Mittwoch, 6. April 2016

Considered transvestism and transsexualism historical - incarnations of the opposite sex // Ver-körperungen des anderen Geschlechts - Transvestitismus und Transsexualität historisch betrachtet

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Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2016

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Considered transvestism and transsexualism historical - incarnations of the opposite sex
Ver-körperungen des anderen Geschlechts - Transvestitismus und Transsexualität historisch betrachtet

Der Wechsel zur Kleidung des anderen Geschlechts und, oft damit verbunden, der Wechsel des sozialen Geschlechts sind in der europäischen Geschichte seit Langem bekannt, gerieten aber erst im späten 19. Jahrhundert in den medizinischen Blick.

Einleitung

Cross-Dressing - der Wechsel zur Kleidung des anderen Geschlechts - und, oft damit verbunden, der Wechsel des sozialen Geschlechts sind in der europäischen Kulturgeschichte seit Langem bekannt.
 Von einigen Ausnahmen abgesehen wissen wir angesichts fehlender autobiografischer Aufzeichnungen allerdings wenig über die Motive und den sozialen Alltag solcher historischer Personen, deren "wahres" Geschlecht meist erst anlässlich kriminologischer Ermittlung oder ärztlicher Untersuchung bei Krankheit oder Tod entdeckt wurde, dann aber großes Aufsehen erregte. Überlegungen über ein entsprechendes kulturelles Phänomen liegen aus früheren Zeiten nicht vor, auch einen bezeichnenden Begriff gab es nicht. Unterstellt wurde den Betreffenden eine juristisch zu ahndende Täuschung aus unlauteren persönlichen oder politischen Motiven. In Deutschland galten heute sogenannte Cross-Dresser bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Hochstapler und Schwindler, einige wurden gar der Spionage verdächtigt. 
Cross-Dressing geriet erst auf dem Höhepunkt der humanwissenschaftlichen Geschlechterdebatte innerhalb der psychiatrischen Sexualpathologie des späten 19. Jahrhunderts in den medizinischen Blick.
Dabei wurde auf tradierte Konzepte der Mischgeschlechtlichkeit zurückgegriffen, wobei man Verbindungen und Übergänge zwischen den verschiedenen Formen annahm, deren wichtigste der Hermaphroditismus war. Konkret geht das medizinische Interesse am Cross-Dressing auf die moderne Diskussion um das gleichgeschlechtliche sexuelle Begehren der Männer zurück, für das sich im 20. Jahrhundert der Begriff "Homosexualität" durchsetzte. Maßgeblich waren hierbei die Texte von Karl Heinrich Ulrichs, dem ersten bekennenden "Urning", wie er Männer begehrende Männer in Anlehnung an den Planeten Uranus nannte. Seine ab 1864 erscheinenden emanzipatorischen Streitschriften richteten sich gegen die drohende Fortschreibung der nach preußischem Recht geltenden Strafbarkeit sexueller Handlungen zwischen Männern im geplanten neuen Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich. Ulrichs' Schriften regten um 1870 zunächst den Berliner Ordinarius und Charité-Psychiater Carl Westphal und zehn Jahre später dessen Grazer Kollegen Richard von Krafft-Ebing zur Begründung der modernen Sexualpathologie an. Ulrichs stellte die These von der weiblichen Seele im männlichen Körper auf und unterschied zwischen virilen und femininen Urningen, wobei er traditionell weibliche Beschäftigungen und das Tragen von Frauenkleidern als Kennzeichen der sogenannten Weiblinge verstand.

Als Beispiel nannte Ulrichs den berühmt gewordenen Gardinenaufstecker Blank, der um 1850 "ganz als Dame gekleidet auf den Wallpromenaden von Torgau" spazieren ging, sich zeitweise als Frau ausgab und von der Polizei verhaftet wurde. "Jener Blank war sogar so kühn, bei der Obrigkeit förmlich um die Erlaubnis einzukommen, sich weiblich nennen und kleiden zu dürfen. Die Bitte ward abgeschlagen." Jener Fall fand in dem 1870 veröffentlichten Schlüsseltext "Die conträre Sexualempfindung" von Carl Westphal ausführliche Erwähnung.
Die Fallgeschichten betreffen eine Frau, die "gern ein Mann sein" wollte, "eine männliche Beschäftigung" suchte und von sich sagte: "Ich fühle mich überhaupt als Mann und möchte gern ein Mann sein."
Ein anderer Fall ist ein "auf einem hiesigen (Berliner, R.H.) Bahnhofe unter verdächtigen Umständen" verhafteter "Mann in Frauenkleidern". Dieser klagte: "Das weibische Wesen ist eine wahre Qual für mich gewesen, das Verlangen, Frauenkleider anzuziehen, steigt öfter (...) in mir auf."
Er gab dem zweifelnden Westphal aber gleichzeitig zu verstehen, dass er sich sexuell nur zu Frauen hingezogen fühle. Westphal kam nun zu dem Schluss, dass es "bei der geschilderten Neigung zum Anlegen von Frauenkleidern wirklich um ein Symptom eines pathologischen Zustandes" gehe, eine Stufe der angeborenen conträren Sexualempfindung: "Hier handelt es sich wohl eben nur um Gradunterschiede."
In der sexualpathologischen Denkrichtung des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts fand eine Koppelung von Cross-Dressing mit gleichgeschlechtlichem Begehren zu einem Gesamtphänomen statt, eben jener "conträren Sexualempfindung". Diese neue Diagnose umgreift als Sammelbezeichnung ausnahmslos alle von den Geschlechternormen abweichenden Gefühls- und Verhaltensweisen. Als nur graduell verschiedene Phänomene wurden gleichgeschlechtliches sexuelles Begehren, Cross-Dressing und der Wechsel der sozialen Geschlechterrollen bei Männern und Frauen zusammengefasst. Um den Wandel der Bewertung des Cross-Dressing von der Täuschung zum Symptom der conträren Sexualempfindung zu illustrieren, sei auf zeitgenössische Abbildungen verwiesen.

Krafft-Ebing entwickelte in seiner wirkungsmächtigen "Psychopathia Sexualis" 1886 Westphals Idee der "Gradunterschiede" zu einer hierarchisch-ontologischen Ordnung, in deren aufsteigender Folge die Zeichen der Geschlechtermischung immer deutlicher hervortreten. Und entsprechend dem Ansatz Griesingers, nachdem Geisteskrankheiten Hirnkrankheiten seien, präzisierte Krafft-Ebing Ulrichs' These von der weiblichen Seele im männlichen Körper in das weibliche Gehirn respektive "Sexualcentrum" im Männerkörper. Sein diagnostischer Blick weitete sich auf die Trias sexuelle Objektwahl, körperliches und soziales Geschlecht aus. Weil Krafft-Ebing bei der conträren Sexualempfindung zwischen "erworbener Perversität" und "angeborener Perversion" unterschied, schlug er zwei analoge Reihen dieser Abstufungen vor. Erstere steige bis zur "Metamorphosis sexualis paranoica (dem Wahn der Geschlechtsumwandlung)" an, letztere über die "Effemination" der Männer und die "Viraginität" der Frauen bis zur "schwerste(n) Stufe degenerativer Homosexualität", der "Androgynie" respektive "Gynandrie".
Für das Stadium der Viraginität der Frauen sei der große "Drang" charakteristisch, "auch Haar und Zuschnitt der Kleidung männlich zu tragen, unter günstigen Umständen sogar in der Kleidung des Mannes aufzutreten und als solcher zu imponieren. Nicht selten sind die Fälle, wo Weiber in Männerkleidern aufgegriffen wurden." Und über die "Effemination der Männer" schreibt er: "Vielfach zeigen sich auch Bestrebungen, in Gang, Haltung und Zuschnitt der Kleider sich der weiblichen Erscheinung zu nähern." Ulrichs lehnte in seinem emanzipatorisch angelegten Konzept eines mischgeschlechtlichen Uranismus jede Krankheitszuschreibung ab, erst in der Rezeption seiner Schriften erfolgte dessen sexualpathologische Ausdeutung: Cross-Dressing wurde Symptom und Diagnose zugleich.

Aushandlungen

Im Kontext der um die Jahrhundertwende zunehmenden Verwissenschaftlichung, Popularisierung und Politisierung der Homosexualität begann auch der Selbstdiskurs der Cross-Dresser und Geschlechtswechsler. Mit der Etablierung einer Homosexuellenbewegung in Gestalt des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (1897) wurde der Homosexuelle in der Öffentlichkeit ein geläufiger Sozialcharakter. Infolge seiner Funktion als Mitbegründer und Sprachrohr der Vereinigung avancierte Magnus Hirschfeld zur Schlüsselfigur dieser Emanzipationsbewegung und für deren Klientel zum wichtigsten Ansprechpartner in wissenschaftlichen, rechtlichen, aber auch ganz alltäglichen sozialen Fragen. Ausgehend von seinen Forschungen über sexuelle Zwischenstufen entwickelte er im Rückgriff auf Ulrichs die Auffassung, dass jeder Mensch eine Mischung aus männlichen und weiblichen, körperlichen und seelischen Eigenschaften sei. Ab 1903 setzte sich für diesen Ansatz der Begriff "Zwischenstufentheorie" durch, wobei Homosexuelle und Hermaphroditen die prominentesten Vertreter darstellten.

Cross-Dresser bildeten bei Hirschfeld zunächst keine eigenständige Kategorie, auch er begriff ihre Passion als Anzeichen von Homosexualität. Dies lässt sich in vielen Texten sowie anhand der ersten und einzigen Abbildung eines "Homosexuellen" aus seinem programmatischen Aufsatz im Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen von 1899 erkennen.
Das Jahrbuch war darauf angelegt, über die ganze Fülle mischgeschlechtlicher Formen zu berichten. Dort erschienen wichtige Arbeiten zum Hermaphroditismus wie auch die erste zum Cross-Dressing überhaupt. Diese stammt nicht von einem ärztlichen Experten, sondern aus der Feder eines Cross-Dressers.
Dieser beschreibt sich zunächst in Anlehnung an Vordiskussionen als Urning, "welcher zu der Gruppe der ausgeprägtesten Effeminierten gehört".
Obwohl seine Passion auf die Neigung, Frauenkleider zu tragen, begrenzt war und er von einer "Liebesbeziehung" zu einer Frau berichtet, schreibt er weiter: "Es kann nicht mehr festgestellt werden, ob sich in frühester Jugend schon Erscheinungen von Homosexualität bemerkbar machten." Als Hirschfeld diesen Mann knapp zehn Jahre später in der Kasuistik seiner Monografie "Die Transvestiten" beschrieb, kommentierte er dessen damalige Selbsteinordnung mit der Bemerkung: "Er bezeichnet sich dort irrtümlicherweise als Urning, während er selbst ausdrücklich angibt, sein Geschlechtstrieb sei stets auf das Weib gerichtet gewesen."
1910 gibt jener Cross-Dresser nun auch an: "Homosexuell bin ich nicht, im Gegenteil, ich kann sagen, ich bin ein echter Don Juan gewesen."
Der Wandel in dieser Selbst- und Fremdzuordnung setzte erst ein, als ein alternatives, passenderes Konzept vorlag, das die Differenz zwischen sexuellem Begehren und Kleidervorliebe betonte. Während sich einige Cross-Dresser an der sexualpathologisch hergestellten "Verwandtschaft" mit den Homosexuellen nicht störten, fühlten sich andere missverstanden und versuchten, sich dezidiert abzugrenzen.

Auch in der allgemeinen Öffentlichkeit war die Zuordnung der Cross-Dresser zu den Urningen verbreitet. Ein vom Sexualwissenschaftler Iwan Bloch beschriebener Mann berichtete, dass er vergeblich versuchte, bei seiner Frau Verständnis für seine Neigung zu wecken. Sie forschte nach, indem sie andere Frauen befragte: "Diese wußten ihr über Männer, die so veranlagt wären wie ich, nur Schlechtes und Gemeines zu berichten, ich sollte unbedingt ein Urning sein (...)."
Das Image des Urnings oder Homosexuellen war negativ besetzt, sodass die Bezeichnungen auch als Schimpfwort gebraucht wurden. Dies gab Anlass zur Distanzierung. So beschreibt ein von Hirschfeld als Transvestit porträtierter Mann sich wie folgt: "Von sonstiger Homosexualität aber ist keine Spur vorhanden. Urninge und effeminierte Männer verachte ich tief."  Die ablehnende Haltung der Cross-Dresser gegenüber den Homosexuellen veranlasste sie dazu, Hirschfeld anzuregen, sich ihrer anzunehmen: "Ich kann es nicht begreifen, dass sich die Wissenschaft nicht mit den Effeminierten abgibt, wo es doch etwas Alltägliches und Natürliches ist; und leider werden wir fälschlich auch noch oft für Päderasten gehalten." Damit initiierten die Cross-Dresser einen Dialog, im Zuge dessen Hirschfelds Entwurf des Transvestitismus entstand.

Andererseits gab es auch bei homosexuellen Männern das Bedürfnis, sich von der sichtbaren Effeminierung der Cross-Dresser zu distanzieren; ihnen war der Abstand mindestens ebenso wichtig wie umgekehrt. Die in Hirschfelds "Zwischenstufentheorie" vorgenommene Verknüpfung von männlicher Homosexualität mit Weiblichkeit provozierte beim viril orientierten Flügel der Homosexuellenbewegung Protest, wie ihm durchaus bewusst war: "Der großen Mehrzahl der Homosexuellen, nicht nur der virileren, ist die Verkleidung direkt unsympathisch."

Die als Zerrbild wahrgenommene Darstellung Hirschfelds führte 1907 innerhalb des Wissenschaftlich-humanitären Komitees zur Sezession.
Nach Auffassung der tendenziell misogynen Sezessionisten machte Hirschfeld die Homosexuellen zu "Halbweibern" und "einer Art psychischer Mißgeburt", wie ihr Wortführer Benedikt Friedländer es nannte. Das Ziel der Homosexuellenbewegung, die Abschaffung des Paragrafen 175 Reichsstrafgesetzbuchs (RStGB), erforderte aber gerade eine Bündelung der Kräfte, was ein konsensfähiges Bild vom Homosexuellen voraussetzte. Die Herstellung eines Konsenses zwischen den Lagern dürfte daher ein weiteres Motiv für die Trennung der Effeminierten von den Homosexuellen gewesen sein; die Einführung der neuen Kategorie "Transvestiten" kann somit als Konzession an Hirschfelds Opponenten in der Homosexuellenbewegung gelesen werden.

Schwierigkeiten der Transvestiten ergaben sich jedoch nicht nur aus den stigmatisierenden Fremdzuschreibungen ihrer Eigenart, sondern vor allem aus juristischen Konsequenzen. Obwohl das deutsche Strafrecht der Kaiser- wie der Weimarer Zeit das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts nicht ausdrücklich sanktionierte, waren Personen, die polizeilich als Transvestiten erkannt wurden, wegen der "Erregung öffentlichen Ärgernisses" und somit "Störung der öffentlichen Ordnung" mit empfindlichen Strafen bedroht. Bei vielen Transvestiten beiderlei Geschlechts blieben aufgrund ihres Körperbaus, Haarwuchses, Gesichtsschnittes, ihrer Bewegungen oder der Stimmlage trotz noch so perfekter Aufmachung Spuren des Herkunftsgeschlechts wahrnehmbar. Abbildung 6 soll die Irritationen in der öffentlichen Geschlechter-Performanz illustrieren. Einige Transvestiten wurden deshalb von der Polizei festgenommen und mussten als "Wiederholungstäter" Haftstrafen verbüßen.

Für diesen Personenkreis handelte Hirschfeld gemeinsam mit seinem Kollegen Iwan Bloch um 1910 mit der Polizeibehörde eine Übereinkunft aus, nach der von einer Festnahme abgesehen wurde, wenn die Betreffenden eine polizeilich bestätigte Bescheinigung vorlegen konnten, die sie als ärztlich beglaubigte Transvestiten auswies. Der "Transvestitenschein" wurde in der Folge häufig ausgestellt. Zu dieser Zeit hatte sich besonders in Berlin eine vielfältige Transvestitenkultur mit eigenen Lokalen, Treffpunkten, Organisationen und Zeitschriften entfaltet.

Dank einer mündlichen Übereinkunft mit dem Preußischen Justizminister war es ab 1921 in einem gutachterlichen Verfahren möglich, eindeutig auf das Geschlecht verweisende Vornamen durch einen neutralen, etwa Alex oder Toni, zu ersetzen; in einem Fall gelang sogar die Umschreibung des Personenstandes. Vornamensänderungen gaben die Behörden in Verwaltungszeitungen bekannt, was einem amtlichen Outing gleichkam: Die Anzeigen enthielten die Klarnamen, persönlichen Daten und Wohnadressen der Betreffenden. Beide Praxen bedeuteten ein doppeltes Abhängigkeitsverhältnis der Transvestiten, nämlich vom Wohlwollen der Gutachter und der Überzeugungskraft ihrer ärztlichen Expertise - schließlich war die Anerkennung von Hirschfelds durchaus nicht unumstrittenem Transvestitismus-Konzept die Voraussetzung. Abhängig waren sie aber auch vom Verständnis der Polizei und Justiz, auf deren Genehmigung sie angewiesen und deren Kontrollwillkür sie ausgeliefert waren. Insofern hatten die Transvestiten trotz dieser Liberalisierungen also auch weiterhin einen prekären Status inne.

Zur (Be)Deutung des Geschlechtskörpers

Zu den Transvestiten zählten auch Frauen und Männer, die nicht nur die Kleidung des anderen Geschlechts bevorzugten, sondern sich diesem ganz zugehörig fühlten. In den wenigen frühen Mitteilungen dieser Personengruppe finden sich allerdings keine Hinweise auf Operationswünsche. Punktueller, passagerer oder permanenter Wechsel des sozialen Geschlechts war in ihrem Selbstkonzept offenbar nicht notwendig mit einem - wie es heute heißt - "Unbehagen im falschen Körper" und dem Wunsch nach dessen Umgestaltung verbunden. Hirschfeld berichtet allerdings von einigen Männern, die über kürzere oder längere Zeit als Frau gelebt hatten, und fasst ihre Körperwünsche und -wahrnehmungen wie folgt zusammen: "Vielfach bilden sich zwar die Transvestiten vor dem Spiegel stehend ein, ihre Formen seien weicher und weiblicher, wie die gewöhnlicher Männer; aber ihre meist rauhe Haut, die behaarte Brust, der starke Bartwuchs, der schlanke, oft sehnige Körperbau, die straffen Linien und Züge, die tiefe Stimme zeigen, dass es sich um eine angenehme Selbsttäuschung handelt, die übrigens keine tiefgehende ist, auch nicht den Charakter einer Wahnidee trägt; sie wissen ganz genau, dass ein Widerspruch zwischen ihrem Körper und ihrer Seele klafft."
Mit dem Ausdruck vom "klaffenden Widerspruch" weist Hirschfeld auf die empfundene Diskrepanz von Physis und Psyche hin. Damit deutete sich zwar ein Handlungsfeld an, aber noch fehlten sowohl der artikulierte Wunsch als auch die geeigneten Techniken zu dessen Umsetzung.

Selbstgestaltung des Geschlechtskörpers

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr der Körper sowohl in der (Sexual-)Wissenschaft als auch in den alle Bevölkerungsschichten und Bereiche des alltäglichen Lebens durchziehenden Lebensreformbewegungen eine Rehabilitierung, Neudefinition und Aufwertung. Diese Bedeutungsaufladung des Geschlechtskörpers für die Konstruktion des Selbst bildete die Voraussetzung dafür, jene Personen, die sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlten, zur physischen Umgestaltung zu motivieren. Die dazu nötigen Techniken wurden in der um 1900 aufkommenden kosmetischen Medizin entwickelt, sei es die Gesichtschirurgie, die Röntgenepilation oder die Paraffinbrustplastik. Diese Kontextualisierungs- und Plausibilisierungsversuche können den Wunsch nach operativer Geschlechtsumwandlung allerdings lediglich einordnen. Sie vermitteln jedoch keinen Eindruck von der Tiefe individuellen psychischen Leids, das Einzelne Anfang des 20. Jahrhunderts dazu trieb, irreversible Umgestaltungen durch invasive Eingriffe - wie sie Kastration und Amputation darstellen - durchzusetzen oder an sich selbst vorzunehmen.

Die nach 1910 datierten ersten Versuche körperlicher Manipulation sogenannter Transvestiten zielten allerdings noch nicht auf operative Umgestaltung, sondern zunächst "nur" darauf, die Zeichen des Herkunftsgeschlechts zu tilgen. Diese Schlussfolgerung legen zumindest die Quellen nahe. So berichten die Ärzte Tange und Trotsenburg 1911 über einen niederländischen Transvestiten, der mittels verschiedener Manipulationen versuchte, seinen Körper zu verweiblichen. Der Vater von vier Kindern hatte sich bereits 1905 einseitig kastriert, später entfernte er mit Hilfe seiner Frau auch den zweiten Hoden und versuchte durch Lufteinblasungen Brüste zu bekommen, weshalb er mehrfach ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Von nun an mehren sich derartige Mitteilungen in der Fachpresse. Dieses Selbstgestalten des Geschlechtskörpers findet zunächst vor und außerhalb der medizinischen Diskursivierung der Umwandlung statt.

Eine erste vorläufige Differenzierung zwischen den "normalen" Transvestiten und jenem Personenkreis, der sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlte, beginnt in diesem Zeitabschnitt. Sie geht auf den englischen Sexualwissenschaftler Havelock Ellis zurück, der das Phänomen des Cross-Dressing in Anlehnung an den Chevalier D'Eon "Eonism" nannte.
Anlässlich der Präsentation entsprechender Fälle unterschied Ellis zwei Typen: Neben der Mehrzahl, bei der "die Inversion hauptsächlich auf die Kleidung beschränkt" sei, gebe es eine vollständigere Inversion, bei der "die Änderung der Bekleidung als etwas verhältnismäßig Gleichgültiges betrachtet wird". Ein Individuum dieser Prägung identifiziere sich jedoch "mit seinen physischen und psychischen Zügen, die an das entgegengesetzte Geschlecht erinnern, (...) dass es sich wirklich diesem Geschlecht zugehörig fühlt, obwohl es über seine anatomische Bildung keine Wahnvorstellungen hat".

Erste Versuche operativer Geschlechtsumwandlung

Der Berliner Chirurg Richard Mühsam, dem in der Diskussion eine Schlüsselposition zukommt, operierte 1912 einen ersten von ihm so bezeichneten weiblichen Transvestiten, die sich, 35-jährig, Brüste und Gebärmutter entfernen ließ, "da sie diese Organe als nicht zu ihr gehörig empfand. Sie hielt sich für einen verkappten Mann und wollte auch äußerlich wie ein Mann aussehen. (...) (Sie) war (...) eine nicht unbegabte Malerin, trug Männerkleider und klagte über (...) das Gefühl, Fremdkörper im Leibe zu haben. Als diese (...) sah sie die Eierstöcke an, um deren Entfernung sie dringend bat." Nachdem er ihr auch die Ovarien entfernt hatte, schreibt Mühsam "fühlte sie sich (...) freier und betrieb die Umschreibung ihres Personalstandes".
Außer diesen kolportierten Operationswünschen führt Mühsam keine Argumente zur Begründung der Eingriffe an, obgleich sie nach den medizinethischen Standards schon damals als problematisch galten, weil es keine Indikation dafür gab. Und obwohl die Eingriffe aus heutiger Sicht als erste ärztlich ausgeführte Geschlechtsumwandlung von Frau-zu-Mann gelten dürfen, wurden sie damals nicht als solche betrachtet. Auch Hirschfeld erwähnte 1918 zahlreich geäußerte Bedürfnisse und Versuche körperlicher Umgestaltung. Nachdem er 1919 sein Institut für Sexualwissenschaft eröffnet hatte, teilte der dort als Psychotherapeut tätige Arthur Kronfeld mit, dass allein im ersten Jahr zwölf Männer um eine Kastration baten; zehn von ihnen konnte er davon abbringen.

Ausschlaggebend für die ersten mitgeteilten Wünsche nach Operationen ist folgender Kontext: Im Zuge der nach 1900 einsetzenden Forschung zur Wirkung von Geschlechtshormonen wurden experimentelle Geschlechtsumwandlungen an Haus- und Labortieren vorgenommen. Über die vom Wiener Physiologen Eugen Steinach realisierten berichtete die deutschsprachige Fach- und Tagespresse als wissenschaftliche Sensation. Wie solche Berichte bei einigen Transvestiten Wünsche nach analogen Eingriffen wachriefen, lässt sich am Beispiel eines 1916 vom Sexualwissenschaftler Max Marcuse beschriebenen Mannes illustrieren: "Die im Mai v.J. durch die Presse gegangene Notiz (...) veranlasste Herrn A., mich darüber zu konsultieren, ob eine derartige Operation nicht auch am Menschen mit Erfolg ausgeführt und er auf diese Weise zu einem Weibe gemacht werden könnte." Ihn bringe das "Vorhandensein des Gliedes und der Hoden oft zur Verzweiflung", er sei völlig beherrscht von der "Idee der Verweiblichung und ihrer Herbeiführung auf operativem Wege". Deutlich zeigt sich hier, auf welch direkte Weise die Medialisierung der Geschlechtsumwandlung auf diesen Personenkreis wirkte.

Die erste komplett dokumentierte Mann-zu-Frau-Geschlechtsumwandlung erfolgte 1920/1921 bei einem Patienten des Hirschfeld-Instituts.

Bei diesem Medizinstudenten, der mit der Pistole in der Hand mit Suizid drohte, wurde von Arthur Kronfeld eine "schwere Sexualneurose" diagnostiziert. Sie diente als medizinische Indikation für die Eingriffe, während die Suiziddrohung eine sogenannte Notoperation rechtfertigte, wie ein weiterer Hirschfeld-Mitarbeiter später ausführlich darlegte. Die von Mühsam ausgeführten Operationen umfassten zunächst die Kastration, die Vernähung des Penis im Damm und die Ausformung einer Neovagina; später wurde auch ein Eierstock implantiert. All diese Behandlungsschritte waren in anderen medizinischen Kontexten entwickelt worden und wurden nun zur Lösung einer bislang unbekannten Problematik zusammengeführt. Man könnte das Vorgehen als Experiment mit ungewissem Ausgang charakterisieren, das der individuellen Notlage eines Patienten und medizinischen Omnipotenzphantasien entsprang, das "natürliche" Geschlecht medizinisch ändern zu können.

Mit Unterstützung des Instituts für Sexualwissenschaft erfolgten bis 1931 eine ganze Reihe weiterer Umwandlungen. Über die Routine der Operationen berichtet Felix Abraham in einer ersten medizinischen Veröffentlichung im selben Jahr. Die bekannteste dieser frühen Geschlechtsumwandlungen ist die des dänischen Malers Einar Wegener, der sich aufgrund des Operationsortes Dresden "Lili Elbe" nannte.

Obgleich es nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 keine einheitliche Strategie im Umgang mit Transvestiten gab, standen diese unter dem Generalverdacht der Homosexualität. Zur Verfolgung der Homosexuellen wurde 1935 der entsprechende Paragraf 175 RStGB verschärft und die Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung eingerichtet.
Transvestiten standen unter der Beweislast ihrer Heterosexualität; für einige, denen dies gelang, wurden Transvestitenscheine aus der Weimarer Zeit verlängert oder sogar neue ausgestellt. Und obgleich der Berliner Charité-Psychiater Karl Bonhoeffer 1941 berichtete, dass ihm Wünsche nach Geschlechtsumwandlung - wie aus der Weimarer Zeit - nicht mehr begegnet seien, lässt sich zumindest eine ausgeführte Operation bei einem Mann-zu-Frau Transsexuellen für die NS-Zeit nachweisen. Über das Schicksal der vor 1933 Operierten liegen keine systematischen Forschungen vor.

Erst in den 1950er Jahren setzte in den USA erneut eine medizinische Diskussion über die Geschlechtsumwandlung ein, allerdings nicht mit direkten Bezug auf die deutsche Vorläuferschaft, ohne die sie freilich nicht zu denken ist. Harry Benjamin nahm für sich in Anspruch, den Begriff transsexuality eingeführt zu haben.
Ähnlich wie Hirschfeld den Wunsch nach Geschlechtsumwandlung bei "extremen Transvestiten" als "stärkste Form des totalen Transvestitismus" bezeichnete, beschrieb Benjamin "den Transsexualismus als höchsten Grad des Transvestismus" (sic) oder die "Transvestiten als die mildeste Form unter den Transsexuellen".

In Deutschland bezeichnete man Personen mit dem Wunsch nach Geschlechtsumwandlung noch bis in die 1950er Jahre als Transvestiten. Erst mit der Rezeption von Benjamins Arbeiten in den 1960er Jahren wurde, ohne Bezug zur hier beschriebenen Vorläuferdiskussion um Hirschfeld, in beiden deutschen Staaten von "Transsexualismus", später von "Transsexualität" gesprochen.


Boundary lines between the sexes // Grenzverläufe zwischen den Geschlechtern

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Grenzverläufe zwischen den Geschlechtern

Ob zwei oder mehr Geschlechter anerkannt werden, ist vom jeweiligen kulturellen Kontext abhängig. In vielen Gesellschaften, vor allem außerhalb Europas, unterscheiden sich Geschlechterkonstruktionen von den uns bekannten Mustern.
Was einen Mann oder eine Frau ausmacht, ob zwei oder mehr Geschlechter anerkannt werden, inwieweit Körper, Sexualität und soziale Rollen als konstitutiv für Geschlecht gelten - all dies ist vom jeweiligen kulturellen Kontext abhängig und unterliegt Prozessen des kulturellen Wandels. In vielen Gesellschaften, vor allem außerhalb Europas, unterscheiden sich Geschlechterkonstruktionen und auch die Grenzverläufe zwischen den Kategorien "Mann" und "Frau" von den uns bekannten Mustern, gibt es temporäre oder auch dauerhafte Alternativen zu geschlechtlicher Eindeutigkeit, die als "drittes Geschlecht" bekannt wurden. Anhand einiger prominenter Beispiele sollen im Folgenden die Besonderheiten, aber auch die Gemeinsamkeiten des Phänomens erläutert werden.
Zu den bekanntesten Formen des dritten Geschlechts gehören die indischen hijras, die in vielen lokalen Diskursen als Intersexuelle bezeichnet und mit einer vergangenen göttlichen Ordnung in Verbindung gebracht werden, von der man annimmt, dass sie ungleich besser war als die Gegenwart, weil sich die Gegensätze der Welt noch nicht herausgebildet hatten. Hijras gelten als mit übernatürlichen Kräfte begabt, die sie zum Guten oder zum Bösen einsetzen können. Eine ihrer vornehmsten Aufgaben besteht darin, Neugeborene zu segnen und die Kontinuität menschlicher Fruchtbarkeit zu sichern. Zu diesem Zweck besuchen sie Familien, in denen gerade ein Kind geboren wurde, tanzen, singen und führen Imitationen der Geburtsszene auf. Religiöse Handlung und Entertainment gehen dabei Hand in Hand. Für ihre Dienste erhalten sie Naturalien und Geld. Wie sehr diese Entlohnung im Vordergrund der Aktivitäten der hijras steht, wird daran ersichtlich, dass es auf solchen Festen häufig zu Streitigkeiten über die Höhe der Bezahlung kommt und dass hijras nicht nur auf Einladung einer Familie erscheinen. Sie ziehen eigenständige Erkundungen über zu erwartende Entbindungen ein und kommen, wenn eine Einladung ausbleibt, auf eigene Initiative. Diejenigen, die den bezahlten Segen verweigern, bedrohen sie mit einem Fluch. Säuglinge mit unbestimmtem Geschlecht sollen, so sagt man, von den hijras als ihresgleichen mitgenommen und in ihren Gemeinschaften aufgezogen werden.

Entgegen dieser idealisierten Konzeption spirituell begnadeter Intersexueller werden die meisten hijras allerdings nicht mit uneindeutigem, sondern mit eindeutig männlichem Geschlecht geboren. Sie sind Homosexuelle oder Transsexuelle, die hijras werden, da die indische Gesellschaft sexuelle männliche Devianz nur in dieser Form akzeptiert. Einige von ihnen lassen sich kastrieren. Die Ethnologin Serena Nanda vergleicht die kastrierten hijras mit dem Gott Shiva, der sich selbst kastrierte und seinen zur Erde geschleuderten Phallus zu einem reinen Symbol der Fruchtbarkeit transformierte.
Ob entmannt oder intersexuell, hijras haftet in jeder der beiden Formen ein Aspekt des Göttlichen an: Sind sie Intersexuelle, so gelten sie von Natur aus mit dem Heiligen gezeichnet und stehen der Göttin nahe; sind sie Männer, so bringen sie sich selbst zum Opfer und symbolisieren die vollkommene Hingabe.

Aller Heiligkeit zum Trotz ist der Alltag der hijras durch ein Leben am Rand der Gesellschaft gekennzeichnet. In der Vergangenheit dienten sie als Haremswächter, Ratgeber und Narren an den Höfen der Mogule, und es war ihnen erlaubt, obszöne und beleidigende Reden zu führen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Auch heute noch ist ihr gesamtes Auftreten burlesk, provokativ und strotzt vor sexuellen Anspielungen. Damit Segnungen allein der Lebensunterhalt nicht bestritten werden kann, arbeiten hijras primär als aggressive Bettler und Prostituierte und drohen damit, ihr unverhülltes kastriertes Genital zu entblößen, wenn man ihnen die geforderten Almosen verweigert. Ihre Gemeinschaften, stets unter Führung eines Gurus, gleichen organisierten Bordellbetrieben, in denen Ausbeutungsstrukturen vorherrschen und die Führerinnen sich auf Kosten der anderen Mitglieder bereichern.

Obwohl der religiöse Hintergrund des Phänomens gern in den Vordergrund gestellt wird, ist die Motivation, hijra zu werden, nur selten religiös begründet. In einem eindrucksvollen Dokumentarfilm hat Michael Yorke einige hijras über einen längeren Zeitraum beobachtet und herausgearbeitet, dass sich in dieser Institution ein gesellschaftlich akzeptiertes Lebensmodell für männliche Homosexualität verbirgt, für das in der konservativen indischen Gesellschaft kein Platz ist.
Dies gilt allerdings nur für Homosexuelle, die einen weiblichen Part für sich beanspruchen, Personen, die wir in unserem Kategoriensystem als Mann-zu-Frau-Transsexuelle bezeichnen. Für sie stellt die Gemeinschaft der hijras einen Schutzraum oder sogar eine neue Familie dar, die einen Ersatz für das Zuhause bietet, dass sie verlassen mussten. Hier können sie ihre Vorliebe für weibliche Kleidung und Make-up ausleben, eine neue Identität und einen angemessenen Rahmen für ihre erotischen Passionen finden. Häufig definieren sie ihre Entmannung auch als Beweis ihrer Hingabe an ihren männlichen Geliebten - für den sie ganz Frau sein wollen - und erwarten im Gegenzug für ihr Opfer seine Treue. Das angestrebte Ideal orientiert sich an der heterosexuellen Beziehung, und manche hijras adoptieren sogar Kinder, für die sie die Rolle einer Mutter übernehmen.

Obgleich das Phänomen der hijras im hinduistischen Kontext angesiedelt ist, hat die Religion keine konstituierende Funktion. Es gibt nämlich ein pakistanisch-muslimisches Äquivalent, das khusra genannt wird. Wie von hijras erzählt man sich von khusras, sie wären eigentlich Intersexuelle und würden intersexuelle Babys von deren Eltern fordern und in ihre Gemeinschaften integrieren. Die Anthropologin Hanya Rais bestreitet den Wahrheitsgehalt solcher Erzählungen und reduziert das Phänomen auf eine homosexuelle Subkultur. Khushras seien "individuals in whose male bodies a female spirit is trapped".
Die Idealisierung der Intersexualität produziert eine eigene Hierarchie innerhalb der khusra-Subkultur, an deren Spitze, nach Rais, diejenigen stehen, die sich dem Kastrationsritual unterzogen haben, während khusras, die noch nicht kastriert sind, oder temporäre Homosexuelle (zenanas) als weniger rein gelten. Wie hijras begründen khusras das Besondere ihrer Existenz mit religiösen Erklärungen, denen zufolge das intermediäre Geschlecht, das weder Mann noch Frau sei, vor Gott privilegiert würde. Khusras behaupten, ihre Vorfahren hätten das Grab des Propheten Mohammed gepflegt; sie sind häufig Anhänger lokaler Heiligenkulte und praktizieren eine mystisch ausgerichtete Form des Islam. Wegen ihrer Frömmigkeit - viele wohlhabende khusras haben eine Pilgerreise nach Mekka unternommen - und ihrer guten Werke werden sie von der Bevölkerung, mit der sie leben, geachtet.

Die positive Konnotation des Intersexualismus, des Weder-Mann-noch-Frau-Seins, geht sowohl bei hijras als auch bei khusras auf spezifische religiöse Vorstellungen zurück, die entweder auf lokale Kulte beschränkt sind oder, wie im Hinduismus, Anschluss an verschriftlichte Ideen über das göttliche Pantheon gefunden haben. Dabei steht entweder die natürliche geschlechtliche Uneindeutigkeit mit der Konnotation des Zeichens als Auserwählte oder das Opfer im Vordergrund. In beiden Fällen fungiert das religiös legitimierte Muster als Vorlage für geduldete erotische Passionen, seien sie primär homosexuell oder transvestitisch, die in der jeweiligen Gesellschaft unterdrückt werden. Die Institution der hijras und khusras ist somit kein Zeichen von Liberalismus oder gar der Nicht-Existenz einer rigiden Geschlechterordnung, sondern ein Ventil für diejenigen, die aufgrund ihrer Biologie oder ihres devianten Begehrens aus dem vorgegebenen starren Rahmen herausfallen.
Two spirits

Ähnliches gilt für die indigenen Gesellschaften des nördlichen Amerikas, bei denen die Institution des dritten Geschlechts seit dem 16. Jahrhundert überliefert ist.
Soldaten der kolonialen Armeen, Missionare, Siedler und Handelsreisende berichteten immer wieder über sogenannte Sodomiten, Mannweiber und Weibmänner, für die sich im 19. Jahrhundert der Sammelbegriff berdache durchsetzte. Aufgrund der problematischen Implikationen wurde er Ende des 20. Jahrhunderts von indianischen Aktivistinnen und Aktivisten kritisiert, und die Bezeichnung two spirit setzte sich durch. Ähnlich wie bei den hijras gibt es auch in vielen indianischen Gesellschaften Mythen, die auf einen idealisierten doppelgeschlechtlichen Zustand verweisen. Dies gilt beispielsweise für die Zuni im Nordwesten der USA. Sie verehren das Geistwesen Kolhamana, das aus der inzestuösen Verbindung eines Geschwisterpaares entstanden sein soll. Kolhamana erinnert an eine vorkulturelle Zeit, in der die Menschen als noch "ungekocht" galten. Als Mann/Frau sei er/sie wie ein Maiskolben mit zwei Herzen, sagen die Zuni, das Zweifache einer Art und daher ein vollkommenes Wesen. Die lebenden Manifestationen Kolhamanas waren die ihamanas, Personen, die männliche und weibliche Attribute auf sich vereinigen konnten. Die bekannteste ihamana des 20. Jahrhunderts war We'wah, die eine langjährige Freundschaft mit der Ethnologin Mathilda Coxe Stephenson unterhielt und in mehreren Publikationen verewigt wurde.
We'wah pendelte Zeit ihres Lebens zwischen den Geschlechtern, war einerseits Mitglied eines religiösen Männerbundes und beteiligte sich wie ein Krieger an gewaltsamen Auseinandersetzungen, trug andererseits Frauenkleidung und verrichtete weibliche Arbeiten. Nach ihrem/seinen Tod wurde sie/er mit Frauenkleidung und Männerhose beerdigt.

Entscheidend für die Annahme eines "dritten Geschlechts" war in indianischen Gemeinschaften allerdings nicht nur die sexuelle Präferenz, sondern eine generelle "Tätigkeitspräferenz". Two spirits strebten die soziale Rolle des anderen Geschlechts an, dessen Position im Arbeitsprozess und in der Familie, in der Politik und im Krieg.
Wenn ein Kind dadurch auffiel, dass es sich nicht der dem biologischen Geschlecht entsprechenden sozialen Rolle verhielt, wenn ein Junge am liebsten mit Mädchen spielte, und ein Mädchen sich kämpferisch und wild gebärdete, dann galt dies in den meisten indianischen Gesellschaften als Hinweis auf eine mögliche Bestimmung zu einer nicht-stereotypen Geschlechterrolle.

Ein expliziter Verweis auf Doppelgeschlechtlichkeit ist in der Figur der nádleehé der Navajo enthalten, "jemand, der/die sich in einem ständigen Prozess des Wandels befindet".
Ein nádleehé konnte ein Hermaphrodit sein oder ein Mensch, der sich aus eigenem Antrieb für ein ambivalentes Geschlecht entschied. Hermaphroditen galten den Navajo dabei als die Urform oder das Original aller nádleehé, während man von allen anderen als von denjenigen sprach, "die vorgeben, nádleehé zu sein". Ausschlaggebend für die Wahl einer nádleehé-Rolle war eine Tätigkeitspräferenz, so dass man die nádleehé, die keine Hermaphroditen waren, zusätzlich unterschied. Der Anthropologe Thomas Wesley spricht daher von fünf verschiedenen Geschlechterrollen der Navajo: Männer, Frauen, Hermaphroditen, weibliche nádleehé (womanly male) und männliche nádleehé (manly female).

Eine spezifische Form von Geschlechtsrollenüberschreitung für Frauen, die sowohl temporär als auch dauerhaft sein konnte, war die Kriegerinnentradition der manly-hearted women bei den Plains-Indianern. Die Mehrheit dieser Kämpferinnen wechselte aber nicht ihr Geschlecht, sondern bewegte sich lediglich erfolgreich im männlichen Terrain. Sie begleiteten Ehemänner, Brüder und Väter oder wurden vom Wunsch nach Rache eines Familienmitglieds in den Kampf getrieben. Wenn sie sich dort unerschrocken zeigten und sich vielleicht sogar durch das Töten eines Feindes einen Namen machten, nannte man sie manly-hearted, da man von einer Frau, der binären Geschlechterkonstruktion entsprechend, Furchtsamkeit erwartete.
Manly-hearted women waren anerkannt und hoch geachtet, weil sie sich dort bewährt hatten, wo Männer Prestige erwerben. Ihre Identität als Frau sowie ihr soziales Geschlecht wurde von diesen Auszeichnungen nicht zwangsläufig tangiert. Allerdings gab es auch Ausnahmen, die eine vollständige männliche Identität annahmen und als Mann Frauen heirateten.

Wie im südasiatischen Kontext tangierte das Phänomen des dritten Geschlechts auch bei nordamerikanischen Indianern keinesfalls die heterosexuelle Norm, sondern bestätigte diese vielmehr.
Homosexualität war verpönt, und sexuelle Kontakte waren nur zwischen Personen erlaubt, die als gegengeschlechtlich identifiziert waren. Traditionelle indianische dritte Geschlechter gehören weitgehend der Vergangenheit an, was nicht zuletzt auf den Einfluss von Kolonisatoren, Missionaren und einer Abwertung durch die hegemoniale weiße Kultur zurückzuführen ist.

Trotz dieser Umstände erlebt das Phänomen derzeit eine politische Renaissance, auch motiviert durch indianische ethnologische Forschung und den Einfluss der panindianischen Schwulen- und Lesbenbewegung, die sich um Abgrenzung zur weißen urbanen Schwulen- und Lesbenkultur und die Rückbesinnung auf eine homosexuelle indianische Kultur bemüht. Letzteres stellt die Aktivistinnen und Aktivisten vor eine Reihe schwer lösbarer Probleme, von denen die traditionelle indianische Homosexuellenfeindlichkeit sicherlich die gravierendste ist.

Homosexuelle Indianer und Indianerinnen bewegen sich heute weitgehend außerhalb dieses Rasters; sie sind urban sozialisiert und orientieren sich an der weißen Schwulen- und Lesbenbewegung. In ihren Familien und in den lokalen indianischen Kommunen werden sie deshalb mit Ablehnung und Diskriminierung konfrontiert.

Geschworene Jungfrauen

Die überwiegende Anzahl aller Phänomene des dritten Geschlechts betreffen Personen, die als Mann-zu-Frau-Wechsler bezeichnet werden kann. Nur in Ausnahmefällen übernehmen Frauen männliche Identitäten und Rollen. Daher ist das Beispiel der "geschworenen Jungfrauen" des südlichen Balkans ein ganz besonderes. Es handelt sich um Personen weiblichen Geschlechts, die einen männlichen Habitus pflegen und in ihrer männlichen Rolle von der Gesellschaft anerkannt werden. Geschworene Jungfrauen besitzen einen männlichen Namen, tragen männliche Kleidung, einen männlichen Haarschnitt, rauchen und trinken. Sie gehen ausschließlich "männlichen" Tätigkeiten wie pflügen, Holz hacken oder Heu machen nach, tragen Waffen und nehmen an Jagden und kriegerischen Handlungen teil. Ihre Verhaltensweisen entsprechen dem albanischen Männlichkeitsstereotyp, und man findet sogar ausgesprochene Mysogynisten.

Häufig haben sich die "geschworenen Jungfrauen" ihr Schicksal als Mann nicht selbst ausgesucht, sondern sind, nach dem Tod des Vaters oder Bruders oder schlicht weil sie die einzigen Erben eines Hauses waren, in diese Rolle hineingedrängt worden. Der Hintergrund eines solchen sozialen Geschlechtswechsels ist die patriarchale albanische Gesellschaftsordnung, die auf einer strengen geschlechtlichen Arbeitsteilung und der Vorrangstellung des Mannes basiert. Da die Aufgaben im Haus und auf dem Feld geschlechtsspezifisch definiert werden, ist es für Frauen wie für Männer unmöglich, alleine zu leben. Wenn eine Frau fehlt, hilft jemand aus der Verwandtschaft aus, doch ein Mann lässt sich nicht so leicht ersetzen. Er muss die Familie nach außen vertreten, muss in Konflikten Stärke demonstrieren, die Ehre der weiblichen Mitglieder des Hauses verteidigen und Angriffe gegebenenfalls mit der Waffe in der Hand zurückschlagen. Interessanterweise verbindet man die maskulinen Qualitten Stärke, Aggression, Mut und die Bereitschaft, im Kampf zu sterben, nicht mit einem spezifisch männlichen oder weiblichen Körper. So lange genügend Männer zur Verfügung stehen, ist es keine Frage, wer diese Aufgaben übernimmt, doch im Bedarfsfall traut man einer biologischen Frau durchaus zu, als vollwertiger Mann zu agieren.

Dennoch muss man jedwede Idealisierung eines problemlosen Geschlechts(rollen)wechsels infrage stellen. "Geschworene Jungfrauen" sind keine wirklichen Männer, sondern eben Jungfrauen, eine besondere Gattung der Zwischen-den-Geschlechtern-Stehenden. Die Begriffe muskobanja, "männliche Frau", zena covjec, "Frau-Mann", oder momak djevojka, "Mädchen-Junge", verdeutlichen dies. Meist nennt man sie jedoch tobelija, "die einen Schwur abgelegt haben", den Schwur nämlich, niemals zu heiraten oder eine sexuelle Beziehung einzugehen. Tobelija verharren in einem intermediären Status zwischen den Geschlechtern. Eine männliche Funktion bleibt ihnen immer versagt: die physische Reproduktion der Familie und eine eigene Sexualität. Offizielle Verlautbarungen betonen, dass diesbezügliche Vergehen mit dem Tod geahndet werden, doch nach dem Anthropologen René Grémaux soll es in der Praxis vorgekommen sein, dass "geschworene Jungfrauen" sich von ihrem Status verabschiedet und geheiratet haben.
Ungeklärt ist, ob lesbische Beziehungen möglich sind und der Jungfrauenstand eventuell eine Nische für weibliche Homosexualität darstellt. Kommentierungen weiblicher Attraktivität sind den Jungfrauen im Rahmen ihres männlichen Habitus erlaubt, und Grémaux vermutet, dass die Institution der "Blutsschwesternschaft" ein weiteres Indiz dafür sein könnte.
Eine soziale Alternative für eine traditionelle weibliche Lebensweise scheint die Jungfrauenschaft auf jeden Fall zu sein, denn entgegen der üblichen Rechtfertigungsnarrative sind nicht alle tobelija das Produkt eines familiären Männermangels. Einige haben sich für die Rolle der Jungfrau entschieden, um einer unliebsamen Heirat zu entgehen, andere, weil sie die weibliche Rolle ablehnen.
Die Institution der tobelija macht solche Subversionen möglich, ist aber, darüber besteht in der Forschung kein Zweifel, keine institutionalisierte Nische für weibliche Rebellinnen. Der vornehmliche Zweck ist vielmehr die Aufrechterhaltung der patriarchalen heterosexuellen Ordnung in Zeiten des Männermangels.

Travestis

Eine Besonderheit "dritter" Geschlechtlichkeit stellen die brasilianischen travestis dar, die vordergründig nicht anders als viele hijras oder two spirits Homosexuelle mit einer weiblichen Identität zu sein scheinen. Der erste Eindruck trügt allerdings. Travestis verwandeln sich nämlich optisch tatsächlich in Frauen. Da sie glauben, dass "richtige" Männer eigentlich heterosexuell sind und Frauen begehren, versuchen sie, nach eigenen Aussagen, Frauen ähnlich zu werden. Zu diesem Zweck führen sie sich Östrogene in hoher Dosierung zu und injizieren Silikon in Brüste, Hüften, Oberschenkel und Po. Bis zu 20 Liter sollen dabei verwendet werden. Das Ergebnis ist ein perfekter weiblicher Körper mit männlichen Genitalien: ein künstlicher Weib-Mann. Travestis sind sehr stolz auf gelungene Ergebnisse, von denen sie behaupten, dass sie besser und vor allem "haltbarer" seien als die weibliche Natur. Auch sozial und sexuell stehen sie in jeder Beziehung zwischen den Geschlechtern.

Travestis klassifizieren sich selbst als bichas oder viados, als Männer, die sich penetrieren lassen und dadurch ihre Männlichkeit verlieren. Den Gegenpol zu viados bilden die homems, Männer, die penetrieren und auf diese Weise ihre Männlichkeit demonstrieren. Homems dürfen niemals die passive Rolle beim Sex einnehmen, wenn sie ihren Status als Mann nicht verlieren wollen, viados dagegen steht es frei, je nach Situation die eine oder die andere Rolle zu spielen. Travestis haben sexuelle Kontakte, in denen sie aktiv und solche, in denen sie passiv sind. Als Prostituierte begegnen sie Kunden, die penetriert werden wollen - und sie kommen diesen Wünschen gerne nach, wenngleich sie die Männer dafür verachten, dass sie keine homems sind. Private Beziehungen gehen sie ausschließlich zu "wirklichen" Männern ein. Eine Geschlechtsumwandlung lehnen sie ab, da sie nicht auf maskuline genitale Lust verzichten wollen. Sie distanzieren sich bewusst von Transsexuellen und verstehen sich eindeutig als Männer, wenngleich innerhalb eines Rasters, das zwischen zwei Klassen unterscheidet: solche, die beim Sex immer penetrieren, und solche, die unterschiedliche Positionen einnehmen. Implizit differenzieren sie Männlichkeit in eine eindeutige und eine uneindeutige Variante.

Travestis belassen ihre Anstrengungen, für homems attraktiv zu wirken, nicht bei der Umgestaltung des Körpers. Sie tragen aufreizende weibliche Kleidung, schminken sich und tragen lange Haare. Im Geschäft der Prostitution zahlen sich diese mimetischen Feminisierungen aus: je weiblicher, desto größer der Verdienst. Vom Verdienst wiederum sind die Chancen abhängig, einen ansprechenden boy friend zu finden. Diese werden regelrecht "eingekauft", mit Geschenken und finanziellen Zuwendungen bedacht und von anderen travestis abgeworben. Ein attraktiver Geliebter ist ein öffentliches Zeichen für wirtschaftlichen Erfolg. In dieser Hinsicht verkörpern travestis das brasilianische Macho-Ideal, wonach der Erfolgreiche die schönsten Frauen für sich monopolisieren kann. Die boy friends, die in der Vorstellung der travestis die eigentlichen Männer darstellen, werden in dieser Hinsicht auf die Stufe von Frauen gestellt, von abhängigen Personen, die dorthin wandern, wo es sich materiell auszahlt, während travestis als die eigentlichen Männer im sozialen Sinn agieren. Auch im Hinblick auf ihre viado-Kunden gebärden sich travestis alles andere als feminin: Sie sind brutal, gewalttätig und haben einen zweifelhaften Ruf als Beischlafräuber. Ihre Weiblichkeit reduziert sich auf den perfekt modellierten Körper, die Befolgung des Diktats der Mode und ein hegemoniales Stereotyp sexueller Praxis. Nimmt man die Selbstinszenierung der travestis in der Gesamtheit ihrer physischen, sozialen, emotionalen und sexuellen Aspekte, so ergibt sich ein Bild, das in jeglicher Hinsicht auf einer Kombination weiblicher und männlicher Attribute beruht - eine perfekte intersexuelle Konstruktion.

Resümee


Die vorgestellten Beispiele zeigen, dass Geschlecht und Geschlechtsidentität keineswegs ein universales Muster bildet, das sich biologisch fundieren ließe. Vielmehr existiert eine Vielfalt von Zwischenformen und Kombinationen zwischen den Polen eines Männlichen und eines Weiblichen, wobei auch diese Kategorien keineswegs eindeutig definiert werden. In der wissenschaftlichen Debatte wird die Existenz von drei oder mehr Geschlechtern häufig als Indikator für eine liberale Geschlechterordnung definiert, die man der vermeintlich repressiveren Ordnung westlicher Gesellschaften entgegensetzt. Das lässt sich allerdings empirisch nicht bestätigen. Die Existenz des dritten Geschlechts bestätigt vielmehr häufig explizit ein hegemoniales System heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit, welches Homosexuelle zwingt, ihr Geschlecht zu wechseln.


Transsexuality - Mental illness is made "healthy" Transsexualität ! Eine psychische Erkrankung wird gesund gemacht

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Transsexuality - Mental illness is made "healthy"
Transsexualität – Eine psychische Erkrankung wird „gesund“ gemacht

Vom Abnormen zur Normalität


Transsexualität – Eine psychische Erkrankung wird „gesund“ gemacht

Etwas Ungesundes wird Teil der sogenannten Vielfalt. Transsexualität wird immer wieder als normal und Spielart unter den Geschlechtern dargestellt. Letztlich strebt der Transsexuelle immer ein Geschlecht an: Nämlich das andere. In der Transsexualität wird zunächst die Zweigeschlechtlichkeit nicht angezweifelt.
Was allerdings angezweifelt wird:

Bei der Transsexualität handelt es sich um eine psychische Erkrankung.

Ein gesunder funktionaler Körper (hier speziell: Fortpflanzungsfähigkeit) soll gegen einen nicht-funktionalen Körper ausgetauscht werden. Ein fortpflanzungsfähiger Mann will sich beispielsweise zu einer Simulation einer Frau um operieren lassen. Diese „Frau“ ist allerdings durch eine Anpassung des Erscheinungsbildes noch lange keine Frau. Weder der Hormonhaushalt stimmt auf natürlichem Weg, noch gibt es eine natürliche Fortpflanzungsmöglichkeit. (Dass es nicht-fortpflanzungsfähige Menschen gibt, ist kein Argument – sie sind eine Besonderheit und werden oftmals medizinisch behandelt.)

Es besteht aus medizinischer Sicht keinerlei Grund eine optische Anpassung vorzunehmen. Eine lebenslange Medikamentierung ist beispielsweise die Folge. Transsexualität ist und bleibt eine psychische Erkrankung. Warum wird diese nicht behandelt? Warum bestärkt man den Transsexuellen in seiner Krankheit, indem man seine Erkrankung fördert anstatt sie zu behandeln?

Selbstmordrate unter Transsexuellen


Die Selbstmordrate unter um operierten Transsexuellen ist extrem hoch.


Eine repräsentative, bevölkerungsgestützte Studie aus Schweden (2011)

Die Studie kommt zu dem Ergebnis:

Das Risiko für einen Selbstmord war bei den transsexuellen Personen nach der Operation fast zwanzig Mal höher als in der Allgemeinbevölkerung.
Eine „Geschlechtsangleichende“ Operation (Aus biologischer Sicht kann man das Geschlecht nichtwechseln) beseitigt also oftmals dahinter steckende psychische Probleme nicht. Befürworter dieser Operationen werden entgegnen, dass es sich um ein Phänomen  handelt, dass die Umgebung verursacht. Hierfür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Man möge die Selbstmörder doch einmal psychologisch befragen. Fakt ist und bleibt die Tatsache, dass die Selbstmordrate zwanzig Mal höher als in der Allgemeinbevölkerung ist.

Das kritisch zu sehende Magazin queer.de hat im Jahr 2010 festgestellt, dass in den USA 41 Prozent der Transsexuellen bereits versucht haben, sich ihr Leben zu nehmen.


Eine Selbsthilfegruppe Transsexueller sieht alles auf eine eigene Art:

Nach einer Studie der Universität Basel (die ich leider nicht im Original kenne), sollen in der Schweiz 80% der Transsexuellen nach der geschlechtsangleichenden Operation Selbstmord begehen.

80% sind verdammt viele. Es sind viel zu viele.

Ich vermute, sie waren gar nicht transsexuell, wurden jedoch von so genannten Psychologen und Psychiatern in die Transsexualität gezwungen. Dies ist übrigens sogar den deutschen Sexologen aufgefallen. Die zwar auch keine Ahnung von Transsexualität haben, jedoch den Operationszwang stark kritisieren.

Die Schuld wird nicht der eigenen psychischen Erkrankung gegeben, sondern denen, die einen Ausweg für diese Erkrankung suchen.

Drogenmissbrauch als Symptom

Die hohe Selbstmordrate und den Drogenmissbrauch dieses Personenkreises erklärte das Magazin als Folgen aus der Diskriminierung seitens der Bevölkerung. Schaut man genauer hin, sieht man, dass psychische Probleme Transsexuelle zeitlebens begleiten.

Wie erklärt sich das Magazin z. B. die hohe Affinität Homosexueller zu Drogen? Als letztes Beispiel sei der Grünen-Politiker Volker Beck genannt.

Weiter schreibt queer.de:

…Stressfaktoren äußerten sich auch in einer besonders hohen Drogenmissbrauchsquote: So gab mehr als ein Viertel der Befragten an, schon einmal Drogen oder Alkohol als Folge der Diskriminierung missbraucht zu haben.

Selbstmord und Drogenmissbrauch sind keine Anzeichen für einen Gesundheitszustand, den man als akzeptabel beschreiben könnte. Eine Operation zur Simulation des anderen Geschlechts führt dementsprechend nicht zu einer Lösung.

Transsexualität muss als Krankheit anerkannt werden, die man über andere Wege zu heilen versucht. Die Zerstörung gesunder Körper sollte die letzte Möglichkeit sein.

Vom Abnormen zur Normalität
„Transsexualität – Eine psychische Erkrankung wird gesund.“

Transsexualität wird als nicht krank dargestellt. Das ist ein großer Fehler.


Eine Lösung für die Transsexualität besteht nicht in der Zerstörung eines gesunden Körpers.
Eine Darstellung der Krankheit als normal und damit als gesund hilft niemandem. 
Weder der Allgemeinbevölkerung, die eine falsche Wahrnehmung der Krankheit vermittelt bekommt, noch den Betroffenen.
Die Lösung sollte in der Heilung der Psyche gesucht werden


Samstag, 2. April 2016

There are more than two genders // Es gibt mehr als zwei Geschlechter


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Gender in der Biologie

Es gibt mehr als zwei Geschlechter

Nur „weiblich“ und „männlich“ ist zu wenig. Es gibt mehr als zwei Geschlechter. In der Biologie ist das inzwischen anerkannt. 
Die Wissenschaftszeitschrift „Nature“ – sie gehört zu den anerkanntesten in der Disziplin Biologie – veröffentlichte unlängst einen Übersichtsartikel, der gesellschaftliche Gewissheiten auf den Kopf stellt. Biologisches Geschlecht sei nicht einfach in zwei Varianten – „weiblich“ versus „männlich“ aufzuteilen. „Die Annahme, es gebe zwei Geschlechter, ist zu simpel“, erläutert Claire Ainsworth im Artikel „Sex redefined“. Sie fasst damit den Forschungsstand der Biologie zusammen, der von einem größeren Spektrum geschlechtlicher Entwicklungsmöglichkeiten ausgeht.

Kombinationen galten lange als "Störungen"

In der Biologie ist diese Sichtweise nicht so neu. Ganz im Gegenteil: Die Biologie nahm ihren Ausgangspunkt aus der sicheren Überzeugung, dass jeder menschliche Embryo in seiner Entwicklung zunächst das Potenzial habe, sich in weiblicher und in männlicher Richtung zu entwickeln. Es könnten bei den sich entwickelnden Menschen dabei Merkmale weiblichen Geschlechts deutlicher hervortreten oder solche männlichen Geschlechts. Bei anderen Menschen würden Kombinationen auftreten – lange Zeit untersuchte man diese mit den Mitteln der modernen Biologie und Medizin genauer, beschrieb sie aber bald als „Störungen“ und versuchte sie zu vernichten.

Die Furcht vor Ambiguität schwindet

Mittlerweile ändert sich die Perspektive. Auch in den westlichen Gesellschaften verschwindet zunehmend die Furcht vor geschlechtlicher und sexueller Ambiguität, im Sinne von Widersprüchlichkeit und Widerspenstigkeit. In den anderen Weltregionen war die Toleranz gegenüber Ambiguität ohnehin deutlicher ausgeprägt, wie der Leibniz-Preisträger und Arabist Thomas Bauer in seinem Werk „Die Kultur der Ambiguität“ (2011) zeigt. Erst die moderne europäische Wissenschaft nahm auch dort ihr fragwürdig Erscheinendes ins Visier, deutete und tilgte es.
Seit den 1970er/80er Jahren wurden auch in der Biologie die Einwände gegen biologische Modelle strikter geschlechtlicher Zweiteilung wieder deutlicher. Zentrale Denkanstöße gaben Arbeiten feministischer Wissenschaftskritik. Für die Diskussion geschlechtlicher Vielfalt waren hier unter anderem Veröffentlichungen der US-amerikanischen Naturwissenschaftlerinnen Anne Fausto-Sterling und Evelyn Fox Keller bestimmend. Fausto-Sterling publizierte als Extrakt ihrer Untersuchungen 1985 ein Buch, das unter dem Titel „Gefangene des Geschlechts“ kurz darauf auch auf Deutsch erschien. Darin diskutiert sie aktuelle biologische Theorien kritisch – und konfrontiert sie mit gegenläufigen Beobachtungen und Studien. Mit ihren Aufsätzen „Die fünf Geschlechter: Warum männlich und weiblich nicht genug sind“ (Zeitschrift The Sciences, 1993) und „Die fünf Geschlechter erneut betrachtet“ (The Sciences, 2000) legte sie die Grundlage für weiterführende Debatten und bot wissenschaftliche Unterstützung für die Kämpfe der Intersexuellen-Bewegung.

Intersexuelle Menschen galten als Problemfälle

Fausto-Sterling fokussierte in diesen Aufsätzen die vielfältigen geschlechtlichen Ausprägungsformen, die in der biologischen und medizinischen Forschung (und Behandlungspraxis) als „Störungen“ eingeordnet und als behandlungsbedürftig betrachtet wurden, und wandte sich gegen die Einordnung intersexueller Menschen als „Problemfall“. In weiteren Arbeiten wie dem Buch „Sexing the Body“ (2000) sezierte sie biologische Theoriebildung etwa in Bezug auf Geschlechtshormone. Da die als männlich betrachteten Hormone „Androgene“ und die als weiblich betrachteten Hormone „Östrogene“ in allen Menschen vorkommen und wichtige physiologische Funktionen übernehmen, sollten sie nicht als „Geschlechtshormone“ bezeichnet werden, sondern vielmehr als Wachstumshormone, argumentierte Fausto-Sterling.

Chromosomen - Diktatorinnen der Zelle?

Auch lieferte sie kritische Betrachtungen zu Studien, die zeigen wollten, dass Frauen diese und Männer jene Gehirne hätten. Sie diskutierte die Studien für ihre gewählten Methoden und konfrontierte sie mit anderen Ergebnissen. Noch in den 1990er Jahren und zu Beginn der 2000er Jahre erntete Fausto-Sterling für ihre Ansätze Kritik und Auseinandersetzung. Mittlerweile ist anerkannt, dass sie wesentlich zur kritischen Reflexion methodischer und inhaltlicher Setzungen der Biologie beigetragen hat. In der Biologie wurden – und werden oft noch immer – die Proband_innen schon zu Beginn einer Studie in die Gruppen „weiblich“ und „männlich“ aufgeteilt, und diese Einteilung präformiert bereits die Ergebnisse. Regelmäßig wurde dabei die Bedeutung männlichen Geschlechts überhöht. Neu war die Erkenntnis mehrerer Geschlechter aber auch bei Fausto-Sterling nicht mehr. Hingegen hatte etwa Richard Goldschmidt in den 1920er Jahren eine „lückenlose Reihe geschlechtlicher Zwischenstufen“ postuliert, und das nachdem einige Jahre zuvor die für die Geschlechtsbestimmung als wichtig angenommenen Chromosomen X und Y gefunden und benannt worden waren. Was ist in einer Gesellschaft los, die bei Nennung von X- und Y-Chromosom gleich an Zweigeschlechtlichkeit glaubt? Und warum kam Goldschmidt zu einer solch anderen Einordnung? Goldschmidt sah die Chromosomen nicht als „Diktatorinnen“ der Zelle an, vielmehr ordnete er sie in ein komplexes System weiterer wirkender Faktoren ein.

In der Folgezeit wurde aber das Paradigma der Erblichkeit in der Biologie bestimmend. Die Erbsubstanz DNS wurde in der Biologie als Schaltzentrale angenommen, Fördergeld floss in Massen in ihre Untersuchung. Schließlich wurde versucht, für die einzelnen körperlichen und psychischen Merkmale „Gene“ zu finden, die sie codieren sollten, wie bei einer zu entschlüsselnden Geheimschrift. Der Rest der Zelle wurde als nachrangig betrachtet oder gleich gar nicht untersucht. Das galt auch für das Geschlecht. Hier ging man davon aus, dass es ein zentrales Gen für die Ausbildung von Hoden geben müsste oder zumindest ein Gen, das als zentraler Schalter fungierte und die Entwicklung auf „männlich“ schaltete. Diese einfache Sicht wurde für das Geschlecht zunächst auch dann noch aufrechterhalten, als in anderen Forschungsfeldern der Genetik differenziertere Modelle der Regulation und Wirkung von Genen etabliert wurden. Schließlich relativierte das Humangenomprojekt die Bedeutung von Genen. Es zeigte, dass die Spezies Mensch kaum mehr Gene als der unscheinbare Fadenwurm Caenorhabditis elegans hat. Ein diesbezüglich bemerkenswertes Buch stammt von Evelyn Fox Keller: „Das Jahrhundert des Gens“ (deutsch 2001).

X- und Y-Chromosomen kommt bei manchen Säugetieren nicht vor

Seitdem ist auch der Blick auf biologische Geschlechtsentwicklung kritischer geworden. Es werden nun differenzierte Aussagen getroffen, die nicht stets „weiblich“ oder „männlich“ schon in der Untersuchungsfrage voraussetzen. Komplexe Modelle werden für alle Merkmale und „Ebenen“ verfolgt, die in der biologischen Geschlechtsentwicklung Bedeutung haben: Chromosomen; Gene; Regulation der Gene; Hormone; Rezeptoren, an die die Hormone sich anbinden können; Keimdrüsen (Hoden, Eierstöcke, Mischgewebe); innere Genitalien; äußere Genitalien; weitere Bestandteile des Genitaltraktes. So wurden etwa in der Genetik in Modellversuchen an Mäusen mittlerweile ungefähr 1000 Gene als möglicherweise an der Geschlechtsentwicklung beteiligt beschrieben, von denen gerade einmal 80 etwas untersucht sind, durchaus mit widersprüchlichen Befunden. Die allermeisten dieser Gene finden sich im Regelfall nicht auf dem X- oder dem Y-Chromosom. Bei einigen Säugetierarten konnte die Unterscheidung eines X- und Y-Chromosoms überhaupt nicht gezeigt werden.

Gene und DNS sind nur Faktoren in einem komplexen Zusammenspiel

Und nun – nach den ernüchternden Ergebnissen des Humangenomprojekts – werden die Zelle und die weitere Umgebung wieder wichtiger genommen, so wie es Goldschmidts Ansatz war. Galt bis vor wenigen Jahren noch die DNS als heimliche „Diktatorin“ der Zelle, so wird sie nun entthront. Heute heißt es, dass die DNS nicht schon Information beinhalte und die Zelle über Abläufe informieren würde, vielmehr gibt es in der Zelle ein ganzes Netzwerk von Faktoren, die miteinander in Wechselwirkung stehen, sich zusammenlagern und letztlich entscheiden, welches tatsächlich wirksame Produkt hergestellt wird und wie ein Abschnitt der DNS abgelesen, das Produkt verändert und schließlich gefaltet werden muss, damit ein wirksames Produkt entsteht. Kurz gesagt: „Gene“ und DNS sagen eben nicht die Entwicklung eines Organismus beziehungsweise hier eines „Genitaltraktes“ voraus. Vielmehr stellen sie lediglich einen Faktor im komplexen Zusammenspiel von Faktoren der Zelle dar. So zeigte sich für einige Gene, die als bedeutsam für die Geschlechtsentwicklung angenommen werden, dass aus ein und demselben Gen mehr als zwei Dutzend unterschiedliche Produkte gebildet werden, die in der Zelle unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Das einfache Modell der Zweigeschlechtlichkeit hat ausgedient

Claire Ainsworth fasst den Forschungsstand für die Geschlechtsentwicklung nun in ihrem Überblicksartikel zusammen. Es gibt demnach nicht nur zwei Geschlechter. Einen differenzierten Einblick in die Thematik bietet in deutscher Sprache das Buch „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ (Voß 2011). Beiträge von Biolog_innen, die zum Weiterdenken über die Gehirnforschung einladen, sind etwa: „Wie kommt das Geschlecht ins Gehirn?“ (Sigrid Schmitz 2004, online) und „Warum Frauen glauben, sie könnten nicht einparken – und Männer ihnen Recht geben“ (Kirsten Jordan/Claudia Quaiser-Pohl 2007).
Eines scheint dabei gesichert: Das einfache Modell biologischer Zweigeschlechtlichkeit, das sich an der europäischen Geschlechterordnung mit ihrer Zurücksetzung der Frauen orientierte, hat ausgedient.



Intersexed have inborn sexual characteristics that are ambiguous from the perspective of the ruling majority // Intersexuelle haben angeborene Geschlechtsmerkmale, die aus Sicht der herrschenden Mehrheit uneindeutig sind


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Was ist Intersexualität?
Intersexuelle haben angeborene Geschlechtsmerkmale, die aus Sicht der herrschenden Mehrheit uneindeutig sind

Intersexuelle Menschen haben angeborene Geschlechtsmerkmale, die von der herrschenden gesellschaftlichen und medizinischen Norm nicht als eindeutig akzeptiert werden, die also nicht in die Kategorien männlich oder weiblich passen, sei es genetisch, hormonell und oder anatomisch. Manche Intersexuelle bezeichnen sich auch als Hermaphroditen oder Zwitter. Über die Zahl der Intersexuellen gibt es unterschiedliche Schätzungen: Der Verein Intersexuelle Menschen e.V. berichtet von wissenschaftlichen Schätzungen für Deutschland von 80 000 bis 120 000 Intersexuellen. In diesem Kreis gebe es aber 4000 körperliche Varianten. Viele Menschen bemerken ihre Intersexualität erst in der Pubertät.
Manche Intersexuelle fühlen sich von Homo- oder Transaktivisten politisch vereinnahmt
Da Intersexuelle genau wie Homosexuelle oder Transidente von der Norm der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft abweichen, bieten sich politische Bündnisse an. Nicht alle Intersexuellen fühlen sich aber von Homo-Aktivisten angemessen repräsentiert: So kritisiert der Verein Zwischengeschlecht.org, manche Homo- und Transaktivisten würden die Intersexuellen für ihre Zwecke vereinnahmen, etwa beim politischen Ziel der Dekonstruktion von Geschlecht.
Bei Intersexuellen geht es aber nicht um „Lebensformen“ und um „Orientierungen“. Angesichts von erzwungenen Operationen erleiden sie vielfach körperliche wie seelische Schmerzen.  Entsprechend haben sie auch eigene politische Forderungen.
Vor allem fordern intersexuelle Menschen ein Verbot von Operationen an Säuglingen und Kindern 
Intersexuelle in Deutschland fordern vor allem ein Verbot von Operationen oder Hormonbehandlungen an Säuglingen oder Kleinkindern mit uneindeutigen Genitalien. Frühestens wenn eine Person im Jugendalter angekommen ist und die Tragweite der Eingriffe ermessen kann, soll sie sich dazu entschließen können.
Denn wenn die Medizin Intersexualität auch weiter als „Störung“ pathologisiert, haben Intersexuelle meist keine gesundheitlichen Probleme, die operativ behoben werden müssten. Meistens operieren die Ärzte bloß, um die Genitalien an die Norm anzupassen. Dabei wird in Kauf genommen, dass die Zeugungsfähigkeit der Operierten zerstört oder das Lustempfinden beeinträchtigt werden kann. Viele Intersexuelle fühlen sich später verstümmelt und von ihrer eigentlichen Geschlechteridentität entfremdet. Sie leiden ein Leben lang unter den psychischen und physischen Folgen, die finanziellen Kosten für Therapien müssen oft sie selbst tragen.
Schritt in die richtige Richtung: In Deutschland wurde das Personenstandsgesetz geändert
Immerhin gibt es in Deutschland Fortschritte. Seit im Jahr 2013 das Personenstandsgesetz geändert wurde, muss das Geschlecht intersexuelle Säuglinge nicht mehr in das Geburtenregister eingetragen werden. Also besteht jedenfalls kein rechtlicher Grund für Zwangsoperationen an Säuglingen mehr. Aber das neue Gesetz klärt längst nicht alles. So fragt etwa der Verband Intersexuelle Menschen e.V., ob diese Kinder sich dann später für eins der bisher gültigen Geschlechter entscheiden müssen und wann. 
Erst unlängst kritisierte die European Union Agency for Fundamental Rights, dass in vielen europäischen Ländern die Grundrechte von Intersexuellen verletzt werden. Viele EU-Staaten verlangen weiter, dass das Geschlecht „männlich“ oder „weiblich“ bei der Geburt angegeben wird und erzwingen damit Operationen. Als fortschrittlich gilt allein Malta, das als einziges EU-Land Eingriffe an Intersexuellen ohne deren Zustimmung für illegal erklärt.
Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt
Für die Eltern intersexueller Kinder bleibt es in jedem Fall eine große Herausforderung, sich dem gesellschaftlichen Druck zur Anpassung an die Norm nicht zu beugen. Schließlich wollen sie ihr Kind vor der Ausgrenzung schützen. Hier kann nur kompetente Beratung helfen.
Ein optimistisches Zeichen setzt der argentische Film „XXY“ (2007, Regie: Lucia Puenzo). Er zeigt, wie der mit uneindeutigen Genitalien geborene, aber nicht operierte Teenager Alex seine/ihre Identität findet, indem er/sie sich so akzeptiert wie er/sie ist.  


Intersexualität bei Neugeborenen

Erzwungenes Geschlecht

Dessen ungeachtet erlangten Mediziner ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tatsächlich die Expertenstellung, die sie seit Langem gefordert hatten. Dazu trug nicht zuletzt der steile Anstieg der Krankenhausgeburten bei (1930er Jahre 50 Prozent, 1970 fast 100 Prozent). Ärzte konnten dadurch häufiger Intergeschlechtlichkeit gleich bei der Geburt feststellen und die Geschlechtszuweisung vornehmen. Von den 1950/60er Jahren an wurden in den USA, in der BRD und in der DDR sowie in vielen anderen Ländern systematisch Genitaloperationen an Kindern durchgeführt, die das Erscheinungsbild an das männliche respektive weibliche Ideal anpassen sollen, mit dem erklärten Ziel, eine eindeutige Geschlechtsidentitätsentwicklung zu befördern.

In diesem Zusammenhang etablierte sich im deutschen Sprachraum der Ausdruck „Störung der Geschlechtsentwicklung/sexuellen Differenzierung“. Nach der internationalen Nomenklatur ist inzwischen der englische Begriff „Disorders of Sexual Development“ (DSD) gebräuchlich. Beide Begriffe beinhalten, dass intergeschlechtliche Menschen, gemessen an der Norm des männlichen und weiblichen Körpers, nicht in Ordnung seien und legen eine Behandlungsbedürftigkeit nahe.

Der Deutsche Ethikrat spricht weiter von der "Uneindeutigkeit" des Geschlechts

Ein weiteres Problem der internationalen Nomenklatur ist die Absonderung von intergeschlechtlichen Menschen mit „46, XX-DSD“, worunter vor allem Personen mit XX-Chromosomen und Eierstöcken fallen, bei denen ein erheblicher Cortisolmangel zu einer verstärkten Ausschüttung von Androgenen führt („Adrenogenitales Syndrom“, AGS). Bei diesen Personen sei trotz zum Teil ausgeprägter äußerlicher Vermännlichung das Geschlecht eindeutig weiblich. Die Betroffenen würden sich weit überwiegend als weiblich identifizieren und könnten schwanger werden, weshalb feminisierende Genitaloperationen im Kindesalter empfehlenswert seien.

Der Deutsche Ethikrat, der in seiner Stellungnahme von 2012 diese Sichtweise trotz ihm vorliegender kritischer Expertisen unterstützte, definierte solche Operationen bei – aus medizinischer Sicht – „eindeutiger geschlechtlicher Zuordnung“ als „geschlechtsvereindeutigend“. Diese unterschied der Ethikrat von „geschlechtszuordnenden“ Eingriffen, die bei gegebener „Uneindeutigkeit“ des Geschlechts das körperliche Erscheinungsbild als männlich oder weiblich festlegen. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Deutsche Ethikrat von „Eindeutigkeit“ und „Uneindeutigkeit“ des Geschlechts spricht, offenbart, dass er von der Basisannahme ausgeht, dass biologisch zwei klar unterschiedene Geschlechter existieren würden; eine Annahme, für die, wie oben gezeigt, die Medizin keine belastbare Grundlage liefert.

Die jüngsten Entwicklungen zeigen erneut, wie stark die medizinischen Definitionen von Geschlecht von gesellschaftlichen Normen durchdrungen sind. Die Geschichte gibt wenig Grund darauf zu vertrauen, dass die Medizin einsichtig wird und ihre Behandlungsleitlinien radikal ändert. Stattdessen fordern Intersex-Organisationen, dass der Gesetzgeber aktiv wird und ihre Menschenrechte sicherstellt, indem er nicht selbst eingewilligte kosmetische Eingriffe untersagt und eine geschlechtliche Selbstbestimmung ermöglicht.




Freitag, 1. April 2016

Worry what "morality" when we talk about minority? Gedanken mache was ist Moral wenn wir über Minderheit sprechen?

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Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2016

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Worry what "morality" when we talk about minority?


Gedanken mache was ist „Moral“ wenn wir über Minderheit sprechen?


Hallo mal freundlich sage, dabei Gedanken mache was ist „Moral“ wenn wir über Minderheit sprechen?

[von lat. mos, moris: Sitte, Brauch, Gewohnheit, Ordnung]

Grundbestand sittlicher Verhaltensweisen, die bestimmten Wertvorstellungen bzw. Normen verpflichtet sind [moralische Verhaltensweisen].

Als einen "moralischen Menschen" bezeichnet man einen Menschen, der den allgemein anerkannten Wertvorstellungen gemäß lebt.

Die "Moral einer Gesellschaft" meint die gesellschaftlich übliche Praxis im Bereich des Sittlichen, ihr durch Wertvorstellungen bestimmtes Verhalten, ihre Sittlichkeit.

Die Begriffe "moralisch" und "sittlich" werden meistens praxisbezogen gebraucht ["moralisches Verhalten"].
Die Verwendung des Begriffes "ethisch" qualifiziert auch häufig das Verhalten ["ethisch einwandfrei"]. Der Begriff "ethisch" wird mehr auf die reflexive Bemühung bezogen, z.B. "ethische Besinnung", "ethische Frage". Moral und Moralität

Es ist sinnvoll, Moral [= inhaltlicher Grundbestand an Wertvorstellungen] und Moralität zu unterscheiden.
 Moralität meint die Grundlagen, Bedingungen und Prinzipien von Moral, also eben das, was der inhaltlich bestimmten Moral zugrunde liegt [vgl. z.B. auch die Unterscheidung von Musik und Musikalität, Recht und Legalität].

Die Moralität einer Handlung besteht darin, dass sie einer [irgendwie] bestimmten Moral folgt.
Wenn ich nun ehrlich bin, denke ich eine eigentlich gute Erklärung für ein Wort „Moral“ welches bei weitem mehr Bedeutung hat als dieses was wir annehmen!

Gestern war der Tag der Sichtbarkeit für eine große Minderheit, diese der „Transgender“, man weiß Transgender ist nicht eine Gruppe sondern das Wort wird benutzt für viele kleine Gruppierungen wie Homosexuelle also Schwul , Lesbisch, Transidentische Menschen auch Intersexuelle usw.
Gestern laß ich in einer Gruppe das es viele Worte gibt, welche wo möglich alle dasselbe Ausdrücken möchten, fast ein Streit, für mich Überflüssig.

In diesem Moment ist die Debatte über Gesetze in der USA welche die Benutzung der Toiletten regeln soll!
Regelungen welche von den Politikern der Bundesstatten gemacht wurden auch Verabschiedet unter dem Vorwand man muss die Moral wahren!

Jedoch konnte ich auch lesen in dieser Gruppe von Aktivisten, das keiner dieser Politiker sich je mit einem dieser Minderheit auseinander gesetzt hat, heißt die Verordnung lautet, jeder Mensch muss nach dem Geburtseintrag die Toilette benutzen!

Was jedoch außen vor gelassen wurde ist das es Menschen gibt wie Intersexuelle oder Transsexuelle welche sich erst nach der Pubertät in Ihrem Körper gefunden haben, oder im Fall von Intersexualität in keiner weiße berücksichtigt werden, da in den Fällen von Intersexualität meist die Medizin bestimmt, ob es dann richtig oder eine falsche Geschlechtsbestimmung ist wird nicht hinter fragt!

In der USA gibt ein Waffen-Gesetz welches jedem Bürger erlaubt Waffen zu tragen, es gibt einen großen versteckten Rassismus Schwarz gegen Weis welcher mit schadensheiligen  Gesetzen umgesetzt wird, wie ich zu dieser Behauptung gelange, nun jeder 5 Mann in der USA ist oder war im Gefängnis!

Eine der größten Industrien ist der Strafvollzug, ganze Städte werden errichtet um Gefängnisse und 80% der Bevölkerung leben von diesen Einrichtungen!

In meinem Blog habe ich ein Bild mehr Mals dazu benutzt auf Tatsachen aufmerksam zu machen, der Text lautet:

Politiker sind wie Tauben! Wenn Sie unten sind, fressen Sie den Bürgern aus der Hand! Sind Sie einmal oben, „ gewählt“ scheißen Sie auf das Volk!!!

Das meine Damen und Herren passiert gerade in diesen beiden Staaten der USA, die Ausrede ist die Moral des Volkes!

Auf gut Deutsch übersetzt heißt es, jegliche Minderheit von Transgendern ist praktisch ein Lebewesen was keine „Moral „ besitzt!

Die Politiker müssen es also Regeln, eine Regelung welche zu Mord und Totschlag führen wird!
Denn stellen wir uns vor, ein Transsexueller Mann bzw. Frau benutzt nach abgeschlossener Behandlung also mit Geschlechtsangleichung die eigentlich normale Toilette, ist dieses per Gesetz in diesem Fall verboten!
Eine Transsexuelle Frau welche nach Behandlung jetzt ein Mann ist, geht Vollbärtig mit einem Muskelbepackten Körper auf die Damen-Toilette, es sind Frauen auf dieser Toilette, was passiert?

Die ganz normale Reaktion ist doch, das ist ein Spanner ein Vergewaltiger es ist ein Abschaum der Gesellschaft, ein großes Geschrei eine große Verwirrung der Ehemann wartet auf seine Frau im Auto, hört das alles greift zur Waffe und nimmt sich das Recht seine Ehefrau zu verteidigen, mit der Waffe!

Diese Transsexuelle Frau welche nach jeglicher Behandlung ein vollwertiger Mann ist wird erschossen, was dann wer trägt die Schuld?

Ist dieses die Moral von welcher diese Politiker hier reden?

Verbleibe mit freundlichen Grüßen
Nikita Noemi Rothenbächer 

Das Menschliche

Und Sie wissen nicht, mit was Sie es zutun haben! Doch diese bekommen euch, ein Fakt!

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