Freitag, 18. März 2016

Trans Genital adaptation // Transmännliche Genitalanpassung

Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2016
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Hey Du hast es und brauchst es, deswegen Spende Blut, denn es fehlt in der ganzen Welt!
Ich habe Ihn, Du auch? Organspenden können andere zum Leben verhelfen, sei stolz auf dich selbst mache Ihn Dir den Organspende Ausweis!

Hey you have it and need it, so donating blood, because it is missing in the world!

I had him, you also? Organ donation can help others to life, be proud of yourself doing Him Get donor card!

Nun es gibt so einige Anschreiben etwas über Transmänner zu Berichten, meist bestehen die Fragen über die Operation, aus diesem Grund hier ein Beitrag von diesen welche sich darin Auskennen!
Jedoch ist an zu merken, dass die Integration von Transmännern in die Gesellschaft doch etwas besser verläuft als diese von Transfrauen!
Wie so warum?
Nun der Biologische Körperbau eines Mannes ist veränderbar, jedoch das Knochengerüst bleibt dasselbe, ob nun mit Schuhgröße 44-48 es ist untypisch für eine Biologische Frau.
Des weiteren Spielt Mimik wie Gestik eine große Rolle, durch die erfahrene Prägung in der Kindheit auch Jugendzeit sind diese sehr schwer veränderbar obwohl es einigen doch sehr gut gelingt!
So ist es auch mit der Behaarung, Geheimratsecken sind sehr Kostspielig zu beheben!
Auch ein Stimmbruch meist nur mit einer Operation effektiv zu beheben!
Transmänner tauchen meist nach Abgeschlossener Behandlung unauffällig in der Gesellschaft ab, das Ziel ist erreicht was die Außenwelt betrifft somit der Gesellschaftliche –Druck ist enorm weniger bei diesen.
Aber möchte auch hinzufügen dass die Angleichung sehr Schmerzhaft ist, mit unglaublich vielen Operationen auch langwierig und daraus erkennt man den enormen Leidensdruck welcher auf diesen Menschen lasten.

Verbleibe wie immer mit freundlichen Grüßen Nikita Noemi Rothenbächer


Transmännliche Genitalanpassung
An der Frage ob und welche Genital-Operation für Transmänner sinnvoll ist, scheiden sich viele Geister. Natürlich träumt zumindest fast jeder Transmann von einem "richtigen" Penis: schließlich ist der Phallus das Symbol für Männlichkeit. schlechthin.
Leider wird diese Sehnsucht mit dem heutigen Stand der medizinischen Technik immer ein Traum bleiben. Es ist schlicht unmöglich, ein männliches Glied mit all seinen Funktionen zu konstruieren. Die Penoide sind entweder sehr klein oder es fehlt ihnen zumindest die selbständige Erigierbarkeit und die Orgasmusfähigkeit. Ein ejakulierender Orgasmus wird niemals möglich sein. Was geht ist eine optische Annäherung, die - wenn alles gut läuft - beim nicht zu genauen Hinschauen für einen Penis gehalten werden kann, für Penetration geeignet ist und Pissen im Stehen erlaubt.
Optionen
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten mit dem eigenen genitalen Status umzugehen, die keine oder leichtere oder schwere operative Eingriffe nötig machen. Die Entscheidung darüber, ob und welche Veränderungen notwendig und gewünscht sind, kann nur jeder für sich selbst treffen.
Alle Genitaloperationen bergen ein sehr hohes Risik für Komplikationen und nicht zufriedenstellende Ergebnisse - ganz abgesehen vom Aufwand für zahlreiche Arztwege, von den oft langwierigen Krankenhausaufenthalten und von den Monaten, die mit Heilung und Rekonvaleszenz vergehen.
Jeder sollte sich für die Entscheidung, was er machen lassen will sowie wo und von wem er es machen lassen will genügend Zeit lassen. Lieber lange und in Ruhe nachdenken und nachfühlen als Hals über Kopf in Messer rennen, deren Wirkung nachher bereut wird. Und es sollte nicht aus den Augen verloren werden, welche Ergebnisse realistischer Weise zu erwarten sind.
Leider ist die Situation für Operationen in Österreich sehr schlecht. Immer wieder versuchen einzelne Ärzte sich die nötigen Techniken anzueignen, sammeln mit zweifelhaftem Erfolg an einigen Patienten Erfahrungen und geben dann wieder auf. Die österreichischen Krankenkassen finanzieren Operationen im Ausland, wo es Ärzte mit wesentlich mehr Erfahrungen und besseren Ergebnissen gibt nur, wenn in Österreich kein Arzt mehr von sich behauptet, diese Operationen durchführen zu können. Aktuell können wir keinen Operateur in Österreich empfehlen.
Keine Operation
Wir sollten nicht vergessen, dass die Klitoris bereits quasi ein Minipenis ist: vom Aufbau und der Empfindungsfähigkeit ähnelt sie dem männlichen Genital. Durch die Einnahme von Testosteron vollzieht sich ein richtiger Wachstumsschub, so dass tatsächlich die Ausmaße eines - allerdings sehr kleinen - Penis erreicht werden können. Nach Informationen einer amerikanischen Transmänner-Seite hält das Wachstum etwa sechs Jahre an: danach ist die Maximalgröße erreicht.
Wem die Größe des Penis nicht so wichtig ist, der kann sich für die Bildung eines Klitorispenoids entscheiden. Der Eingriff ist weniger schwerwiegend als ein Penoidaufbau und erfolgt meist ohne äußerlich sichtbare Narben. Im Idealfall ist das Ergebnis ist ein realistisch geformter, kleiner Penis.
Der Aufbau eines Penoids ist sicherlich die aufwendigste und risikoreichste Lösung. Sie bietet andererseits aber die größte Annäherung an das Idealbild eines männlichen Genitals. Die medizinischen und technischen Möglichkeiten sind aber keinesfalls so weit fortgeschritten, dass es möglich wäre, einen Penis mit all seinen natürlichen Funktionen nachzubilden.
Die Operationstechniken wurden entwickelt, um Männern, die ihr bestes Stück verloren haben, zu helfen. Da solche Unfälle zum Glück sehr selten sind und Transmänner sich auch nicht gerade zu Tausenden operieren lassen, gibt es relativ wenig Erfahrung bei dieser Operation, die vom Operateur genauso viel Geschicklichkeit und Können verlangt wie etwa eine Herztransplantation.
Die Weisheit, dass es einfacher ist ein Loch zu graben als einen Mast aufzustellen, ist leider wahr: Schliesslich muss quasi "aus dem Nichts" ein neues Organ entstehen. Das erfordert, Haut und Gewebe dafür von anderen Stellen des Körpers zu entnehmen, was im Normalfall großflächige Narben nach sich zieht.
Klitorispenoid (Metoidioplastik)
Das natürliche Wachstum der Klitoris durch Testosteronaufnahme bildet die Grundlage für die sogenannte Metoidioplastik, auch Klitorispenoid oder Klitpen genannt.
Die Metoidiopastik bietet den Vorteil eines kleinen Eingriffs mit dem Erhalten der natürlichen Empfindungsfähigkeit und Erigierbarkeit. Das Spenden von Muskel- und Hautgewebe kann vermieden werden.
Der Klitorispenoid kann sowohl eine bleibende Lösung sein, als auch der erste Operationsschritt auf dem Weg zu einem Penoidaufbau.
Generell geht es darum, die Klitoris freizulegen. Es gibt unterschiedliche Operations-Ansätze, je nachdem, ob es dem Patienten wichtig ist, im Stehen urinieren zu können. Ist das der Fall, wird die Harnröhre verlängert. Das ist der risikoreichste Teil der Operation. Die häufigsten Komplikationen sind Fisteln (Löcher) und Stenosen (Verengungen) führen kann. Nachdem der Klitpen - je nach Ausgangsvoraussetzungen - etwa 1-4 cm groß sein wird, erfordert das Urinieren im Stehen sicherlich einige Übung.
Der Klitpen funktioniert im wesentlichen wie ein Penis. Er versteift sich im erregten Zustand und ist orgasmusfähig, wenn auch ohne Ejakulation. Vaginaler Geschlechtsverkehr ist mit einiger Phantasie möglich. Mit einiger Übung kann auch die Partnerin durch Penetration zur Befriedigung kommen, da ja empfindsamen Bereiche bei Frauen im äußeren Bereich der Vagina liegen.
Begriffe
Die operative Technik der findet sich in der Literatur unter verschiedenen Bezeichnungen. Sie zu kennen kann sich bei Recherchen zu dem Thema als nützlich erweisen.
Donald R. Laub, ein plastischer Chirurg aus den USA, hat den Begriff Metoidioplastik (Metoidioplasty) eingeführt. Europäische Chirurgen, wie z.B. der Niederländer J. Joris Hage, bevorzugen die anglo-amerikanische Schreibweise Metaidoioplastik (Metaidoioplasty). Der Begriff wurde aus dem Griechischen abgeleitet. Die Vorsilbe Meta- bezeichnet das Konzept des Wandels (vgl. Metamorphose), aidoio ist ein archaischer Ausdruck für anstößige Dinge oder Genitalien und die Nachsilbe -plastik kommt von plastos und bezeichnet das Ergebnis eines formgebenden operativen Verfahrens.
Wolf Eicher, deutscher Gynäkologe und Autor des Standardwerks "Transsexualismus" (1992, Fischer), bevorzugt den Begriff Klitorispenoid und bezieht sich damit auf den Aufbau einer penis-ähnlichen Konstruktion.
Operationsmethoden
Im Folgenden beschreiben wir drei aus der Literatur bekannte Operationsmethoden. Welche Methode konkret angewandt wird, ist im Einzelfall vom behandelnden Chirurgen zu erfragen.
Metoidioplastik nach Meltzer und Reed
Die seitlichen Labienbänder (Ligamentum Labia lateral) werden geteilt, um mehr Beweglichkeit in Richtung Venushügel (Mons Pubis) zu erreichen. Eine embryonale Urethralplatte (urethra plate) muss von der Unterseite der Klitoris weggezogen werden, um ein Vorstehen und eine sichtbare Erektion zu ermöglichen.Die Prozedur ist ähnlich der Penisverlängerung bei genetischen Männern. Der Kopf (Glans) der Klitoris samt Haut vom Klitorisschaft wird angehoben. Dann erfolgt ein Schnitt unter der Glans in Richtung Harnröhrenausgang. Das "hintere hängende Band" (Ligamentum suspensorium) wird vom Schambein gelöst, um der Klitoris mehr Länge zu verleihen. Dadurch kann die Klitoris weiter heraushängen. Wenn das weibliche Gewebe mit Testosteron vorbereitet ist, kann der Kopf der Klitoris der Eichel eines erwachsenen Penis gleichen.
Wenn ein Hoden gebildet werden soll werden großen Schamlippen in der Mitte zusammengeführt, um den Hodensack zu formen. Für das Urinieren im Stehen können die kleinen Schamlippen und die Urethralplatte dazu benutzt werden, die Harnröhre zu verlängern. Ansonsten verbleibt die Harnröhre (Urethra) an weiblicher Stelle unter der Klitoris. Für eine Harnröhrenverlängerung ist die die Entfernung der Vagina nötig.


Metaidoioplastik nach Hage
Um den Schaft der Klitoris freizulegen, wird die Haut zwischen Scheideneingang und Glans der Klitoris W-förmig eingeschnitten. Die Einschnitte müssen zu den vorher an der Scheidenwand ausgeführten passen. Ein Ast dieses W wird als zukünftige Harnröhre an die Spitze der Glans der Klitoris gezogen, während der andere Ast seitlich und nach oben gezogen wird, um die mittlere Oberfläche der rechten kleinen Schamlippe zu bilden. Dafür werden die mittlere und die seitliche Oberfläche der Schamlippe getrennt. So wird ein in der Mitte festgewachsener Hautlappen von zumindest 3 cm Breite geformt.Ein Blasenkatheder wird gesetzt. Ein 5 bis 7,5 cm langer und 2 bis 3 cm breiter Lappen wird von der Vaginalwand gelöst und ausgeklappt. Seine Basis bedeckt von hinten die Öffnung der Harnröhre und er sollte bis über den Schaft der Klitoris reichen. Der Lappen besteht aus der Muskelschicht der vorderen Vaginalwand, darf aber weder einen Teil der Harnröhrenwand noch den Blasen-Schließmuskel beinhalten. Der Vaginallappen wird der Auskleidung des "pars fixa" der Neo-Harnröhre dienen.
Um die Klitoris bauchwärts versetzen zu können wird der hintere Rand der linken kleinen Schamlippe ausgelöst.
Die von Dr. Hage praktizierte Technik lehnt sich - abgesehen von der Bildung der Harnröhre, an die von Laub (1989) beschriebene an. Dazu bemerkt Eicher (1992): "Die Technik lehnt sich an die in utero erfolgende Transformation eines primär weiblichen Genitals in ein männliches durch den Einfluss von Testosteron an. Im Erwachsenenalter ist mit Testosteron jedoch nur noch eine gewisse Vergrößerung der Klitoris zu erreichen. Die Technik besteht darin, die Klitoris 3 cm nach vorne und oben zu verlegen, wo normalerweise der Penis ansetzt. Die großen Labien werden 3 cm nach hinten verschoben und zum Skrotum vereinigt. Die äußeren Anteile der kleinen Labien werden zur Penishaut, die inneren Anteile zur Auskleidung der Harnröhre verwendet. Hodenprothesen werden in das Neoskrotum eingeführt. Durch eine kleine Bauchdeckenplastik kann überflüssiges Fett vom mons pubis entfernt werden, wodurch das Penoid besser zur Geltung kommt."
Quelle: J. Joris Hage (1995), Metaidoioplasty: An Alternative Phalloplasty Technique in Transsexuals. Amsterdam
Klitorispenoid nach Eicher
Durch die Androgentherapie kommt es in der Regel zu einer Hypertrophie der Klitoris. Die Vergrößerung ist jedoch nicht spektakulär. Nach einer umgekehrten Y-förmigen Inzision über der Klitoris kann diese nach oben in das distale Ende des senkrechten Y-Schenkels über den Mons veneris gezogen und fixiert werden. Der restliche Vulvaspalt wird nun durch Freilegung und Vereinigung der Musculi bulbacavernosi völlig verschlossen. Über dem in die Urethra eingeführten Katheter werden die kleinen Labien so vereinigt, dass das Epithelrohr gedeckt wird. Die Nähte erfolgen mit 4x0 Catgut atraumatisch. Die obersten Nähte beziehen die angefrischten Abschnitte des Präputiums mit ein, welches das Klitorispenoid umhüllt. Die Hautnähte erfolgen mit 5x0 Prolene Einzelknopfnähten. In die nach dorsal verschobene Haut der großen Labien können Silastic-Gel-Kugeln als Hodensurrogat eingeführt werden.
Der Zweck der Operation ist erreicht, wenn der Patient im Stehen urinieren kann, was für ihn ein wichtiges Merkmal von Männlichkeit darstellt.
Quelle: Wolf Eicher (1992) "Transsexualismus", Fischer, S. 129.
Klitpen versus Penoid
Vorteile des Klitpen sind die natürliche Optik, da die Klitoris ja ein Minipenis ist, die Empfindungsfähigkeit und bei gutem Verlauf keine sichtbaren Narben. Es ist nur ein relativ kleiner Eingriff notwendig bei dem Risken wie beispielsweise die Abstoßungsgefahr beim Penoidaufbau vermieden werden. Auf das Klitpen kann später ein Penoid aufgebeut werden.
Die Nachteile sind seine schwache Verwendbarkeit im Geschlechtsverkehr und dass häufig trotz Harnröhrenverlängerung kein Urinieren im Stehen möglich ist
Situation in Österreich
In Österreich steckt die Methode der Metodioplastik noch in den Kinderschuhen. Nach unserem Wissen hat es im März 2003 im AKH Wien die ersten sechs Operationen in Österreich gegeben. Dazu wurde ein erfahrener holländischer Chirurg beigezogen. Die Ergebnisse waren dennoch alles andere als zufriedenstellend. Die Komplikationsrate lag bei zumindest 50 Prozent.
Wir können in dieser Situation nicht dazu raten, sich in Österreich derartigen Eingriffen zu unterziehen.

Penoidaufbau
Hier gibt es verschiedene Operationsmethoden, je nachdem welche Anforderungen ein TM an sein neues Genital stellt. Wem es nicht wichtig ist, im Stehen urinieren zu können, der braucht keine Harnröhrenverlängerung, so dass der Urin weiterhin an der bekannten Stelle austritt. Damit entfällt der komplizierte Aufbau einer Neoharnröhre. Ebenso gibt es die Möglichkeit, auf eine Versteifung zu verzichten, so dass GV ausschließlich mit Hilfsmitteln möglich ist.
In der OP Beschreibung auf dieser Seite versuchen wir die Techniken aufzuzeigen, die sowohl eine Versteifung beinhalten als auch den Aufbau einer neuen Harnröhre: also einem "Biopenis" so nah wie möglich kommen.
Methoden
Bei der Konstruktion von Penoiden gibt es bislang kein allgemein anwendbares "Standardverfahren". Daher unterscheiden sich die Operationstechniken von Operateur zu Operateur zum Teil erheblich, wobei bei der Beurteilung des Endergebnisses natürlich auch der persönliche Geschmack eine Rolle spielt.
Gewebe
Bei allen Methoden geht es darum, Gewebe für den Neophallus von anderen Körperstellen zu entnehmen.
Es hat Versuche mit Hautlappen aus dem Bauch gegeben, diese Methode wurde unter anderem von Exner und Sohndurchgeführt. Diese sogenannten "Rollappenpenoide" waren jedoch aufgrund des hohen Fettanteils im Gewebe zunächst sehr dick und wurden dann in Folgeoperationen ausgedünnt. Mittlerweile gilt dieses Vorgehen als veraltet.
Am häufigsten wird zur Zeit ein freies Transplantat aus dem Unterarm verwendet. Sowohl Dr. Liedl als auch Dr. Daverio und Dr. Schaff greifen darauf zurück, weil das Gewebe relativ empfindungsreich und gut durchblutet ist. Allerdings gibt es Unterschiede, von welchem Bereich des Armes entnommen wird: Daverio nimmt die Oberseite des Unterarms, während Liedl den Grossteil von der Rückseite nimmt.
Wer sich für diese Technik entscheidet, muss mit großflächigen Narben rechnen. Natürlich wird die Entnahmestelle wiederum mit Spalthaut von anderer Stelle (meist Oberschenkel) abgedeckt, trotzdem wird in den meisten Fällen der Eingriff sichtbar bleiben. In den ersten Monaten nach der Operation ist der (bei Rechtshändern linke) Arm auch noch nicht voll belastbar, die Bewegung der Hand kann eingeschränkt sein und das Gefühl auf der Entnahmestelle wird aller Voraussicht nach nicht mehr so sein, wie vorher.
Eine Alternative zur Gewebsentnahme aus dem Arm ist, die Haut aus dem Unterschenkel zu nehmen. Dies bietet sich auch dann an, wenn aufgrund von Narben, die Haut des Armes nicht verwendet werden kann. Allerdings ist der Unterschenkel zum einen meist stärker behaart als der Unterarm, zum anderen ist er weniger sensibel, was sich auch negativ auf die Sensibilität des Neophallus auswirkt. Manchmal wird auch Haut am Brustkorb unter der Schulter entnommen.
Bei allen Methoden bietet es sich an, die Entnahmestellen vorher zu epilieren: dieses sollte jedoch in jedem Fall vorher mit dem Operateur abgesprochen werden.
Harnröhre
Auch bei der Konstruktion einer neuen Harnröhre (Neouthrea) gibt es verschiedene Verfahren. Während Dr. Daverio diese aus dem Stück Armhaut bildet, indem er sie "zusammenrollt", "züchtet beispielsweise Dr. Schaff eine komplett neue Harnröhre aus eigenem Gewebe.
Bei einem Penoidaufbau mit verlängerter Harnröhre gehören Fisteln und Stenosen zu den häufigsten Komplikationen. Eine Fistel ist, umgangssprachlich ausgedrückt, ein Loch, während eine Verengung als Stenose bezeichnet wird. Bei Fisteln reicht es manchmal aus, einfach abzuwarten, bis sie sich von allein schließen, andernfalls können sie manchmal sogar unter Lokalbetäubung geschlossen werden.
Versteifung
Die "Luxusversion" ist der Einbau einer sogenannten "Erektionspumpe", wie sie auch impotenten Biomännern implantiert wird. Die Pumpe selber sitzt dabei meist in einem der Hoden, wird sie betätigt richtet sich der Phallus auf.
Ansonsten gibt es die Möglichkeit, einen abknickbaren Silikonstab zu verwenden. Das bedeutet, dass der Neopenis quasi im Winkel von etwa 45 Grad abgeknickt wird und "bei Bedarf" aufgerichtet werden kann.
Die meisten Operateure setzen die Versteifung erst einige Monate nach der OP ein, wenn das Gewebe bereits verheilt und empfindungsfähig ist. Häufig werden gemeinsam mit der Versteifung die Hoden aus den äußeren Schamlippen gebildet.
Zur besseren Durchblutung des Neopenis und zur Versteifung setzten einige Operateure darauf, ein Stück Knochen zu verwenden. Dieses wird entweder aus dem Arm oder dem Wadenbein entnommen und natürlich gleich mit eingefügt. Beckenkamm an.
Hoden
Hoden werden meistens in einer zweiten Operation konstruiert, häufig dann, wenn auch die Versteifung eingesetzt wird. Normalerweise werden dafür die äußeren Schamlippen verwendet, in die Silikonimplantate eingesetzt werden.
Eichel
Eine sogenannte "Glansplastik" gehört nicht zum Standard. Dr. Liedl und Dr. Daverio bieten sie jedoch auf Nachfrage an.
Sexualität/Empfindungsfähigkeit
Im Normalfall wird heutzutage die Klitoris als Basis des Neophallus verwendet. Dafür legt der Operateur sie frei und versetzt sie ein kleines Stück nach oben: an die Stelle, an der sich auch bei Biomännern der Penis befindet. Da sie ansonsten komplett intakt bleibt, ist die Chance sehr gut, dass sie weiterhin empfindungsfähig bleibt.
Direkt nach der Operation wird "das gute Stück" in der Regel taub sein, weil Nervenverbindungen sich erst bilden müssen. Es wird im Normalfall Monate dauern, bis der neue Penis an sich auch sensibel ist. Nach Berichten von Transmännern mit Penoidaufbau könnte es im günstigsten Fall schom nach Abheilung der Operationsnarben (ca. 5 Wochen) möglich sein einen Orgasmus zu bekommen.
Risiken
Trotzdem bleibt das Risiko, das Nerven beschädigt werden und auch das (zum Glück) seltene Risiko, dass der Neopenis wieder chirurgisch entfernt werden muss. Gründe hierfür können sein, dass der Neopenis zu tief angesetzt wurde, so dass ein normales Sitzen nicht mehr möglich ist. Ausserdem ist es theoretisch möglich, dass das Gewebe und damit der Penis, abstirbt, weil es nicht gut genug durchblutet ist oder zum Beispiel durch Krankheitserreger dauerhafte Entzündungen auftreten, die eine Rückoperation notwendig machen. Es kann auch sein, dass der Neopenis vom Körper wieder abgestoßen wird, bzw. gar nicht erst anwächst.
Wie bereits erwähnt, gehören Fisteln und Stenosen zu den häufigsten Komplikationen. Das Urinieren durch die verlängerte Harnröhre kann gerade in der ersten Zeit zu Schwierigkeiten führen.
Dadurch, dass meist nach der OP einige Zeit ein Katheter benutzt wird, muss sich die Blasenmusulatur erst wieder "einarbeiten". Da sie nicht daran gewöhnt ist, Druck für eine wesentlich längere Harnröhre aufzubauen kann es sein, dass man sich an anhaltendes "Nachtröpfeln" gewöhnen muss.
Generell ist ein Hauptproblem der sogenannte "Knickzentimenter", der sich daraus ergibt, dass die Versteifung nicht bis zur Basis herunterreicht. Vor allem bei der "Knochenlösung" wird es also kaum möglich sein, ohne Zuhilfenahme der Hand zu penetrieren. Ein Neopenis ist, soweit wir wissen, nicht für Analverkehr geeignet, weil er wesentlich weicher ist, als ein natürlicher.
Fazit
Wer sich dazu entschließt, einen Penisaufbau machen zu lassen, sollte beim Informationsgespräch mit dem Chirurgen unbedingt vorbereitet sein und sämtliche Fragen stellen, die ihm auf dem Herzen liegen. Immerhin geht es um ein wichtiges Körperteil und um eine Operation, die ähnlich kompliziert ist, wie eine Herztransplantation.
Auswahl des Operateurs
Wichtig ist, wie viele derartiger Operationen ein möglicher Operateur schon gemacht hat. Ein bekannter Uruloge sagte, dass er mindestens 30 OPs zum "Lernen" benötigen würde und deshalb gar nicht erst damit beginne, um seine Patienten nicht als "Versuchsobjekte" zu missbrauchen.
Fragt nach der Komplikationsrate. Wie viele Nachoperationen waren durchschnittlich notwendig, hat es Totalverluste gegeben? Wenn der Arzt nicht von selber Fotomaterial zeigt, fragen, ob er Bilder von gelungenen Operationen und den Narben (!) zeigen kann: auch wenn jeder Mensch unterschiedlich ist, kann so ein Bild doch einen groben Eindruck geben, wie es werden könnte.
Methode Dr. Schaf
Dr. Jürgen Schaff (Dachau) operiert in mehreren Schritten, nach Angaben von deutschen Patienten ist es realistisch, anstatt mit den hier angegebenen vier, mit fünf bis sechs Operationen zu rechnen.
Zur Versteifung wird ein Stück Knochen verwendet, das auch die Durchblutung des Neopenis gewährleisten soll. Dr. Schaff zieht es vor, dafür ein Stück aus dem Wadenbein zu nehmen, auch die Penishaut nimmt er am liebsten aus dem Unterschenkel, obwohl diese etwas weniger empfindsam ist als aus dem Unterarm. Eine andere von ihm angebotene Variante ist die, Gewebe und Knochen aus dem Unterarm zu nehmen. Sein Argument für die Beinlösung ist, dass der Beinknochen für eine bessere Durchblutung des Penoid sorgt.
1.OP: es wird ein Plastikröhrchen (Katheder) wahlweise in den Unterschenkel oder in den Unterarm gesetzt. Dieses muss vom Patienten sechs Monate lang täglich mit einer Kochsalzlösung gespült werden, damit es nicht zuwächst. Auf diese Weise bildet sich neues Gewebe rund um den dünnen Schlauch: dieses Gewebe wird später die neue Harnröhre.
2.OP: nach einem halben Jahr wird das Röhrchen gemeinsam mit dem Bein/Armgewebe und etwa 5cm Knochen entnommen und daraus der Penis gebildet. Dr. Schaff verschließt die Scheide und näht den Penoid an. Dabei lässt er jedoch die alte Harnröhre frei, so dass weiter wie bisher uriniert wird. Der Katheder bleibt im Gewebe und muss weiterhin täglich gespült werden.
3. OP: die neue und alte Harnröhre werden miteinander verbunden und der Übergang verschlossen. Jetzt zeigt sich, ob alles so funktioniert wie geplant. Fistel (Löcher) und Stenosen (Verengungen) der Harnröhre sind Komplikationen, die relativ häufig auftreten, aber meist durch Korrektur-Ops wieder behoben werden können.
4. OP: in die ehemaligen äußeren Schamlippen werden Hodenprothesen aus Silikon eingesetzt.


Donnerstag, 17. März 2016

Transidente Menschen haben oft viele Schwierigkeiten in ihrem Leben zu meistern. // Trans Possidente people often have to cope with many difficulties in their lives.

Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2016

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Positiveres Selbstverständnis und Solidarität
Transidente Menschen haben oft viele Schwierigkeiten in ihrem Leben zu meistern. Sie erleben Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung, werden missverstanden und stehen immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Mit diesen Problemen werden sie jedoch im Vergleich zu früher nicht mehr allein gelassen.
Viele Transsexuelle besitzen heute ein positiveres Selbstverständnis und zeigen offen ihre Solidarität. Diese findet unter anderem Ausdruck in der Gründung von Vereinigungen, Selbsthilfe- und Emanzipationsgruppen, die Informationen liefern, Erfahrungsaustausch und Begegnungsmöglichkeiten eröffnen und Beratung anbieten.
Sie tragen außerdem dazu bei, einen positiven, stabilisierenden Einfluss auf die Identitätsbildung auszuüben. Darüber hinaus bringen Transsexuelle eigene Zeitschriften heraus, betreiben Internetforen und halten Tagungen ab. Auch die soziale, psychosoziale und rechtliche Situation Transsexueller hat sich verändert. Transsexuelle sind heute in der Öffentlichkeit als Gruppe und vom Staat als solche anerkannt.
Ihnen steht zudem eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die sie in inländischen, angesehenen Kliniken durchführen lassen können.
Nicht zuletzt erleben transidente Menschen durchaus auch positive Reaktionen: Sie werden als exotisch und aufregend erlebt, es kann eine echte Akzeptanz ihrer Identität und Lebensform bestehen, oder sie werden als konstruktive Herausforderung empfunden.
 Letzteres kann dazu beitragen, traditionelle Geschlechterrollen zu hinterfragen, sich „abweichenden“ Lebensformen gegenüber öffnen zu können und den eigenen Horizont zu erweitern.
Transsexuelle sind sich sicher: Sie leben im falschen Körper. Darunter leiden die Identität und die Persönlichkeit. Der Wunsch, das andere Geschlecht anzunehmen, ist sehr groß. Doch eine Geschlechtsangleichung löst nicht immer alle Probleme.   
Transsexualität und Gesellschaft
Die Realität in der Beurteilung von Geschlechtsidentitätsstörungen durch den „recht und billig“ denkenden Mann auf der Straße ist nicht ermutigend. Nach wie vor wird Transsexualität als sündenhaft, als krankhaft oder sogar sittenwidrig beurteilt, weswegen Betroffene einer starken Stigmatisierung ausgesetzt sind. Transgenderpersonen sind in ihrer Psyche sehr labil und anfällig, weil sie ein Leben lang um Akzeptanz kämpfen müssen, häufig aber enttäuscht werden.

Im Jahre 2010 gab es in Österreich eine spektakulären Fall von Transsexualität, der an die Öffentlichkeit gelangte. Ein Lehrer ging als Mann in die Ferien und kam als Frau wieder. Das war den Schulbehörden offenbar kein Problem, dafür aber den Eltern der Schüler. Sie protestierten gegen die Vorgansweise der Behörden und sahen in deren Vorgangsweise eine Gefährdung der Sittlichkeit ihrer Kinder.
Kann es ein schlimmeres Zeichen geben für den Unverstand der Gesellschaft gegenüber dem Phänomen der Transsexualität?! Aufklärung tut Not! 

Der Umgang mit transsexuellen Personen verlangt eine hohe Sensibilität. Selbst für den Therapeuten ist es manchmal nicht einfach, sich auf das verletzliche Seelenleben von transsexuellen Personen einzustellen.

Das Leben Transsexueller ist geprägt von einem lebenslangen Kampf. Zuerst zielt das gesamte Bestreben auf Akzeptanz ihrer selbst entdeckten Transsexualität ab, auf die Durchsetzung geschlechtsanpassender Maßnahmen, deren Verwirklichung durch Gesetze und Restriktionen verhindert werden soll. Unverständnis gegenüber ihrem Bestreben ist an der Tagesordnung, selbst von Leuten, von denen Fachkompetenz erwartet werden könnte. Danach beginnt der Konflikt mit der Gesellschaft von neuem. Die Eingliederung in die Gesellschaft ist mit Hindernissen gepflastert, die berufliche Laufbahn wegen der Stigmatisierung gehemmt. Auch der Wunsch nach einer tragfähigen Beziehung wird häufig enttäuscht.

Transsexuelle Personen sind deshalb in einem besonders hohen Ausmaß von psychischen Erkrankungen und sogar Selbstmord betroffen.

Diese düstere Bild soll nicht bedeuten, dass Transsexuellen der von ihnen gewünschte und eingeschlagene Weg verweigert werden sollte, es ist vielmehr ein Appell an mehr Toleranz in der Gesellschaft, denn es ist die Gesellschaft, die krank macht, nicht die Transsexualität

Gelänge es, für die Bedürfnisse transsexueller Personen mehr Verständnis  auf zu bringen, aus ihrem „Anderssein“ kein Drama zu machen, würden sich viele Probleme von Personen mit GIS vermeiden lassen. 

Der Auftrag an die Gesellschaft lautet: mehr Toleranz gegenüber Transsexuellen!


Hormone im Mutterleib beeinflussen Transsexualität

Hormonelle Störungen während der Embryonalentwicklung scheinen dazu beizutragen, dass ein Mensch transsexuell geboren wird. Dies zeigt eine aktuelle Studie: Männer verspüren eher den Wunsch als Frau zu leben, wenn Sie als Kinder im Mutterleib einem niedrigen Spiegel männlicher Geschlechtshormone ausgesetzt waren. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) setzt sich für weiterführende Forschung ein. Denn neue Erkenntnisse könnten den Betroffenen helfen, sich für oder gegen ein Leben im anderen Geschlecht zu entscheiden.

Etwa einer von 12.000 Männern wünscht sich, eine Frau zu sein - obwohl sein biologisches Geschlecht männlich ist. Bei Frauen ist Transsexualität seltener, etwa eine von 30.000 biologischen Frauen wäre gerne ein Mann. Sich mit dem eigenen biologischen Geschlecht nicht identifizieren zu können, belastet die Betroffenen: "Der Wunsch, das Geschlecht zu wechseln ist meist sehr stark ausgeprägt, häufig kompromisslos", erläutert Prof. Dr. med. Günter Karl Stalla, Beirat der Sektion Neuroendokrinologie der DGE aus München. Viele Betroffene würden berichten, dass sie schon als Kind das Gefühl hatten, im falschen Geschlecht zu leben. Mitunter versuchten sie, ihr biologisches Geschlecht nach außen zu verbergen: "Schlimmstenfalls kommt es zu Selbstverstümmelungen, Depressionen oder Suizidversuchen", so Professor Stalla.

Für die Wissenschaft ist Transsexualität vor allem deshalb rätselhaft, weil sich Transsexuelle genetisch, hormonell und anatomisch eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen - jedoch nicht dem, mit dem sie leben wollen. Der Neuroendokrinologe Stalla und seine Mitarbeiter überprüften die Hypothese, dass Hormonstörungen für Transsexualität mitverantwortlich sind. Dazu bestimmten sie bei mehr als 100 Transsexuellen das Verhältnis der Länge von Zeige- zu Ringfinger. Denn dieser Wert ist umso höher, je weniger männliche Geschlechsthormone - so genannte Androgene - während der vorgeburtlichen Entwicklung auf ein Kind einwirken.

"Das Ergebnis liefert für Mann-zu-Frau-Transsexuelle eine biologische Erklärung für die Entstehung der Transsexualität", erläutert Professor Stalla: Bei ihnen fanden die Forscher einen höheren Verhältniswert als bei Männern, die sich auch als solche fühlen. Ihre Fingerlänge entsprach in etwa der von heterosexuellen Frauen. Dementsprechend waren die Mann-zu-Frau-Transsexuellen im Mutterleib geringeren Mengen Androgen ausgesetzt als der Durchschnitt. "Wir müssen weiter an den Ursachen forschen, um besser auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen zu können und besser in der Lage zu sein, sie therapeutisch zu unterstützen." Es gäbe zwar derzeit hormonelle Therapien zur Geschlechtsumwandlung, allerdings "sind viele Hilfen pragmatisch entwickelt worden und verbesserungsfähig", so der Experte.





Effects of sex hormones on the psyche // Auswirkungen von Sexualhormonen auf die Psyche

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Auswirkungen von Sexualhormonen auf die Psyche
Schon beim Ungeborenen werden Sexualhormone aktiv und beeinflussen dadurch Struktur und Funktion des Gehirns. Eine Beeinflussung, die einem lebenslangen Prozess unterworfen ist. Denn Östrogen, Progesteron und Testosteron wirken unterschiedlich auf die Gehirnaktivität und steuern durch ihren schwankenden Spiegel Psyche und Geist.
Der Einfluss der Sexualhormone auf das Gehirn beginnt bereits im Mutterleib. Hat der Embryo ein Y-Chromosom, wird er in der sechsten bis achten Schwangerschaftswoche Hoden ausbilden, welche hohe Mengen an Testosteron produzieren. Testosteron führt zur Ausbildung männlicher Geschlechtsmerkmale und zu einer männlichen Organisation des Gehirns und ist damit das geschlechtsbestimmende Hormon. Bleibt die Testosteronwirkung aus, entwickelt sich der Fötus weiblich.
Das hormonelle Milieu in der Entwicklung bestimmt die Ausbildung geschlechtsspezifischer Merkmale im Gehirn. Die Auswirkungen sind in jenen Gehirnregionen am deutlichsten, die eine hohe Zahl an Bindungsstellen für Sexualhormone, und hier insbesondere männliche Sexualhormone (Androgene), besitzen. Dazu gehört der Hypothalamus, eine Region, die für die Regulation der Hormonausschüttung verantwortlich ist.
Im Hypothalamus sind Geschlechtsunterschiede insbesondere in präoptischen Kernen, (Ansammlung von Nervenzellkörpern) zu beobachten, einschließlich des „Sexuell Dimorphen Nukleus“ (SDN), der bei Männern bis zu viermal größer sein kann als bei Frauen. Diese Regionen spielen neben anderen wichtigen Funktionen im Stoffwechsel auch eine Rolle in der Sexualität in Bezug auf Aktivität, sexuelle Präferenz und Geschlechtsidentität. Die hypothalamischen Kerne im Gehirn transsexueller Männern können beispielsweise eher einen weiblichen als männlichen Strukturaufbau („Organisation“) aufweisen.
Andere Gehirnregionen, die ebenfalls Geschlechtsunterschiede aufweisen, wären beispielsweise der Mandelkern (Amygdala), eine zentrale Schaltstelle für die Emotionsverarbeitung einschließlich der Sexualität, der Balken (Corpus callosum), eine Brücke aus Nervenfasern, die beide Gehirnhälften verbindet, oder das sogenannte Planum temporale im Schläfenlappen, ein Areal, das mit Sprachprozessen befasst ist.
Auch die allgemeine Organisation des Gehirns, wie Nervenzelldichte, Ausformung der Gehirnoberfläche und Anzahl der Nervenzellen und deren Verbindungen unterscheidet sich zwischen Frauen und Männern. Diese primären, durch hormonelle Effekte im Mutterleib ausgelösten Veränderungen des Gehirns führen dazu, dass Mädchen im Kleinkindalter tendenziell zu Spielzeugen wie Puppen greifen und kooperative Spielsituationen schaffen, während Buben eher zu Spielzeugautos greifen und konkurrierende Spielvarianten wählen. Dies konnte auch bei jungen Affen (Primaten) gezeigt werden, um eine Überlegenheit biologischer Ursachen über den soziokulturellen Kontext nachzuweisen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Zu den robustesten psychischen Geschlechtsunterschieden zwischen Frauen und Männern zählen die im Durchschnitt bessere räumliche Vorstellungskraft der Männer und die bessere Wortflüssigkeit der Frauen, also z.B. die Fähigkeit viele Worte zu einem bestimmten Thema oder mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben zu assoziieren und zu generieren. Diese Unterschiede scheinen nicht nur von genetischen und epigenetischen Einflüssen und dem hormonellen Milieu während der Entwicklung verursacht, sondern auch vom aktuell vorherrschenden alltäglichen hormonellen Milieu abhängig.

Ersichtlich wird dies unter experimentellen Bedingungen. Hier konnte man zum Beispiel feststellen, dass es während des menstruellen Zyklus zu Schwankungen der kognitiven und emotionalen Fähigkeiten kommt, wobei hohe Östrogenkonzentrationen zu tendenziell weiblicheren Leistungen in psychologischen Tests führen.
Bei Transsexuellen, die sich einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie unterzogen, hat man ebenfalls eine Umkehrung gefunden. Transsexuelle Männer, die hohe Dosen der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron über längere Zeit mit dem Zweck der Geschlechtsumwandlung einnehmen, verbessern sich in den Wortflüssigkeitsaufgaben und verschlechtern sich in Aufgaben, die das räumliche Vorstellungsvermögen erfordern. Bei transsexuellen Frauen, die hohe Dosen an Testosteron einnehmen, verhält es sich genau umgekehrt. Dies unterstreicht die Tatsache, dass auch im Erwachsenenalter Sexualhormone modulierend auf die Funktionsweise des Gehirns einwirken können.
Im Gegensatz zur „Organisation“ des Gehirns durch Hormone während der Entwicklung spricht man hier von „Aktivierung“. Sexualhormone und deren synthetische chemische Abkömmlinge (Derivate), die zur Empfängnisverhütung eingesetzt werden, gelangen mit dem Blutstrom in das Gehirn und docken an spezifische Bindungsstellen an. Diese sind, wie oben erwähnt, in unterschiedlichen Gehirnregionen in einer bestimmten Konzentration vorhanden und vermitteln lokal je nach Dichte den Einfluss der Hormone in den jeweiligen Hirnregionen.
Gehirnaktivierende Wirkungen
Sexualhormone wirken im Gehirn auf zweifache Weise. Zum einen gelangen sie in den Nervenzellkörper, binden an den dort vorliegenden Genstrang (DNS) und beeinflussen damit die Bildung von Eiweißstoffen (Proteine), die für die Signalübertragung der Nervenzellen notwendig sind und diese verändern können. Zum anderen beeinflussen sie die Signalübertragung direkt und modulieren die Wirkung verschiedener Botenstoffe. Dabei sind die jeweiligen Wirkungsweisen der Hormone spezifisch:
Östrogen
Östrogen wirkt im Allgemeinen aktivierend. Die hemmenden, müde machenden und auch angstlösenden Botenstoffe wie die Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) werden durch Östrogen vermindert, während aktivierende Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Glutaminsäure eher verstärkt arbeiten.
Serotonin wird auch als „Glücksbotenstoff“ bezeichnet. Eine zu geringe Menge an Serotonin im Gehirn kann zu Depressionen und Angsterkrankungen führen, während eine Anhebung von Serotonin durch Antidepressiva angstlösend und stimmungsaufhellend wirkt.
Hohe *Dopamin*spiegel wirken euphorisierend, können aber auch zu Denkstörungen und Halluzinationen, also Symptomen wie bei Schizophrenie führen.
Noradrenalin wirkt antreibend und hebt die körperliche Aktivität und die Stimmung.
Glutaminsäure schließlich ist der vorherrschende Botenstoff des Gehirns, mit einer zentralen Rolle für das Denken. Unser Abstraktionsvermögen, Sprache oder Lernen sind davon abhängig. Glutaminsäure ist der Gegenspieler zu GABA, sie aktiviert das Gehirn und regt das Denken an, verbessert Konzentration und Gedächtnis.
Vereinfachend gesagt, wirkt Östrogen durch die Beeinflussung dieser Prozesse im Allgemeinen euphorisierend, lustfördernd, aktivierend. Die Lust an Sex steigt, und da sich die Östrogenmenge mit dem Zyklus verändert, ist sie besonders groß, wenn die Östrogenspiegel hoch sind, d.h. Mitte bis Ende der ersten Zyklusphase (der „follikulären“ Phase) bis zum Eisprung.

Progesteron
Progesteron hat eine gegenspielerische Wirkungsweise. Es beeinflusst hauptsächlich den oben erwähnten Botenstoff Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). Progesteron hat an den Bindungsmolekülen von GABA eine eigene Bindungsstelle und kann so die Dauer und Intensität der GABA-Wirkungen verstärken. Auf diese Weise wirkt es dämpfend und einschläfernd (es kann sogar als Narkosemittel benutzt werden), aber auch angstlösend und entspannend. So kann es seine Funktion in der Erhaltung der Schwangerschaft gut erfüllen: durch verminderte Aktivität und Umtriebigkeit der Frau wird das Risiko einer Fehlgeburt gemindert.
Auch die anderen Funktionen von Progesteron im Körper verstärken die dämpfende psychische Wirkung: es kommt zu Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme. Entsprechend fühlen sich Frauen in der zweiten Zyklusphase (der „lutealen“ Phase) tendenziell etwas müder, aber auch ruhiger, als in der euphorischen Östrogenphase.
Auch Frauen, die zur Empfängnisverhütung oder als Hormontherapie im Wechsel Progesteron einnehmen, fühlen sich weniger aktiv, als Frauen die nur Östrogen einnehmen müssen. Sind die Progesteronwirkungen für die Frau eher unangenehm, kann man als Alternative zum Absetzen oder Wechseln des Präparates grundsätzlich auch eine Zugabe oder Erhöhung von Östrogen erwägen. Dieses hebt viele negative Progesteronwirkungen auf.

Testosteron
Testosteron ist das männliche „Glückshormon“, analog dem Östrogen bei Frauen. Es wirkt stark aktivierend, antreibend und luststeigernd. Negativ fällt die Erhöhung der Aggressionsbereitschaft ins Gewicht. Über die genaue Wirkungsweise im Gehirn ist weniger bekannt, als bei Östrogen und Progesteron. Allerdings muss man bedenken, dass Testosteron nicht nur an Androgenbindungsstellen wirkt, sondern auch enzymatisch in Östrogen umgewandelt werden und entsprechend auf die Nervenzellen wirken kann.
Sowohl Frauen als auch Männer haben nach der Pubertät relativ konstante Testosteronspiegel. Erst im Alter kommt es zu einer langsamen Reduktion der Testosteronmenge, mit der Konsequenz einer Abnahme von Antrieb und Libido. Sehr kontrovers wird diskutiert, ob Testosteron das „Lebenselixier“ des Mannes sei, das bei zusätzlicher Zufuhr seine Tatkraft und Aktivität bis ins hohe Alter erhalten könnte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Schwankungen der Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron sowie die Menge an Testosteron im Körper das Denken, Fühlen und natürlich das Lustempfinden deutlich beeinflussen können. Dies spüren vor allem Frauen aufgrund der starken hormonellen Schwankungen, denen ihr Körper einerseits monatlich, andererseits spezifisch in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren ausgesetzt ist. Entsprechend manifestieren sich hier die Auswirkungen der Hormone auf die Psyche am stärksten und sollen im Folgenden näher behandelt werden.
Menstrueller Zyklus
Viele Frauen kennen Stimmungsschwankungen, die mit ihrer monatlichen Blutung zusammenhängen. Sprichwörtlich heißt es auch oft, wenn eine Frau irritiert oder reizbar wirkt, „Sie hat wohl ihre Tage“.
Dies ist nicht überraschend, hatten die Sexualhormone doch entwicklungsgeschichtlich eine wichtige Funktion, um die Frau in ihren fruchtbarsten Tagen zur Kontaktaufnahme mit Männern und sexueller Aktivität anzuregen. In Phasen, in welchen sie nicht schwanger werden konnte und eher infektionsgefährdet war, nämlich während der menstruellen Blutung, sollte sich eher die Tendenz zu geschlechtlichem Abstand verstärken.
Erste Zyklushälfte: Energiehoch durch Östrogen
So beobachten auch viele Frauen am Beginn ihres Zyklus einen Aufschwung der Energie und verstärktes Interesse am Gegengeschlecht während des Eisprungs. In der follikulären, also ersten Phase des Zyklus, wenn der Eissprung in den Ovarien vorbereitet und initiiert wird, ist die starke Wirkung des Östrogens zu beobachten. Es wirkt euphorisierend, stimmungsaufhellend und verstärkt die Kontakt – und Bindungsfreudigkeit sowie Interesse am Gegengeschlecht.
Zweite Zyklushälfte: Gedämpft durch Progesteron
In der zweiten Zyklushälfte, nach dem Eisprung also, wenn die Frau sich auf eine potentielle Schwangerschaft vorbereitet oder nicht befruchtet wurde, dominiert das Progesteron. Dieses wirkt dämpfend und beruhigend. Hier gilt es für die Frau, sich zurückzuziehen, auf sich zu schauen und sozial eher Abstand zu halten. Das Interesse am Gegengeschlecht sinkt. In Aufgaben, die die Merkfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit und räumliches Vorstellungsvermögen der Frauen testen, unterscheiden sich Frauen in dieser Phase weniger von den Männern, als während der ersten Zyklusphase.
Das prämenstruelle Syndrom (PMS)
Etwa die Hälfte der Frauen beschreibt im Zusammenhang mit dem Zyklus eine veränderte körperliche und emotionale Wahrnehmung. In der zweiten Zyklushälfte, mit Abfall des Östrogens und Anstieg des Progesterons, berichten Frauen vermehrt über erhöhte Müdigkeit, Brustspannen, Gewichtszunahme, Wasser in den Beinen, Konzentrationsstörungen, Sensitivität, Weinerlichkeit und Reizbarkeit. Der Höhepunkt der Beschwerden liegt in der Woche vor dem Einsetzen der Blutung. Der Grund liegt vermutlich in der spezifischen Relation der Hormonspiegel im Blut zueinander (Anstieg und Abfall von Progesteron bei Mangel an Östrogen) und der veränderten Sensitivität der Bindungsstellen für diese Hormone.
Prämenstruelle dysphorische Störung
Etwa 3-5% aller Frauen erleben das prämenstruelle Syndrom auf eine besonders gravierende Weise. Man spricht von einer „prämenstruellen dysphorischen Störung“ (PMDS), die psychiatrisch fachärztliche Betreuung benötigt. Abgesehen von körperlichen Beschwerden stehen hier schwere psychische Probleme im Vordergrund, die die betroffenen Frauen in einem so großen Ausmaß betreffen können, dass die berufliche und familiäre Betätigung deutlich beeinträchtigt ist. Zu den Symptomen der PMDS gehören laut dem amerikanischen psychiatrischen Diagnosemanual „DSM-IV“ eine depressive Stimmungslage oder Dysphorie (Reizbarkeit, Verärgerung, Missgestimmtheit), Angst oder Anspannung, Schwankungen der Stimmung, Irritabilität, vermindertes Interesse an üblichen Aktivitäten, Konzentrationsschwierigkeiten, Energieverlust, Gefühl der Überforderung, übermäßiger Schlaf oder Schlafstörungen und Veränderungen des Appetits (oft Verlangen nach zuckerhältigen Speisen, z.B. Schokolade, da diese den „Glücksbotenstoff“ Serotonin anheben).

Ursachensuche

Die Ursache für diese Störung ist weitgehend unbekannt. Da die Hormonspiegel der betroffenen Frauen normal sind, spielen hier vermutlich die oben erwähnte spezifische Relation der Hormone gegen Ende des Zyklus zueinander mit einer spezifischen Sensitivität des Gehirns der betroffenen Frauen zusammen. Insbesondere der Serotoninstoffwechsel ist vermutlich verändert, da Frauen mit PMDS besonders gut und auch schneller als Patientinnen mit Depressionen und Angststörungen auf „Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren“ („SSRI“s) reagieren (SSRIs erhöhen den Serotoningehalt im Gehirn und wirken so angstlösend und antidepressiv).
Lange Zeit behauptete sich auch die Lehrmeinung, dass der Progesteronabfall vor der Regel zu psychischen prämenstruellen Symptomen führen könnte, aufgrund des Wegfalls seiner angstlösenden und entspannenden Wirkungen. Entsprechend werden Frauen mit PMDS häufig mit hohen Progesterongaben kurz vor der Regel behandelt. Allerdings zeigen letzte Ergebnisse, dass diese Behandlung in der Gesamtzusammenschau der Studien nur wenig Erfolge aufweisen kann. Außerdem passt diese Theorie nicht mit der Beobachtung zusammen, das sich Frauen eher während der Einnahme von Progesteronpräparaten psychisch unwohl fühlen, als während der Einnahme von Östrogenen.

Wechseljahre
Nach den Wechseljahren, in der sogenannten „Postmenopause“, kommt es bei Frauen eher zu einer Abnahme von Depressionen und Angsterkrankungen. Diese sind während der fruchtbaren Jahre noch 2-3 Mal so häufig bei Frauen als bei Männern. In der Postmenopause gleichen sich die Häufigkeiten dieser Erkrankungen in etwa an. Als Grund vermutet man die stabile Hormonlage, die Stimmungsschwankungen mildert.
Anders verhält es sich im „Wechsel“ selbst. Im Schnitt ab dem 45.-50. Lebensjahr kommt es zu starken Schwankungen im menstruellen Zyklus sowie einer kontinuierlichen Abnahme der Sexualhormonproduktion. In dieser Zeit sind Frauen für psychische Belastungen besonders verletzlich („vulnerabel“). Sie leiden unter Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit und expressiven Verstimmungen. Häufig kommt es zu Angststörungen und Depressionen und bei Schizophrenie besteht ein Häufungsgipfel der Erkrankung.
Während der reproduktiven Jahre scheint Östrogen einen Schutz gegen Psychose zu bilden, welcher in den Wechseljahren immer mehr abnimmt und schließlich wegfällt. Da sich Sexualhormone und insbesondere Östrogen positiv auf Konzentration und Merkfähigkeit auswirken, führt deren Wegfall außerdem vermehrt zur Gedächtnisstörungen und begünstigt die Entwicklung einer Demenz. Bei der Behandlung dieser Erkrankungen müssen durch den psychiatrischen Facharzt/-ärztin verordnete Psychopharmaka angewendet werden. Aber auch eine Hormonersatztherapie kann einen Benefit bringen. Insbesondere die Östrogengabe wird experimentell als potentielles „Psychopharmakon“ untersucht.
Schwangerschaft und Geburt
In der Schwangerschaft kommt es zu einer langsamen und kontinuierlichen Steigerung der weiblichen Hormonproduktion. Entsprechend der jeweiligen Hormonkonstellation erleben die Frauen eine „Achterbahn der Gefühle“. Starke Schwankungen zwischen Euphorie und Depression sind für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar und können zu Konflikten führen.

Tendenziell überwiegt jedoch die lustvolle und stärkende Aktivität des Östrogens, die sich idealerweise mit der Entspannung und Angstlösung des Progesterons paart, sodass Frauen häufig angeben, sich während der Schwangerschaft glücklicher und ausgewogener als vor der Schwangerschaft zu fühlen.

Etwas anders verhält es sich nach der Geburt („post partum“). Der rasche Abfall der Hormonproduktion führt bei bis zu 70% der Frauen 4-7 Tage nach der Geburt zu einer (im Volksmund „Heultage“ genannten) depressiven Nachschwankung. Ein bis drei Tage lang fühlen sich die Frauen verstimmt, reizbar und weinerlich, ohne sich das erklären zu können. Dieser Zustand braucht keine Behandlung, allein Zuneigung und Verständnis des Partners und der Familie bis das Stimmungstief von selbst vergeht.

Ausnahme sind jene Frauen, die post partum schwere psychiatrische Erkrankungen entwickeln. Man kann von etwa 10% Betroffenen ausgehen, die entweder im Rahmen einer zyklischen psychischen Erkrankung eine Verschlechterung (Exazerbation) dieser erleben oder erstmalig eine Depression oder Psychose erleiden. Diese können sich noch bis zu sechs Monate nach der Geburt entwickeln und brauchen rasche psychiatrische Hilfe um Störungen der Mutter-Kind-Interaktion vorzubeugen.

Die genauen Zusammenhänge zwischen Einfluss der Sexualhormonschwankungen und Bedeutung der Veränderung der Lebenssituation bzw. Überforderungsgefühl werden noch erforscht.



Zusammenfassung
Sexualhormone werden bereits im Mutterleib aktiv und beeinflussen durch ihre Aktivität die Struktur und Funktion des Gehirns. Im Laufe des Lebens moduliert die schwankende Produktion der Sexualhormone die Signalübertragung und Nervenzellverbindungen im Gehirn.

Dabei entfalten die jeweiligen Hormone spezifische Wirkungen auf die Gehirnaktivität: Östrogen wirkt aktivierend und euphorisierend, Progesteron wirkt angstlösend und entspannend, Testosteron wirkt aggressions- und lustfördernd.
Bei Frauen werden diese Wirkungen insbesondere während des menstruellen Zyklus deutlich. Auch sehr starke Veränderungen der Hormonproduktion während der Schwangerschaft und im Wechsel wirken sich auf das Denken (Kognition) und emotionale Zustände der Frauen aus.

In extremen Ausprägungen kommt es zu psychiatrischen Krankheitsbildern wie der Prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS), der Post-Partum-Depression oder der Post-Partum-Psychose. Auch die Entwicklung anderer psychiatrischer Erkrankungen wie der manisch-depressiven Erkrankung, Angststörungen, Schizophrenie und dementieller Erkrankungen wie Morbus Alzheimer wird durch Sexualhormone beeinflusst. Die Behandlung erfolgt mit Psychopharmaka, kann aber durch Hormongabe ebenfalls positiv beeinflusst werden.


Transsexualität: Drei Grundformen // Transsexualism: Three basic forms

Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2016

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 Transsexualität: Drei Grundformen
Der Psychiatrieprofessor Ray Blanchard vom Clark Institute für Psychiatrie in Toronto hat über viele Jahre hin transsexuell empfindende Menschen untersucht und behandelt. Er unterscheidet bei den Männern zwei Grundformen: a) homosexuell-Transsexuelle und b) autogynophil-Transsexuelle.5
Bei den Frauen findet man nur eine Grundform, die weiter unten besprochen wird.
a) Homosexuell-transsexuell empfindende Männer
Homosexuell-transsexuelle Männer6 werden in ihrem Aussehen, ihren Gesten und Sprechweisen als „weiblich“ wahrgenommen. Sie fühlen sich zu sehr männlich aussehenden Männern hingezogen. Sie glauben, wenn sie als „echte Frauen“ auftreten, können sie für diese Männer attraktiv sein und sie anziehen.
Nahezu alle homosexuell-Transsexuellen hatten schon im Kindesalter eine Geschlechts­identitätsstörung (siehe unten). Sie konnten sich in ihrer Entwicklung nie mit ihrem Vater, ihren Brüdern oder mit gleichgeschlechtlichen Gleichaltrigen identifizieren. Entweder hielten sie sich für ein Mädchen, zumindest wünschten sie sich, eines zu sein. In der Regel verachteten sie in der Kindheit ihr männliches Geschlechtsorgan; sie versuchten, es zu verstecken; sie weigerten sich, im Stehen zu urinieren; sie bestanden darauf, Mädchen­kleidung zu tragen und spielten oft ausschließlich mit Mädchen. In der Folge wurden sie von den männlichen Gleichaltrigen gehänselt und abgelehnt. Obgleich einige homo­sexuell empfindende Erwachsene in der frühen Kindheit die gleichen Verhaltensmuster zeigen, verschwinden diese bei ihnen im Lauf ihrer Entwicklung. Bei homosexuell-transsexuellen Männern bleibt die Identifikation mit dem Weiblichen bestehen. Häufig sieht man bei ihnen eine übertriebene „Weiblichkeit“.
Viele homosexuell-Trans­sexuelle gehen sexuelle Kontakte zu homosexuellen Männern ein. Die Beziehungen sind für sie aber nicht befriedigend. (Männlichkeit hat unter homosexuell lebenden Männern einen hohen Stellenwert, weiblicher wirkende Männer sind meist weniger begehrt.) Homosexuell-Transsexuelle möchten eine sexuelle Beziehung zu einem heterosexuellen Mann und sind der Auffassung, dass sie sich diesen Wunsch erfüllen können, wenn sie selbst eine attraktive Frau werden.
Der Psychiater Paul McHugh ist der Auffassung, dass homosexuell-Transsexuelle „einen inneren Konflikt bezüglich ihrer Homosexualität haben und mit Schuldgefühlen kämpfen. In der Geschlechtsumwandlung sehen sie die Lösung für ihren Konflikt, denn die Operation ermöglicht es ihnen, als Frauen mit Männern einen sexuellen Kontakt aufzunehmen.“7
Viele homosexuell-Transsexuelle sagen, dass sie einfach nur die Frau werden wollen, als die sie sich schon immer gefühlt haben. Anne Lawrence, ein autogynophil-Transsexueller, der heute als Frau lebt, ist aber der Überzeugung, dass sexuelles Begehren auch bei homosexuell-Transsexuellen eine größere Rolle spielt, als viele es zugeben möchten:
„Homosexuell-Transsexuelle sind nicht frei von sexueller Motivation. Kollegen, die sehr viel Zeit mit der Befragung von homosexuell-Transsexuellen verbracht haben, sagen mir, man könne sie am ehesten als sehr effeminierte homosexuelle Männer bezeichnen, die ihre femininen Züge während der Pubertät nicht abgelegt haben. Fast alle haben eine Phase des ‚schwulen Jungen’ durch­gemacht. Ihre Entscheidung für oder wider eine Geschlechtsumwandlung hängt oft in hohem Maß davon ab, ob sie meinen, in der weiblichen Rolle ausreichend annehmbar zu sein, um heterosexuelle männliche Partner anziehen zu können. Diejenigen, die meinen, dass sie sowieso nicht als Frau durchgehen werden, unterziehen sich in der Regel keiner Geschlechtsumwandlung, unabhängig davon, wie ‚weiblich’ ihr Verhalten sein mag. Stattdessen nehmen sie, vielleicht widerwillig, eine schwule männliche Identität an und bleiben in der Homosexuellenszene, wo sie realistischerweise davon ausgehen können, interessierte Partner zu finden. (…) Die Quintessenz lautet, dass auch bei der homosexuellen Transsexualität sexuelles Kalkül oft eine Rolle spielt. Bei der Transsexualität geht es zu einem großen Teil um Sex – unabhängig davon, um welche Form von Transsexualität es sich handelt.“8
Geschlechtsidentitäts­störung im 
Kindesalter
Homosexuelle Transsexualität manifestiert sich fast immer zuerst als Geschlechts­identitätsstörung im Kindesalter (GIS).9 Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindesalter zeigen sich schon früh in der Kindheit. Einige meinen deshalb, dass sie biologische, genetische oder hormonelle Ursachen haben müsse. Dafür gibt es aber bisher keinen Nachweis. Ebenso meinen einige, eine GIS sei unveränderbar. Dagegen sprechen die psychotherapeutischen Erfolge. GIS im Kindesalter gibt es bei Jungen und Mädchen, im Folgenden geht es vor allem um Jungen.
Schon sehr früh haben Kinder im Normalfall ein Gefühl dafür, dass es zwei Geschlechter gibt und zu welchem sie selbst gehören. Ein positives Selbstbild sollte sich entwickeln: „Ich bin ein Junge. Ich bin wie Papa und meine Brüder. Es ist gut, ein Junge zu sein. Meine Eltern freuen sich, dass ich ein Junge bin.“ Entsprechendes gilt für das Mädchen: „Ich bin wie Mama. Es ist gut, dass ich ein Mädchen bin. Ich bin geliebt und angenommen.“
Bei Kindern mit GIS verläuft die frühe Entwicklung anders.
Kenneth J. Zucker, Psychologe und Psychiater, sowie Susan J. Bradley sind die führenden Experten in der Diagnose und Be­handlung von Kindern mit GIS.10
Aufgrund ihrer langjährigen klinischen Erfahrung gehen sie davon aus, dass GIS bei Jungen in der frühen Kindheit mit einer unsicheren Mutter-Kind-Bindung beginnt und vor allem emotional sensible und daher leicht verwundbare Jungen trifft:
„Der Junge, der hochsensibel die mütterlichen Signale aufnimmt, spürt die Depressivität und die Wut seiner Mutter. Da er selbst ja auch noch unsicher ist, fühlt er sich durch diese Wut und Feinseligkeit bedroht; er empfindet diese Emotionen als gegen ihn selbst gerichtet. Seine Angst, die Mutter zu verlieren, intensiviert seinen Konflikt mit seiner eigenen Wut und führt zu einem hohen Niveau an Erregung oder Angst.“11
Wenn sich Ängste in dieser frühen, empfindlichen Entwicklungsphase einstellen, kann es sein, dass ein Kind Verhaltensweisen „wählt“, die typisch für das andere Geschlecht sind, weil es unbewusst meint, dadurch mehr Sicherheit zu haben oder mehr Wertschätzung von der Mutter zu bekommen.
Susan Bradley beschreibt die Zusammenhänge sowie die Unterschiede zwischen frühen Angststörungen und GIS: „Der Unterschied zwischen GIS und Angststörungen liegt darin, dass in der Familie mit GIS das Geschlecht und die Geschlechtsrolle eine spezielle Bedeutung haben. Insbesondere Jungen mit GIS glauben, dass sie als Mädchen von ihrer Familie in höherem Maß wertgeschätzt werden oder nicht so viele Schwierigkeiten haben werden wie als Junge. Das hat mit den Erfahrungen der Eltern in deren eigenen Herkunftsfamilien zu tun, insbesondere mit Tendenzen bei den Müttern, sich vor männlicher Aggressivität zu fürchten oder selbst fürsorgebedürftig zu sein, was als weibliche Eigenschaft geschätzt wird.“12
Die ersten Versuche des Kindes, sich mit dem anderen Geschlecht zu identifizieren, werden dann möglicherweise – subtil oder offen – mit einem Lächeln, besonders von der Mutter, belohnt. Sie und andere Frauen in der Familie rufen womöglich aus: „Ist er nicht niedlich, wenn er Mamas Schuhe trägt? Das gäbe ein hübsches Mädchen!“
Die positive Reaktion der Mutter auf das mädchen­hafte Verhalten des kleinen Sohnes beurteilen Zucker und Bradley so: „Das Bedürfnis der Mutter, selber fürsorglich umsorgt zu werden und ihre Angst vor [männlichen] Aggressionen führen dazu, dass sie das Verhalten des Kindes toleriert. Wenn die Mutter ihren Sohn damit „attraktiv“ findet, kann sich dieses Verhalten verfestigen. Die wohlwollende Toleranz der Mutter kann zu einer positiven Verstärkung des cross-dressing führen.“13
Die Mutter möchte ihren Sohn vielleicht nicht „unglücklich“ machen, indem sie ihn vom cross-dressing (Anziehen von Frauenkleidung) abhält, währenddessen der Vater möglicherweise überzeugt ist, dass sein Sohn eines Tages homosexuell wird. Erst später, wenn die Identifizierung des Jungen mit den Mädchen dazu führt, dass er gehänselt und abgelehnt wird, bekommt die Mutter Bedenken.
Zucker und Bradley fanden heraus: Viele Eltern „zeigen eine ausgesprochene Ambivalenz“, wenn sie bei ihrem Sohn deutliche Anzeichen von GIS sehen und ignorieren das Problem so lange, bis es nicht mehr geht.14 Ist die Ambivalenz noch stärker, suchen sie vermutlich gar keine Hilfe.
Wenn Eltern eigene Probleme haben, sind sie nicht immer in der Lage, die Bedürfnisse ihrer Kinder nach Sicherheit, Wertschätzung, Akzeptanz und Liebe zu erfüllen und ihnen zu einem positiven Selbstbild als Junge oder Mädchen zu verhelfen.
Häufig gehen Väter eine Beziehung mit den Söhnen ein, indem sie mit ihnen gemeinsam Sport treiben. Sie wissen aber nicht, wie sie die Männlichkeit ihres Sohnes stärken können, wenn dieser kreative, künstlerische oder andere nicht-sportliche Talente hat. Väter mit kreativ oder künstlerisch begabten Söhnen müssen lernen, diese Begabungen als etwas authentisch Männliches anzusehen und ihre Söhne darin zu unterstützen. Vielleicht wissen die Eltern auch nicht, wie wichtig es gerade für diese Jungen ist, schon früh in der Kindheit tragfähige Freundschaften zu anderen Jungen, die ähnliche Interessen haben, aufzubauen.
In einigen Fällen hatte sich ein Elternteil statt eines Jungen ein Mädchen (oder umgekehrt) gewünscht und zieht es an und behandelt es, als sei es ein Mädchen. Manche Eltern setzen die Schule unter Druck, damit diese das cross-dressing erlaubt, oder bringen es zu einer Selbsthilfegruppe für Transsexualität/Transgender, in der das pathologische Verhalten des Kindes zumeist verstärkt wird.15
Die in der Familie bestehenden dysfunktionalen Elemente haben das Kind in seiner Identität verunsichert und verletzlich gemacht: „Die anhaltenden Schwierigkeiten der Eltern, mit dem cross-gender Verhalten des Kindes angemessen umzugehen, können die Ängste und Unsicherheiten des Kindes noch intensivieren. Zugleich führt dieses Verhalten dazu, dass das Kind in eine Fantasiewelt abdriftet, in der es eine geschätzte, geliebte Person des anderen Geschlechts ist. Im Lauf seiner Entwicklung hat das Kind dann immer wieder das Bedürfnis, diese andere fantasierte Person zu sein, [denn dadurch kann es vorübergehend seine Ängste und das Gefühl, als reale Person nicht wertgeschätzt zu sein, abwehren]. Das führt dazu, dass das Kind oft einen großen Widerstand hat, diesen Schutzmechanismus der Fantasiewelt aufzugeben.“16
Insbesondere Jungen mit GIS erfahren häufig Ablehnung, Hänseleien, Mobbing. Jungen etwa mit schwacher Hand-Augen-Koordination werden ausgegrenzt oder gnadenlos gehänselt, weil sie einen Ball nicht richtig treffen können. Wenn ein solcher Junge schon eine unsichere Bindung an die Eltern, insbesondere an den Vater hat, kann diese Ablehnung dazu führen, dass er denkt, die anderen hassen ihn. Das wiederum kann zu Selbstablehnung führen, wobei die Ablehnung seines Geschlechts im Mittelpunkt stehen kann. („Ich hasse es, ein Junge zu sein.“) Die Selbstablehnung kann sich auch auf bestimmte Körperteile, etwa die Genitalien, konzentrieren. Jungen versuchen dann, ihre Genitalien unbedingt zu verbergen.
Bei Mädchen mit GIS ist vieles anders. Sie sind nicht weniger, sondern stärker sportlich talentiert und vom Temperament her eher wettbewerbsorientiert; Spiele, bei denen es rau zugeht, machen ihnen weniger aus als anderen Mädchen. Dabei erfahren sie aber meist nicht die offene Ablehnung, die Jungen durch Gleichaltrige erfahren. Doch gibt es bei ihnen andere Gründe, die dazu führen, dass Mädchen mit GIS eine sehr große Verletzlichkeit empfinden, eine „Geschlechtsdysphorie“ (tiefes Unbehagen über das eigene Geschlecht, den eigenen Körper) entwickelt haben und unglücklich über ihr Weiblichsein sind. Sie fürchten sich deshalb auch vor der Entwicklung ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale wie dem Wachstum der Brüste oder dem Einsetzen der Menstruation.
Die Ablehnung des eigenen, natürlichen Körpers zusammen mit Selbsthass und masochistischen Tendenzen können zu dem Wunsch nach Geschlechtsumwandlung führen. Würde in den Therapien der Schwerpunkt der Arbeit mit den Kindern (und den erwachsenen Patienten) darauf gelegt, die Wut der Kinder auf sich selbst und auf die, von denen sie sich abgelehnt fühlen, aufzulösen, könnten viele Kinder und Erwachsene sich mit ihrem Geburtsgeschlecht aussöhnen.
Nach Erkenntnissen anderer Therapeuten können sich bei Kindern mit GIS auch chronisches Selbstmitleid und das Übernehmen einer Opferrolle entwickeln, in der sie ihr persönliches Leid verabsolutieren und das zu ihrer Lebenseinstellung wird. Solche Gewohnheiten sind dann schwer aufzugeben.
Ohne eine konstruktive therapeutische Intervention im Kindesalter entwickeln sich bei vielen Jungen mit GIS in der Pubertät homosexuelle Neigungen, ein kleiner Prozentsatz wird transsexuell.17
Kinder mit GIS konnten sich nie mit dem Guten und Positiven ihres Geschlechts identifizieren. Das kann dazu führen, dass sie andere beneiden, die scheinbar haben, was sie bei sich vermissen. Diejenigen, die später homosexuell empfinden, beneiden oft Personen des eigenen Geschlechts um bestimmter Eigenschaften willen, die sie bei sich vermissen – und begehren sie. Diejenigen, die später transsexuell empfinden, beneiden Personen des anderen Geschlechts, ebenfalls um deren bestimmter Eigenschaften willen. Personen, die zum anderen Geschlecht gehören möchten, erhoffen sich oft: Wenn sie eine Frau werden, statt Mann zu bleiben (oder umgekehrt) können sie sich endlich psychisch sicher fühlen, weil sie dann angenommen und geliebt werden.
Über die Einordnung der Geschlechtsidentitätsstörung im Kindesalter als psychische Störung gibt es Kontroversen. Da GIS häufig ein erster Schritt zur Entwicklung homosexueller Neigungen ist und diese nicht mehr als psychisches Problem gelten, fordern einige Therapeuten, auch GIS als „gesunde“ und „normale“ Entwicklung anzusehen. Zucker und Bradley lehnen das aber ab. Sie verweisen auf die seelischen Probleme und seelische Belastung von Kindern mit GIS und auf die Häufigkeit psychischer Erkrankungen bei den Eltern, insbesondere der Jungen.18 Nach Zucker und Bradley sind diese Jungen nicht einfach glückliche, seelisch ausgeglichene Kinder, die nur meinen, sie seien in Wirklichkeit Mädchen. Sie sind problembelastete Kinder aus problembelasteten Familien.
Zucker und Bradley untersuchten die Familien von zehn Jungen mit GIS, die nacheinander in ihre Praxis kamen. In sämtlichen Familien gab es gravierende Probleme: Acht der zehn Mütter hatten mindestens eine diagnostizierte psychische Störung. Von den anderen beiden Müttern war eine wegen familiärer Probleme in psychotherapeutischer Langzeitbehandlung, die andere litt an schwerer, kräftezehrender Migräne.19
Konstruktive therapeutische Interventionen sind bei den vorpubertären Kindern mit GIS sehr wohl möglich. Zucker und Bradley berichten: „Unsere Erfahrung zeigt, dass zahlreiche Kinder und ihre Familien sich erheblich verändern können. In diesen Fällen ist die Geschlechtsidentitätsidentitätsstörung völlig verschwunden.“20
Da die Anzeichen einer GIS offenkundig sind, auch für Kinderärzte, Erzieherinnen und Lehrer, sollten die Eltern unbedingt ermutigt werden, sich möglichst früh Hilfe zu suchen.
Leider sind Eltern nicht immer gewillt, am therapeutischen Prozess mitzuwirken. Wird die psychische Störung in der Kindheit nicht behandelt, so Kenneth Zucker und Susan Bradley, ist es in der Pubertät sehr viel schwieriger, sie zu behandeln, insbesondere wenn der Jugendliche glaubt, die Geschlechtsumwandlung sei die Lösung:
„Jugendliche in der Adoleszenz mit Geschlechtsidentitätsstörung haben eine geringe Angsttoleranz. Ihr Wunsch nach Geschlechtsumwandlung ist ein seelischer Abwehrmechanismus, um ihre Ängste zu kontrollieren. Die Vorstellung, keine ‚Lösung‘ für ihr inneres Leid zu haben, vergrößert ihre Ängste; und das macht es sehr schwierig, eine therapeutische Allianz herzustellen. Selbst wenn die Jugendlichen (zumindest an der Oberfläche) verstehen, warum sie die Wünsche nach Geschlechtsumwandlung haben, sind sie oft doch nicht in der Lage, den Abwehrmechanismus aufzugeben. Ohne ihn fürchten sie, von ihren Ängsten überwältigt zu werden. Das führt zu einem fordernden Verhalten und zu Ungeduld mit dem Therapeuten, wenn er versucht, mit dem Jugendlichen tiefere Gefühle und Verhaltensweisen zu explorieren. Viele Jugendliche, die sich geschlechtsangleichende Operationen wünschen, ziehen sich aus der Therapie zurück, weil sie den Angstpegel nicht aushalten können, der sich zeigt, sobald tiefere Ursachen für ihre Operationswünsche erkundet werden sollen.“21
Angesichts dieser Schwierigkeiten, bei Adoleszenten mit GIS durch Psychotherapien noch positive Ergebnisse zu erzielen, befürworten Zucker und Bradley Hormongaben und Operationen, allerdings nur, wenn die Betroffenen volljährig sind.
Die Verfügbarkeit der „geschlechtsumwandelnden“ Operationen bestärkt aber die Adoleszenten in der Auffassung, dass ihr Widerstand gegen eine Psychotherapie belohnt wird, nämlich damit, dass man ihnen den Wunsch nach den Operationen erfüllt.
b) Autogynophil-transsexuelle 
Männer

Nach dem Psychiater und Sexualwissenschaftler Ray Blanchard, der den Begriff „autogynophil-transsexuell“ prägte, sind dies Männer, die in das Bild von sich selbst als Frau verliebt sind.

Blanchard ist der Auffassung:
1. Alle biologisch gesunden Männer mit Geschlechtsdysphorie sind entweder homosexuell (sexuell erregt durch andere Männer) oder autogynophil (sexuell erregt durch die Vorstellung von sich selbst als Frau).
2. Bei Frauen gibt es keine Autogynophilie, d.h. Frauen werden nicht sexuell erregt durch die Vorstellung, dass sie eine Brust und ein weibliches Genitale haben.
3. Der Wunsch einiger autogynophiler Männer nach „geschlechtsumwandelnden“ Operationen stellt eine Form der „Bindung“ an das Liebesobjekt dar (das fantasierte eigene weibliche Selbst) und ist analog zu dem Wunsch heterosexueller Männer, eine Frau zu heiraten, oder dem Wunsch homosexuell lebender Männer, dauerhafte Beziehungen zu männlichen Partnern einzugehen.
4. Autogynophilie ist ein fehlgeleiteter heterosexueller Impuls, der neben normalen heterosexuellen Wünschen bestehen kann oder mit diesen konkurriert.
5. Autogynophilie ist ein Beispiel aus einer größeren Gruppe sexueller Variationen, die sich aus einer Entwicklungsstörung bei der erotischen Objektwahl ergeben.22
Autogynophilie gehört zum Transvestitismus23 und damit zur Gruppe der Paraphilien. Paraphilien sind psychische Störungen, bei denen die sexuelle Erregung zwanghaft mit etwas anderem als mit einer realen, ganzen Person verknüpft ist.
Manche autogynophil-Transsexuellen wehren sich gegen die Einordnung ihres Problems als Paraphilie, da sie (zumindest anfangs) nicht darauf beschränkt sind, eine bestimmte Fantasie zu inszenieren, um zu einer sexuellen Erregung zu gelangen. Sie empfinden eher, dass die Fantasien mit ihren realen sexuellen Beziehungen konkurrieren.
Lawrence, selbst autogynophil-transsexuell, der nach den Operationen heute als Frau lebt, schreibt:
„Was die Sache kompliziert macht, ist der Umstand, dass Autogynophilie nicht unbedingt die Anziehung zu anderen Menschen ausschließt. Deshalb kann man sagen, dass einige Transsexuelle zwar autogynophil sind, sich aber zugleich als heterosexuell oder bisexuell oder ohne Anziehung zu anderen Menschen einordnen… Autogynophile Erregung scheint aber oft mit der Anziehung zu anderen Menschen zu konkurrieren. So berichten heterosexuell oder bisexuell empfindende Autogynophile oft, dass die autogynophilen Fantasien in den Hintergrund treten, wenn sie einen neuen Sexualpartner haben und sich ihre Aufmerksamkeit auf den Partner konzentriert. Doch mit der Zeit, wenn der Reiz des Neuen nachlässt, kehren sie häufig zu den autogynophilen Fantasien zurück. Für biologische Männer ist der Reiz des Neuen vielleicht sowieso ein wichtiger Faktor bei ihrer Entscheidung, wohin die sexuelle Erregung geht.“24
Die Macht der Fantasien kann so groß sein, dass der reale Partner zu einem Mitspieler in den Fantasien reduziert wird. Noch einmal Lawrence:
„Eine weitere Beobachtung, die autogynophile Personen häufig machen, ist folgende: Zwar mögen sie Sex mit einem Partner, aber so, dass der Partner fast überflüssig wird oder nur Requisite im Drehbuch autogynophiler Fantasien ist. Blanchard hat beobachtet, dass dies insbesondere für autogynophile Fantasien zutrifft, in denen männliche Partner eine Rolle spielen. Die männliche Figur ist oft gesichtslos oder abstrakt. Sie dient dazu, die Weiblichkeit der autogynophilen Person zu bestätigen, ist aber kein eigenständiger, begehrenswerter Partner. Das liegt auch daran, dass Autogynophilie die Anziehung zu anderen, realen Menschen nicht ausschließt, sondern eher damit zu konkurrieren scheint. Blanchard hat bisweilen Autogynophilie als eine ‚Orientierung’ und nicht als Paraphilie bezeichnet.“25
In ihren Fantasien stellen autogynophil-transsexuelle Männer sich vor, dass sie sexuell penetriert werden. Sie sehen sich also selbst als heterosexuelle Frau. Viele leben eine Zeitlang als Transvestiten [ziehen Frauenkleidung an], einige heiraten und haben vielleicht Kinder. Erst später im Leben entscheiden sie sich, dauerhaft als Frau leben zu wollen. Andere fühlen sich auch nach den Operationen weiterhin zu Frauen hingezogen und beharren dann darauf, lesbisch zu sein.
Die meisten heterosexuell empfindenden Transvestiten begnügen sich mit cross-dressing, nur einige haben den Wunsch nach „geschlechtsumwandelnden“ Operationen. Roy Blanchard stellt die Hypothese auf, dass ein Mann, der „seine Impulse durch gelegentliches cross-dressing im Privaten oder in der Gesellschaft anderer Transvestiten befriedigen kann“, in der Regel keine Geschlechtsumwandlung sucht. Ein Mann, „dessen Fantasie sich in erster Linie darum dreht, ein weibliches äußeres Genitale zu besitzen“, sucht die Geschlechtsumwandlung.26
Blanchard schreibt:
„Autogynophilie nimmt unterschiedliche Formen an. Manche Männer fühlen sich bei dem Gedanken, Frauenkleider zu tragen, sexuell erregt. Daran sind sie am meisten interessiert. Andere Männer haben die stärkste sexuelle Erregung bei der Vorstellung, den Körper einer Frau zu haben, und so ist ihr erstes Interesse, den Körper einer Frau zu erhalten.“27
Der Psychiater Paul McHugh beschreibt aus seiner Erfahrung, weshalb autogynophil-transsexuelle Männer sich zu den Operationen entschließen:
„Sie finden beim Tragen von Frauenkleidern intensive sexuelle Erregung. Mit zunehmendem Alter sind sie begierig, ihren Verkleidungen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Deshalb haben sie Operationen gesucht oder es wurde ihnen dazu geraten…, um dadurch einer Frau ähnlicher zu sehen. Studien in der psychiatrischen Abteilung des Clark Institute in Toronto fanden heraus, dass diese Männer sexuelle Erregung verspüren, wenn sie eine sexuell verführerische Frau nachahmen. Viele von ihnen stellen sich vor, ihre Darstellungen könnten für Zuschauer, insbesondere für Frauen, sexuell erregend sein.“28
Autogynophil-Transsexuelle hatten in der Regel in der Kindheit keine GIS. Meist beginnen sie in der Pubertät mit transvestitischem Fetischismus, bei dem sie weibliche Kleidung, häufig weibliche Unterwäsche, tragen, sei es in der Fantasie oder in der Realität.
Lawrence bestätigt zwar die erotischen Aspekte der Autogynophilie, ist aber der Ansicht, dass es auch andere wesentliche Punkte gibt: „Autogynophilie kann man besser als sexuelle Orientierung, als eine Spielart romantischer Liebe beschreiben. Es gehören erotische, emotionale und Bindungselemente dazu.“29 Nach Auffassung von Lawrence möchte der autogynophil-Transsexuelle zu dem werden, was er liebt: „Zu werden, was man liebt, hat gewöhnlich höchste Priorität. Andere Aspekte des Lebens – Familie, Freunde, Arbeit – sind meist von nachgeordneter Bedeutung, zumindest vorübergehend. Bei der Einteilung seiner Zeit, Energie und Ressourcen räumt der transsexuell Lebende dem geschlechtsumwandelnden Prozess die Vorrangstellung ein.“30 Die Art von romantischer Liebe, die Lawrence beschreibt, hat einen ungesunden, zwanghaften, obsessiven Aspekt, insbesondere wenn das „Liebesobjekt“ das fantasierte Bild von sich selbst als Frau ist.
Lawrence erkennt aber auch, dass autogynophil-Transsexuelle „wahrscheinlich­ ein­
größeres Risiko für die Entwicklung einer narzisstischen Störung“ haben, weil sie „besonders anfällig sind, Gefühle der Scham zu haben, und auf empfundene Beleidigungen mit narzisstischer Wut zu reagieren.“31 Lawrence schreibt dies der Tatsache zu, dass diese Menschen seelisch verwundet sind, weil man sie behandele als „Männer, die vorgeben, Frauen zu sein“. Lawrence zieht daraus aber nicht den Schluss, dass aufgrund des Narzissmus und der damit einhergehenden Wut eine Therapie sinnvoll sein könnte. Vielmehr legt Lawrence den Ärzten nahe, den Betroffenen keine narzisstischen Verletzungen mehr zuzufügen. Doch genau das ist schwierig, wie Lawrence zugibt, denn viele autogynophil-transsexuelle Männer seien als Frauen eben doch nicht überzeugend. Selbst wenn andere Menschen Akzeptanz ausdrückten, so würden ihre tatsächlichen Gefühle in Mimik und Körpersprache sichtbar – und Transsexuelle könnten das als Zurückweisung erleben.
c) Die Grundform bei Frauen
Der Wunsch nach „geschlechtsumwandelnden“ Operationen, der ursprünglich bei Frauen selten vorkam, wird immer häufiger. Fast alle Frauen empfinden zunächst lesbisch. Sie können eine starke maskuline Identifikation haben, das muss aber nicht sein. Die meisten Frauen mit starker männlicher Identifizierung litten schon als Kinder an einer Geschlechtsidentitätsstörung (GIS). Sie konnten sich in ihrer Kindheit nicht mit ihrem Körper und ihrem Mädchensein als etwas Gutem und Schönem identifizieren. Viele hatten von Anfang an eine unsichere Bindung an die Mutter, die sie als schwach und verletzt wahrnahmen. Häufig glaubten die Mädchen, wenn sie Jungen wären, würde ihr Vater sie anerkennen, zumindest aber könnten sie sich und ihre Mütter dann vor männlicher Aggressivität schützen. Wie auch Jungen mit GIS hatten sie zumeist keine engen gleichgeschlechtlichen Freundschaften.
GIS bei Mädchen ist etwas anderes als die viel häufiger vorkommende „Jungenhaftigkeit“ bei Mädchen („Wildfang“). Bei GIS weigern sich die Mädchen zwanghaft, Mädchenkleidung zu tragen oder sich an Mädchenspielen zu beteiligen. Jungenhafte Mädchen mögen für Mädchen untypische Interessen haben, sind aber insgesamt in ihrem Verhalten flexibler.
Zucker und Bradley beschreiben das Mädchen, das eine GIS entwickelt, als „ein von seinen Anlagen her leicht verletzbares Kind, das schnell ein hohes Maß an Ängsten entwickelt“. Hinzu kommt eine Mutter, die Schwierigkeiten mit ihrem Gefühlsleben hat und möglicherweise während des ersten Lebensjahres des Mädchens depressiv ist. Häufig liegen Familienkonflikte vor, das Mädchen erlebt den Vater als respektlos gegenüber der Mutter oder gegenüber Frauen allgemein. Das Mädchen „erlebt im Konflikt der Eltern eine Mutter, die nicht für sich selbst einstehen kann“. Wenn das Mädchen dann „mit cross-gender Verhalten beginnt, um seine Ängste zu verringern“, reagiert die Mutter meist positiv, da sie glaubt, das männliche Verhalten wird ein Schutz für die Tochter sein. Möglicherweise ermutigt auch der Vater zu cross-gender Verhalten. „Durch Identifikation mit dem Aggressor kann das Mädchen die Fantasie entwickeln, Mutters Beschützerin zu sein.“32 In manchen Fällen erinnern sich Frauen mit GIS, dass der Vater fortwährend Frauen abwertete, insbesondere die Mutter.


Das Menschliche

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