Informationen über das alltägliche von Selbstbestimmung und Persönlichkeits_Entfaltung!
Montag, 24. April 2023
Reflektion : warum ist man wie man ist
Warum ist man wie man ist
Individualität bedeutet hier eine sehr seltene oder einmalige Kombination vieler (bzw. auffälliger) Einzelmerkmale eines Menschen oder eines menschlichen Werkes. Auch das körperliche Aussehen und die körperliche Attraktivität sind ein wichtiger Teil dessen, was die Individualität eines Menschen ausmacht. Es gibt eine Vielfalt anatomischer, physiologischer und biochemischer Kennzeichen der körperlichen Konstitution (Individualität, somatische), die als Mitursachen von Krankheiten (Krankheit) oder für die Forensik wichtig.
Eine andere Sichtweise der Individualität geht vom Bewusstsein des Einzelnen aus.
Von Einzigartigkeit und Einmaligkeit des Individuums ist also v. a. dann zu sprechen, wenn es um Innerlichkeit und Befindlichkeit (Emotionen, Wohlbefinden), Subjektivität und Intentionalität (Intention) des Menschen geht.
Im persönlichen Befinden, im Erleben des eigenen Körpers, bei der Wahrnehmung der äußeren Welt ist uns eine innere Wirklichkeit gegeben. Sie hat eine besondere Beschaffenheit, eine eigene phänomenale Qualität, denn sie wird gefühlt und erlebt und ist nur uns direkt zugänglich.
Dieser Ichbezug ist ein Aspekt der Subjektivität neben den persönlichen Erinnerungen, dem Innewerden von Absichten (Intentionalität) und der Einsicht, in selbstbestimmter Weise handeln zu können (Selbstbestimmungstheorie).
Der Verlust dieses Ichbezugs, d. h. ein anhaltendes Erleben von Fremdheit, Fremdsteuerung, und andere Ich-Störungen (Depersonalisation), gelten als auffällige Anzeichen der Psychopathologie bei best. psychiatrischen Erkrankungen. In der Selbstreflexion ist zweierlei gegeben: das unmittelbare und unbedingte Wissen, sich von anderen Menschen zu unterscheiden, und die Gewissheit, trotz aller, u. U. tiefreichender Veränderungen, mit sich selbst im Laufe der Zeit identisch zu sein (Identität).
Individualität bedeutet hier die unverwechselbare Bewusstseinswelt (Subjektivität) des Einzelnen und die Einmaligkeit jeder menschlichen Persönlichkeit und ihrer Biografie: Durch das Bewusstsein wird das Individuum zur Induvidualität.
Individualität meint das Unteilbare. Individualisierung meint ein Eigenwerden. Meint, sich auf sich selber zu stellen. Meint, die Bestimmung seiner selbst nur noch in sich selber zu tragen.
Sich zu emanzipieren von Gruppen und Kollektiven. Ein individueller Mensch hat etwas errungen, wo die eigene Selbstbestimmung seine Zugehörigkeiten zu einem Geschlecht, einem Land, einer Generation wie überstrahlt. Aber: Werde ich, indem ich individueller werde, nicht im gleichen Maße ein Repräsentant des allgemeinen Menschseins? Des Menschlichen vor aller Gruppenbildung? Ein individueller Mensch ist direkt ein Repräsentant des Menschlichen, des Menschheitlichen. Wir sehen das bei großen Individualitäten wie zum Beispiel Nelson Mandela: Er konnte sich nach großen inneren Kämpfen als Individualität hineinstellen in ein Menschsein, das Schwarz und Weiß in sich tragen kann, ohne sie auszulöschen.
Zum Schluß : Persönlichkeit ist, wie man von aussen gesehen wird, Identität, wie man von aussen gesehen werden will, sie beschreibt das Verhalten eines Menschen.
Unter Individualität versteht man den unverwechselbaren Zug eines Menschen, mit dem er sich von der Masse abhebt.
In diesem Sinne, euch @ all angenehmen Nachmittag mfg Nikita Noemi Rothenbächer
Samstag, 22. April 2023
Paradox des Alltäglichen, doch keinem Bewusst
We have tall buildings but low tolerance, wide freeways but narrow views. We consume more but have less, buy more but enjoy less.
We have bigger houses but smaller families, more comfort but less time, more education but less reason, more knowledge but less common sense, more experts but also more problems, more medicine but less health.
We smoke too much, we drink too much, we spend irresponsibly, we laugh too little, drive too fast, get upset too quickly, sleep too late, wake up too tired; we read too little, watch too much television, pray too seldom.
We have multiplied our possessions but reduced our values.
We talk too much, we love too little, and we hate too much.
We know how to make a living, but no longer how to live.
We have added years to life, but not life to years.
We come to the moon, but no longer to the neighbor's door.
We have conquered space, but not the space within us.
We do bigger things, but not better. We have cleaned the air but polluted the souls.
We can split the atom, but not our prejudices.
We write more but know less, we plan more but achieve less.
We've learned to be fast, but we can't wait.
We're making new computers that store more information and make tons of copies, but we communicate less with each other. It's the time of fast food and bad digestion, big men and small-minded souls, easy profits and difficult relationships. It's the time of increased family incomes and divorces, nicer houses and broken homes.
It's the time of fast travel, of throwaway diapers and throwaway morals, of one-night relationships and being overweight.
It's the time of the pills that can do everything: they excite us, they calm us down, they kill us.
It's the time when it's more important to have something in the window than in the store, when modern technology can carry a text like this around the world in no time at all, and when you have the choice: change life - or to delete the text.
Don't forget to give more time to those you love because they won't always be with YOU. Say a kind word to those who are now looking at YOU from below with enthusiasm because these little creatures will soon be growing up and will no longer be with YOU. Give the person next to YOU a warm hug, because it is the only treasure that comes from YOUR heart and costs YOU nothing.
Tell your loved one, "I love you," and mean it. A kiss and a hug from the heart can undo all evil.
Walk hand in hand and cherish the moments you are together because one day that person will no longer be with you.
Find time to love, find time to talk. Find time to share everything you have to say, because life is not measured in the number of breaths we take, but in the number of moments that take our breath away.”
Freitag, 14. April 2023
Gemeinschaft und Repression wie Hass und Diskriminierung was Transgender betrifft! /// Community and repression like hate and discrimination when it comes to transgender people!
Die Geschichte von trans* Personen gilt auch heute für viele noch als verhandel- und bestreitbar. Dabei ist sie auch gezeichnet von Gewalt und Willkür durch Dominanzgesellschaft und Staatsgewalt, insbesondere während des Nationalsozialismus in Deutschland. In diesem Beitrag gehe ich der Frage nach, wie Lebensrealitäten von Menschen aussahen, die sich nicht (vollständig) mit dem zugewiesenen Geschlecht identifizierten.
Queeres Aufblühen in den Großstädten
Unsere Reise in die Geschichte von trans* Personen beginnt in den 1920er-Jahren: Großstädte (allen voran Berlin) entwickelten sich zu Hochburgen des queeren Lebens mit internationaler Bekanntheit. Queere Gemeinschaften, insbesondere schwule und lesbische, bildeten sich allmählich immer stärker heraus und Zusammenschlüsse ermöglichten es, queere Safe(r) Spaces zu schaffen, in denen das eigene Sein nicht versteckt werden musste. Gemeinsam wurden Orte geschaffen, an denen gefeiert werden konnte, die Möglichkeiten zur Vernetzung und zur gegenseitigen Unterstützung boten. Transvestie-Lokale wie das Eldorado waren Treffpunkt für Transvestiten, Crossdresser und Co. Hier war es möglich, die eigene Geschlechtlichkeit zu erkunden und in einem geschützte(re)n Rahmen auszuleben.
Die Presse als Sprachrohr
Auch die deutsche Presselandschaft spiegelte dieses Aufblühen deutlich wider: Bereits 1919 war mit Die Freundschaft die weltweit erste Zeitschrift erschienen, die sich explizit an homosexuelle Männer richtete. Fünf Jahre darauf erschien Die Freundin, das lesbische, transinklusive Gegenstück, welches zunächst monatlich, dann vierzehntäglich und bis zum Verbot März 1933 wöchentlich erschien. Besondere Einblicke in Lebensrealitäten von trans* Personen gibt uns Das 3. Geschlecht, eine von 1930 bis 1932 im Straßenhandel erhältliche Zeitschrift für Menschen, die wir heute wohl irgendwo auf dem trans* Spektrum verorten würden. Neben wissenschaftlichen Artikeln lag hier der Fokus vor allem auf persönlichen Texten und Fotografien – wir lesen von Gewalt, aber auch von Momenten der Gender-Euphorie, Liebe und Gemeinschaft.
Eine besondere Rolle nahmen hier Werbeanzeigen ein. So wurde in jeder Ausgabe für eine Vielzahl an Büchern geworben, die sich mit Trans*identität, ebenso wie mit Homosexualität, Sadismus und Masochismus sowie Sexarbeit befassten. Darüber hinaus gab es Anzeigen für Tanzlokale, Transvestitenbälle, Friseursalons, Fotostudios, Pensionen, oft mit einem direkten Hinweis auf höchste Diskretion – denn die positiven Entwicklungen im Kleinen konnten nicht verhindern, dass selbstverständlich auch trans* Personen unter dem in der Weimarer Republik erstarkenden nationalsozialistischen Klima litten, täglich mit Polizeigewalt zu rechnen hatten und Kriminalisierung fürchten mussten.
Kriminalisierung von trans* Personen als Kollateralschaden
Auch wenn Trans*identität nicht explizit in Gesetzen benannt wurde (dazu steckte die Forschung noch zu sehr in den Kinderschuhen), wurden trans* Personen durch verschiedene Paragrafen bedroht. So konnte das Tragen von vermeintlich „gegengeschlechtlicher Kleidung“ auf Grundlage des §360 („Grober Unfug“) mit einer Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Haft sanktioniert werden. Aber auch §175, der (vermutete) sexuelle Handlungen zwischen Männern sanktionierte, war eine große Gefahr für trans* Personen, insbesondere trans* Weiblichkeit_en. Sie wurden lange als homosexuelle Männer fehlkategorisiert, was zur Folge hatte, dass auch sie auf Basis des §175 kriminalisiert wurden. Die Angst war dementsprechend groß, sie fürchteten Haftstrafen in Männergefängnissen, in denen sie zusätzlicher Gewalt ausgesetzt waren, Berufsverbote oder Zwangskastrationen, um angedrohten KZ-Haftstrafen zu entgehen.
Die Anfänge der Abhängigkeit
Schutz davor konnte der sogenannte Transvestitenschein bieten, welcher durch den jüdischen und schwulen Arzt und Aktivisten Dr. Magnus Hirschfeld in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Walter Niemann initiiert wurde. Dieser Schein ermöglichte es, nach vorheriger Prüfung durch einen Mediziner, die „gegengeschlechtliche“ Kleidung zu tragen, ohne Strafen fürchten zu müssen. Wie gut das in der Praxis letztlich funktioniert hat, ist nicht belegbar, aber es scheint eher unwahrscheinlich, dass ein schriftliches Zwangsouting trans* Personen jemals vor Polizeigewalt geschützt haben soll. Auch die Namensänderungen, welche möglich waren, kamen nicht ohne ein Zwangsouting aus. Bezeichnend ist, dass trans* Menschen schon vor 100 Jahren und rund 60 Jahre vor dem TSG in einem doppelten Abhängigkeitsverhältnis zu Medizin und Justiz standen. Kaum gab es die ersten Begriffe um Geschlecht außerhalb der vermeintlichen cis Norm zu beschreiben, mussten trans* Menschen sich und ihre Existenz erklären und rechtfertigen.
Das Institut für Sexualwissenschaft
Eine Institution, die sich der Aufklärung über queere Lebensweisen und Sexualität verschrieben hatte, war das 1919 gegründete Institut für Sexualwissenschaft, welches durch die Arbeit Magnus Hirschfelds maßgeblich geprägt wurde. Hier fanden alle Menschen Zugang zu Aufklärung über Sexualität, Verhütung, Krankheiten oder auch Ehe- und Familienplanung. Hirschfeld selbst hatte sich, natürlich nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Perspektive als schwuler Mann, der Aufgabe gewidmet, die Kriminalisierung und Stigmatisierung Homosexueller durch Forschung und Aufklärungsarbeit zu beenden. Als jüdischer, schwuler Sozialist, der vielen queeren Menschen einen sicheren Hafen bot (so war das Institut auch Austragungsort für Feierlichkeiten, Pension für queere Reisende wie den Schriftsteller Christopher Isherwood und bot Wohn- und Arbeitsplätze für trans* Frauen wie Dora Richter) konzentrierten sich in Hirschfeld direkt mehrere Feindbilder der Nationalsozialisten. Das Institut, so hieß es in der NS-Presse, sei eine „Brutstätte für Schmutz und Sudelei“.
Die Plünderung und Zerstörung des IfS
Dass diese Haltung schon längst in alle Teile der Gesellschaft gesickert war, zeigte sich einmal mehr bei der Zerstörung des Instituts am 6. Mai 1933. 100 Studierende der Hochschule für Leibesübungen hatten sich die Zerstörung des IfS zum Ziel gemacht. Gegen 9:30 Uhr verschafften sie sich Zugang zu den Räumlichkeiten des IfS und zerstörten das Archiv, die Bibliothek, schmissen Fensterscheiben ein, kippten Tintenfässchen auf Akten und Dokumenten aus und setzen alles daran, die Arbeit im Institut zu verunmöglichen. Die Studierenden zogen nach wenigen Stunden ab, doch die Gefahr war noch nicht vorüber: Wenige Stunden später, gegen 15 Uhr, schlug ein SA Trupp am Institut auf. Erneut wurde das Institut durchsucht, Unterlagen, Bücher, Akten, Lehrbücher und Aufklärungsbroschüren im Umfang von zwei Lastwagen beschlagnahmt. All diese Teile queerer (Medizin-)Geschichte fielen am 10. Mai der Bücherverbrennung zum Opfer, wenige Tage später wurde das Institut endgültig geschlossen. Hirschfeld selbst war während dieser Zeit nicht mehr in Deutschland. Was mit den Mitarbeiter*innen des Instituts geschah ist nicht bekannt, die Optionen sind aber allesamt nicht positiv.
Nicht nur diese Anlaufstelle verschwand, auch Bars und Tanzlokale wurden zum Ziel von Razzien und nach und nach geschlossen. Für viele Menschen bedeutete das auch den Verlust ihrer mitunter wichtigsten sozialen Kontakte, den Verlust von Gemeinschaft und letzten Sicherheiten.
Hoffnungen für die Geschichte der Zukunft
Trans* Geschichte ist mehr, als die Gewalt und der Schmerz, der trans* Personen seit jeher angetan wurde und nach wie vor angetan wird. Um die Gegenwart einordnen zu können, müssen wir uns aber bewusst sein, worin diese Gewalt wurzelt. Daher müssen wir auch anerkennen, welcher Gewalt trans* Personen, aber vor allem trans* Weiblichkeit_en, auch im Kontext der nationalsozialistischen Verbrechen in Deutschland ausgesetzt waren. Diese Geschichte zu leugnen ist ein Mittel, um Cisgeschlechtlichkeit als vermeintliche Norm zu installieren und Grundlage, um Trans* als „neues Phänomen“ oder „Trend“ zu inszenieren.
Damals wie heute stören auch trans* Personen ganz maßgeblich die faschistoiden Fantasien einer weißen, nichtjüdischen, cis-endo-heterosexuellen Gesellschaft und ebenso lang weigert sich die Dominanzgesellschaft, trans* Personen ihre Selbstbestimmung zuzugestehen und ihre Rechte bedingungslos zu stärken.
Für die Zukunft wünsche ich mir zwei Dinge: Einen Planeten, der noch nicht untergegangen ist und Texte, die vielleicht gar nicht in so ferner Zukunft liegen und davon erzählen, wie das TSG endlich abgeschafft wurde, wie die Gewalt gegen Trans* endlich anerkannt wurde und Konsequenzen nach sich zog und eine Dominanzgesellschaft, die endlich begreift, was dieses kontinuierliche Verhandeln von Existenzen mit Menschen macht und dass eben diese Verhandlungen Geschichte sind.
Dienstag, 11. April 2023
STUDIE: EHE FÜR ALLE SENKTE SUIZIDRATE BEI TEENAGERN IN DEN USA
STUDIE: EHE FÜR ALLE SENKTE SUIZIDRATE BEI TEENAGERN IN DEN USA
Es gibt gute Nachrichten! Eine Studie aus den USA deutet auf einen Zusammenhang zwischen der eingeführten „Ehe für Alle“ und einer gesunkenen Suizidrate bei jungen Mitgliedern der LGBTQ+ Community hin! Dass solche positiven Studienergebnisse aber auch schnell von Rechten falsch interpretiert werden können, um Hass zu erzeugen, zeigen wir euch in diesem Artikel.
Disclaimer: Wenn du dich mit Themen wie Suizid oder Tod unwohl fühlst, lies dir diesen Artikel bitte nicht durch. Hilfe in schwierigen Situationen findest du unter https://www.telefonseelsorge.de.
TODESURSACHEN VON HERANWACHSENDEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
„Homicide“, also Mord oder Tötung von Menschen, ist bis heute die häufigste Todesursache von Kindern und Jugendlichen in den Vereinigten Staaten. Von den 2020 durch Waffengewalt gestorbenen Heranwachsenden (insgesamt 4.368), waren knapp zwei Drittel Opfer eines Homizids.
Direkt dahinter lag im Jahr 2017 als zweithäufigste Todesursache für Heranwachsende zwischen 15 und 24 Jahren der Suizid. Insgesamt lag die Suizidrate in den USA laut WHO im Jahr 2019 bei 16,1 pro 100.000 Personen. Damit haben die Vereinigten Staaten im Vergleich zu den anderen G7-Staaten übrigens die höchste Suizidrate. Heranwachsende, die beispielsweise zu einer sexuellen Minderheit gehören, sind in den USA sogar noch häufiger suizidgefährdet.
Ergebnisse aus 42 amerikanischen und kanadischen Studien zeigen dazu erschreckendes: Durchschnittlich hat bereits jede zweite der knapp 26.000 befragten Transgender-Personen mindestens einmal in ihrem Leben ernsthaft über einen Suizid nachgedacht. Ein Grund dafür könnte sein, dass Anhänger:innen der LGBTQ+ Community häufiger mit negativen Reaktionen oder sogar Gewalt aufgrund ihrer Sexualität zu kämpfen hatten. 2015 wurden beispielsweise 34 % der befragten LGBTQ+ Schüler:innen schon einmal auf dem Schulgelände gemobbt. 10 % der Befragten wurden sogar schon einmal auf dem Schulgelände mit einer Waffe bedroht oder davon verletzt!
Heranwachsende, die sich als Teil der LGBTQ+ Community sehen, haben es also im Alltag oftmals sehr viel schwerer als Jugendliche, die sich als heterosexuell identifizieren. Deswegen versuchte eine großangelegte Studie zwischen Anfang 1999 und Ende 2015 herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Einführung der „Ehe für Alle“ und den Suizidraten von Jugendlichen gibt.
STUDIENERGEBNISSE: SUIZIDRATE SINKT MIT EINFÜHRUNG DER EHE FÜR ALLE!
In der Studie der American Medial Association wurden Daten aus 16 Jahren von 762.678 Schülerinnen und Schüler aus allen Staaten der USA analysiert. Der Zeitraum bezieht sich dabei auf die 15 Jahre vor der Einführung der „Ehe für Alle“ in 32 Bundesstaaten und dem ersten Jahr (ab dem 01.01.2015) nach der Einführung. Von den teilnehmenden Highschool-Schüler:innen, die sich als heterosexuell identifizierten, berichteten 8,6 % von mindestens einem Suizidversuch in den letzten 12 Monaten. Von den befragten Schüler:innen, die sich als Teil einer sexuellen Minderheit sahen, meldeten sogar 28,5% mindestens einen Suizidversuch im vergangenen Jahr.
Diese Daten stammen aus dem Zeitraum vor der Einführung der „Ehe für Alle“. Nach der Einführung in 32 Bundesstaaten fiel die Suizidrate der in diesen Staaten lebenden Jugendlichen um 7%. Bei LGBTQ+-Schüler:innen fiel sie sogar um 14%! In Staaten, in denen es keine Gesetzesänderung bezüglich gleichgeschlechtlicher Ehe gab, veränderten sich die Suizidraten jedoch nicht. Aufgrund dieser Studienergebnisse kamen die Forscher:innen zu dem Schluss: Die Einführung der „Ehe für Alle“ sorgte nach ihren Erkenntnissen zu einer drastischen Senkung der Suizidrate unter Jugendlichen.
„EHE FÜR ALLE“ TRÄGT ZUR ENTSTIGMATISIERUNG BEI
Natürlich muss man diese positiven Ergebnisse aber auch in einen gewissen Kontext setzen. Denn erstmal könnte man meinen, dass eine Erweiterung der Heiratsmöglichkeiten keine direkten Auswirkungen auf Jugendliche hat. Die haben in dem Alter nämlich wohl eher andere Dinge als eine Hochzeit im Kopf! Trotzdem ist der Zusammenhang zwischen der Einführung der „Ehe für Alle“ und einer Senkung der Suizidrate von Teenagern nachvollziehbar.
Die „Ehe für Alle“ ist schließlich nicht nur etwas Positives für betroffene Paare, sondern sorgt auch für eine allgemeine Entstigmatisierung von Mitgliedern der LGBTQ+ Community. Jugendliche können durch eine solche Gesetzesänderung offener mit ihrer Sexualität umgehen. Sie bemerken, dass das Geschlecht ihres Partners/ihrer Partnerin vor dem Gesetz keine Rolle mehr spielt und sie lieben und heiraten dürfen, wen sie möchten. Und das wiederum kann auch die gefallenen Suizidraten erklären. Die Studie zeigt also, dass eine queer-freundliche Landespolitik zum Wohlbefinden von Anhänger:innen der LGBTQ+ Community beiträgt und Stigmatisierung reduzieren kann.
RECHTER YOUTUBER MACHT AUS GUTEN NEUIGKEITEN HASS UND DESINFORMATION
Leider werden positive Studienergebnisse wie diese oftmals falsch interpretiert. Es scheint, als würde die gute Nachricht, dass tolerante Politik zum Wohlergehen von queeren Jugendlichen beiträgt, nicht allen gut bekommen. Eine ähnliche Studie – in der es um die Suizidraten von trans Personen ging – wurde nämlich kurz nach ihrer Veröffentlichung bereits von einem rechten YouTuber missinterpretiert. Anschließend verbreitete er diese Falschinformationen sogar auf TikTok, wo das Video aber mittlerweile nicht mehr verfügbar ist.
Er las die Studienergebnisse wohl bewusst fälschlicherweise so, als seien die Suizidgedanken von trans Personen nach ihrer Transition gestiegen. Dabei geht das überhaupt nicht aus der Studie hervor! Damit erweckte er perfide den Eindruck, eine Transition könne zu Suizidgedanken führen. Stattdessen ist es meistens der gesellschaftliche Druck auf trans Personen, der Suizidgedanken hervorruft. Mit seinen Falschinformationen wollte der Influencer – wie Rechte es gern tun – Hass gegen queere Menschen und besonders Transpersonen schüren.
Deswegen hier noch mal ein Appell an euch: Solltet ihr in Zukunft über von Influencer:innen präsentierte Studien stolpern, dann macht euch bitte immer die Mühe, selbst einmal in die Studie zu schauen. Viele Menschen beschäftigen sich nämlich nur oberflächlich mit Studienergebnissen und tragen diese dann eher falsch weiter. Ein wichtiges Indiz für eine seriöse und glaubhafte Aussage ist es immer, wenn eine Quelle angegeben wird. Nur so können Falschinformationen aufgedeckt werden! Auch wir vom Volksverpetzer sagen nicht, dass ihr uns einfach blind glauben sollt. Schaut in die Studien, die wir euch in jedem Artikel verlinken, hört den Wissenschaftler:innen und Expert:innen zu!
SINKENDE SUIZIDRATE ZEIGT: EIN OFFENER DISKURS HILFT!
Egal ob es also um die Suizidraten von queeren Jugendlichen oder trans Personen geht: Nicht heteronormative Gesellschaftsgruppen leiden bis heute deutlich unter Stigmatisierung und Diskriminierung. Dabei hat doch die oben vorgestellte Studie gezeigt, dass sich eine Entstigmatisierung von queeren Personen (durch die Einführung der „Ehe für Alle“) positiv auf die mentale Gesundheit von Jugendlichen auswirkt!
Dass ein offener Diskurs hilft, hat übrigens auch ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien herausgefunden. In einer Studie zeigten die Forscher:innen, dass öffentliche Berichte über das erfolgreiche Überwinden einer Krise (in der auch Suizidalität ein Thema ist), dazu beitragen können, Suizide bei den Rezipient:innen zu verhindern. Wir als Gesellschaft müssen also dafür sorgen, dass die Stigmen rund ums Queer-Sein endlich aus den Köpfen verschwinden, damit sich jede:r so ausleben kann, wie er:sie es möchte. Denn es rettet buchstäblich Menschenleben.
Freitag, 31. März 2023
Die postfaschistische Regierung von Giorgia Meloni hat der Stadt Mailand die Registrierung von Kindern gleichgeschlechtlicher Eltern untersagt. Jetzt gibt es starken Widerstand aus Straßburg und Brüssel. /// The post-fascist government of Giorgia Meloni has banned the city of Milan from registering children born to same-sex parents. Now there is strong resistance from Strasbourg and Brussels.
Bereits vor ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr hatte die postfaschistische italienische Regierungschefin Giorgia Meloni heteronormative Familienwerte und Queerfeindlichkeit ins Zentrum ihres Wahlkampfes gerückt. Die Parlamentarier*innen befürchten nun einen "umfassenderen Angriff auf die LGBTQI+-Gemeinschaft in Italien".
Rom kippt queerfreundliche Regelung in Mailand
Bislang hatte die Stadt Mailand Kinder von lesbischen und schwulen Paaren registriert, die entweder durch in Italien verbotene Leihmutterschaft im Ausland oder durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden – die in Italien allerdings nur heterosexuellen Paaren vorbehalten ist.
Die Registrierung der Kinder sei nun jedoch nicht mehr möglich, erklärte Mailands Mitte-Links-Bürgermeister Beppe Sala, nachdem er ein Schreiben des Innenministeriums erhalten hatte. Demnach obliegt die Entscheidung hierzu nicht mehr der Stadt, sondern den Gerichten. Gegen die queerfeindliche Politik der Rechtsaußenregierung gingen vor zwei Wochen Tausende Menschen in Mailand auf die Straße . Sala wandte sich zudem um Unterstützung an Brüssel.
EU-Kommission antwortet auf schriftliche Anfrage
Kritik an Italien kam nicht nur aus dem EU-Parlament, sondern auch von der Europäischen Kommission. "Die Mitgliedstaaten müssen ausschließlich bei der Durchführung des EU-Rechts die in der EU-Charta verankerten Grundrechte wie das Recht auf Nichtdiskriminierung einhalten", erklärte Didier Reynders, EU-Kommissar für Justiz und Rechtsstaatlichkeit, in einer Antwort auf die schriftliche Anfrage "Rechte von Regenbogenfamilien in Italien" (PDF), die Abgeordnete verschiedener Fraktionen eingereicht hatten. "Gemäß dem Besitzstand im Bereich der Freizügigkeit darf sich ein Mitgliedstaat nicht auf die in einem von einem anderen Mitgliedstaat ausgestellten Dokument verwendeten Formulierungen zur Bezeichnung der Eltern berufen, um einem Kind, dessen Eltern gleichen Geschlechts sind, die Ausstellung eines Reisepasses oder Personalausweises zu verweigern."
Rasmus Andresen, Sprecher der deutschen Grünen und Mitglied der LGBTI Intergroup im Europäischen Parlament, begrüßte die Klarstellung von Reynders. "Die Antwort der EU-Kommission gibt Regenbogenfamilien juristisch Rückendeckung", erklärte Andresen gegenüber queer.de. "Ihre Diskriminierung durch die italienische Regierung verurteilen wir. Wir fordern die italienischen Behörden dazu auf, jetzt dringend diese diskriminierende Praxis zu beenden und ihre Vorgaben in Einklang mit europäischem Recht zu bringen."
Regenbogenfamilien sollen besser geschützt werden
Nach einem Vorschlag der EU-Kommission vom Dezember soll jedes Mitgliedsland die in einem anderen Land gewährten Rechte der Eltern anerkennen. Der Vorschlag soll Kinder aus gleichgeschlechtlichen Familien auf Reisen innerhalb der EU schützen .
Italien hat im Jahr 2016 eingetragene Lebenspartnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt . Das Recht auf Adoption wurde lesbischen und schwulen Paaren jedoch bislang aufgrund des Widerstands der katholischen Kirche nicht gewährt . Die Gerichte entschieden hierbei von Fall zu Fall. Einige örtliche Behörden wie in Mailand handhaben den Umgang damit jedoch auf ihre Weise.
Italiens neue Regierungschefin Meloni hatte aus ihrer Abneigung gegen queere Menschen nie ein Geheimnis gemacht. So sprach sie sich in einer Wahldiskussion gegen ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare aus und erklärte: "Ja zur natürlichen Familie, nein zur LGBT-Lobby."
Führende Politiker*innen ihrer Koalition machen immer wieder offen gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten Stimmung: So bezeichnet sich der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, der Lega-Politiker Lorenzo Fontana, als "Kreuzzügler" gegen LGBTI-Rechte . Der zu Melonis Partei gehörende Senatspräsident Ignazio La Russa erklärte im Februar im italienischen Fernsehen, dass er keinen schwulen Sohn haben wolle.
Mittwoch, 29. März 2023
Die Ehre vor den unterschiedlichen "Religionen" ist wie der Respekt, nur über Respekt ist Kommunikation möglich!
Im Christentum wie im Islam gibt es die Geschichte der Siebenschläfer von Ephesus. Sie waren Krieger, die im Jahr 250 zum Christentum konvertierten, das sich gerade zu entwickeln begann. Millionen Christen und Muslime glauben an ein Wunder, dass die sieben Krieger in die Zukunft teleportiert wurden.
Es ist das Jahr 251 nach Christi Geburt. Die Legende erzählt, dass sieben frommen Jünglinge aus ihrer Heimatstadt Ephesus fliehen müssen.
Die Häscher des Kaisers Decius verfolgen sie, weil sie Christen sind. In einer nahe gelegenen Höhle verstecken sich die Kinder.
Doch ihre Verfolger finden ihr Versteck und mauern sie in der Höhle ein.
Erst 195 Jahre später, am 27. Juni 446, werden sie durch einen Zufall wieder entdeckt.
Das Wunder: Sie sollen 195 Jahre lang geschlafen haben.
Nach ihrer Wiederentdeckung wachen sie auf, um ihren Glauben an die Auferstehung zu bekennen und starben bald danach.
Die Verehrung dieser sieben christlichen Jünglinge ist schon im 5. Jahrhundert literarisch festgehalten. Zunächst in der Ostkirche in syrischen und griechischen Varianten. Die erste lateinische Übersetzung stammt von Gregor von Tour (538-594). Die Geschichte der sieben Jünglinge findet sich auch im Koran wieder (18. Sure). Diese erzählt von den "sieben Brüdern".
"Herz und Seele zu reinigen", darum geht es Musliminnen und Muslimen im Ramadan. Mit dem Teravih-Gebet, dem Ramadan-Gebet, begann der islamische Fastenmonat Ramadan. Der erste Fastentag war der 23. März. Der Fastenmonat gehört für die Gläubigen zu den fünf Säulen des Islam. Von innerer Einkehr, aber auch vom Gefühl der Gemeinschaft soll diese Zeit geprägt sein. Jeden Abend nach Sonnenuntergang wir das Fasten gebrochen. Man geht in die Moschee, besucht Angehörige oder trifft Freunde.
Der Fastenmonat beginnt in diesem Jahr am 23. März mit Erscheinen der Neumond-Sichel. Der islamische Kalender wird anders berechnet als der christlich-gregorianische und richtet sich nach dem Mond. Deshalb variiert der Zeitpunkt des Fastenmonats. Für Musliminnen und Muslime ist das Fasten eine der fünf Säulen ihrer Religion – neben dem Pilgern nach Mekka, den täglichen Gebetszeiten, dem Glaubensbekenntnis zu Allah als einzigem Gott und dem Spenden. Befreit vom Fasten sind Alte und Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende sowie Soldaten im Krieg. Sie können das Fasten nachholen. Höhepunkt ist die "Lailat al Qadr", die "Nacht der Bestimmung", in der nach der Überlieferung dem Propheten Mohammed erstmals Verse des Koran offenbart wurden. Viele Muslime beten dann die ganze Nacht, in der Hoffnung auf Vergebung ihrer Sünden. Am Ende des Ramadan, in diesem Jahr am 20. April, folgt das Fest des Fastenbrechens, arabisch 'Id al Fitr, das auch in der Türkei auch als Zuckerfest bekannt ist.
Mfg Nikita Noemi Rothenbächer
Im Christentum wie im Islam gibt es die Geschichte der Siebenschläfer von Ephesus. Sie waren Krieger, die im Jahr 250 zum Christentum konvertierten, das sich gerade zu entwickeln begann. Millionen Christen und Muslime glauben an ein Wunder, dass die sieben Krieger in die Zukunft teleportiert wurden.
Es ist das Jahr 251 nach Christi Geburt. Die Legende erzählt, dass sieben frommen Jünglinge aus ihrer Heimatstadt Ephesus fliehen müssen.
Die Häscher des Kaisers Decius verfolgen sie, weil sie Christen sind. In einer nahe gelegenen Höhle verstecken sich die Kinder.
Doch ihre Verfolger finden ihr Versteck und mauern sie in der Höhle ein.
Erst 195 Jahre später, am 27. Juni 446, werden sie durch einen Zufall wieder entdeckt.
Das Wunder: Sie sollen 195 Jahre lang geschlafen haben.
Nach ihrer Wiederentdeckung wachen sie auf, um ihren Glauben an die Auferstehung zu bekennen und starben bald danach.
Die Verehrung dieser sieben christlichen Jünglinge ist schon im 5. Jahrhundert literarisch festgehalten. Zunächst in der Ostkirche in syrischen und griechischen Varianten. Die erste lateinische Übersetzung stammt von Gregor von Tour (538-594). Die Geschichte der sieben Jünglinge findet sich auch im Koran wieder (18. Sure). Diese erzählt von den "sieben Brüdern".
"Herz und Seele zu reinigen", darum geht es Musliminnen und Muslimen im Ramadan. Mit dem Teravih-Gebet, dem Ramadan-Gebet, begann der islamische Fastenmonat Ramadan. Der erste Fastentag war der 23. März. Der Fastenmonat gehört für die Gläubigen zu den fünf Säulen des Islam. Von innerer Einkehr, aber auch vom Gefühl der Gemeinschaft soll diese Zeit geprägt sein. Jeden Abend nach Sonnenuntergang wir das Fasten gebrochen. Man geht in die Moschee, besucht Angehörige oder trifft Freunde.
Der Fastenmonat beginnt in diesem Jahr am 23. März mit Erscheinen der Neumond-Sichel. Der islamische Kalender wird anders berechnet als der christlich-gregorianische und richtet sich nach dem Mond. Deshalb variiert der Zeitpunkt des Fastenmonats. Für Musliminnen und Muslime ist das Fasten eine der fünf Säulen ihrer Religion – neben dem Pilgern nach Mekka, den täglichen Gebetszeiten, dem Glaubensbekenntnis zu Allah als einzigem Gott und dem Spenden. Befreit vom Fasten sind Alte und Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende sowie Soldaten im Krieg. Sie können das Fasten nachholen. Höhepunkt ist die "Lailat al Qadr", die "Nacht der Bestimmung", in der nach der Überlieferung dem Propheten Mohammed erstmals Verse des Koran offenbart wurden. Viele Muslime beten dann die ganze Nacht, in der Hoffnung auf Vergebung ihrer Sünden. Am Ende des Ramadan, in diesem Jahr am 20. April, folgt das Fest des Fastenbrechens, arabisch 'Id al Fitr, das auch in der Türkei auch als Zuckerfest bekannt ist.
Mfg Nikita Noemi Rothenbächer
Dienstag, 28. März 2023
Selbstbestimmung beim Geschlecht, wer ist schneller Finnland oder Deutschland?
Finnland startet zum Jahreswechsel
Nach der bisherigen finnischen Gesetzgebung, die gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstößt, musste eine Person ihre Unfruchtbarkeit nachweisen, bevor ihr die rechtliche Anerkennung des Geschlechts gewährt werden kann. Außerdem musste die Person einen langwierigen Diagnoseprozess mit psychiatrischer Begutachtung und Hormontherapie durchlaufen.
Ab Januar 2024 sollen trans Personen, die 18 Jahre oder älter sind, ihr Geschlecht durch eine Selbsterklärung legal ändern können, ohne ein psychiatrisches Gutachten oder eine Bescheinigung über ihre Fortpflanzungsfähigkeit vorlegen zu müssen. Nach dem neuen Gesetz wird die Anerkennung für Erwachsene auf schriftlichen Antrag nach einer obligatorischen 30-tägigen Bedenkzeit möglich sein. Um Missbrauch zu verhindern, dürfen solche Anträge nur einmal im Jahr gestellt werden.
Langer Kampf für Aktivist*innen
Am 1. Februar stimmte das finnische Parlament mit 113 zu 69 Stimmen für eine Änderung dieses Gesetzes, nachdem zuvor heftig über das Gesetz gestritten wurde. Premierministerin Sanna Marin machte die Abstimmung zur Priorität in ihren verbleibenden zwei Monaten im Amt. In Finnland finden Anfang April Parlamentswahlen statt.
Für Matti Pihlajamaa, LGBTI-Rechtsberater von Amnesty International Finnland, ist das neue Gesetz ein großer Erfolg. „Mit der Verabschiedung dieses Gesetzes hat Finnland einen großen Schritt zum Schutz der Rechte von Transsexuellen und zur Verbesserung ihres Lebens und ihres Rechts auf Selbstbestimmung getan“, sagte Pihlajamaa.
„Die Abstimmung ist das Ergebnis von mehr als einem Jahrzehnt Kampagnen zivilgesellschaftlicher Gruppen und ein Beweis für das Engagement von Aktivisten, die lange und hart – oft trotz giftiger Rhetorik – dafür gekämpft haben, diesen Tag zu erleben.“
Obwohl dieses neue Gesetz enorme und positive Auswirkungen haben und eine wichtige Säule für die Nichtdiskriminierung darstellen wird, muss noch mehr getan werden“, fügte Matti Pihlajamaa hinzu. Denn das Gesetz gilt nur für Erwachsene.
„Der Ausschluss von Kindern von der rechtlichen Anerkennung des Geschlechts verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Wir werden die Regierung weiterhin auffordern, die Gesetzgebung entsprechend zu ändern, um sicherzustellen, dass die Rechte der Kinder gefördert werden.“
„Wettrennen" mit Deutschland?
Das von der Ampel-Koalition geplante Selbstbestimmungsgesetz zur vereinfachten Änderung von amtlichem Geschlechtseintrag und Vornamen von Transsexuellen befindet sich inzwischen ebenfalls auf der Zielgeraden. „Das Gesetz wird kommen, weil diese Koalition den menschenrechtswidrigen Zustand im derzeitigen Transsexuellengesetz abstellen will“, sagte Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) der „Welt am Sonntag“ im Januar. „Diese Menschen sind schon zu lange drangsaliert und diskriminiert worden.“ Die Ampel-Koalition arbeite daran,
„dass es hier nun schnell vorangeht und wir das Selbstbestimmungsgesetz vor der parlamentarischen Sommerpause in 2023 beschließen können.“
Mehr Rechte, gleiche Fristen wie in Finnland
Bedenken, dass vor allem junge Frauen vorschnell ihre Geschlechtsidentität ändern könnten, könne sie „nur schwer nachvollziehen“, sagte Paus. Bei einer Änderung des Geschlechtseintrags und des Vornamens seien die Betroffenen mindestens ein Jahr an diese Entscheidung gebunden – mit allen Konsequenzen.
„Der Name wird geändert, der Personalausweis wird geändert. Das ist ein drastischer Schritt, der auch Konsequenzen im Umfeld hat. Niemand tut dies leichtfertig“, betonte die Ministerin.
Die Heftigkeit der Debatte zeige, „wie schwer sich manche in unserer Gesellschaft noch immer damit tun, zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich außerhalb der binären Geschlechterordnung verorten“, so Paus. Trans-, intergeschlechtliche und non-binäre Menschen gebe es schon seit Jahrtausenden. Bisher habe es aber meist strafrechtliche Konsequenzen gegeben, wenn Menschen dies leben wollten. Diese Menschen bedürften eines besonderen Schutzes, betonte die Grünen-Politikerin:
„Trans-, intergeschlechtliche und non-binäre Menschen gesetzlich zu schützen, gebietet das Grundgesetz und das Prinzip der Menschenwürde.“
Einem im vergangenen Sommer vorgelegten Eckpunktepapier zufolge sollen Volljährige künftig beim Standesamt die Änderung von Geschlechtseintrag oder Vornamen verlangen können, ohne weitere Nachweise oder Begründungen zu erbringen. Bei Minderjährigen ab 14 müssen die Eltern einverstanden sein – sind sie es nicht, kann das Familiengericht eingeschaltet werden, um den Konflikt zu klären. Vor einer erneuten Änderung soll in allen Fällen eine Sperrfrist von einem Jahr gelten.
Ob Finnland oder Deutschland zuerst die so dringend erwartete Ziellinie zu einem menschenwürdigen staatlichen Umgang mit Trans, Inter und non-binären Menschen überschreiten, wird wohl spätestens im Sommer klar sein.
Das Menschliche
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