Samstag, 15. Dezember 2012

Ausblick in die Vielgeschlechtlichkeit jenseits fester Identitäten


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Bearbeitet und Geschrieben von Nikita Noemi Rothenbächer 2012

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Ausblick in die Vielgeschlechtlichkeit jenseits fester Identitäten

Wir fragen,  ob  mit  der  Dekonstruktion  der  'Natur  der  Zweigeschlechtlichkeit'  die
Entmaterialisierung  von  Körpern  einhergehen  muss?  Wir verneint  dies: „Die  psychischen  und
physischen Narben, die Schmerzen der operierten Körper von Intersexuellen sind so real, dass es
als  Hohn  erscheint,  bereits  ihre  'ursprünglichen'  Körper  für  konstruierte  zu  halten.“

Intersexualität als Negation der Zweigeschlechtlichkeit bedeutet nicht, mit Geschlechtern in Form
einer  Maskerade  oder  Travestie  lediglich  zu  spielen,  es  erfordert  eine  grundsätzlichere
Veränderung  des  polaren  Denkens  bezüglich  einer  pluralen  Geschlechterdifferenz  jenseits  der Kategorien `Frau´ und `Mann´. Heldmann fordert nicht einen „selbstmitleidigen Blick“ auf das
„schwache Geschlecht“, wie es die feministische Bewegung lange Zeit propagiert hat, sondern auf
die gewaltsame Eliminierung sog. zwischengeschlechtlicher Menschen.

Wir  befinden  uns  hier  in  einer  argumentativen  Zwickmühle:  einerseits  muss  von
Zweigeschlechtlichkeit als Konstruktion und von konstruierten Körpern ausgegangen werden, die
dieses Modell bedienen, andererseits muss auf der 'Substanz' von Körpern bestanden werden, um
Intersexuellen nicht erneut den Ort ihrer Präsenz zu nehmen.

Heldmann plädiert von daher für die Beibehaltung der Kategorien gender und sex.

Die  vielfältigen  Formen  der  Intersexualität  und  die  Schwierigkeit  der  Medizin,  diese  zu
kategorisieren,  machen  deutlich,  dass  die  körperlichen Merkmale  intersexueller  Körper  nicht
lediglich  als  eine  Mischung  der  definierten  weiblichen  und  männlichen  Körpermerkmale
anzusehen sind,  sondern  jeder  Körper  für sich  eine  eigene  körperliche  Geschlechtskategorie
darstellt.
Dadurch wird der Begriff der Intersexualität obsolet.

In diesem Sinne plädiert Heldmann für andere Begrifflichkeiten. Sie schlägt 'Vielgeschlechtlichkeit' vor; 'Frau' und 'Mann' definierten dann lediglich zwei Möglichkeiten der Geschlechterformen unter vielen.

Was theoretisch so einfach formuliert wird, gestaltet sich in der Praxis als nicht unbedingt einfach.
Das Wissen um den Körper, das u. a. durch die Biologie und Medizin geprägt ist, erlaubt es nicht,
Leibeserfahrungen und -wahrnehmungen unpolar  zu  erleben.
Die Menschen in unserer Kultur können  nur  anhand  binär  gestalteter  Körperdifferenz  die  Geschlechter  'Frau'  und  'Mann' wahrnehmen.
In Begegnungen mit Intersexuellen fällt auf, wie dominant dieses binär gestaltete Körperwissen ist.
 So werden oft in der unmittelbaren Konfrontation mit einem intersexuellen 'Leib' an seinem/ihrem 'Körper' Merkmale gesucht, die sich nur an der Kategorien 'Frau' und 'Mann' zu orientieren  scheinen.
 Durch  eigenes  Körperwissen  wird  versucht,  den  Leib  in  binäre Geschlechtermerkmale  zu  strukturieren.

Da  dies  unmöglich  gelingen  kann,  tritt  zunächst Verwirrung  auf. Erst wenn  eigenes Körperwissen  vergessen wird, besteht die Möglichkeit, dem Menschen gegenüber gerecht  zu werden.
Geht es aber andererseits nicht genau darum, dieses Wissen gerade nicht zu vergessen? Geht es nicht vielmehr darum, sich des eigenen Verhaftet-Seins in der binären Ordnung bewusst zu werden?

Erst mit einem Bewusstsein für diese Kategorien ist es möglich,  mehr  als  nur  den  in  der  Kategorie  verhafteten  Menschen  zu  sehen.  Durch  diesen erweiterten Blick kann es gelingen, geschlechtliche Körper in mehr als zwei Varianten zu erfassen.
Durch  die  Konfrontation  mit  Intersexuellen  ergibt  sich  aber  die  viel  grundsätzlichere Herausforderung, identitätskonstituierende Prozesse immer wieder zu hinterfragen, um vielleicht irgendwann  Identität  unabhängig  von  Geschlecht  denken  zu  können.

Eine  Differenz  der Geschlechter jenseits der Zweigeschlechtlichkeit sehen zu können, bedeutet, sich ein völlig neues Wahrnehmen,  Denken  und  Wissen  anzueignen,  das  die  Menschen  in  ihren  vielfältigen Geschlechtern belassen kann.

Resumee

Der  Blick  in  die  Geschichte  zeigte  uns,  dass  der  Wechsel  des  Geschlechts  erst seit  dem  19.Jahrhundert verboten ist, nachdem sich der biologisch-medizinische Apparat installiert hat. Dabeikristallisierte sich für uns die Erkenntnis heraus, dass gesellschaftliche Diskurse gewalttätig zum Offenbarungseid  zwingen können, ohne dass  eine  aktive Person,  ein  Täter  verantwortlich sein muss.

Zur  Frage,  weshalb  Intersexuelle  operiert  werden,  haben  wir  diverse  medizinische  Texte durchgearbeitet.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Sexualmedizin Intersexualität als schwerwiegende  Störung sieht.  Zweigeschlechtlichkeit  und Heterosexualität wird  von  den Mediziner-Innen für normal gehalten.

Die Mediziner-Innen behaupten, eine geschlechtsspezifische Erziehung sei nur möglich, wenn körperlich-morphologisches und nach der Geburt zugewiesenes bürgerliches  Geschlecht  übereinstimmen.

Wenn  dies  nicht  der  Fall  ist, sei  eine  psychosozial normale Entwicklung des Kindes nicht gewährleistet. Es hätte dann keine erfüllende Sexualität.
Auch wenn dieses gegen die Menschen-Rechte verstößt, vorallem in Deutschland in welchem die Würde des Menschen unantastbar proglamiert wird!

Oberstes  Ziel  ist  dabei  die  Kohabitationsfähigkeit:  Es  muss  eine  Koitusfähigkeit  des Geschlechtsorgans hergestellt werden.
Menschen mit  einem  dritten  oder neutralen Geschlecht würden diskriminiert werden. Deshalb ist oberstes Ziel, ein eindeutiges Geschlecht zu erzeugen.

Entscheidend sei die Leid vorbeugende, bald nach der Geburt vorgenommene Korrektur.
Jedoch der Säugling hat somit das Recht auf Würde verloren, denn Er kann nicht mit Reden!

Hierbei sei es zweitrangig, ob eine Vermännlichung oder Verweiblichung vorgenommen wird.

Um auch das sozial gelebte Geschlecht auf den korrigierten operierten Körper zu eichen, wird im Anschluss eine Psychotherapie empfohlen. Der biologische sex wird also entsprechend dem herrschenden gender Modell geformt, das soziale Geschlecht erschafft das biologische.
Es zeigt sich, dass es bei den geschlechtlichen Normierungen keineswegs um die Interessen der Betroffenen, sondern um die Absicherung dichotomer Geschlechterverhältnisse geht.

Intersexualität wird mittels der binären Geschlechternorm zugleich hervorgebracht wie verboten.
Im  krassen  Gegensatz  zu  den  ärztlichen  Konzepten  stehen  die  Erfahrungen  der  operierten Menschen
.
Sie sehen die Operationen nicht als Wohltat zur Verhinderung von Leid, sondern als Folter.

Ihr Körper wird mit Gewalt gezwungen, ein anderer zu sein, sie werden mit Gewalt in ein kulturelles Raster gepresst, in das sie nicht hineinpassen. Hinzu kommt die sexualisierte Gewalt durch die behandelnden Ärzte, etwa bei der Bougierung (`Dehnung´) der Scheide.

Da die medizinische Selbstlegitimation mit diesen Ausführungen also hinfällig ist, muss es einen anderen Grund dafür geben, das Intersexuelle zwangsoperiert werden.

Wir sind zu dem Schluss gekommen,  dass Intersexuelle für  die  herrschenden Geschlechterverhältnisse  eine Bedrohung darstellen.
Sie offenbaren die zwangsheterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit nur zu offensichtlich als  kulturelles  Artefakt.
Sie stürzen  das  System  in  eine Identitätskrise.
Demnach schützt  der ärztliche Präventionsgedanke also 'die Gesellschaft' vor Intersexuellen, nicht etwa Intersexuelle vor 'der Gesellschaft'.
Individuell kann nicht gelöst werden, was nur gesellschaftlich geht.
Von sexueller Gewalt wird in westlichen Ländern nur gesprochen, wenn es um außereuropäische Kulturen, etwa die Genitalverstümmelung in Afrika geht. Damit wird in rassistischer Weise davon abgelenkt,  dass  auch  im  aufgeklärten Westen  Folter  und  Verstümmelung  durch  die  moderne Medizin  an  der  Tagesordnung  ist.
Diese  Fakten  passen  aber  nicht  zum  kolonialen, paternalistischen Blick, den auch manche Feministin auf die „armen Frauen“ in Afrika fallen lässt.
Diskursive Ein- und Ausschlussregeln fielen uns auch bei der gesamten Rezeption medizinischer Literatur  auf:
Medizinische  Diskurse  können  es  sich  leisten,  völlig  ohne  Bezugnahme  auf feministische  Diskurse  zu  existieren,  die  die  Geschlechterkonstruktion  kritisch  hinterfragen.
Naturwissenschaftliche Diskurse weisen allerdings unterschiedliche Durchlässigkeiten auf. In der Biologie ist es beispielsweise üblicher, Kritik aus der eigenen Disziplin heraus zu leisten (siehe etwa Donna Haraway  etc.)  als  im Bereich  der Medizin, wo  die AutorInnen mancher wichtiger Standardwerke  noch  nie  etwas  von  feministischer  Naturwissenschaftskritik  gehört  zu  haben scheinen und ihre Theorieproduktion seit Jahrzehnten unfassbar hermetisch ist.
Als Ausblick steht für uns fest, dass eine grundsätzlichere Veränderung des polaren Denkens in Richtung einer pluralen Geschlechterdifferenz, einer Vielgeschlechtlichkeit jenseits der Kategorien 'Frau' und 'Mann' dringend notwendig ist.
Zum  Schluss möchten wir noch  auf  die Gefahr hinweisen,  dass Operationen  an Intersexuellen aufgrund  der  zunehmenden  öffentlichen  Kritik  bald  durch  unauffälligere  vorgeburtliche Elimination  abgelöst  werden  könnten.
Zur  Frage,  ob  Intersexuelle  bereits  heute  durch  ein systematisches  pränatales  Screening ausgefiltert  werden,  haben  wir  keine  genauen  Angaben gefunden.  Es  ist  aber  zumindest  klar,  dass  Föten  mit  bestimmten,  der  Intersexualität zugerechneten  Syndromen,  nach  §218a  bis  zum  neunten Monat  abgetrieben werden  können, „wenn  schwerwiegende  Beeinträchtigungen  des  körperlichen  oder  seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren zu erwarten sind - mit anderen Worten, wenn das künftige Kind  als nicht  zumutbar  gilt.“

Michel Reiter schreibt, über Pränataldiagnostik und In-VitroFertilisation werde man „vermutlich schrittweise eine vollständige Elimination anstreben“

Soviel so weit, wir können nur darauf Aufmerksam machen, das hier nicht nur Verstöße vorliegen oder Menschen-Rechts Verletzungen, sondern hier spricht man sogar von legalem Mord, nur um diese Zweigeschlechtlichkeit aufrecht zu erhalten!

Verbleibe Nikita Noemi

Wenn ich gefragt werde, ob mir http://trans-weib.blogspot.de/ 10 Euro wert ist, dann sage ich: Ja, klar!

Für mich ist  http://trans-weib.blogspot.de/  ganz oft der erste Anlaufpunkt. Ich halte die Artikel für ausgewogen und oft deutlich besser als Informationen auf anderen Webseiten. Wenn ich mich über ein Thema informieren will und dabei auf einer Seite lande, die ich nicht kenne, dann weiß ich erst mal nicht, wie ich sie einschätzen soll. Ist diese Seite seriös? Soll ich ihr vertrauen? Bei http://trans-weib.blogspot.de/  habe ich diesen Vorbehalt nicht.

Ich habe da mittlerweile ein Grundvertrauen entwickelt.

Während der letzten Spendenkampagne habe ich natürlich den Spendenaufruf des http://trans-weib.blogspot.de/ Nikita Noemi Rothenbächer ein paar Mal gesehen:

Beim ersten Mal hab ich nicht reagiert. Beim zweiten Mal überlegte ich: Eigentlich wäre es nur richtig zu spenden. Und beim dritten oder vierten Mal habe ich mir dann gedacht: Nun spende halt endlich!
Weil mir http://trans-weib.blogspot.de/ viel wert ist, wollte ich etwas tun - und so ein kleiner Betrag tut mir nicht weh. Spenden ist eine einfache Art, sich für Freies Wissen zu engagieren.

Bei http://trans-weib.blogspot.de/ gibt es tausende Freiwillige, die sich ohne finanzielle Gegenleistung sehr viel Arbeit mit dem Einstellen und Bearbeiten von Artikeln machen. Dazu gibt es Leute, die sich organisatorisch darum kümmern, dass das Projekt läuft, und schließlich gibt es eine sehr große Anzahl von Leuten, die http://trans-weib.blogspot.de/ nutzen.

Im Vergleich zu Facebook, Google und Co., die mit Ihren Webseiten Geld verdienen, ist die Zahl dieser Helfer sehr klein. http://trans-weib.blogspot.de/ wird als öffentliches Gut angesehen, so wie die Straße, auf der ich fahre: Ich benutze sie, ohne weiter darüber nachzudenken. Doch selbst für staatlich finanzierte öffentliche Güter zahle ich Steuern.

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Freitag, 14. Dezember 2012

Schon schrecklich, Im Zweifel gegen das Kind!




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Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2012

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Im Zweifel gegen das Kind

Alex aus Berlin wurde als Junge geboren. Mit zweieinhalb Jahren beschloss er, ein Mädchen zu sein. Seitdem streiten Eltern, Psychologen, Ämter und Gerichte darüber, ob das überhaupt sein darf.

Über den kleinen Platz am Rathaus Zehlendorf dröhnt an diesem sonnigen Apriltag Reggae-Musik. Etwa hundert Menschen stehen mit Transparenten und Luftballons um einen Lautsprecherwagen herum. Auch Frauen in bunten Kleidern und mit Bartansatz sind dabei.

„Hallo, Jugendamt! Ich hoffe, ihr könnt uns hören“, ruft ein Mann in ein Mikrofon. „Unser Bündnis hat sich spontan gegründet, nachdem der Fall von Alex* öffentlich geworden ist.“ Mehr als 30.000 Menschen, sagt der Sprecher, hätten sich bereits einer Internet-Petition angeschlossen, in der gegen die Zwangseinweisung des transsexuellen Kindes in die Psychiatrie protestiert wird. Beifall brandet auf.

Auch wir von  http://trans-weib.blogspot.de/ haben mehre male Über diese Ereignisse berichtet, mehr noch haben uns mit Politischen Parteien angelegt, worauf eine Unterlassungsklage anhängig wurde, jedoch abgewiesen wurde!
Wir berufen uns auf den Artikel 5 des Grund Gesetz Buches, Meinungsfreiheit ist etwas großes und schönes wenn man Gehör findet!

Alex, zwölf Jahre alt, ist nicht zu sehen an diesem Tag. Das Kind würde am liebsten seine Ruhe haben. Ein Kind unter vielen sein. Ganz normal. Aber das scheint nicht mehr zu funktionieren, im Grunde hat es wohl nie so richtig funktioniert.

Auf der Geburtsurkunde des Kindes steht der Name Alexander.

In seiner Familie, in der Schule, unter Freunden wird es seit Jahren Alexandra genannt. Das Kind, das als Junge geboren wurde, will ein Mädchen sein. Ob das geht, darüber streiten seit sechs Jahren Eltern, Ämter, Kinderpsychologen und Gerichte. Alex überfordert sie alle. Man weiß so wenig über solche Kinder. Und trotzdem müssen Entscheidungen getroffen werden. Die sogenannten Fachleute erscheinen dabei noch hilfloser als alle anderen

Überforderte Erwachsene

Mittlerweile ist Alex zu so einer Art Symbol geworden. Zu einem Wesen, das uns alle vor die Frage stellt, was eigentlich normal sein soll? Wäre Alex erwachsen, dann dürfte sie in dieser Frage selbst entscheiden. Als Kind ist sie den überforderten Erwachsenen ausgeliefert. Das ist das Problem.

Weil auch die Mutter nicht mehr weiter weiß, scheut sie nicht mehr die Öffentlichkeit. Es soll bekannt werden, was ihrem Kind gerade passiert. Das erste Treffen findet an einem neutralen Ort statt. In einem Haus bei Bekannten der Familie. Ein schmales, langhaariges Mädchen in verwaschenen Jeans und T-Shirt öffnet die Tür und streckt zur Begrüßung lächelnd die Hand aus. Es dauert einen Moment, bis klar wird, dass das Alex ist.

Dann kommt auch die Mutter herbei. Eine große, schlanke Frau mit Lockenmähne. Wenn die Mutter im Wohnzimmer diese ganze Geschichte erzählt, wird Alex in einem anderen Zimmer sein. Das Kind soll von dem allen so wenig wie möglich mitbekommen.

Die Mutter beginnt zu sprechen. Sie braucht etwas Zeit, um in den Redefluss einzutauchen. Wenn sie von den frühen Jahren ihres Kindes erzählt, dann spricht sie von ihrem Sohn. Später von der Tochter. Es ist, als habe die Mutter selbst den Sprung längst getan, der den meisten anderen so schwer fällt.

Keine fundierte Diagnose

„Ich hab mich bei Alex’ Geburt total über einen Jungen gefreut“, erzählt die 41-Jährige und lacht. Nur blaues Zeug habe sie für das Baby gekauft. Sie sei mit Brüdern aufgewachsen, „etwas jungenfixiert“. Als Alex zwei Jahre alt war, sei ihr aufgefallen, dass er anders spielte als andere. „Er hat seine Autos verheiratet und solche Sachen. Na gut, dachte ich, hast du eben einen Softie.“

Mit zweieinhalb habe das Kind zum ersten Mal gesagt, es sei ein Mädchen. „Ich habe das korrigiert und bin strenger geworden“, sagt die Mutter. Sie habe begonnen, Mädchenspielzeug und -kleidung zu verbieten. Mit vier habe sie Alex die Haare ganz kurz geschnitten. Damals sei Alex immer stiller geworden. Sie konsultierte eine Psychologin. Die habe ihr geraten, dem Kind zu erlauben, so zu sein, wie es möchte. „Nach einiger Zeit hatte ich wieder ein fröhliches Kind.“

Seither lebt Alex als Mädchen. Und die Mutter ist zur Expertin geworden für Transsexualität im Kindesalter. Sie hat Fachleute und Betroffenen-Initiativen kontaktiert. Sie hat sich die Lebensgeschichten von Transsexuellen angehört, kennt die kontroversen Expertendiskussionen.

„Natürlich frage ich mich, ob ich Fehler gemacht habe“, sagt sie. „Immer wieder.“ Aber bis heute gebe es keine fundierte Diagnose, keine Begutachtung von neutraler Stelle, warum dieses Kind so ist, wie es ist, und wie es in seiner weiteren Entwicklung am besten zu begleiten wäre. Darum kämpft sie seit Jahren.

Aber sie darf darüber nicht entscheiden. Für die Gesundheit des Kindes sind das Jugendamt und eine „externe Ergänzungspflegerin“ verantwortlich. Sie wurde 2007 vom Gericht eingesetzt, weil der getrennt lebende Vater, gestützt von einer ärztlichen Stellungnahme der Berliner Charité, denkt, die Mutter habe dem Kind das Mädchensein nur eingeredet. Weil sich die Eltern nicht einigen konnten, ist die Sache vor Gericht gelandet.

Und jetzt drängt die Zeit. In Kürze wird bei Alex die Pubertät einsetzen. Das Berliner Kammergericht hat es zuletzt abgelehnt, der Mutter das alleinige Entscheidungsrecht über die Gesundheit des Kindes zurückzugeben. Das Gericht hat nach Aktenlage entschieden. Die Akten, das sind mittlerweile mehr als tausend Seiten. Das Kind haben die Richter nicht gesehen oder angehört. Auch nicht die gemeinsam sorgeberechtigten Eltern.
Im Herbst 2006 hatten die Eltern sich zumindest noch einigen können, bei der damals neu eingerichteten, inzwischen wieder eingestellten „Spezialsprechstunde für Kinder und Jugendliche mit Störungen der Geschlechtsidentität“ Rat zu suchen. Solche Anlaufstellen gibt es sonst nur in Hamburg und Frankfurt am Main.

Alex durchlief einige Tests. Anna Kaminski* nahm nach ihrer Erinnerung an zwei Gesprächen teil und einem Verkündungstermin. Die angeratene vollstationäre Behandlung des sechsjährigen Kindes in der Psychiatrie lehnte die Mutter ab. Es muss auch zu Streitgesprächen gekommen sein. Erst später erfuhr sie, dass den Psychologen ein vom Vater verfasster Bericht über die längst zerbrochene Partnerschaft und das Familienleben vorlag, 170 Seiten lang. „Mein Vertrauen in die Charité“, sagt sie, „ist seither zerstört.“

„Akute Gefährdung“

Im folgenden Sommer, als vor Gericht um Alex gestritten wird, gibt die Charité eine Stellungnahme ab. Knapp drei Seiten lang. Über die Verfassung des Kindes ist darin nur wenig zu erfahren. Intensiver setzt sich der unterzeichnende Kinder- und Jugendpsychiater mit der Mutter auseinander. Er beklagt deren Uneinsichtigkeit, diagnostiziert bei ihr psychische Störungen, nennt Alex Geschlechtsidentitätsstörung „vermutlich durch die Kindsmutter induziert“. Er warnt vor einer „akuten Gefährdung des Kindeswohles“, mahnt „umgehenden juristischen Handlungsbedarf“ an.

Eine Einschätzung des von den Eltern etwa zur selben Zeit konsultierten Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf klingt ganz anders. Sie bezieht sich mehr auf das Kind. In seinem Verhalten und Aussehen wirke es „sehr mädchenhaft und darin stimmig“. Auch belastende Loyalitätskonflikte gegenüber den zerstrittenen Eltern werden erwähnt. Hinweise auf eine durch die Mutter hervorgerufene Störung verneinen die drei unterzeichnenden Ärzte genauso wie Anzeichen für psychische Erkrankungen bei Mutter und Kind.

Seit Ende vergangenen Jahres hat das Gericht eine neue Ergänzungspflegerin eingesetzt. Die hat nach Aussage der Mutter nur ein einziges Mal mit Alex gesprochen. Etwa eine Stunde lang. Und dann gab es noch einen abendlichen Anruf, als Alex allein zu Hause war. Da soll die Therapeutin dem Kind mitgeteilt haben, dass es nun bald zu einer längeren, stationären Behandlung in die Charité komme und anschließend in eine nette Pflegefamilie vermittelt werde.

Die Therapeutin äußert sich nicht zu der Angelegenheit. Das dürfe sie auch gar nicht, sagt ihr Anwalt. Den hat sie sich genommen, weil die heftige Kontroverse um Alex auch ihr mittlerweile Furcht einflößt. Seit über den Fall berichtet wurde, hat er einen Furor im Internet ausgelöst.

Juristisch kompliziert

In Betroffenen-Foren und juristischen Blogs debattieren Hunderte, bis hin zu Amtsgerichtsdirektoren. Selbst in Besprechungen des gerade angelaufenen, französischen Films „Tomboy“ über ein Mädchen, das sich als Junge fühlt, sind Verweise auf Alex zu finden. Eine Flut von E-Mails ist hereingebrochen über die befassten Gerichte, das Jugendamt, die Charité. Eine Sprecherin der Charité stellte daraufhin klar: „Eine Aufnahme gegen den Willen von Mutter und Kind würden wir klar ablehnen.“

Dass das Berliner Universitätsklinikum, eines der größten in Europa, bei Betroffenen umstritten ist, hat nicht allein mit dem aktuellen Fall zu tun. Hormontherapien vor dem 16. Lebensjahr werden dort abgelehnt. „Die Diagnose Transsexualität im Kindesalter gibt es nicht“, sagt Michael Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft.

Entsprechende Symptome würden sich meist wieder verlieren und häufig zu einer gleichgeschlechtlichen Orientierung im Erwachsenenalter führen. Blockiere man die Pubertät zu früh, meint Beier, bestehe die Gefahr, eine homosexuelle Identitätsfindung zu unterbinden.
Früher lehnte auch Bernd Meyenburg Hormonbehandlungen bei Minderjährigen ab. Heute hält er sie für teils geboten. Seit 1987 leitet er die psychiatrische Spezialambulanz für Kinder und Jugendliche mit Identitätsstörungen an der Frankfurter Uniklinik, die älteste bundesweit.

Im falschen Körper

Etwa 300 Kinder, die sich im falschen Körper fühlten, habe er kennengelernt und viele von ihnen nachuntersucht, sagt er. „Bei Kindern, die sich früh eindeutig ausgerichtet haben, ist mir nicht ein Fall bekannt, in dem eine Rückkehr in das Geburtsgeschlecht stattgefunden hat.“ Eine stationäre Diagnostik hält er in solchen Fällen für unangemessen und eine Induzierung des gegensätzlichen Rollenverhaltens durch andere für ausgeschlossen.

„Mit der Pubertät beginnt meist die Leidenszeit“, sagt Meyenburg. Stimmbruch und Bartwuchs setzten ein. „Ich kenne Betroffene, die haben sich jedes einzelne Barthaar epiliert.“ Mit pubertätshemmenden Hormonen, deren Wirkung noch reversibel sei, könne nach eingehender Diagnostik zumindest Zeit für die Identitätsfindung gewonnen werden. Bestätige sich der eingeschlagene Weg, würden später gegengeschlechtliche Hormone verordnet.

In Holland werden solche Behandlungen seit den späten 90er-Jahren ab dem zwölften Lebensjahr eingeleitet. Auch in Deutschland sind sie nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie möglich, etwa in Frankfurt. „Man kann doch diese Menschen nicht sehenden Auges in die falsche Entwicklung laufen lassen“, sagt Meyenburg. „Sie haben es doch schwer genug.“

Auch der Vater von Alex macht sich große Sorgen. Er möchte, dass sein Kind endlich von einem neutralen Experten untersucht wird. Aber wer kann als neutral gelten, wenn selbst die Experten im Umgang mit Kindern wie Alex in zwei Lager gespalten sind?

Öffentliche Debatte unerwünscht

Alex hat unter Trennung und Scheidung der Eltern sehr gelitten. Auch in der Zeit danach hat das Kind seinen Vater, der es nach wie vor beim Jungennamen nennt, regelmäßig gesehen. Seit über einem Jahr hat es den Kontakt abgebrochen. Wie es so gekommen ist, darüber redet sich der Vater fast anderthalb Stunden am Telefon in Rage.

Aber er möchte nicht, dass das in der Zeitung steht. Er möchte überhaupt nicht, dass die öffentliche Debatte um Alex anhält. Aber die ist kaum zu stoppen. Die Mutter hat gegen die Entscheidung des Kammergerichtes, der Ergänzungspflegerin freie Hand zu lassen, Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt.

Alex kommt ins Wohnzimmer, zu Gebäck und Eistee, setzt sich auf einen Sessel und zieht die Beine an. Sie ist zurückhaltend. Aber sie spricht klar und sicher, wirkt unbefangen. Nein, ihr Anderssein habe sie nie als Problem empfunden. In der Schule und bei ihren Freunden spiele das auch kaum eine Rolle.

Alex ist gut in der Schule, Klassensprecherin. Nach den Ferien wechselt sie auf das Gymnasium. Was sie sich am meisten wünschen würde? „All die Leute, die mich nicht verstehen, sollen endlich weg sein“, antwortet die Zwölfjährige schnell.

Sie weiß, dass ihr Körper sich bald verändern wird. Dass die Pubertät ihre Entscheidung, ein Mädchen zu sein, noch schwerer lebbar machen könnte. Sie fürchtet sich davor. „Ich habe Angst, dass mein Körper zu einem Jungen wird“, sagt das schmale Kind. „Es gehört für mich dazu, dass ich nicht nur die Seele eines Mädchens habe.“

Dienstag, 11. Dezember 2012

Iran: Wo die Geschlechtsumwandlung boomt


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Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2012

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Gestern war der Tag der Menschen-Rechte, hier ein Beitrag welche für sich selbst über Menschen-Rechte spricht!

Iran: Wo die Geschlechtsumwandlung boomt

Homosexuellen droht in Iran der Tod. In der islamischen Republik wechseln deshalb so viele Menschen ihr Geschlecht wie sonst nur noch in Thailand. Privatkliniken verdienen gut daran. Die heikle Doppelmoral aber können die Chirurgen nicht aus der Welt schaffen.

TEHERAN. Er rechnet nicht mehr ständig damit, doch vor einigen Tagen ist es wieder passiert, in der Bankfiliale in seinem Viertel. Eine klimatisierte Halle, die Frau am Schalter ist jung und dunkel verschleiert. Sie fragt nach seinem Pass, ihr Blick ruht einige Sekunden lang auf dem Papier, dann hebt sie den Kopf, ein Ausdruck voller Verachtung und Abscheu ist in ihrem Gesicht, er trifft Mehrdad (Anm. d. Red.: Name geändert) jäh und hart wie ein Schlag. Schweiß rinnt aus seinen Poren, er spürt, wie der Stoff seines Polohemds an ihm zu kleben beginnt. Gedankenfetzen schießen ihm durchs Gehirn, sein Mund öffnet und schließt sich. Wortlos stürzt er davon.

„Ich bin nach Hause gegangen“, sagt er, „und habe den ganzen Nachmittag geweint.“ Mehrdad sitzt in seinem engen Wohnzimmer in Enqelab, einem bürgerlichen Mittelklasseviertel im Zentrum Teherans. Er raucht dünne, perlweiße Zigaretten. Es herrscht tadellose Ordnung, Kekse und Zuckerdosen haben ihren Platz auf beigefarbenen Häkeldeckchen. Vor ihm liegt sein Pass, das Foto zeigt eine stämmige Frau, Fereshteh, geboren am 16. März 1968. Mehrdad betrachtet sie wie eine Fremde, nicht wie seine Vergangenheit. Sein wahres Ich, das war immer schon ein anderer, ein Mann: Mehrdad, geboren vor einem Monat in einem Teheraner Krankenhaus.

Er öffnete die Augen, spürte nach der Operation stechende Schmerzen im Unterleib, eine Krankenschwester beugte sich über ihn und fragte, wie er sich fühle. Er fühlte, dass zum ersten Mal sein Körper und seine Seele im Einklang miteinander standen. Für Mehrdad bedeutete die Geschlechtsumwandlung den Beginn seines richtigen Lebens.
Für Schirin das Ende aller Hoffnungen.

Viele Menschen führen zwei Leben

Sie läuft durch das Zentrum dieser brüchigen, grauen Stadt, sie geht nicht schnell und nicht langsam, weil es wichtig ist, nicht aufzufallen. Am Vanak-Platz flackern bunte Werbebilder über einen kinoleinwandgroßen Bildschirm, am Straßenrand steht ein halbes Dutzend Sittenpolizisten. Ab und an winken sie einer der Frauen aus der Menge, die sich ihre Hermès-Kopftücher so weit nach hinten geschoben haben, dass aufwendig frisierte Haarsträhnen zu sehen sind. Schirin beachtet sie nicht. An ihrer Kleidung ist nichts Provokantes, sie trägt einen schlichten schwarzen Mantel, Jeans, ein schwarzes Kopftuch. Doch sie weiß, dass sie heraussticht, schon wegen ihrer Größe. „Wir Transsexuellen werden ständig belästigt“, sagt Schirin, „auch von Polizisten. Manchmal fragen sie mich sofort nach Sex, manchmal schreiben sie sich meine Telefonnummer auf und rufen später an.“

Mehrdad. Schirin. Zwei Leben in Iran, einem Land, dessen gesellschaftliche Ordnung von einem Widerspruch bestimmt ist: zwischen Moralvorstellung und Wirklichkeit, zwischen frommer Tradition und globalisierter Moderne. Es gibt Verbote, es gibt strenge Sittenvorschriften, die von Polizisten und regimetreuen Milizen überwacht werden, trotzdem gibt es für jedes Gesetz auch einen Weg, es zu umgehen: mit Alkohol vom Schwarzmarkt, Popmusik aus dem Internet, Drogen an jeder Straßenecke, Undergroundpartys und Onlineflirtbörsen. Viele Menschen führen deshalb zwei Leben: ein öffentliches, regelkonformes und ein zweites, privates.

Die landesweiten Massenaufstände nach den Präsidentschaftswahlen im Juni haben bloßgelegt, wie tief dieser Widerspruch die Gesellschaft spaltet: Der reformorientierte Präsidentschaftskandidat Mir-Hossein Moussavi stand für die Hoffnungen vieler auf ein wenig gesellschaftliche Liberalisierung. Seit der islamischen Revolution vor 30 Jahren hatte es so große Demonstrationen nicht mehr gegeben. Die Machthaber ließen sie mit brutaler Gewalt niederschlagen; sie vollständig zu ersticken ist ihnen bis heute nicht gelungen.
Der Umgang mit Sexualität zeigt diese Widersprüche vergrößert wie unter einem Brennglas.
Händchenhalten in der Öffentlichkeit ist tabu; unverheiratete Männer und Frauen können verhaftet werden, nur weil sie zusammen auf der Straße unterwegs sind; Schwulen und Lesben droht die Todesstrafe. Doch ausgerechnet in der islamischen Republik Iran ist die Zahl der Geschlechtsumwandlungen so hoch wie sonst nur noch in Thailand.

Der Staat befördert beides. Die staatliche Wohlfahrtsorganisation zahlt bei Geschlechtsumwandlung rund 5 000 US-Dollar der Operations- und Behandlungskosten: etwa die Hälfte dessen, was in einem staatlichen Krankenhaus anfällt. Privatkrankenhäuser, deren spezialisierte Chirurgen deutlich mehr Erfahrung haben, nehmen bis zu 25 000 Dollar.

Während in Deutschland ein Transsexueller belegen muss, dass das Leiden an seinem als falsch empfundenen Geschlecht ihn krank macht, damit die Krankenkasse zahlt, gilt in Iran Transsexualität grundsätzlich als Krankheit. Aber eben nicht als Verbrechen. Mitte der 80er-Jahre erklärte der Revolutionsführer Ajatollah Chomeini Geschlechtsumwandlungen in einer Fatwa, einer Art islamischem Rechtsgutachten, für zulässig, denn der Koran erwähnt diese Operationen nirgends – also auch nicht als Sünde.

Shahryar Cohanzad schwärmt von der Unterstützung, die Transsexuelle vom iranischen Staat erhalten. Selbst in den USA, sagt er, herrsche nicht mehr Toleranz. Er hat in San Francisco studiert. Er ist einer von etwa zehn Chirurgen für Geschlechtsumwandlungen in Iran und arbeitet am renommierten Pars Hospital in Teheran, wo er in neun Jahren mehr als 300 Umwandlungen vorgenommen hat. Shahryar Cohanzad lehnt sich in seinem schweren Lederstuhl zurück. „Imam Chomeini hat gesagt: Die sexuelle Identität jeder Person beruht auf ihrer Wahrnehmung von sich selbst. Eine klügere Antwort habe ich bislang noch nicht gehört.“

Die Fatwa des Ajatollah ist eine Sache, die Wirklichkeit im Land eine andere.

Schirin wäre gern ein normaler Junge gewesen

Shahryar Cohanzad hat selbst gesehen, zu welcher Eskalation Unwissenheit, Verachtung und Scham führen können: Einer seiner Patienten wurde von seinem Vater erstochen, während er auf eine Untersuchung wartete; der junge Mann verblutete auf dem Marmorboden seines Sprechzimmers. Der Chirurg sagt: „Ich sehe es als Teil meiner Verantwortung, die Gesellschaft aufzuklären.“

Schirins Weg führt über die Straße der Islamischen Revolution, vorbei an der Teheraner Universität, an schmalen Bücherläden und neonbeleuchteten Fastfood-Imbissen. Auf die Betonfassaden rechts und links sind überlebensgroße Porträts von Chomeini gemalt. Sie betritt ein kleines Café, drinnen plaudern Studenten und Künstler. Sie setzt sich an einen Tisch in der Ecke, schiebt ihren Schleier ein Stück zurück. Schulterlange Haare, durchsetzt mit signalroten Strähnen, fallen ihr in die Stirn. Hellrosa glänzen ihre geschminkten Lippen. Sie lächelt linkisch, sie wird nicht aufhören, sich ständig umzusehen wie jemand, der bespitzelt wird. Niemand an diesem Ort achtet auf sie. Doch die Erwartung, Anstoß zu erregen, ist ihr vor langer Zeit ins Wesen übergegangen.

Schirin stammt aus dem Herzen der iranischen Provinz, einem entlegenen Ort mit 4 000 Einwohnern im Norden des Landes. Ihre Eltern streng religiös, der Vater Stammesführer, die Familie eine der angesehensten im Dorf, und dann das: ein Sohn, schmal, zart, mit zu langen Haaren und zu engen Jeans. Die Nachbarn beginnen zu reden. „Das müssen schlechte Menschen sein, wenn Gott sie mit so einem Jungen straft.“
Die Mutter fleht: „Warum kannst du nicht stark und männlich auftreten wie alle anderen?“ Schirin wäre gern ein normaler Junge gewesen. In der Schule wurde sie sexuell bedrängt und verspottet, von Mitschülern, von Lehrern. Als sie 16 Jahre alt war, verwies sie der Rektor trotz guter Noten von der Schule. Einen Abschluss hat sie deshalb nicht. Zwei Selbstmordversuche. Tabletten beim letzten Mal, drei Tage Koma. Ihre Eltern saßen am Krankenbett, als sie zu sich kam. Sie sagten: „In Ordnung, zieh dich an, wie du willst, aber bleib im Haus! Wir werden lernen, es zu akzeptieren, nur zeig dich so nicht vor anderen.“
„Transsexualität wird in Iran als medizinisches Problem gesehen:

Der Patient hat ein Leiden, das durch einen Eingriff geheilt werden kann“, sagt ein Teheraner Psychiater. Dass sein Name veröffentlicht wird, will er nicht. Das Thema ist dann doch zu heikel. Der 53-Jährige, Spezialist für psychosexuelle Störungen, ist einer jener Experten, die im Auftrag des Staates Transsexuelle begutachten. Die müssen sich vor ihrer Geschlechtsumwandlung von Ärzten und Psychologen untersuchen lassen. Danach erhalten sie einen Ausweis, der Männern erlaubt, schon vor der Operation Frauenkleider zu tragen, und Frauen, sich ohne Kopftuch und in Hosen zu zeigen.

Etwa 450-mal im Jahr werden in Iran Männer- zu Frauenkörpern oder Frauen- zu Männerkörpern umoperiert. 
In Deutschland etwa, wo zehn Millionen Menschen mehr leben als in Iran, sind es jedes Jahr etwa 300. Das sind Schätzungen. Auch in westlichen Ländern gibt es kaum exakte Zahlen, weil viele Transsexuelle sich in Privatkrankenhäusern operieren lassen.

Dass es ausgerechnet in Iran so viele sind, sei erklärbar, sagt der Teheraner Psychiater. Der Zwang zur Konformität in der traditionell geprägten iranischen Gesellschaft sei enorm. Deswegen kommen auch viele Homosexuelle zu ihm. „Sie glauben, nach einer Operation können sie so leben, wie sie es immer wollten, weil sie dann einen Mann heiraten können.“
Schirin hat einige Schwule gekannt, die so dachten. „Die meisten von ihnen haben Selbstmord begangen“, sagt sie.

Als sie selbst noch ein Mann war, hat sie alles versucht endlich dazuzugehören. Ließ sich die Haare sehr kurz schneiden, um männlich zu erscheinen und eine Arbeit zu finden. Sie hätte gerne studiert. Aber ohne Abschluss? Sie hat ja nicht einmal einen Ausbildungsplatz bekommen. Also wollte sie mit Aushilfsjobs ein bisschen Geld verdienen, als Fabrik- oder Lagerarbeiterin. Doch wo sie vorsprach, hörte sie: „Der ist ja ein Mädchen!“

In der iranischen Gesellschaft gilt ein Mann mehr als eine Frau
Keine Arbeit, keine Anerkennung, kein Leben. Sie machte einen Termin in einer Klinik, die Eltern hatten ihr Geld für die Mietkaution und die Einrichtung gegeben.
„Ich musste es tun, um eine Identität zu finden“, sagt sie. Neun Stunden Operation. Sie wartete auf die Narkose, weinte, sie versuchte nicht an ihre Eltern zu denken und tat es doch. Sie betete, irgendeine Form von Erlösung zu finden. Ein Leben, in dem man sie respektiert. Heute sagt sie: „Für Frau-zu-Mann-Transsexuelle ist es leichter, sich zurechtzufinden.“

Der Chirurg Shahryar Cohanzad sieht es ähnlich. Bei neun von zehn Geschlechtsumwandlungen in Iran lasse sich ein Mann zur Frau machen, weil Männer, die sich als Frau im falschen Körper fühlen, es in der Gesellschaft deutlich schwerer haben.

In der iranischen Gesellschaft gilt ein Mann mehr als eine Frau. So ist es im Gesetz festgehalten, das auf der islamischen Scharia beruht: 
Zum Beispiel zählt vor Gericht die Aussage einer Zeugin nur die Hälfte. Oft haben sich Frauen um Haus und Familie zu kümmern, oft treffen männliche Angehörige die wichtigen Entscheidungen über ihr Leben. Ein Mann hat ein richtiger Mann zu sein, wenn er anerkannt werden will. Schon einer, der eher weiblich auftritt, gilt als Schande für die Familie, während maskuline Frauen oft respektiert werden. Doch einen Mann, der sich zur Frau hat operieren lassen, trifft besondere Verachtung. Denn er hat den sozialen Abstieg freiwillig hingenommen – eine Steigerung derart unmännlichen Verhaltens ist kaum möglich.

Mehrdad arbeitet als Regisseur an einem Teheraner Theater. Seine Kollegen, sagt er, haben sich schnell an sein neues Ich gewöhnt: „Früher sagten sie immer: Wie frech diese Frau ist! Heute heißt es: Was für ein höflicher Mann!“

Mehrdad sitzt auf einem weiß lackierten Stuhl, breitbeinig, ein Mann mit weichen Körperkonturen, eckigem Unterkiefer und hellbraunen Haaren. Er gehört dazu, auch wenn ein paar Bekannte den Kontakt abgebrochen haben. Der 41-Jährige klingt heiter, wenn er seine Geschichte erzählt.
Er wuchs in Teheran auf, der Vater Arzt, die Mutter Hausfrau. Die Eltern beobachteten verwirrt, dass ihre Tochter ihre Kleider, ihre Puppen zerriss und sich mit den Nachbarjungs raufte.
„Meine Familie“, sagt er, „hat sich vor langer Zeit mit meiner Art abgefunden.“ James Dean und Rock Hudson wurden die Vorbilder seiner Jugend, er trug lässige Trenchcoats, band sich den Busen mit einer Bandage zurück. Lange verstand er nicht, was in ihm vorging, er wurde depressiv, war zornig und ängstlich: „Ich habe monatelang meine Wohnung kaum verlassen. So konnte ich vergessen, dass ich in Iran lebe.“ Es war eine Phase, sagt er.

Träume hat Schirin nicht mehr

Seine Verlobte steht hinter der Küchenanrichte und bereitet Tee zu. Als sie hinzukommt, springt er auf und rückt ihr den Stuhl zurecht. Negar ist 19 Jahre alt, sie studiert Wirtschaftswissenschaften, hat ein hübsches glattes Mädchengesicht und schwarze Locken.
Mehrdad und Negar verabredeten sich beim ersten Treffen an einem Freitagmittag, nahe der Universität Teheran, wo sich jede Woche Tausende zum Gebet versammeln. Negar war früh dran, sie sah, wie Busse voll mit Menschen aus den ärmlichen Vororten vor dem Campus auffuhren. Immer neue Schübe von bärtigen Männern in Plastiksandalen und tief verschleierten Frauen breiteten sich auf der Straße aus, der Strom teilte sich: Die Männer zogen durch das Haupttor, die Frauen durch einen Seiteneingang. Mehrdad trug Kopftuch und Mantel, Negar sagte: „Guten Tag, mein Herr.“ Sie spazierten über Stunden durch die feiertagsstille Stadt, danach wussten sie, dass sie zusammengehören. Sie sagt: „Er ist viel männlicher als die meisten Männer, die ich kenne. Ein perfekter Gentleman.“ Sie wollen heiraten, sobald Mehrdad seinen neuen Pass hat.
Schirin verlässt das Café, zieht hinaus in den Abend. In den Gräben entlang der Straße verbrennt Müll und verbreitet einen öligen Rauch. Schirin hat kaum noch Kontakt zu ihrer Familie. Anfangs waren Besuche wenigstens in der Nacht erlaubt. „Inzwischen sagen sie: ,Bleib in Teheran, komm nicht mehr heim.'“
Sie lebt in einer Wohnung am Rande der Stadt, zusammen mit „anderen wie mir“. Wovon lebt sie? „Ich mache Geschäfte.“ Nachts läuft sie los, im Tschador, das Gesicht voll greller Farben, sucht sich einen Platz an der zentralen Valiasr Straße. Prostitution ist illegal, doch es gibt einen Weg, der den islamischen Vorschriften entspricht: Wenn sich jemand für Schirin interessiert, schließen sie eine Zeitehe. Die Heirat ist für einige Minuten, Tage oder Jahre gültig – je nach Vertrag. Geschlechtsverkehr ist in dieser Zeit erlaubt.
Träume, sagt Schirin, habe sie nicht mehr, denn die führen zu nichts, nur wieder zurück in die Wirklichkeit. Bis auf einen. Sie will früh sterben. Schnell zu Gott. Denn Gott allein versteht sie.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Geschlechtsumwandlung für Kinder Medizin ohne Menschlichkeit




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Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2012 

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Geschlechtsumwandlung für Kinder
Medizin ohne Menschlichkeit
Ein amerikanischer Arzt glaubt, dass schon Neunjährige die Entscheidung zu einer Geschlechtsumwandlung treffen können. Er will Kinder bereits in diesem Alter behandeln - mit Pubertätsblockern und Hormonpräparaten.
Norman Spack ist in den Vereinigten Staaten ein angesehener Mann. Als das „Beth Israel Deaconess Medical Center“ am 9. Juni seine Preise für besondere Leistungen im Bereich „Lesbian, Gay, Bisexual and Transgendered“ verlieh - einer ging an ein Projekt, das sich der Prävention von häuslicher Gewalt gegen homosexuelle Männer widmet -, da hielt Dr. Spack den Festvortrag. Tätig ist der Endokrinologe am Bostoner Kinderkrankenhaus. Und dort sollen, wenn es nach Dr. Spack geht, die kommenden Kinderstars der Gender-Revolution gezüchtet werden. Er hat dafür eine eigene Abteilung eingerichtet, die „Gender Management Service Clinic“.
Es gibt Menschen, die sich in ihrem biologischen Geschlecht dauerhaft oder zeitweise nicht zu Hause fühlen. Die Möglichkeiten, das Begehren auszuleben, reichen vom einfachen Kleiderwechsel bis zum komplizierten chirurgischen Eingriff. Davon zu unterscheiden ist das spielerische Experiment in der Pubertät oder kurz davor: Jungen staksen gern einmal in den hochhackigen Schuhen von Mama, wenn sie sich unbeobachtet glauben, und es gibt Mädchen, die ebenso gern mit maskulinen Rollen spielen. Das Problem beginnt da, wo solche Spiele schon als Indikatoren einer definitiven, fixierten Identität als „transgendered“ ausgelegt werden - wenn das Rollenexperiment als Entscheidung gilt und plötzlich unwiderruflich wird.
Pubertäts-Blocker und Hormonpräparate

Der allgemeinen Tendenz der westlichen Kulturindustrie zur Vorverlegung des Sexuellen in ein früheres Lebensalter fügt Norman Spack an seiner Bostoner Klinik eine besondere Note hinzu. Er glaubt ernsthaft, dass schon Kinder im Alter von zehn Jahren überhaupt so etwas empfinden können wie ein dauerhaftes Missbehagen am biologischen Geschlecht, und vor allem: dass sie ein genügend ausgebildetes Urteil haben, um sich in seine Behandlung zu fügen. Stolz erklärt er, unter seinen Patienten auch schon Neunjährige gehabt zu haben.

Die erste Stufe: Pubertäts-Blocker, die die Geschlechtsentwicklung verhindern, will Norman Spack ab dem zehnten Lebensjahr verabreichen. „Dann wirken sie am besten“, sagte er kürzlich dem „Boston Globe“. Die Einnahme selbst sei eine Art Prüfverfahren: Habe etwa ein Mädchen bei den ersten Anzeichen eines Wachstums der Brust mit Selbstverletzungstendenzen zu kämpfen, dann sei das Kind höchstwahrscheinlich „transgendered“. Wenn diese innere Nötigung, sich Schnitte zuzufügen, dann nach Einnahme der Drogen abklinge, sei die Diagnose bestätigt. Sein einziges Anliegen, so Spack, sei es, selbstmordgefährdeten Kindern zu helfen. Er sieht sich als Philanthropen.

Eine zweite medikamentöse Stufe der Geschlechtsveränderung ist die Verabreichung von Hormonpräparaten an Kinder, Östrogen, das weibliche Hormon, an Knaben; Testosteron, das männliche, an Mädchen. Spack will die niederländische Praxis, mindestens bis zum Alter von sechzehn Jahren mit solchen schwerwiegenden Eingriffen in die körperliche Entwicklung zu warten, nicht hinnehmen. Er hofft auf „flexiblere Richtlinien“, ohne sich im Gespräch mit dem „Boston Globe“ schon auf eine Altersgrenze festzulegen. Nur so viel will er mitteilen, dass es für manche mit sechzehn schon zu spät sein kann. „Wir würden Chancen ungenutzt verstreichen lassen.“

Eine Klagewelle in zehn Jahren?

Auf Nachfrage gestand aber auch Spack ein gewisses „ethisches Problem“ der Behandlung zu. Kinder, die seiner Heilkunst ausgesetzt sind, erwartet das sichere Schicksal späterer Zeugungsunfähigkeit oder Unfruchtbarkeit. Man müsse die Kinder darüber aufklären. Aber: „Wenn Sie mit einem zwölfjährigen Kind darüber sprechen, liegt auf einem solchen Gespräch eine schwere Verantwortung. Denkt ein Kind in diesem Alter denn schon an Unfruchtbarkeit?“ Gleich beruhigt er wieder: Setze die Behandlung nicht frühzeitig ein, dann hätten die Betroffenen zeitlebens Anpassungsschwierigkeiten. „Und meine Patienten erinnern mich immer wieder daran, dass ihre Identität für sie das Wichtigste ist.“

Nun ist das Problem tatsächlich eines der medizinischen Ethik, aber auch eine Rechtsfrage. In den Vereinigten Staaten, einem sehr prozessfreudigen Land, kann man erwarten, dass in spätestens zehn Jahren eine Klagewelle auf das Bostoner Kinderkrankenhaus zukommt, wenn die dann erwachsen gewordenen Menschen einmal verstanden haben, was ihnen angetan wurde. Bis dahin aber muss man befürchten, dass die szientistische Neigung der Gegenwart, der Wissenschaftsglaube, noch manche beunruhigten Eltern nach Boston ziehen wird, weil man ihnen dort verspricht, die Schwierigkeiten der Kinder nach modernsten Einsichten zu lösen.

Denn die Medikamentisierung seelischer Entwicklungsprobleme, die Technokratisierung der Kinderheilkunde sind ja in den Vereinigten Staaten in viel höherem Maß akzeptiert, Diagnosen von Hyperaktivität oder „Allgemeiner Aufmerksamkeitsstörung“ werden dort häufiger gestellt als in Europa - und das Mittel Ritalin wird entsprechend häufig an Knaben verabreicht.

Norman Spack gilt seit langem als einer der namhaftesten Aktivisten der „Transgendered“-Lobby. Schon vor zwei Jahrzehnten begann er seine Tätigkeit in Selbsthilfegruppen und will dabei bemerkt haben, dass es den Betroffenen im Leben besser ergangen wäre, wenn schon damals eine frühzeitige Behandlung gegriffen hätte.

Das tiefere Problem: der wissenschaftliche Anstrich des Projekts

Nun mag der Westen über das Jungfräulichkeitsideal anderer Kulturen lächeln und sich den muslimischen Männern haushoch überlegen fühlen. Dabei vergisst er aber, dass er selbst um einen Schutz der Unschuld nicht herumkommt. Pädophilie gilt zu Recht als eine der schlimmsten Verletzungen menschlicher Würde. Die Pläne von Dr. Spack sind aber etwas ganz Ähnliches: eine definitive, unwiderrufliche Sexualisierung von Kindern noch vor der Pubertät.

Das tiefere Problem ist der wissenschaftliche Anstrich des Projekts, wenn man einmal annimmt, dass moderne, ihren sittlichen Traditionen oft entfremdete Menschen dazu neigen, das moralische Urteil an ein vermeintliches Expertenwissen zu überweisen. Das ist eine Schattenseite des amerikanischen Pragmatismus.

Es kommt hinzu, dass die Minderheitenfreundlichkeit, in den modernen Gesellschaften fast die oberste Norm, sich mit der Kinder-Sexualisierung, die vor allem über das Medium von Musikvideos verbreitet wird, zu einem kaum mehr kritisierbaren Amalgam verbindet. Vor zwei Jahren hörte man aus den Vereinigten Staaten von einem Fünfjährigen, dessen Eltern mit Unterstützung von Therapeuten durchsetzten, dass er den Kindergarten in Mädchenkleidung besuchen darf. Aber das erscheint harmlos gegenüber den Bostoner Plänen. Was Dr. Spack vorhat, erinnert an ein Schreckbild der Kinderzeit. Man grimassierte, und die Eltern sagten: Wenn du das um Mitternacht tust, bleibt dein Gesicht für immer so. Ärztlicher Größenwahn diente in der Vergangenheit meist der biopolitischen Repression, heute fördert er die Extremisten der Emanzipation.


Wenn ich gefragt werde, ob mir http://trans-weib.blogspot.de/ 10 Euro wert ist, dann sage ich: Ja, klar!

Für mich ist http://trans-weib.blogspot.de/ ganz oft der erste Anlaufpunkt. Ich halte die Artikel für ausgewogen und oft deutlich besser als Informationen auf anderen Webseiten. Wenn ich mich über ein Thema informieren will und dabei auf einer Seite lande, die ich nicht kenne, dann weiß ich erst mal nicht, wie ich sie einschätzen soll. Ist diese Seite seriös? Soll ich ihr vertrauen? Bei http://trans-weib.blogspot.de/  habe ich diesen Vorbehalt nicht.

Ich habe da mittlerweile ein Grundvertrauen entwickelt.

Während der letzten Spendenkampagne habe ich natürlich den Spendenaufruf des http://trans-weib.blogspot.de/ Nikita Noemi Rothenbächer ein paar Mal gesehen:

Beim ersten Mal hab ich nicht reagiert. Beim zweiten Mal überlegte ich: Eigentlich wäre es nur richtig zu spenden. Und beim dritten oder vierten Mal habe ich mir dann gedacht: Nun spende halt endlich!
Weil mir http://trans-weib.blogspot.de/ viel wert ist, wollte ich etwas tun - und so ein kleiner Betrag tut mir nicht weh. Spenden ist eine einfache Art, sich für Freies Wissen zu engagieren.

Bei http://trans-weib.blogspot.de/ gibt es tausende Freiwillige, die sich ohne finanzielle Gegenleistung sehr viel Arbeit mit dem Einstellen und Bearbeiten von Artikeln machen. Dazu gibt es Leute, die sich organisatorisch darum kümmern, dass das Projekt läuft, und schließlich gibt es eine sehr große Anzahl von Leuten, die http://trans-weib.blogspot.de/ nutzen.

Im Vergleich zu Facebook, Google und Co., die mit Ihren Webseiten Geld verdienen, ist die Zahl dieser Helfer sehr klein. http://trans-weib.blogspot.de/ wird als öffentliches Gut angesehen, so wie die Straße, auf der ich fahre: Ich benutze sie, ohne weiter darüber nachzudenken. Doch selbst für staatlich finanzierte öffentliche Güter zahle ich Steuern.

Spenden Sie 10 €, 25 €, 100 € oder wie viel Sie aufwenden können, um http://trans-weib.blogspot.de/ zu unterstützen.

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Mittwoch, 5. Dezember 2012

Wenn wir über Transsexualität sprechen, sprechen wir erst einmal nicht von Geschlechtsrollen.


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Wenn wir über Transsexualität sprechen, sprechen wir erst einmal nicht von Geschlechtsrollen.

Wenn wir von Transsexualität sprechen, sprechen wir nicht von Geschlechtsumwandlungen. Wenn wir von Transsexualität sprechen, sprechen wir von Menschen, die zu den Menschen gehören, die mit einer geschlechtlichen Besonderheit geboren werden –  nämlich von Mädchen, die mit Penis und Hoden und mit xy-Chromosomensatz geboren werden und von Jungs, die mit Vagina und mit xx-Chromosomensatz auf die Welt kommen.

Unser Wissen über geschlechtliche Variationen sagt uns, dass transsexuelle Menschen in der Natur existieren. Daraus schließen wir, dass die Selbstaussage transsexueller Menschen über ihr Geschlecht wahr ist. Wir schließen außerdem daraus, dass kein Mensch auf dieser Welt das Recht dazu hat diese Wahrheit an zu zweifeln, oder transsexuelle Menschen per Gesetz oder medizinischer Definition als biologisch nicht-existent oder widernatürlich zu definieren.

Trotzdem sieht die Realität bei transsexuellen Menschen heute noch anders aus - ihr Wissen über ihr Geschlecht, das sich durch Aussagen wie "Ich bin ein Mädchen" oder "Ich bin ein Junge" ausdrückt, wird immer noch als psychische Störung betrachtet und als ebensolche der Öffentlichkeit verkauft.
Es wird von so genannten „Geschlechtsumwandlungen“ erzählt und behauptet, dass z.B. ein transsexuelles Mädchen vom „geschlechtsidentitätsgestörten Jungen“ per Operation (und Änderung von Rollenstereotypen) zum „Mädchen wird“, anstatt ihr eigentliches ursprüngliches Geschlecht anzuerkennen.

Transsexuelle Menschen sind Menschen, die im falschen Körper geboren wurden.

Dies wurde bereits durch mehrere wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Dennoch gelten transsexuelle Menschen rechtlich und medizinisch nach wie vor als psychisch gestört und sind Opfer von Vorurteilen und religiös-extremistischen Vorstellungen.
1995 konnten Forscher zum ersten Mal nachweisen, dass transsexuelle Frauen tatsächlich Frauen sind, weil sie ein anatomisch weibliches Gehirn haben. Weitere Hirnforschungen konnten zeigen, dass die Gehirne transsexueller Frauen nicht nur anatomisch weiblich waren, sondern auch wie weibliche Gehirne funktionierten.

Die wissenschaftliche Geschlechterforschung ist sich inzwischen sicher, dass das  Wissen um das eigene Geschlecht vor der Geburt festgelegt wird und nach der Geburt nicht mehr veränderbar ist, weshalb Transsexualität nicht therapierbar ist.

Wir fordern die WHO auf, Transsexualismus aus dem F-Teil des ICD zu entfernen um klar zu stellen, dass transsexuelle Menschen nicht länger zwangspathologisiert und für psychisch gestört erklärt werden dürfen.
Die WHO sollte die internationalen Psychologen- und Psychiaterverbände darauf hinweisen, dass eine Zwangspathologisierung transsexueller Menschen gegen Menschenrechte verstößt.

Die WHO sollte insbesondere die APA, die American Psychiatrists Association, auffordern, den Begriff „„Geschlechtsidentitätsstörung“ oder „Genderdysphorie“ aus dem DSM ersatzlos zu streichen und die Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen Menschen nicht länger zu betreiben. Zudem sollte die WHO darauf hinweisen, dass Transsexualität primär nichts mit Geschlechtsrollen zu tun hat, sondern per se existent ist.

Jedoch sagt die Wissenschaft die Medizin und deren Ärzte!

"Transsexualität ist die schwerste Form der Geschlechtsidentitätsstörungen. Der Ursprung des Transsexualismus ist noch immer ungeklärt und Gegenstand teils heftiger Kontroversen innerhalb der medizinischen Fakultäten. Nichts desto trotz besteht Einigkeit darüber, dass es sich hier um ein gravierendes Störungsbild mit Krankheitswert handelt.

Psychotherapeutische Behandlungsversuche zur Rückführung der Geschlechtsidentität auf das Geburtsgeschlecht scheitern regelmäßig, so dass bei gesicherter Diagnose die operative und hormonelle Geschlechtsumwandlung letztlich die einzige Maßnahme darstellt, um den Patienten ein ausgeglichenes Leben in Selbstidentifikation zu ermöglichen."

Nach "J. Bancroft" ist die sexuelle Identität ein wichtiger Bestandteil der allgemeinen und persönlichen Identität und des Selbstbildes, die deshalb stabil sein muß, um das Wohlbefinden eines Menschen sicher zu stellen. Er sieht es daher als sehr belastend an, wenn man nicht weiß welche Art von Mensch man eigentlich ist.

Noch belastender wird die Situation jedoch, wenn man begriffen hat, dass Körper und Geist nicht miteinander harmonieren.

Da diese Belastungen ein krankheitswerter Zustand sind, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den International Classifikations of Diseases ICD 10, Transsexualität unter der Kennung F 64 als behandlungswerte Krankheit eingestuft. (F 64.0 =.Erkennen der Störung in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter, F 64.2 =Störung bereits im Kindesalter erkannt.)

Transsexualität, (intensiver Wunsch und die Überzeugung dem anderen Geschlecht anzugehören.)
Das Wort vermittelt den Eindruck als handle es sich dabei um eine sexuelle Spielart. Es läßt im unbedarften Mitmenschen die Vorstellung aufkommen, der/die Betroffene fände mit der "Lust auf das andere Geschlecht" eine sexuelle Alternative, lebe damit eine "Perversion" aus.

Diese Betrachtungsweise ist jedoch zu oberflächlich, vermittelt ein vollkommen falsches Bild und führt zu den allgemein bekannten Missverständnissen.

Als Transsexualität wird die Diskrepanz zwischen biologischem (physischem) Geschlecht und dem subjektiv empfundenen psychischen Geschlecht bezeichnet.

Eine biologische Frau empfindet wie ein Mann = transsexueller Mann (FzM) und ein biologischer Mann empfindet wie eine Frau = transsexuelle Frau (MzF), und beide wollen entsprechend ihrer Empfindung leben, angenommen, akzeptiert und respektiert werden und natürlich auch entsprechend aussehen. Sie wünschen sich einen ihrem Empfinden gemäß gestalteten Körper und möglichst auch die entsprechende Physiognomie des psychischen Geschlechts.

Dazu gehört für eine transsexuelle Frau (MzF) nicht nur Busen und Vagina oder für den transsexuellen Mann (FzM) die flache, möglichst behaarte Brust, der Bart und unter Umständen ein Penis. Es gehört ebenso auch die entsprechend feminine oder maskuline Kleidung dazu, also das Tragen der Kleidung des Wunschgeschlechtes.

Trotz vielfacher (leider oft zu reisserischer und verzerrender) Aufklärung durch die Medien in der heutigen Zeit bestehen immer noch viele Irrtümer und falsche Annahmen, die es gilt auszuräumen, da sie die wahren Gründe für das Verhalten der Transsexuellen (TS) verschleiern.
Um das Wesen der Transsexualität (TS) deutlich zu machen, muß erklärt werden was TS nicht ist:

TS ist kein Fetischismus!

Für einen Fetischisten führen Gegenstände, Objekte oder einzelne Körperteile zu sexuellen Impulsen und Phantasien. Was dabei als Fetisch dient ist individuell stark unterschiedlich. Es können Haare, Füße, Reizwäschestücke, Schuhe, Gummi, Leder, Lack oder die komplette gegengeschlechtliche Kleidung usw. sein.
TS ist kein Transvestitismus (TV)!

Transsexuelle Menschen tragen die Kleidung ihres Wunschgeschlechtes nicht, um sich einen erotischen "Kick" zu verschaffen, wie es die Mehrzahl der Transvestiten tut. Auch nicht um damit Aufmerksamkeit zu erregen oder eine Show zu machen wie es in der künstlerischen Form, der Travestie der Fall ist. Sie tragen die Kleidung ihres Wunschgeschlechtes wie jede/r Angehörige des entsprechenden biologischen Geschlechtes auch.

TS ist keine Travestie! Travestie ist eine besondere, künstlerische Form der Personenimitation. In der weitaus überwiegenden Mehrzahl werden von homosexuellen Männern weibliche Showstars imitiert. Travestie ist in den allermeisten Fällen noch nicht einmal mit TV konform, denn die meisten "Damenimitatoren" sind froh, wenn sie nach der Vorstellung den "Fummel" wieder ausziehen können.

TS ist keine Spielart der Homosexualität!

Die Betroffenen sind weder Schwule noch Lesben, die mit der Transsexualität ihre Neigung zur Homosexualität verschleiern wollen. (Auch nicht dürfen, dies ist ein Ausschlussgrund) Liebt eine transsexuelle Frau einen Mann, dann ist sie nicht schwul sondern heterosexuell, oder im umgekehrten Fall; liebt ein transsexueller Mann eine Frau, dann ist er nicht lesbisch.

Heute ist zum Glück allgemein bekannt: Liebe ist eine Sache des Kopfes und der Kopf steuert den Körper. Doch gibt es auch unter TS homosexuelle Beziehungen. Liebt eine transsexuelle Frau eine Frau, dann kann man durchaus von einer lesbischen Beziehung reden, oder von einer schwulen Beziehung, wenn ein transsexueller Mann einen Mann liebt.

Zugegeben, das klingt vielleicht etwas verwirrend, erscheint jedoch plausible, wenn man das psychische Geschlecht der betroffenen TS berücksichtigt. Auch Bi-Sexualität ist wie bei sogenannten "Normalen" eine Variante der sexuellen Wünsche.

Ist Transsexualität gesellschaftsschädigend?

Nein! Nur ein in sich zufriedener Mensch kann seine volle Arbeitsleistung erbringen. Deshalb sind die Kosten für die Geschlechtsangleichung kein unnötig verschwendetes Geld, sondern Investition in die Arbeitskraft eines Gesellschaftsmitgliedes wie bei jeder anderen Krankheit auch. Das Recht auf körperliche und geistige Gesundheit muss Transsexuellen wie allen anderen Menschen auch zugestanden werden.

TS ist keine erotische Spielerei!

Die operative Angleichung an das ersehnte Geschlecht ist letztlich ein schmerzvoller und langwieriger Prozess, den wohl niemand aus lauter Spaß an der Freud auf sich nehmen wird. Sie ist einmalig und läßt sich weder rückgängig machen, noch beliebig oft wiederholen. Alle Transsexuellen hätten es viel lieber, wenn ihr Körper von vornherein ihrem Empfinden entspräche und eine angleichende Operation nicht erforderlich wäre.

Niemand ist freiwillig transsexuell und die Betroffenen legen meist einen langen, schmerzvollen Weg der Selbsterforschung und -erkenntnis zurück, bis sie sich schließlich gefunden haben und ihrer Seele zu ihrem Recht verhelfen. Viele leben aber in Selbstverleugnung, bis zu einem häufig vorzeitigen, freiwilligen Ende.

Ist Transsexualität ist eine Perversion?

Nein! Ein/e Transsexuelle/r will das Geschlecht nicht angleichen um hierdurch höheren Lustgewinn zu erzielen. Nicht selten haben Transsexuelle vor ihrer Geschlechtsangleichung kaum oder keinerlei zwischenmenschlich-geschlechtlichen Beziehungen und nehmen solche erst nach der Angleichung auf.

TS ist keine Geisteskrankheit!

Transsexuelle sind weder wahnsinnig noch verrückt. Die Diagnose der Transsexualität ist weder mit Schizophrenie noch mit Paranoia verbunden. Diese werden ganz im Gegenteil durch die Differenzialdiagnose ausgeschlossen. Was jedoch nicht ausschließt, dass sich Betroffene im Stadium ihrer Selbstfindung manchmal wie schizophren empfinden. (Es war, als liefe ich ständig neben mir selbst her.)

Ist TS eine Krankheit?

Sie ist auf jeden Fall ein Zustand der Krankheitswert besitzt. Eine Heilung im Sinne von auskurieren gibt es nicht, weder durch psychologische oder psychiatrische Therapien, noch durch Anti-TS-Pillen oder Gehirnchirurgie. Der einzige Weg zur "Heilung" ist das offene Leben in der gewünschten Geschlechtsrolle und die Angleichung an das Wunschgeschlecht.

Dies erfordert jedoch vorab eine tiefgehende Aufarbeitung des bisherigen Lebens unter psychologischer Begleitung, um eine positivere Einstellung zu gewinnen und frühere Fehler in der neuen Rolle nicht zu wiederholen. Des weiteren werden Hormonbehandlungen und aufwendige Operationen erforderlich, die heute glücklicherweise von den Krankenkassen übernommen werden.

Ansonsten ist die Transsexualität ebenso wenig krankhaft wie Homosexualität oder Heterosexualität. Aber auf Grund der bestehenden Gesetzeslage sind die Betroffenen gezwungen die Pathologisierung hinzunehmen. Transsexualität ist weder ansteckend noch übertragbar oder vererblich und über mögliche Ursachen spekulieren nicht nur die Experten. Von pränatalen, biologischen Faktoren über psychische Ursachen, bis hin zu sozialen Einflüssen werden alle Möglichkeiten diskutiert.

Transsexualität ist keine Intersexualität!

Bei Transsexualität besteht der eindeutige Unterschied zwischen körperlichem und geistigem Geschlecht. Bei Intersexualität ist das Geschlecht nicht eindeutig bestimmbar. Hermaphroditismus, Zwittertum. Bei einem von rund 2000 neugeborenen Kindern läßt sich das Geschlecht nicht eindeutig bestimmen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Ausprägungen, die auf hormonellen oder chromosomalen Ursachen und Abweichungen beruhen können. Da Eltern und auch Mediziner eine Zweigeschlechtlichkeit meist nicht akzeptieren können oder wollen, wird leider allzu oft von Geburt an in die körperliche und emotionale Integrität eingegriffen, um das Kind als eindeutig männlich oder weiblich aufwachsen zu lassen, ohne die psychische, geschlechtliche Entwicklung des Kindes abzuwarten.

Nicht selten haben daher intersexuelle Menschen in der Folge die gleichen Probleme wie die Transsexuellen, können sich auf Grund der Intersexualität dann jedoch nicht immer auf das TSG und die Standards berufen. Jedoch ist Intersexualität nicht automatisch ein Ausschlussgrund für Transsexualität.

TS keine Änderung des Geschlechts

sondern eine Angleichung des Körpers an den psychischen Zustand der Betroffenen. Was für die Umwelt wie ein Wechsel von einem zum anderen Geschlecht erscheint, da die psychische Verfassung der Betroffenen nicht richtig eingeschätzt wird, hat für die TS eine viel tiefer gehende Bedeutung. Die Transformation bedeutet nicht den Wechsel zum anderen Geschlecht, sondern die Vervollkommnung des "Ich" fast im Sinne einer Metamorphose.

TS ist keine Modeerscheinung

Wenn sich auch in den letzten Jahren in immer weiter steigenden Zahlen Transsexuelle zu ihrem seelischen Empfinden bekennen und aus ihrer Isolation heraustreten, kann doch von einer Modeerscheinung nicht die Rede sein. Transsexualität lässt sich nicht als zukunftsweisender Trend vermarkten und die Selbsthilfegruppen haben nicht vor, wie eine Sekte um Mitglieder zu werben. Das Angebot der Selbsthilfegruppen zur Hilfe soll auch nur als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden.

TS betrifft Frauen und Männer

Bedingt durch das auffälligere Auftreten transsexueller Frauen (MzF) schien es zunächst, als betreffe das Problem TS vorwiegend biologische Männer. Dies ist jedoch nicht der Fall.
Inzwischen musste die Wissenschaft erkennen, dass es annähernd gleich viele transsexuelle Männer (FzM) wie transsexuelle Frauen (MzF) gibt.

TS ist gar nicht so selten

Die immer weiter fortschreitende Aufklärung der modernen Zeit und das damit allgemein gestiegene Selbstbewußtsein hat vielen Betroffenen die Furcht vor der Öffentlichkeit genommen.
Waren es Mitte der Fünfziger Jahre noch wenige hundert Fälle, so stiegen die Zahlen auf einige Zehntausend bis Ende des vergangenen Jahrhunderts an. Alleine für die Bundesrepublik wird die Häufigkeit vom Verfasser auf 0,3-0,4 %o geschätzt und unter Berücksichtigung einer nicht unwesentlichen Dunkelziffer gar bis über 1 %o.
TS gibt es überall

Es ist nicht zu beweisen, dass es TS nur in Großstädten gibt. So wie sich dieses Problem in allen Bevölkerungsschichten offenbart, so zeigt es sich auch in allen Regionen. Egal ob in der Großstadt, Kleinstadt oder auf dem Land. Da aber das Leben in der Großstadt anonymer ist und dort scheinbar ein toleranteres Klima herrscht, fühlen sich viele TS in diese Wohngebiete gezogen und treten dort auch offener auf.
TS ist nicht auf das Rotlichtmilieu beschränkt

Manche haben immer noch die Vorstellung, solche "merkwürdigen Vögel" gäbe es nur in den Vergnügungsvierteln. Leider verbindet dieses Vorurteil die wahre Transsexualität zum Unmut vieler Betroffener zu Unrecht mit der Prostitution. Sicher läßt sich nicht bestreiten, dass viele TS aus finanziellen Nöten gezwungen werden sich auf diese Weise den Lebensunterhalt zu sichern.

Ignoranz und Intoleranz der Gesellschaft sind aber oft genug die Triebfeder für das Abgleiten in die Subkultur da es immer noch nicht selten ist, dass viele Betroffene nach ihrem Coming-out den Arbeitsplatz und damit den ausreichenden Broterwerb verlieren. So nähren Vorurteile und Ignoranz Intoleranz und Ablehnung.


Diskriminierungsabbau durch Aufklärung.

Es sollte Aufgabe aller Betroffenen sein, immer weiter Aufklärungsarbeit zu leisten. Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte während und nach des Angleichungsprozesses immer wieder die Notwendigkeit der getroffenen Entscheidung und der daraus resultierenden Maßnahmen zu erläutern. Fehler, die die Umwelt begeht werden nicht deshalb zur Wahrheit weil sie ständig wiederholt werden. Aber sie verletzen die Betroffenen tief und reissen immer wieder die Wunden auf, die dann nur schlecht heilen wollen.
Spannungen bauen sich auf, die zu seelischen Verstimmungen bis hin zu tiefen Depressionen führen können. Die Betroffenen müssen sich die physische Angleichung an ihre Psyche immer noch hart erkämpfen, bis sie in ihrem sozialen Umfeld die entsprechende Anerkennung finden. Erst wenn die Reaktionen des sozialen Umfeldes sich den Erwartungen der Betroffenen annähern, können sich die seelischen Verspannungen lösen und die Wunden heilen.


Erklärung der wissenschaftlichen Terminologie

Wenn es auch für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist; die Betroffenen haben bereits immer in dem von ihnen angestrebten Geschlecht gelebt. Das biologische Geschlecht, die äußere Identität wird zwar geändert. Die innere Identität aber bleibt erhalten. Die äußere Form des Körpers wird deshalb umgestaltet, damit er die innere Identität nach außen repräsentieren kann. Somit verändert sich für die Umwelt die äußere Identität, doch es erscheint ihr die Phase der Angleichung nur als Wechsel der geschlechtlichen Identität, also als Transsexualität. Aber es wird in Wahrheit der psychischen Identität lediglich die physische Identität hinzugefügt. Es ist also nur ein körperliches Hinüberwechseln in die richtige Identität.

Wenn ich gefragt werde, ob mir http://trans-weib.blogspot.de/ 10 Euro wert ist, dann sage ich: Ja, klar!

Für mich ist http://trans-weib.blogspot.de/ ganz oft der erste Anlaufpunkt. Ich halte die Artikel für ausgewogen und oft deutlich besser als Informationen auf anderen Webseiten. Wenn ich mich über ein Thema informieren will und dabei auf einer Seite lande, die ich nicht kenne, dann weiß ich erst mal nicht, wie ich sie einschätzen soll. Ist diese Seite seriös? Soll ich ihr vertrauen? Bei http://trans-weib.blogspot.de/  habe ich diesen Vorbehalt nicht.

Ich habe da mittlerweile ein Grundvertrauen entwickelt.

Während der letzten Spendenkampagne habe ich natürlich den Spendenaufruf des http://trans-weib.blogspot.de/ Nikita Noemi Rothenbächer ein paar Mal gesehen:

Beim ersten Mal hab ich nicht reagiert. Beim zweiten Mal überlegte ich: Eigentlich wäre es nur richtig zu spenden. Und beim dritten oder vierten Mal habe ich mir dann gedacht: Nun spende halt endlich!
Weil mir http://trans-weib.blogspot.de/ viel wert ist, wollte ich etwas tun - und so ein kleiner Betrag tut mir nicht weh. Spenden ist eine einfache Art, sich für Freies Wissen zu engagieren.

Bei http://trans-weib.blogspot.de/ gibt es tausende Freiwillige, die sich ohne finanzielle Gegenleistung sehr viel Arbeit mit dem Einstellen und Bearbeiten von Artikeln machen. Dazu gibt es Leute, die sich organisatorisch darum kümmern, dass das Projekt läuft, und schließlich gibt es eine sehr große Anzahl von Leuten, die http://trans-weib.blogspot.de/ nutzen.

Im Vergleich zu Facebook, Google und Co., die mit Ihren Webseiten Geld verdienen, ist die Zahl dieser Helfer sehr klein. http://trans-weib.blogspot.de/ wird als öffentliches Gut angesehen, so wie die Straße, auf der ich fahre: Ich benutze sie, ohne weiter darüber nachzudenken. Doch selbst für staatlich finanzierte öffentliche Güter zahle ich Steuern.

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Das Menschliche

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