik Deutschland zum medizinischen Standard erklärt, obwohl keine wissenschaftlichen Beweise erbracht wurden, durch die Berühmtheit des Falls eines einzigen Jungen (unter dem Pseudonym “John/Joan-Fall”). Dieser war eindeutig männlich geboren und hatte durch einen Unfall im Kleinkindalter seinen Penis verloren. Auf den Rat von Dr. John Money erhielt er keine männliche Rekonstruktionsplastik, sondern er wurde zum Mädchen umoperiert einschließlich der Entfernung seiner gesunden Hoden und entsprechend erzogen. Aufgrund positiver Kurzzeituntersuchungen dieses einen Falls entstand der Standard zur operativen Geschlechtszuweisung für intersexuelle Kleinkinder und für Jungen mit unfallbedingtem Penisverlust im Kleinkindalter.

Da nur ein einziger Fall die Grundlage von dessen Durchsetzung bildete und nicht eine ausreichende Zahl von Langzeitexperimenten, ist er über das Experimentierstadium nie hinausgewachsen. Selbst dieser eine Fall hat sich als Misserfolg herausgestellt. Im Jahr 1994 fand der Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Milton Diamond (Universität Hawaii) heraus, dass der damals ohne seine eigene Einwilligung umoperierte Junge seit 1980 wieder in der männlichen Rolle lebte, und auf eigenes Drängen, soweit es medizinisch noch möglich war, wieder zum männlichen Geschlecht angeglichen worden war. 1997 wurde die Wahrheit über seinen Fall der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Im Jahre 2000 begingen erst der normal aufgewachsene Zwillingsbruder und dann der damals unter dem “John/Joan-Fall” berühmt gewordene Mann Selbstmord.

Dr. John Money hat in seiner “Zeitfenster-Theorie” die Geschlechtsidentität (welchem Geschlecht sich jemand zugehörig fühlt) mit dem Geschlechtsrollenverhalten verwechselt. Das Rollenverhalten, also ob sich jemand so verhält, wie es für einen Jungen oder ein Mädchen typisch ist, kann anerzogen werden, nicht aber die Geschlechtsidentität.

Nach dem „Standard“ von Dr. John Money muss die Herstellung eines geschlechtlich eindeutigen Aussehens innerhalb des “Zeitfensters” erledigt sein. Viele medizinische Texte stufen den Entscheidungsfindungsprozess der Eltern bzgl. deren Einwilligung zu geschlechtszuweisenden Operationen an ihren Kleinkindern als medizinischen Notfall ein. Money befürchtete, dass die Eltern traumatisiert sein könnten, wenn sie ihr Kind mit intersexuellem Genital sehen und es dann nicht annehmen würden. Oft werden den Eltern nach diesem Standard unvollständige Informationen über die genaue med. Beschaffenheit des Kindes vermittelt. So wurde empfohlen, den Eltern mitzuteilen, ihr Kind sei geschlechtlich unvollständig auf die Welt gekommen, und die Medizin könne es vervollständigen. Diese „Lehrmeinung“, die keine ist, hält sich hartnäckig bis zum heutigen Tage, obwohl es sehr wohl andere Lehrmeinungen gab. So vertrat bereits 1957 und 1961 Prof. Dr. Overzier, das die Entfernung der Gonaden z.B. bei AIS unnötig, ja sogar schädlich sei. Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf.

Die Berichterstatterinnen bemängeln die Verstöße der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der Verpflichtung zum Einschreiten gegen diskriminierende Gepflogenheiten Der Staat kommt seiner Verpflichtung nicht nach, mit allen geeigneten Mitteln unverzüglich eine Politik zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau zu verfolgen (Art. 2 Uno-Frauenrechtskonvention). Zu diesen Mitteln gehören “gesetzgeberische und sonstige Maßnahmen”. Dazu gehören auch Maßnahmen zur Änderung oder Aufhebung von “Gepflogenheiten” (wie z. B. med. Standards) und “Praktiken” (Art. 2 f Uno-Frauenrechtskonvention). Die Bundesrepublik Deutschland wäre nach Ansicht der Berichterstatter verpflichtet, durchzusetzen, dass Dr. Money's med. Versuch durch einen besseren Standard ersetzt wird, der die Frauenrechte nicht mehr verletzt.


Schlecht, schlechter, Geschlecht

Wer mit Genderforscherinnen ins Gespräch kommen will, darf sich nicht daran stören, dass das Wort "männlich" durchgängig negativ besetzt ist. Muss man die Jungs einfach dazu bringen, sich wie Mädchen zu verhalten – ist das die Lösung? Und kann es wirklich sein, dass viele Mütter ihren Söhnen schon als Babys beibringen, schwierige Raufbolde zu werden? Was ist denn mit den Müttern los? Als ich versuche, ein paar wissenschaftliche Studien über Jungs aus meinem Gedächtnis hervorzukramen, sagt Hannelore Faulstich-Wieland: "Naturwissenschaft ist eine Konstruktion."

Erst als wir uns schon getrennt haben, fällt mir ein, dass es ja eigentlich eine Abwertung der Männer darstellt, wenn es heißt, mehr Frauen sollten Professorinnen werden. Leisten Professoren keine gute Arbeit? Jedenfalls ist der Fachbereich Pädagogik fest in weiblicher Hand, im Studentencafé sitzen fast nur Frauen, alle in Gruppen, plaudernd. Die beiden einzigen Studenten hocken allein in der Ecke und befassen sich mit ihrem Laptop.
Wenn diese beiden Studenten Ingenieur oder Informatiker werden wollten, wäre die Lage umgekehrt. Sie hätten fast nur männliche Kommilitonen und beinahe ausschließlich männliche Professoren. Die Universitäten suchen händeringend Männer, die Grund- und Hauptschullehrer werden möchten. Gleichzeitig versuchen sie, mehr Frauen in die Naturwissenschaften zu locken. Bei den Ingenieuren sind in Deutschland nur 9 Prozent der Professoren weiblich, in den Geisteswissenschaften sind es 30.

Robert Plomin hat das Aufwachsen von 3000 zweieiigen Zwillingen beobachtet, Jungen und Mädchen, die in derselben Familie aufwuchsen. Im Alter von zwei Jahren war der Wortschatz der Mädchen bereits deutlich größer. Die Neurowissenschaftlerin Doreen Kimura hat einen Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel, Berufswahl und räumlichem Vorstellungsvermögen nachgewiesen – bei Männern und Frauen. Den höchsten Testosteronspiegel haben übrigens Schauspieler, Bauarbeiter und Langzeitarbeitslose, den niedrigsten haben Geistliche. Der Osloer Kinderpsychiater und Verhaltensforscher Trond Diseth hat neun Monate alten Babys in einem nur von Kameras überwachten Raum Spielzeug zur Auswahl angeboten, Jungs krochen auf Autos zu, Mädchen auf Puppen. Der Evolutionsbiologe Simon Baron-Cohen, ein Vetter des Filmemachers Sascha Baron-Cohen, hat die Reaktionen von Neugeborenen erforscht, da kann die Gesellschaft noch nichts angerichtet haben: Mädchen reagieren stärker auf Gesichter, Jungen auf mechanische Geräte. Richard Lippa hat 200.000 Menschen in 53 Ländern nach ihren Traumberufen gefragt, Männer nannten häufiger "Ingenieur", Frauen häufiger soziale Berufe. Die Ergebnisse waren in so unterschiedlichen Ländern wie Norwegen, den USA und Saudi-Arabien erstaunlich ähnlich. Wenn es wirklich einen starken kulturellen Einfluss auf die Berufswahl gäbe, sagt Lippa, dann müssten die Ergebnisse je nach kulturellem Kontext schwanken.

Der Hirnforscher Turhan Canli, ein Amerikaner, hat festgestellt, dass Frauen emotionale Ereignisse meist in beiden Hirnhälften speichern, Männer nur in einer. An einen Ehestreit oder den ersten Kuss können sich Männer deshalb im Durchschnitt nicht so gut erinnern wie Frauen. Wenn auf Fotos Gesichter zu sehen sind, traurige oder fröhliche, dann entschlüsseln Männer die Emotionen der abgebildeten Personen im Durchschnitt schlechter. Mein Lieblingsexperiment hat Anne Campbell an der Universität Durham veranstaltet: Männer und Frauen wurden zu einem Test eingeladen. Dann teilte man ihnen mit, dass sie schmerzhafte Elektroschocks erdulden müssten. Es dauere noch ein paar Minuten. Die Frauen warteten gemeinsam, in Gruppen. Die Männer warteten lieber alleine.

Die Wissenschaft ist sich einig: Geschlechterunterschiede sind zum Teil sicher anerzogen. Vieles hängt aber auch mit der Evolution und mit den Hormonen zusammen. Ist das alles wirklich nur Ideologie? Gibt es eine Art Weltverschwörung, gegen die Genderforschung? Und wenn ja: Wo bleiben eigentlich die Gegenstudien? Genderprofessorinnen gibt es doch reichlich.

Im Grunde ist die Genderdebatte nur eine Variante der uralten Diskussion über das, was ein Individuum zu einem Individuum macht, die Umwelt oder das Erbe. Was ist genetisch determiniert, was ist von den Eltern anerzogen, was geht auf den Einfluss der Gesellschaft zurück?

An der Berliner Charité wird medizinische Genderforschung betrieben, zur Frage, warum Frauen und Männer für Krankheiten unterschiedlich anfällig sind. Im Regelfall aber ist diese Wissenschaft eher theoretischer Natur. Das hängt stark mit John Money zusammen, einem amerikanischen Sexualforscher, der die Gendertheorie in den fünfziger Jahren miterfunden hat. Um seine These zu beweisen – Geschlecht ist nur erlernt –, hat Money den zweijährigen Bruce Reimer 1966 von seinem männlichen Genital befreit und als Mädchen aufwachsen lassen. Der Penis des Kindes war bei der Beschneidung verletzt worden, deshalb ließen sich die Kastration und die Herstellung von Schamlippen wohl als eine Art "Therapie" darstellen. Eine Ethikkommission wurde offenbar nicht konsultiert. Alice Schwarzer hat dieses nicht sehr menschenfreundliche Experiment als eine der wenigen Forschungen zum Geschlechterverhältnis gewürdigt, die "nicht manipulieren", sondern "aufklären". Der erwachsene Reimer ließ die Umwandlung rückgängig machen und erschoss sich. Seitdem muss die Theorie ohne Beweisversuche auskommen. Geschadet hat das ihrer Verbreitung nicht wirklich.

Uta Brandes ist Professorin für Gender und Design in Köln, seit 1995. Eine ihrer früheren Studentinnen heißt Gesche Joost und gehört jetzt zum "Kompetenzteam" des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. In den neunziger Jahren hat die SPD-Ministerin Anke Brunn jeder Hochschule in Nordrhein-Westfalen eine neue Professorenstelle versprochen, vorausgesetzt, es handelte sich um eine Genderprofessur. Das führte zu einem Boom.

Wir reden über Stehlampen. Uta Brandes hat einmal erklärt: "Alles, was aufrecht steht, ist eher männlich." Sie sagt, dass sie auch Kirchtürme zu phallisch findet, so ein Kirchturm penetriere das Dorf geradezu. Ich sage, dass man die Kirchenuhr im Dorf halt schlecht sehen kann, wenn man sie in einer Höhle unterbringt. Sie lacht. 1960 wurde ja auch die erste nicht phallische Stehlampe entworfen, die bogenförmige Arco von Castiglioni. Es geht also. Ein Kirchbogen statt eines Kirchturms, warum nicht.

Uta Brandes hat unter anderem das Verhalten an Fahrkartenautomaten erforscht, sie ist also keine Theoretikerin. Männer haben an Automaten weniger Angst vor Misserfolgen, Methode "Trial and Error". Frauen überlegen länger, bevor sie einen Knopf drücken. Die Ergebnisse lassen einen irgendwie an Peer Steinbrück und Angela Merkel denken. Brandes befasst sich auch damit, wie man ein alltagstaugliches Statussymbol für mächtige Frauen gestalten könnte. Eine große, höhlenartige Handtasche wäre eine Möglichkeit. Sie hat außerdem vorgeschlagen, dass die englischen Wörter teacher und professor, die für Männer und Frauen gelten, eine weibliche Form bekommen, teacheress und professoress. "Frauen müssen in der Sprache sichtbar sein", sagt sie. Aber die Engländer lassen sich in ihre Sprache natürlich ungern von einer deutschen Professorin hineinreden. In Deutschland könnte man es durchsetzen, denke ich. Die Inder haben ja auch ein eigenes Englisch. Zum Abschied sage ich: "Na, zur Fortpflanzung wird man die Männer und dieses ganze phallische Zeugs jedenfalls weiterhin brauchen." Uta Brandes lacht und sagt: "Wer weiß, wie lange noch."

Mit den Auswirkungen des Teufelszeugs Testosteron hat sich besonders intensiv die kanadische Psychologin Susan Pinker befasst, ihr Buch Das Geschlechter-Paradox wurde in viele Sprachen übersetzt. Testosteron macht Menschen risikofreudiger und kräftiger, Männer haben meistens mehr davon. Leider macht es auch kurzlebiger, weil es das Immunsystem schwächt. Postoperative Infektionen verlaufen bei 70 Prozent der Männer tödlich, aber nur bei 26 Prozent der Frauen, daran sind weder die Ärzte schuld noch die Gesellschaft. Warum haben relativ viele Jungs Probleme in der Schule? Oft hängt es – das verdammte Testosteron! – mit mangelnder Disziplin zusammen. Mädchen halten sich, im Durchschnitt, eher an die Regeln. Andererseits könnte man eine lange Liste von spektakulären Schulversagern zusammenstellen, die später sehr hübsche Karrieren zustande gebracht haben, darunter Charles Darwin. Ab einem gewissen Punkt der Biografie ist das Testosteron wieder nützlich, bei manchen zumindest.
Frauen und Männer haben im Durchschnitt den gleichen Intelligenzquotienten. Aber am oberen und am unteren Ende der Skala finden sich mehr Männer, sie sind extremer, oder, wie Pinker einen Kollegen zitiert: "Bei den Männern gibt es mehr Genies und mehr Idioten." Noch schöner hat es die Kulturhistorikerin Camille Paglia gesagt: "Ein weiblicher Mozart fehlt, weil es auch keinen weiblichen Jack the Ripper gibt." Extremes Verhalten und obsessive Fixierung auf eine bestimmte Sache – so was ist eher ein Männerding. Der Typ, der Amok läuft, um sich für eine Kränkung zu rächen: fast immer ein Mann. Der Mensch, der eine 90-Stunden-Woche nach der anderen herunterschrubbt, weil er Chef werden will, und am Ziel tot umfällt: wahrscheinlich ein Mann. Ein extremer Einzelgänger und Hypochonder, der Klavier spielt und sonst fast nichts tut: Glenn Gould. Ein Mensch, der in jeder freien Minute Wörterlisten auswendig lernt, nur weil er, völlig sinnlos, Scrabble-Weltmeister werden will: Joel Wapnick. Wer sich einen Sonderling oder einen Eigenbrötler mal genauer anschaut, entdeckt fast immer einen Penis.

Das Geschlechter-Paradox besteht darin, dass sich in freien Gesellschaften mit ausgeprägten Frauenrechten nicht weniger, sondern mehr Frauen für angeblich typische Frauenberufe entscheiden, soziale oder kreative Berufe. Wenn Frauen die Wahl haben, tun sie eben nicht das Gleiche wie die Männer. Sie werden, ohne Druck, im Durchschnitt lieber Ärztin, Lehrerin oder Journalistin als Statikerin, Ingenieurin, Schachprofi oder Patentanwältin. Über Individuen sagen solche Statistiken natürlich nichts aus, es kann auch hervorragende, glückliche Notarinnen geben und Physik-Nobelpreisträgerinnen. Wer aber glaubt, dass wir alle dem gleichen Normgeschlecht angehören und deshalb überall in der Gesellschaft ein Verhältnis von 50 zu 50 herrschen muss, der kann dies, laut Susan Pinker, nur mit staatlichen Zwangsmaßnahmen erreichen. Weder Hannelore Faulstich-Wieland noch Uta Brandes kannten ihre Kollegin Susan Pinker.
Ich bin dann, um von der Theorie in die Praxis zu wechseln, nach Braunschweig gefahren. Maybritt Hugo, Jahrgang 1960, arbeitet dort seit 1992 als städtische Gleichstellungsbeauftragte. Vorher hat sie Politik und Germanistik studiert und war Fraktionsgeschäftsführerin bei den Grünen. In Behörden und Kommunen gibt es inzwischen etwa 1900 Gleichstellungs- oder Frauenbeauftragte. Der Posten muss weiblich besetzt werden, dazu existiert ein Gerichtsurteil. Die Beauftragte ist nur dem Oberbürgermeister unterstellt, sonst niemandem, sie hat Zutritt zu fast allen Gremien, darf ohne Genehmigung der Betroffenen alle Personalakten einsehen, ohne Rücksprache die Presse kontaktieren, bei jeder Einstellung mitreden. Eine ihrer Aufgaben ist es, den Anteil der Frauen im Personal – vor allem im Führungspersonal – zu steigern und die sich selbst rekrutierenden Männerlobbys aufzubrechen.

Maybritt Hugo hat bei der Braunschweiger Feuerwehr etwas Wichtiges erreicht. Beim Eignungstest sind die Bewerberinnen fast immer durchgefallen. Das lag unter anderem an den Klimmzügen. Frauen fallen Klimmzüge schwerer als Männern. Außerdem wurde von allen Bewerbern eine abgeschlossene handwerkliche Ausbildung verlangt. Inzwischen dürfen Bewerber, um ihre Kraft unter Beweis zu stellen, einen schweren Kanister eine Treppe hochtragen, und die Feuerwehr akzeptiert auch eine Ausbildung im Gesundheitswesen. Seitdem steigt die Zahl der Feuerwehrfrauen.

Ich frage, wie eine Gleichstellungsbeauftragte mit Bereichen umgeht, in denen die Männer benachteiligt sind. Obdachlosigkeit zum Beispiel. 70 bis 80 Prozent der Obdachlosen sind Männer. Maybritt Hugo antwortet sehr freundlich, dass die Statistik ein falsches Bild ergebe. Frauen seien genauso von Obdachlosigkeit betroffen. Sie würden dann eben bei Freundinnen oder Verwandten unterschlüpfen. Obwohl sie es nicht ausspricht, es klingt schon ein bisschen so, als seien obdachlose Männer selber schuld. Warum sind Männer nicht einfach ein bisschen kommunikativer, sozialer – weiblicher eben? Dann frage ich, ob es schon einen Fall sexueller Belästigung eines Mannes durch eine Frau gegeben hat, in Braunschweig. Tatsächlich, so etwas gab es. Ein Mann hat sich beschwert. Er wurde nicht angegrapscht, aber, nach seiner Darstellung, von einer Chefin immer wieder verbal angemacht und auch herabgesetzt. Und, wie ging der Fall aus? Sie weiß es nicht genau. "Ich glaube, er hat seinen Job einfach weitergemacht." Das war bei Frauen früher auch üblich, heute wehren sich zum Glück viele und gehen zur Gleichstellungsbeauftragten.
Inzwischen habe auch ich, wie die Genderforschung, eine Theorie. Ich glaube, ich weiß, warum selbst bestens belegbare Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Geschlechterforschung von vielen Genderfrauen abgelehnt oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen werden. "Natur" war, jahrtausendelang, ein Totschlagargument der Männer. Frauen konnten angeblich dieses nicht und jenes nicht, sie galten als eitel, dumm, schwach, hysterisch, zänkisch, schwatzhaft und charakterlich fragwürdig. Das alles kam im Gewande der wissenschaftlichen Erkenntnis daher. So wie man auch für wissenschaftlich belegt hielt, dass man Mörder an ihren Augenbrauen und Vergewaltiger an ihren Ohrläppchen erkennen könne. Immer hingen die angeblichen Defizite der Frauen mit ihrer angeblichen Biologie zusammen, und meistens ging es dabei darum, die Macht der Männer ideologisch zu begründen. Wenn früher von Unterschieden zwischen Männern und Frauen die Rede war, dann lief es immer darauf hinaus, dass Frauen die Schlechteren sind und Männer die Besseren. Die Genderfrauen ziehen daraus den Schluss, dass biologische Forschung insgesamt ein Herrschaftsinstrument der Männer sein muss. Deshalb sagen sie: Es gibt keine Unterschiede, basta. Warum? Weil es einfach keine geben darf. Genderforschung ist wirklich eine Antiwissenschaft. Sie beruht auf einem unbeweisbaren Glauben, der nicht in Zweifel gezogen werden darf.

In Wirklichkeit ist die Biologie längst weiter. Sie kann zeigen, dass Männer und Frauen in vielen Bereichen gleich sind, in anderen verschieden. Sonst wäre die Evolution ja sinnlos gewesen – wozu zwei Mal das gleiche Modell entwickeln? Beide Geschlechter haben Stärken und Schwächen, die sich ergänzen, und ganz sicher ist keines "besser" als das andere. Wenn ein Mann und eine Frau zusammen in Urlaub fahren wollen, wird in 80 Prozent der Fälle sie noch schnell das Gespräch mit einem schwierigen Handwerker führen, während er den Kofferraum belädt. Das ist nicht sexistisch, das ist klug.




Sexuelle Erziehung von Kindern, oder Missachtung jeglicher Rechte? // Sexual education of children, or ignoring any rights?

Sexuelle Erziehung von Kindern, oder Missachtung jeglicher Rechte? //  Sexual education of children, or ignoring any rights?

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Sexuelle Erziehung von Kindern

John William Money (* 8. Juli 1921 in Morrinsville, Neuseeland; † 7. Juli 2006 in Towson, Maryland, USA) war ein klinischer Psychologe und Sexologe.

Schwerpunkte seiner Arbeit waren Entwicklungssexologie, insbesondere die Entwicklung der Geschlechtsidentität, sexueller Orientierungen, Vorlieben und Paraphilien, sowie Intersexualität und Psychoendokrinologie.

Seine Forschungstätigkeit beinhaltete langfristige Verlaufsstudien über Kinder und Jugendliche, die von unterschiedlichen endokrinen und intersexuellen Syndromen betroffen waren.
 Money führte die Begriffe „Geschlechtsidentität“ (engl. gender identity) und „Geschlechterrolle“ (engl. gender role) ein.

Er wird zu den besonders einflussreichen US-amerikanischen Sexualwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts gezählt

Nun wie wir sehen können wurde Er im Jahr 1921 geboren, was für eine Zeit diese, was alles Gutes wie schreckliches geschah in dieser Zeit!

Nach einem Doppelabschluss 1944 an der Victoria University of Wellington migrierte der gebürtige Neuseeländer Money 1947 in die Vereinigten Staaten und studierte Psychologie an der University of Pittsburgh. Er erwarb 1952 seinen Doktor der Psychologie an der Harvard-Universität. Money war Professor für medizinische Psychologie an der Johns-Hopkins-Universität von 1951 bis zu seinem Tod.

Money riet 1967 den Eltern des knapp zwei Jahre alten Jungen Bruce Reimer, ihren Sohn einer feminisierenden Operation zu unterziehen, nachdem dessen Penis bei einer medizinisch indizierten Zirkumzision versehentlich irreparabel verletzt worden war.

Im Alter von 22 Monaten wurden daraufhin die noch vorhandenen Hoden entfernt (Orchiektomie) und aus der Haut des Hodensacks rudimentäre Schamlippen geformt.

Darüber hinaus wurde das Kind etwa ab dem 12. Lebensjahr mit weiblichen Hormonen behandelt.
Man sah dies als Gelegenheit, zu beobachten, ob das Kind sich anders entwickeln würde als sein Zwillingsbruder. „Brenda“, wie Bruce nun genannt wurde, nahm das ihm zugewiesene Geschlecht jedoch nicht an.

Das Kind wollte keine Mädchenkleidung tragen und nicht mit Mädchenspielzeug spielen. Mit 14 Jahren erfuhr er, dass er als Junge auf die Welt gekommen war und ließ die „Geschlechtsumwandlung“ rückgängig machen. Fortan nannte er sich David.

Im Frühjahr 2004 beging Reimer Suizid. Zwei Jahre zuvor war sein Zwillingsbruder durch eine Medikamentenüberdosis gestorben.

Der „John/Joan-Fall“ diente zunächst als Beleg für die soziale Wahlmöglichkeit von Geschlecht.
 So schrieb Alice Schwarzer 1975, dass „die Gebärfähigkeit auch der einzige Unterschied ist, der zwischen Mann und Frau bleibt. Alles andere ist künstlich aufgesetzt.“ Das Experiment von Money würdigt sie als eine der „wenigen Ausnahmen, die nicht manipulieren, sondern dem aufklärenden Auftrag der Forschung gerecht werden.“[4] Davids Mutter sagte im Gegensatz dazu, sie glaube, dass ihr Sohn noch am Leben wäre, wenn er nicht das Opfer jenes „katastrophalen Experiments“ geworden wäre, das bei ihm so viel Leid verursacht habe.

Bei der 2004 erschienenen Schrift Undoing Gender (deutsch Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen) stellt Judith Butler ihren Begriff der Performativität am Schicksal David Reimers dar.

Die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, für die Money arbeitete, verlieh ihm 2002 die Magnus-Hirschfeld-Medaille – wie zuvor schon auch seinem Kritiker Milton Diamond.

Die Hypothese, dass soziale Einflüsse die Geschlechtsidentität bestimmen, wurde widerlegt:

Nachdem bekannt geworden war, dass John Money viele Jahre lang Beweise zurückgehalten hatte, die belegten, dass seine Theorien falsch waren, wendete sich die medizinische Fachwelt schnell von ihm ab. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte war der Fall von "John/Joan", nachzulesen im Buch As Nature Made Him: The Boy Who Was Raised as a Girl von John Colapinto.


Die zugrundeliegende Theorie war, "sie" würde dann wie ein normales Mädchen aufwachsen und nicht als ein "verstümmelter Junge".


 Das war ein bemerkenswerter Fall für Forscher, denn das Kind hatte einen eineiigen Zwilling, der als Vergleich dienen konnte. Als erster Schritt wurde das Kind kastriert und der Rest des Penis entfernt.
 Es wurde dann als Mädchen aufgezogen.

Das Kind hatte jedoch immer eine männliche Geschlechtsidentität und erklärte, dass es ein Junge sei und wehrte sich gegen Bemühungen, ihm mädchenhafte Verhaltensweisen aufzuzwingen.
Viele Jahrzehnte behauptete John Money, dass der John/Joan- Fall ein Erfolg gewesen wäre, indem er Fakten erfand. Niemals "erlaubte" Money Jemandem, an "Joan" heran zu kommen, um mehr Details über ihr Leben zu erfahren. Er gab an, das geschehe zum Schutz des Privatlebens. Der Fall wurde so berühmt, dass er der Eckpfeiler für Moneys gesamte Theorie wurde.

Dann kam die erschütternde Nachricht, dass John Money genau gewusst hatte, dass die Geschlechtsänderung des Kindes nicht erfolgreich war.

Schlimmer noch, Money hatte Beweise, die seine Theorie widerlegten, Jahrzehnte lang zurückgehalten - Jahrzehnte, in denen Tausende von Kindern genital verstümmelt worden waren.
Es war Professor Milton Diamond, der Wissenschaftler, der als Absolvent bereits Jahrzehnte früher gegen Moneys Theorie auftrat, der den Betrug entdeckte.

" - - - Seine Geschichte hat die Anschauungen, die auf John Moneys Theorien aus den 50ger Jahren basieren, bis in die Grundmauern erschüttert. Ein zentraler Fehler in der Theorie, der die meiste Zeit des zwanzigsten Jahrhunderts herumgeisterte, wurde aufgedeckt. Es war Sigmund Freud, der als erster behauptete, dass eine gesunde psychologische Entwicklung des Kindes als Junge oder Mädchen zum großen Teil vom Vorhandensein oder Nicht- Vorhandensein des Penis abhängt - diese Behauptung war zentral in Moneys Theorie zur sexuellen Entwicklung und der hauptsächliche Grund, dass John Thiessen zum Mädchen gemacht wurde. Heute wird diese Behauptung auch von der neurobiologischen Forschung in Frage gestellt. Das führt Wissenschaftler zu der Schlussfolgerung, dass (wie Dr. Reiner ausführt) "das wichtigste Geschlechtsorgan nicht die Genitalien sind, sondern das Gehirn ..."
„Wie war mein Name?“

Kann ein normaler Junge als Mädchen aufwachsen, wenn sein Penis gravierend verletzt wurde? Triumphiert die Erziehung? Schlägt die Biologie durch? Das Experiment eines US-Forschers hatte für einen eineiigen Zwilling fatale Folgen. 

Für den New Yorker Journalisten John Colapinto war die Geschichte des Zwillings Bruce Reimer der Fall seines Lebens. Nach minutiösen Recherchen schrieb er über das Schicksal des Jungen ein faszinierendes Buch: "As nature made him"*. Die deutsche Übersetzung wird Ende Juli im Düsseldorfer Patmos-Verlag erscheinen.

Es ist die Geschichte eines verzweifelten Kindes, das sich gegen die Macht der Sozialisation wehrte, eine moderne Heldengeschichte von archaischem Format, auch eine Geschichte von wissenschaftlicher Arroganz und Rivalität, zugleich die Geschichte eines tragischen Irrtums: Denn alle wollten nur das Beste für das Kind.

Die Geschichte begann im kanadischen Winnipeg am Red River mit der Liebe zwischen zwei Teenagern aus dem Arbeitermilieu. Beide stammten aus Mennoniten-Familien, aber lösten sich im Sog der aufziehenden Rock-''n''-Roll-Ära aus der Tradition ihrer Elternhäuser.
Es war für beide der erste Sex, und als sich Folgen herausstellten, heirateten Janet und Ron Reimer, sie war 18, er 19 Jahre alt. Am 22. August 1965 wurden ihre eineiigen Zwillingssöhne geboren, erst Bruce, zwölf Minuten später Brian. Der Vater brachte seine Familie als Arbeiter in einer Fensterfabrik und später auf dem Schlachthof durch.

Weil sich die junge Mutter so aufmerksam um die Kinder kümmerte, nahm das Verhängnis seinen Lauf. Ihr fiel auf, dass die Zwillinge nicht weinten, weil ihre Windeln nass waren, sondern schon beim Pipimachen. Der Kinderarzt diagnostizierte eine Vorhautverengung (Phimose) und riet zur Beschneidung. Als die Zwillinge ins St. Boniface Hospital gebracht wurden, waren sie acht Monate alt. Während in Winnipeg ein legendärer Blizzard tobte und in das angebrochene Frühjahr 1966 Unmengen Schnee schüttete, wurde der erste Zwilling narkotisiert, zufällig Bruce.

Der erfahrene Operateur Dr. Jean-Marie Huot führte einen Elektrokauter (ein Gerät, das zum Verschmurgeln von Blutgefäßen dient, um Nachblutungen zu verhindern) an die Vorhaut des Babys, aber der Mechanismus versagte: zweimal null Reaktion. Beim dritten Versuch war ein zischendes Geräusch zu hören, und Grillgeruch lag in der Luft des OP.
Die entsetzten Eltern fanden Bruce in der Abteilung für Verbrennungen wieder, sein geschwärzter Penis wirkte auf den Vater leblos wie ein "Stück Holzkohle". Das malträtierte Organ trocknete und brach nach ein paar Tagen in Stücken ab. Als Entschädigung zahlte das St. Boniface Hospital 66 000 Dollar. Schmerzliche Ironie der Geschichte: Bei Brian, den die Ärzte nach dem Unglück nicht angetastet hatten, gab sich die Vorhautverengung von selbst.

Die Eltern suchten eine Kapazität nach der anderen auf, aber die Chirurgen konnten ihnen keine Hoffnungen machen, die bitterste Prognose kam von einem Psychiater: Bruce werde in der Pubertät ein Trauma seiner Unvollständigkeit erleben und erkennen, "dass er abseits leben muss".

Der Vater schreckte nachts aus Alpträumen auf, in denen er Dr. Huot erdrosselte. Da kam wie ein himmlischer Fingerzeig der berühmte Professor John Money vom Bildschirm in das ärmliche Wohnzim- mer der Reimers. Eloquent beschrieb der Psychoendokrinologe vom Johns Hopkins Hospital in Baltimore die Leiden von Menschen, die sich im Gefängnis eines falschen Körpers fühlten und Erlösung durch eine Geschlechtsumwandlung erfuhren.

Durch Moneys Inspiration nahm seinerzeit die Johns Hopkins University bei der Behandlung von Transsexuellen eine Pionierstellung ein. Von da aus ging der Anstoß für die Akzeptanz derartiger Operationen in das medizinische Establishment des Westens. Dann sahen die Reimers Diane, eine attraktive Blondine auf hohen Hacken, die vor kurzem ein Richard war. Am Ende der Fernsehsendung erwähnte der charismatische Doktor noch seine Erfahrungen mit Kindern, die bei ihrer Geburt unvollständige Geschlechtsorgane hatten. Die Reimers waren fasziniert. Janet schrieb sofort an Money und schilderte den Fall von Bruce.

Der aus Neuseeland stammende Psychologe hatte über Hermaphroditen promoviert, jene seltsamen Wesen, die nach dem griechischen Götterboten Hermes und der Liebesgöttin Aphrodite benannt worden waren. Die Zwitter waren für ihn Wegweiser zu einem Opus magnum. Er schickte sich an, "altes und neues Wissen" aus der Genetik und Embryologie, aus der Hormon- und Hirnforschung, aus der Anthropologie, der Soziologie und der Psychologie zusammenzufassen und daraus eine Theorie über die Geschlechtsunterschiede im Verhalten abzuleiten.
Mit Spannung verfolgte er in der internationalen Forschung Experimente mit Fröschen und Fischen, Mäusen und Ratten, Kaninchen und Affen zu den ihn interessierenden Fragen. Eine Überprüfung beim Menschen verbot sich, wie er wiederholt betonte, "aus selbstverständlichen, ethischen Gründen". Umso dankbarer war er für Einblicke durch Experimente der Natur im Mutterleib (siehe Kasten Seite 128).

Bei zahlreichen Intersex-Menschen, wie Zwitter wissenschaftlich genannt werden, fiel Money ein merkwürdiges Phänomen auf: Aus Individuen mit den gleichen Genen und der gleichen hormonellen Vorgeschichte im Mutterleib waren sowohl Jungen als auch Mädchen geworden, je nachdem, für was sie nach der Geburt fälschlich oder richtig gehalten worden waren.
Erst in der Pubertät zeigten sich ernsthafte Probleme, aber dann konnten genetisch weibliche Jungen mit Testosteron behandelt werden: Sie entwickelten eine typisch männliche Statur und Bartwuchs. Dagegen modellierten Östrogene bei genetisch männlichen Mädchen den Busen und verteilten das Fett zu weiblichen Rundungen. Sexuell waren sie in der Regel, wenn auch nicht immer, am entgegengesetzten Geschlecht interessiert, also dem anderen, obwohl es genetisch das eigene war.

Daraus schloss der Wissenschaftler, dass der Mensch mit einer neutralen Identität auf die Welt kommt und fortan durch seine Umwelt, die sich an seinen äußeren Geschlechtsmerkmalen orientiert, gesagt bekommt, ob er Mann oder Frau werden soll.
Money sah ein offenes Tor bis zum 18. Lebensmonat, das sich dann allmählich schließt; wenn ein Kind die Sprache beherrsche, wisse es genau, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Danach sei eine Geschlechtsidentität nur noch schwer zu ändern, es sei denn, ein Intersex-Kind oder ein erwachsener Transsexueller will es unbedingt.

Die Rollen, in denen das normalerweise sehr sichere Gefühl "ich bin weiblich" oder "ich bin männlich" der Umwelt gegenüber ausgedrückt wird, hielt Money für flexibel. Er verwies auf verschiedene Kulturen, die ihre Geschlechterrollen höchst unterschiedlich ausgestalteten, aber alle gemeinsam bemüht waren, den Unterschied an sich zu betonen. Das hielt er - im Gegensatz zu postmodernen Verwirrungstendenzen - für unbedingt richtig. Auch die Entwicklung von Stolz auf das Geschlecht, in dem ein Kind aufgezogen wird, erschien ihm als sehr wichtig.
In illustren Wissenschaftszirkeln wurde Moneys Theorie, die er bereits in Aufsätzen skizzierte, begeistert aufgenommen. Aber ein unbekannter Nachwuchsforscher forderte die Koryphäe heraus. Milton ("Mickey") Diamond, Sohn jüdischer Emigranten aus der Ukraine, hatte an Hormonexperimenten mit Meerschweinchen mitgearbeitet. Sie ergaben bei den Föten eine geschlechtsspezifische Vorprägung im Gehirn. Daraus schloss er, dass auch beim Menschen das Tor keineswegs offen wäre.

Selbstverständlich wusste auch Money, dass die Hormongeschichte im Mutterleib Spuren im kindlichen Hirn hinterließ. Denn das war der Part seiner engsten Mitarbeiterin Anke Ehrhardt, einer aus Hamburg stammenden Kaufmannstochter. Am Johns Hopkins Hospital studierte sie die geheimnisvolle Macht der männlichen Androgene, und zwar an Mädchen, die als Föten unter ihrem Einfluss gestanden hatten, entgegen der Naturregel.

Alles, was die traditionellen Klischees für richtige Jungen vorsahen, war an diesen Mädchen zu beobachten. Sie verschmähten Puppen und liebten wilde, raumgreifende Spiele, natürlich auch Sport, sie waren ausgesprochen wettbewerbsorientiert und strebten in Kindergruppen nach Dominanz - zweifellos ein vorgeburtliches Androgen-Programm. Aber sie waren sicher als Mädchen identifiziert, und darin sah Money seinen Trumpf, schließlich hatten Diamonds Meerschweinchen keine Identität.

Trotzdem höhnte Diamond, er würde die Theorie des offenen Tors erst glauben, wenn Money "unverzüglich" einen Jungen mit normaler vorgeburtlicher Hormongeschichte vorweisen könne, der "erfolgreich zur Frau erzogen wird".

Genau das Experiment bot sich an, als der Brief aus Winnipeg kam. Money schrieb unverzüglich zurück, und Anfang 1967 reisten die Reimers mit den Zwillingen ins 2200 Kilometer entfernte Baltimore. Sie waren tief beeindruckt von Moneys Aura in seinem Arbeitszimmer: überall Orientteppiche, selbst über die Armstühle geworfen, und dann all die fremdartigen Aborigines-Plastiken, Phallus, Vulva, Brüste inmitten eines tropischen Pflanzenparadieses. "Ich schaute zu ihm auf wie zu einem Gott", erinnerte sich Janet Reimer.

Money riet bei Bruce genau zu dem Programm, das er für Zwitter mit Mikropenis entwickelt hatte, weil die chirurgische Rekonstruktion eines Penis höchst unbefriedigend war, eine Neovagina dagegen ein gutes Ergebnis versprach. An der Johns Hopkins University bestand reichlich Erfahrung, die Jungen gleich nach der Geburt zu kastrieren, äußerlich einem Mädchen anzugleichen, im Schulalter chirurgisch mit einer Vagina zu versehen und in der Pubertät mit Östrogenen zu feminisieren.
Die Reimers waren verwirrt und flogen wieder nach Hause. Ihr Kinderarzt in Winnipeg riet ab, aber ihre Überlegung, dass es ihr Kind als Mädchen leichter haben werde, als im Schatten seines unversehrten Zwillingsbruders zu stehen, gewann schließlich die Oberhand.
Die Eltern gaben Bruce den Namen Brenda Lee, ließen dem Kleinkind die Haare wachsen und brachten es im Alter von 22 Monaten, also während Moneys postuliertem Toresschluss, zur Kastration in das Johns Hopkins Hospital. Mit den Hoden verlor das Kind ein für alle Mal die Chance auf spätere Fruchtbarkeit. Der Penisstumpf wurde chirurgisch abgetragen, so dass sich äußerlich ein annähernd mädchenhaftes Erscheinungsbild ergab.
Die junge Mutter nähte aus dem weißen Satin ihres Hochzeitsgewandes für ihre neue Tochter das erste Kleidchen, aber Brenda versuchte, es sich vom Leib zu reißen. "O mein Gott, sie weiß, dass sie ein Junge ist." An diesen quälenden Gedanken sollte sich die Mutter bis heute erinnern. Dem Vater blieb unvergessen, wie Brenda seinen Rasierer haben wollte und unglücklich war, als sie hörte, dass sich Mädchen nicht rasieren. Obwohl sie mit Puppen überhäuft wurde, interessierte sie sich nur für das Spielzeug ihres Zwillingsbruders, besonders für Autos.

Als dominierender Zwilling haute sie zu, um Brian aus misslichen Lagen zu befreien. Sie pinkelte vorzugsweise im Stehen, obwohl sie das nicht durfte, weil so viel daneben- ging. Aber sie konnte, so schrieb die Mutter an Money, auch sehr feminin sein, immer dann, wenn sie ihren Eltern besonders gefallen wollte.

Als Brenda im Alter von vier Jahren zur ersten Nachuntersuchung zu Money gebracht wurde, schlug und trat sie um sich, weil sie sich nicht testen lassen wollte. Brian, als perfektes Vergleichsobjekt ebenfalls hoch gefragt, witterte, dass ihn und seine Schwester irgendein finsteres Geheimnis umgab, etwas, über das niemand sprach: "Wir waren wie Aliens", so drückte er dies Gefühl später aus.

Obwohl Brian nie am weiblichen Geschlecht von Brenda zweifelte, fiel ihm schon in der ersten Klasse auf, dass sie anders als alle anderen Mädchen war. Sie benahm sich grob und ungebärdig, sie wurde verspottet und ausgegrenzt - eine schmerzliche Erfahrung, die sich durch ihre ganze Schulzeit ziehen sollte.

Mit sechs Jahren malte sie beim Test im Johns Hopkins Hospital einen Jungen als Selbstbildnis. Money intervenierte auf seine Art. Nach seiner Theorie kreiste die Identität um den harten Kern des genitalen Unterschieds. Deshalb hielt er kindliche Sexspiele, "fucking games", wie er gern sagte, für förderlich im Sinn einer gesunden Entwicklung, Prüderie erschien ihm dagegen als schädliches Unheil. So zeigte er den Zwillingen Fotos von nackten Kindern. Was dann geschah, erinnerten sie noch als Erwachsene mit großer Scham. Money soll sie aufgefordert haben, sich auszuziehen. Zwei Szenen sind den beiden ins Gedächtnis gebrannt: Brenda mit gespreizten Beinen und Brian auf ihr, Brenda auf allen Vieren und Bruce von hinten über ihr.

1972, als Brian versetzt wurde, die unangepasste Brenda dagegen in der ersten Klasse sitzen blieb, veröffentlichte Money sein Opus magnum mit seiner Co-Autorin Anke Ehrhardt. 

In der Bundesrepublik erschien es als Rororo-Taschenbuch "Männlich - Weiblich". Darin wurde der sensationelle Zwillingsfall als Erfolgsgeschichte enthüllt. Moneys Theorie erregte wissenschaftliches Aufsehen in der westlichen Welt. 

Sie fegte bei gestandenen Medizinern, Soziologen, Psychologen und Philosophen das traditionelle Geschlechterbild hinweg, beflügelte die noch junge Frauenbewegung und erreichte in simpler Form über die Medien weite Kreise.

Mit sieben Jahren weigerte sich Brenda, nach Baltimore zu reisen, aber sie wurde durch einen Besuch von Disneyland bestochen. Um sie auf die Operation zur Anlage einer Vagina vorzubereiten, zeigte ihr Money Fotos von einer Hippie-Mutter bei ihrer Geburt. Aber die verstörte Brenda wollte kein "Babyloch". Money diagnostizierte eine tief sitzende Angst vor der Chirurgie. Brenda sah das, wenn die Erinnerung stimmt, ganz anders, ihre Gedanken kreisten um einen jungen Mann mit Schnurrbart und Sportwagen: So einer wäre sie zu gern geworden.
Wenig später, im Herbst 1973, traf sich eine Forscher-Creme in Dubrovnik zu einem Symposium über Geschlechtsidentität. Der Star Money und der als Fanatiker verschrieene Diamond gerieten über den Zwillingsfall in einen Streit, der nach einer Anrempelei zu einer Prügelei auszuarten drohte. Kollegen trennten die Kontrahenten. Sie repräsentierten zwei konkurrierende Lebensstile: Money, der lonely wolfe, der wegen seiner avantgardistischen Freizügigkeit von manch einem beneidet wurde; Diamond, der Familienmensch, der es zu vier Töchtern bringen sollte.

Vor der nächsten Reise nach Baltimore, 1974, hatte Brenda einen Nervenzusammenbruch. Sie konnte nur noch in einer Ecke hocken und heulen. Als sie nach ein paar Monaten Aufschub doch wieder Money gegenübersaß, murmelte sie unverständliche Antworten. Kaum dass er auf das Thema der Operation kam, rannte sie aus dem Raum.

Money legte den Eltern als Hausarbeit auf, sich vor Brenda nackt zu zeigen. Dass ihre Mutter plötzlich unbekleidet den Haushalt versah, verstörte das Kind. Die Reimers gingen mit den Zwillingen zum Nacktbaden an einen einsamen Fluss.
Auftragsgemäß sprach die Mutter immer wieder über die notwendige Operation. Verzweifelt über die Verschwörung ihrer Eltern und ihrer Hassfigur Money, rebellierte Brenda. Der schulpsychologische Dienst verzeichnete, dass sich ihre Verhaltensprobleme verschlimmert hätten. Auch Brian reagierte auf die Nöte seiner Schwester mit Niedergeschlagenheit. Eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die sie erhielt, wandte er sich von ihr ab, was er sich als Erwachsener nicht verzieh.

Als Versuch, den auf Brenda fixierten Argusaugen der Großeltern, Onkel, Tanten und Lehrer zu entkommen, verkauften die Reimers ihr Haus und zogen mit einem Wohnwagen aufs Land. Aber alles wurde nur noch schlimmer. Vater Ron realisierte, dass die Verwandlung seines Sohnes Bruce in Brenda nicht funktionierte, aber er konnte darüber nicht sprechen, stürzte sich als Workaholic in seinen Job bei einer Sägemühle und ließ sich abends vor dem Fernseher mit Bier volllaufen.
Der nächste Test im Johns Hopkins Hospital, den Brenda nur unter großem Zwang absolvierte, konfrontierte die Eltern mit einem neuen Problem. Nach Exploration der erotischen Phantasien der fast Zehnjährigen bereitete Money die Reimers darauf vor, dass sie möglicherweise eine lesbische Tochter aufzögen - zu viel für die schon fragile Familie.

In dem kleinen Wohnwagen herrschte eine Stimmung, die sich Brenda als Abfolge der immer gleichen Szene einschrieb: "Mama weinte und schrie, Papa trank." Janet Reimer geriet in eine Depression und rächte sich an ihrem verstummten Mann durch eine flüchtige Liebschaft. Vor lauter Schuldgefühlen versuchte sie, sich durch Schlaftabletten umzubringen. Ihr Mann fand sie gerade noch rechtzeitig und brachte sie ins Krankenhaus. Schließlich brannte auch noch der Wohnwagen aus.

Während die Reimer-Familie ihre tiefste Krise erlebte, erschien Moneys Theorie in einem populärwissenschaftlichen Werk. Der Zwillingsfall wurde kitschig mit Haarbändern und Rüschenblusen von "Daddy''s little Sweetheart" ausgeschmückt: "Ein dramatischer Beweis, dass die Option der Geschlechtsidentität bei der Geburt für normale Kinder offen ist."
Brenda merkte sehr wohl, dass sie der Grund der Familientristesse war. Wieder zurück in Winnipeg, versuchte sie, ihre Eltern aufzuheitern, indem sie sich "ladylike" benahm. Dagegen reagierte sich Brian mit Gewalttätigkeiten an anderen Kindern ab.

Schulpsychologen diagnostizierten bei Brenda "stark maskuline Interessen" und "Suizidgedanken". Der Psychiater Keith Sigmundson trommelte alle fachlichen Größen von Winnipeg zusammen und zeigte ihnen ein Video von dem Mädchen, das wie ein Junge war. Es herrschte Übereinstimmung, dass der mittlerweile in der wissenschaftlichen Literatur in vielen Facetten zitierte Fall bisher fehlgeschlagen, aber zu weit fortgeschritten war, um ihn rückgängig zu machen.

Also sollte weiter vorangeschritten werden, um Brenda schließlich doch zu einer weiblichen Identität zu verhelfen. Unter der Supervision von Sigmundson wurde sie einer weiblichen Therapeutin anvertraut. Money bedrängte diese brieflich, Brendas Widerstand gegen die Vaginaloperation zu brechen. Die Therapeutin scheiterte und reichte den Fall weiter. Die nächste Therapeutin kapitulierte vor dem Problem, dass Brenda wie eine Detektivin ihr Rätsel lösen wollte, aber genau das nicht sollte.

Ferngesteuert von Money, bekam Brenda kurz vor ihrem zwölften Geburtstag Östrogene verschrieben. Der Vater kam mit den Pillen, als ob sie ein Weihegeschenk wären: "Damit du einen Büstenhalter tragen kannst." Brenda wollte keinen Büstenhalter. Schon gar nicht den Busen, der ihr alsbald wuchs, während sie zugleich wie Brian in den Stimmbruch kam. So oft es ging, versteckte sie die Pillen unter der Zunge und spuckte sie ins Klo.

Noch einmal brachte sie die geballte therapeutische und elterliche Anstrengung 1978 in Moneys Sanktum. Als er ihr seine Hand auf die Schulter legte, flüchtete sie in Panik bis auf ein Hausdach. Wieder zu Hause, drohte sie mit Selbstmord, wenn sie noch einmal gezwungen würde, Money zu sehen. Die dritte Therapeutin riet, das Mädchen unverzüglich zu einem Jungen zu machen, aber die Eltern befürchteten, das Leben ihres Kindes zu riskieren.

Brenda tanzte auf Festen mit Jungens. Als der erste sie zu küssen versuchte, war es für sie wie "ein Nackenschlag". In der Verwirrung ihrer Gefühle glaubte sie, wahnsinnig zu werden. Dagegen erlebte sie auf einer Pyjama-Party von Mädchen, die sich ungeniert auszogen, wunderbare Wonnen, was noch verwirrender war.

Die vierte Therapeutin half Brenda schließlich aus ihren Selbstmordphantasien. Sie bestärkte das Kind, Money nicht mehr wieder zu sehen. Aber da kam er zu ihrem Entsetzen angereist, hielt einen Vortrag in Winnipeg und besuchte die Reimers. Die Zwillinge tauchten ins Kellergeschoss ab. Der illustre Gast verpasste sein Flugzeug und nächtigte auf einer Luftmatratze in dem bescheidenen Haus. Es war das letzte Mal, dass Brenda ihm begegnete.

Im Alter von 14 Jahren nahm sie ihr Schicksal in die eigenen Hände und hörte einfach auf, als Mädchen zu leben. In Jungsklamotten zog sie wie ein verschlampter Freak durch die Gegend, verspottet als "Höhlenfrau" oder "Gorilla". Sie pinkelte wieder im Stehen und wurde aus der Schultoilette erst von den Mädchen, dann den Jungs auf die Straße vertrieben.

Der Arzt, der fasziniert von dem großen Money Brendas Hormonbehandlung überwachte, erreichte seine Grenzen: 20 Minuten saß das verstockte Mädchen ihm gegenüber und weigerte sich, die Brust betasten zu lassen. Schließlich stellte er ihr die Frage ihres Lebens: "Willst du ein Mädchen werden oder nicht?" Ihre Antwort: "Nein." Der Arzt war zu Brendas Überraschung nicht ärgerlich, sondern sagte ruhig: "Okay, du kannst dich wieder anziehen." Unverzüglich setzte er sich mit der Therapeutin in Verbindung und überzeugte sie, dass dem Teenager endlich die Wahrheit gesagt werden müsse.

Das war die Aufgabe von Vater Ron. Er holte Brenda von ihrer Therapiestunde im Auto ab, spendierte ihr ein Eis und wirkte so nervös, dass sie ein Familiendesaster befürchtete. Während er sie in der Intimität des Wagens über ihr Schicksal aufklärte, sah sie ihren Vater zum ersten Mal in ihrem Leben weinen. Sie weinte nicht. Zorn, Ungläubigkeit, Erstaunen erschütterten sie, aber das alles überwältigende Gefühl war Erleichterung: "Plötzlich machte alles Sinn." Mit dem zerschmolzenen Eis in ihrer Hand stellte sie nur eine Frage: "Wie war mein Name?"
In einem kleinen Häuschen, in dem seine Mutter als Parkplatzaufseherin arbeitete, erfuhr Brian zur selben Zeit, dass seine Zwillingsschwester sein Bruder war. Vor Wut durchschlug er mit der Faust zwei Scheiben: "Scheiße, die ersten 14 Jahre meines Lebens waren eine Lüge."
Brenda nahm nach dem biblischen Kampf gegen Goliath den Namen David an. Kurz vor seinem 15. Geburtstag hatte er bei der Hochzeit eines Onkels den ersten Auftritt als Jüngling im Anzug. Hingebungsvoll tanzte er mit der Braut. Er bekam Testosteronspritzen und ließ sich den Busen wegoperieren.

Gleich nach der schmerzhaften Prozedur kaufte er sich ein Schießeisen für 200 Dollar. Gefährlich ausgestattet marschierte er ins St. Boniface Hospital und stellte Dr. Huot: "Wissen Sie, in welche Hölle Sie mich gestürzt haben?" Der Arzt realisierte, dass sein Patient mit dem verschmorten Penis vor ihm stand und fing still zu weinen an. David stürzte aus dem Raum und weinte sich am Ufer des Red River aus. Dann zerschmetterte er die Waffe mit einem Stein und warf sie in den Fluss.

Die Rekonstruktion eines rudimentären, nicht funktionstüchtigen Penis und nachfolgende Infektionen brachten ihn 18-mal ins Krankenhaus. Mit 18 Jahren bekam David das Schmerzensgeld ausgezahlt, inzwischen über 170 000 Dollar. Um Mädchen zu imponieren, kaufte er sich eine Karosse mit Bar und TV, die als rollendes Schlafzimmer ganz mit Plüsch ausgeschlagen war. Darin küsste er viele Mädchen, vermied aber mehr Intimität.
Der ersten richtigen Freundin gestand er sein Penisunglück. Sie plauderte das Geheimnis aus. Als David realisierte, dass die Mädchen über ihn kicherten, schluckte er den ganzen Vorrat der Antidepressiva seiner Mutter. Die Eltern fanden ihren bewusstlosen Sohn und fragten sich im ersten Anflug des Schocks, ob sie seinen Todeswunsch akzeptieren sollten. Dann brachten sie David schleunigst ins St. Boniface Hospital. Nach einem zweiten Selbstmordversuch rettete ihn Brian.

Eine 13-stündige Operation bescherte David im Alter von 22 Jahren einen einigermaßen funktionstüchtigen Penis. Er beneidete seinen Zwillingsbruder, der bereits verheiratet war und zwei kleine Kinder hatte. Aber er schlug sich mit dem Problem herum, ob er einer Frau seine Unfruchtbarkeit zumuten könnte.

Durch ein von Brian sorgfältig vorbereitetes Arrangement lernte David eine junge Frau kennen, deren Problem wie ein Puzzle-Teil zu dem seinen passte. Jane hatte drei Kinder von drei Vätern, weil sie grundsolide jedes Mal an die Liebe geglaubt und nicht abgetrieben hatte, aber immer wieder verlassen worden war. Die beiden feierten 1990 Hochzeit mit 130 Gästen. David adoptierte Janes Kinder und fand vor allem in seinem Sohn die verlorene Kindheit wieder.

"Mickey" Diamond, längst Professor für Reproduktionsbiologie an der Universität von Hawaii, hatte immer wieder nach Informationen über den Zwillingsfall gesucht und schließlich sogar per Inserat in einem Fachdienst behandelnde Ärzte gebeten, sich bei ihm zu melden. Angeregt durch eine BBC-Recherche, stieß er schließlich auf den Psychiater Sigmundson, dem Supervisor von Brendas Therapie.

Mit der Genehmigung von David, der zum ersten Mal von der wissenschaftlichen Bedeutung seines Schicksals erfuhr, veröffentlichten Diamond und Sigmundson den Fall 1997 unter dem Pseudonym "John/ Joan" in einer angesehenen Wissenschaftszeitschrift. Die beiden Autoren erlebten einen Ansturm von Journalisten und legten David eine lange Liste mit Interviewwünschen vor. Da er wie sein Vater ein Rock-''n''-Roll-Fan war, suchte er den unbekannten Vertreter des Magazins "Rolling Stone" aus. Colapinto interviewte David über hundert Stunden und wertete alle Protokolle über dessen Behandlung aus. Sein Artikel, ebenfalls unter dem John/Joan-Pseudonym, wurde preisgekrönt.
1998 präsentierte eine Wissenschaftlergruppe den Gegenfall. Der Junge aus Toronto, der seinen Penis ebenfalls bei einer Beschneidung verloren hatte, wurde bereits mit sieben Monaten im Johns Hopkins Hospital kastriert. Inzwischen 26 Jahre alt, äußerte die junge Frau keinen Zweifel an ihrer weiblichen Identität, beschrieb aber ihre Interessen als ausgesprochen maskulin: schon ihr Jungens-Spielzeug in der Kindheit und schließlich ihren handwerklichen Männerberuf. Zwar hatte sie sexuelle Erfahrungen mit drei Männern, aber es war ihr lieber, wenn sie ihre Unterhosen anbehielten. Ihre erotischen Phantasien kreisten um Frauenkörper. Von ihrem letzten Freund ging sie über in eine lesbische Beziehung.

Colapinto stieß bei seinen Recherchen noch auf die Fälle von zwei Jungen, deren Beschneidung in Atlanta misslungen war: an ein und demselben Tag, genau dem Tag von Davids 20. Geburtstag. Ein Elternpaar kassierte 22,8 Millionen Dollar Schadensersatz und reflektierte auf eine Penis-Rekonstruktion bei Sohn Antonio. Dagegen wurde "Baby Doe", wie das zweite Kind in den Gerichtsakten hieß, nach Moneys Programm zum Mädchen gemacht. Dabei war der Wissenschaftler durch eine Korrespondenz mit Janet Reimer, der er Persönliches wie seinen Prostatakrebs anvertraute, über David wohl informiert.

Money, inzwischen 78 Jahre alt und emeritiert, verweigerte zu Davids Fall jeden Kommentar. Aber indirekt nahm er doch Stellung: Als er zum Fall eines Jungen, dessen Penis von einem kleinen Hund abgebissen worden war, konsultiert wurde, hatte er keinen Rat mehr zu geben. Was immer er falsch gemacht haben mag, sein Werk enthält viele Erkenntnisse, die bis heute als richtig gelten.

Moneys Mitarbeiterin Anke Ehrhardt machte in den USA eine spektakuläre Frauen-Karriere als Professorin. Sie wurde in New York Chefin eines großen Forschungszentrums für die psychosozialen Folgen von Aids und förderte als Feministin begeistert Frauen. Auch andere Forscher aus Moneys Entourage besetzten Schlüsselpositionen im Wissenschaftsbetrieb.
Bei seinen umfassenden Recherchen kam Colapinto, inzwischen Vater eines Sohnes, auch in Kontakt mit Selbsthilfegruppen von Zwittern, die mit ihrer Geschlechtszuweisung und all den Operationen viele Schwierigkeiten hatten. Übers Internet formierte sich in den USA eine Bewegung von Intersex-Menschen. Ihre Ausläufer reichen inzwischen bis nach Deutschland, wo in der Regel ein Mikropenis unter 2,5 Zentimetern beim Baby abgeschnitten wird und eine Zuweisung zum weiblichen Geschlecht erfolgt.

Die Forderung von amerikanischen Intersex-Aktivisten trifft sich mit einer avantgardistischen medizinischen Linie, die Diamond und Sigmundson vertreten: Weg mit dem Messer in der Kindheit. Gleichwohl müsse in der dualen Geschlechterwelt eine sehr klare, wenn auch vorläufige Entscheidung getroffen werden, auf welche Seite das Kind gehört, und dann vorsichtig abgewartet werden, was es selber will.

Der über sein eigenes Schicksal hinausragende Kontext, auch Alpträume von "Baby Doe", bewogen David, in Colapintos Buch seine Anonymität zu lüften. Inzwischen 34 Jahre alt, blickt er gelassen in den "Abgrund von Dunkelheit" und auf die "Gehirnwäsche" in seiner Kindheit. Auch hat er Trost für seine noch immer von Schuldgefühlen zerfressenen Eltern übrig.
Durch die Kastration und die Östrogene in der Pubertät sieht er mit seiner zarten Haut ohne sonderlichen Bartwuchs sehr viel jünger und zierlicher aus als sein eineiiger Zwillingsbruder mit seiner wuchtigen Statur und einem dicken Schnurrbart - ein Unterschied, über den David gern witzelt: "Ich bin der junge coole Elvis, er ist der fette alte Elvis."

Sichtlich genoss er seinen ersten Fernsehauftritt in einer Talkshow. Seine öffentliche Mission geht gegen die phallische Arroganz, die ihn zur "Null" und zum "Nichts" absinken ließ: "Es ist nicht der Penis, der den Mann ausmacht."








Dienstag, 23. Mai 2017

Deutschland seinen Gender-Wahnsinn? // Germany's gender madness?

Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2017
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Hey Du hast es und brauchst es, deswegen Spende Blut, denn es fehlt in der ganzen Welt!
Ich habe Ihn, Du auch? Organspenden können andere zum Leben verhelfen, sei stolz auf dich selbst mache Ihn Dir den Organspende Ausweis!

Hey you have it and need it, so donating blood, because it is missing in the world!

I had him, you also? Organ donation can help others to life, be proud of your self  doing Him Get donor card!

Deutschland seinen Gender-Wahnsinn?

Die größte Diskriminierung ist heute diejenige, einem Mann seine Männlichkeit abzusprechen, und einer Frau ihre natürliche Weiblichkeit nicht zu gönnen. 

Seien wir doch stolz auf unseren Gender-Wahnsinn. Wir können ihn uns nicht nur leisten, er macht unsere freiheitliche Gesellschaft erst aus.
Quelltext: 



Es gibt Menschen, die wollen weder Mann noch Frau sein. Ihr Bedürfnis nach Anerkennung bleibt ein Dauerbrenner in Deutschland

Gender und Wahnsinn liegen oftmals nahe beieinander.

Einmal habe ich mich mit einer Feministin unterhalten, die meinte, dass die soziale Ungerechtigkeit der Geschlechter nur überwunden werden könne, wenn man auch das biologische Geschlecht überwinde und als Soziologe in der Pflicht stehe, auch die Robotik mitzudenken. Denn irgendwann, sagte sie dann, irgendwann gäbe es nur noch Menschmaschinen, die weder Mann noch Frau seien – und sie meinte das vollkommen ernst.

Wer heute Gender sagt, der denkt den Wahnsinn gleich mit, und die Gender-Aktivisten, die viel zu oft die Karikaturen übertreffen, die man von ihnen zeichnet, sind ein verständlicher Grund dafür. Ein anderer ist problematischer. Für die meisten Menschen in Deutschland sind die Debatten, die Gender-Aktivisten führen, zu abgehoben. Abgehoben ist immer das, was an der eigenen Lebensrealität vorbeigeht. Und das tun ja tatsächlich alle Gender-Debatten. Weil es sich für die meisten Menschen eben so anfühlt, als ob die Gleichberechtigung von Mann und Frau und Transgender und all den anderen fiktiven und realen sexuellen Geschlechtern in Deutschland längst gelebte Realität sind. Das Problem dabei ist, dass die meisten Menschen die Mehrheit sind und die Mehrheit immer nur sehr bedingt in der Lage ist, über die Gefühle und Lebensrealitäten einer Minderheit Auskunft zu geben. Auch ich habe zwar das Gefühl, dass in Deutschland im Prinzip alle gleich behandelt werden, aber ich weiß eben nicht wirklich, ob man als Homosexueller oder als Transgender das auch so sieht.

Darum hat Gender-Politik ihre Berechtigung. Sie will in erster Linie nicht viel mehr als Geschlechtergerechtigkeit. Dagegen kann man nichts haben. Die meisten Kritiker stören sich nur an den teils abstrusen Forderungen, die die Aktivisten stellen. Aber auch dieser Gender-Wahnsinn hat seine Berechtigung. Wenn man in unserer Mediengesellschaft gehört werden will, dann muss man laut sein. Wenn Alice Schwarzer fordert, Prostitution zu verbieten, wird sie wohl wissen, dass am Ende des Tages die Prostitution nicht verboten wird – aber alleine die absurde Forderung hat eine Debatte darüber ausgelöst, welche Stellung eine Prostituierte in unserer Gesellschaft hat. Ach was, entgegnen die konservativen Gender-Kritiker und verweisen darauf, dass wir ganz andere Probleme hätten. Das stimmt, aber es ist ja nicht so, dass diese anderen Probleme dadurch schneller gelöst werden, indem wir nicht mehr über die Gleichstellungsproblematik sprechen. Die übrigens nicht bedeutet, dass man alles gleichmachen muss, sondern Möglichkeiten schafft, allen Menschen die gleichen Chancen zu eröffnen.

Man kann dagegen sein, Prostitution zu verbieten, gegen eine Frauenquote und auch gegen gegenderte Sprache. Aber man sollte zumindest darüber sprechen. Eine postmoderne Gesellschaft in permanentem Umbruch sucht diese Diskurse, um sich ihrer Grundwerte zu vergewissern. Wir brauchen in Deutschland eher ein bisschen mehr als weniger Gender-Wahnsinn. Und sollten entspannter sein. Als Lann Hornscheidt, der/die Berliner Professor/in, der/die weder männlich noch weiblich sein will, auf die Anrede Professx bestand, musste Hornscheidt lange nicht nur hämische Kommentare, sondern auch Morddrohungen ertragen. Da fragt man sich schon, wo für viele Menschen eigentlich das Problem liegt. Seien wir doch stolz auf unseren Gender-Wahnsinn. Wir können ihn uns nicht nur leisten, er macht unsere freiheitliche Gesellschaft erst aus.



Transgender Deutsche Debatten für Selbstbestimmung stocken

Berlin -
Julia ist 21. Mit 13 Jahren hatte sie ihr Coming-Out. Da dachte sie noch, sie sei schwul. Denn Julia wurde mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren. Bis sie später feststellte, dass sie nicht als Mann leben möchte. Julia bezeichnet sich selbst heute als Transfrau. „Ich bin ein Mädchen gewesen“, sagt sie, „schon immer“.

Transsexualität bezeichnet das Gefühl, mit dem falschen Geschlecht geboren worden zu sein. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) schätzt, dass in Deutschland rund 60000 bis 100.000 Transgender-Personen leben.

Binäres Geschlechtsmodell

Dadurch dass unsere Gesellschaft ausschließlich ein binäres Geschlechtsmodell kennt, das zwischen „weiblich“ und „männlich“ unterscheidet, werden Menschen, die sich nicht eindeutig zu einem Geschlecht zugehörig fühlen, diskriminiert. Viele Länder planen deshalb neue Gesetze. Auch Kanada will am Mittwoch ein neues Gesetz verabschieden, das Transgender-Personen umfassend vor Benachteiligung schützt und die Geschlechterneutralität fördert.

In Deutschland wird Transsexualität als psychische Krankheit gewertet. Diese Diskriminierung hat sich durch das 1980 verabschiedete Transsexuellengesetz (TSG) noch weiter manifestiert. Mit dem Gesetz ist es zwar möglich, seinen Vornamen ändern zu lassen („kleine Lösung“), doch das ist ein langwieriger Prozess. Es setzt die Begutachtung durch Sachverständige voraus. 

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes spricht sich für die Abschaffung der Begutachtung und des gerichtlichen Verfahrens aus, da sie die Betroffenen psychisch und finanziell belasteten. Sie stünden außerdem im Widerspruch zum Selbstbestimmungsrecht – schließlich könnten Transgender-Personen ihre Zugehörigkeit am besten selbst beurteilen.

Bisher liegt keine Novelle vor

Die sogenannte „große Lösung“, die offizielle Anerkennung des anderen Geschlechts, setzte noch bis zum Jahr 2011 eine Operation voraus. Das Bundesverfassungsgericht hatte diesen Punkt – sowie fünf weitere - des Transsexuellengesetzes als verfassungswidrig und „unvereinbar mit der Menschenwürde“ erklärt und aufgehoben.

Debatten über Reformvorschläge des TSF gibt es seitdem immer wieder, doch bisher liegt keine Novelle vor, obwohl im Koalitionsvertrag festgeschrieben steht, dass die Große Koalition die „besondere Situation von trans- und intersexuellen Menschen in den Fokus nehmen“ wolle. Dazu wurde im September 2014 auch eine Interministerielle Arbeitsgruppe (IMAG) eingerichtet, die erforderliche Gesetzesänderungen prüft.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25102098 ©2017


Das Menschliche

Und Sie wissen nicht, mit was Sie es zutun haben! Doch diese bekommen euch, ein Fakt!

Heute in den TV- Medien, die Massen - Vergewaltigung einer 15 jährigen Schülerin, angeblich "Gastarbeiter bzw. FLÜCHTLINGE auch Poliz...