Samstag, 11. November 2017

Intersexuell wird die neue Normalität /// Intersex becomes the new normal


Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2017
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Intersexuell wird die neue Normalität

In den USA wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Landes das Geschlecht in einer Geburtsurkunde in „intersexuell“ geändert. Die 55-Jährige Sara Kelly Keenan musste jahrelang dafür kämpfen.
Sara Kelly Keenan wurde vor 55 Jahren in einem Krankenhaus im New Yorker Stadtteil Brooklyn als Junge geboren. Und als Mädchen. Sie hat männliche Gene, weibliche Genitalien und von beiden Geschlechtern Teile der Fortpflanzungsorgane. Früher nannte die Gesellschaft diese Personen verächtlich Zwitter. Heute werden sie als intersexuell bezeichnet. Ein Begriff, der ein drittes Geschlecht beschreiben soll.

Keenan wusste lange nicht, dass sie anders war, auch wenn sie es innerlich immer spürte. Ihre Ärzte hatten es ihr jahrelang verschwiegen oder auf ihre kritischen Fragen ausweichend und mit Lügen geantwortet. Selbst ihre Adoptiveltern hatten keine Ahnung. Das Waisenhaus, in dem Keenan die ersten fünf Monate ihres Lebens verbringen musste, schrieb in die Papiere des Babys zunächst „Junge“, bevor es das Geschlecht nach drei Wochen in „weiblich“ änderte. Den neuen Eltern aus Long Island verriet man das allerdings nicht.

Für die Anerkennung reicht heute ein ärztliches Attest

„Mein Leben war lange voller Lügen und Betrug“, sagt Kennan in einem Gespräch mit der „Welt“. „Mehr als 40 Jahre wusste ich nicht, dass ich intersexuell war.“ Als die heute 55-jährige Frau aus Kalifornien ihre ganze Wahrheit herausfand, kämpfte sie auch für eine offizielle Anerkennung. Mit Erfolg. Im vergangenen Monat änderten die New Yorker Gesundheitsbehörden ihre Geburtsurkunde von „weiblich“ in „intersexuell“. Keenan ist damit die Erste, die in Amerika auch offiziell ein drittes Geschlecht zugeordnet bekam. „Mit einem ärztlichen Attest kann jeder bei uns einen Antrag stellen, um sein Geschlecht zu ändern“, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörden von New York, Julien Martinez.

„Es war ein wundervolles und motivierendes Gefühl, als ich meine neue Geburtsurkunde in der Post fand und zum ersten Mal das Wort ‚intersexuell‘ lesen konnte“, sagt Keenan. Ab sofort sei das Geschlecht eines Menschen nicht mehr nur „männlich oder weiblich“. Es gebe jetzt auch noch eine dritte Definition dafür, wie man geboren wurde. Keenan bevorzugt als Personalpronomen aber weiterhin das weibliche Sie: „Ich bin mittlerweile alt und mein ganzes Leben daran gewöhnt.“

Ein Baby von 1500 ist weder Junge noch Mädchen

Auf wie viele Menschen die neue Geschlechtsbezeichnung intersexuell zutrifft, ist unklar. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Baby unter 1500 weder eindeutig als Junge oder Mädchen geboren wird. Keenan glaubt, dass die Zahl noch höher liegen könnte. Viele wüssten es gar nicht. Andere ahnen es, wollten es aber nicht wahrhaben. Und dann gebe es die Babys, die „umoperiert“ würden, damit man sie eindeutig zuordnen könne. Früher sei das weltweit gängige Praxis gewesen, die auch noch heute regelmäßig durchgeführt werde.
„Viele Babys wurden und werden noch immer dadurch verstümmelt“, sagt Keenan.

„Die Menschenrechtsorganisation der Vereinten Nationen hat das als Genitalverstümmelung und Folter am Menschen verurteilt.“ Keenan gibt aber zu, dass einige Operationen notwendig sind, wenn das Baby kein funktionierendes Harnsystem und Probleme beim Urinieren hat. „Die meisten Eingriffe sind aber völlig unnötig und werden ohne Einwilligung des Patienten durchgeführt“, sagt Keenan. „Warum lässt man diese Kinder nicht entscheiden, wenn sie älter sind und über ihren Körper selbst bestimmen können?“ Die Anerkennung des dritten Geschlechts intersexuell könnte diesen Menschen jetzt helfen.

Keenan selbst weiß nicht, ob auch sie nach der Geburt operiert wurde. „Ich habe keinen offiziellen medizinischen Report, aber auch keine Narben, die das belegen könnten“, sagt sie. In ihrer Geburtsklinik in Brooklyn, die mittlerweile geschlossen wurde, gab es ein Feuer, bei dem ihre Unterlagen verbrannten. Und ihre biologischen Eltern konnte sie nicht fragen, sie hat sie nie persönlich kennengelernt: „Ich bin das Kind einer heimlichen Affäre zwischen einem verheirateten Bankchef und seiner alleinstehenden Angestellten.“

Der Vater wollte sein Kind nicht zum Sohn machen

Keenan weiß aber, dass die Ärzte ihrem Adoptivvater angeboten hatten, seine Tochter zum Jungen zu machen. „Sie wollten einen Penis rekonstruieren und mir Hormone geben, um mich männlich zu machen.“ Ihr Vater, der ihr das erst vor fünf Jahren auf dem Sterbebett gestanden hatte, lehnte ab. „Sara ist meine Tochter und ein Mädchen“, soll er den Chirurgen gesagt haben. Es war das erste Mal, dass er davon erfuhr, dass seine Tochter nicht eindeutig weiblich ist.

Damals war Keenan in der neunten Klasse und bereits 1,82 Meter groß. Und sie wollte unbedingt ein Junge sein. „Ich hatte bis dahin nie mit Puppen gespielt“, erinnert sie sich an die Zeit, als sie 15 war. Sie habe sich wie ein typischer Junge verhalten: „Ich habe mit anderen gerauft und wollte zu den Pfandfindern gehen.“ Ihre Eltern dagegen steckten sie lieber in eine Mädchengruppe, was sie gar nicht interessierte.

„Damals habe ich meinen Körper gehasst“, erzählt Keenan, die aufgrund fehlender Hormonbildung keine Anzeichen von Pubertät zeigte. Es war die Zeit, als sie auch an Selbstmord dachte. „Ich habe mein ganzes Leben gehasst, glaubte, verflucht zu sein, und sah keine Hoffnung für mich.“ Nur die katholische Erziehung ihrer Adoptiveltern habe sie von dem fatalen Schritt abgehalten. „Ich wollte nie in der Hölle schmoren“, lacht Keenan heute über diese Selbstmordgedanken.

Von den Ärzten fühlte sie sich angelogen – mehrmals

Ein Jahr später, mit 16 Jahren, musste sie sich dann doch wegen des Ausbleibens der Pubertät einer Operation unterziehen und eine Hormontherapie machen. „Die Ärzte sagten mir, dass sie Gewebe von unterentwickelten Eierstöcken entfernen müssten“, erzählt Keenan. Die Wahrheit war das wohl nicht. Heute wisse sie, dass es vermutlich Überreste von Hodengewebe war. Nach dem Eingriff versicherten ihr die Ärzte, dass sie „zu 100 Prozent ein Mädchen“ sei, das nur keine Hormone produzieren könne. „Das war eine weitere Lüge in meinem Leben“, sagt Keenan. Auch ihre Adoptivmutter müsse das gewusst haben, gesagt habe sie nichts. Sie starb drei Jahre nach dem Eingriff an Lungenkrebs.

Die ganze Wahrheit über ihr Geschlecht erfuhr Keenan, die immer geahnt hatte, dass mit ihr etwas anders ist, erst kurz vor ihrem 50. Geburtstag – nach einer Internetrecherche und einem Gentest. Ihr Mann, mit dem sie heute seit 29 Jahren glücklich verheiratet ist, hatte sie dazu ermutigt. „Es hat ihn nie gestört, als ich herausfand, dass mein Geschlecht intersexuell ist“, sagt Keenan, die als Lebens- und Diät-Coach arbeitet. Kennan war selbst lange Zeit mit mehr als drei Zentnern übergewichtig. „Ich wollte meinen nicht perfekten Körper hinter dem Fett verstecken.“

„Intersexuelle Menschen werden heute besser behandelt als noch im vergangenen Jahrhundert“, sagt die 1,90 Meter große Keenan. Die Gesellschaft habe sich in vielen Bereichen weiterentwickelt. Bis zur vollen Anerkennung des dritten Geschlechts wird es aber noch länger dauern. In den USA ist Kalifornien am fortschrittlichsten. Dort sollen bereits im kommenden Jahr Führerscheine mit „X“, dem Zeichen für intersexuell, ausgestellt werden. Bei Reisepässen sträube sich noch das Außenministerium. „Dennoch, es ist ein Anfang“, sagt Keenan. Auch in Oregon werde über das Thema diskutiert. Und hoffentlich bald auch in allen anderen Bundesstaaten. „Intersexuell“, sagt Keenan, „wird die neue Normalität.“





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Abolition of men and women would simplify much! Or? Abschaffung von Mann und Frau würde vieles vereinfachen!


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Abschaffung von  Mann  und Frau würde vieles vereinfachen!


Das Bundesverfassungsgericht will ein drittes Geschlecht im Geburtenregister. Ein Unterstützer dieser Forderung – selbst männlich – erklärt, auf welche Schwierigkeiten intersexuelle Menschen stoßen.
Intersexuelle Menschen stoßen nahezu jeden Tag auf Probleme, selbst bei so gewöhnlichen Dingen wie Fragebögen. „Oft scheitere ich schon an Frage Nummer zwei. Ich soll mich entscheiden: ,Frau‘ oder ,Mann‘“ – so erklärt Vanja die Entstehung der Initiative „Dritte Option“. Vanja ist 27 Jahre alt, stammt aus Leipzig und wuchs als Mädchen auf – bis in der Pubertät festgestellt wurde, dass Vanjas Genom jenes zweite Chromosom fehlt, welches das Geschlecht festlegt: Vanja ist intersexuell. Mit anderen Betroffenen gründete Vanja 2013 eine Kampagne, um einen anderen Eintrag als „männlich“ oder „weiblich“ im Geburtenregister durchzusetzen, und beantragte ein Jahr später beim Standesamt den Eintrag „inter/diverse“.

Als der Antrag gerichtlich abgewiesen wurde, legten 2016 rund 100 Menschen gemeinsam mit Vanja Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Zu den Unterstützern der Initiative zählen auch Menschen, die nicht intersexuell sind – so wie „Dritte Option“-Sprecher Moritz Schmidt.

DIE WELT: Seit fünf Jahren setzt sich Ihre Initiative „Dritte Option“ für einen eigenen Geburtenregistereintrag für intersexuelle Menschen ein. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht Ihre Forderung aufgegriffen. Wie geht es Ihnen mit diesem Etappensieg?
Moritz Schmidt: Als wir morgens um halb neun von dem Beschluss erfahren haben, waren wir erst einmal sprachlos. Auch deshalb, weil das Bundesverfassungsgericht nicht nur in unserem Sinne entschieden hat, sondern dabei auch komplett unserer Argumentation gefolgt ist. Was den Etappensieg angeht: Den werden wir jetzt feiern – aber unsere Arbeit ist ohnehin erst mal erledigt. Natürlich muss man weiter für die Rechte von intersexuellen Menschen kämpfen, um ihre Situation zu verbessern – allein die der intersexuellen Kleinkinder, die immer noch zum Mädchen oder zum Jungen umoperiert werden. Da ist noch jede Menge Arbeit und Aufklärung zu leisten. Aber unser primäres Anliegen war die Einführung einer dritten Option bei der Geschlechtsangabe, und damit haben wir nun Erfolg.

DIE WELT: Manchen geht die Einführung dieser dritten Option noch nicht weit genug; sie fordern eine generelle Abschaffung der Kategorien männlich/weiblich. Wie stehen Sie dazu?

Schmidt: Das hat auch das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss so formuliert: Es muss nicht zwingend ein dritter Eintrag geschaffen werden. Der Gesetzgeber könnte stattdessen auch auf einen personenstandsrechtlichen Geschlechtseintrag generell verzichten. Nur lassen sich die Geschlechterkategorien per se juristisch nicht anfechten. Das heißt, wir konnten darauf klagen, dass es einen persönlichen Eintrag für Intersexuelle geben muss – nicht aber, dass es die Einträge „Mann“ oder „Frau“ nicht mehr geben soll. Für uns als Initiative wäre Letzteres aber durchaus eine Option, die vieles vereinfachen würde.
DIE WELT: Woran denken Sie da konkret?

Schmidt: Unsere Gesellschaft ist immer noch binär konstruiert. Intersexuelle Personen wie Vanja werden oft überhaupt nicht wahrgenommen, verleugnet oder unsichtbar gemacht; sie müssen sich immerzu erklären. Das fängt an bei den bösen Blicken, wenn sie in der Öffentlichkeit eine Toilette wählen, die nicht dem gesellschaftlichen Bild von ihnen entspricht, bis hin zu indiskreten Fragen, die ihnen gestellt werden: Wie denn ihr Körper im Detail aussehe? Welche Chromosomen sie hätten? Wen sie sexuell begehrten? Natürlich hilft ein Urteil nur bedingt gegen diese Diskriminierung; im Alltag fragt ja niemand danach, was im Reisepass steht. Aber für uns hat die dritte Option eine wichtige Signalwirkung, sie ist ein Baustein hin zu einer offeneren Gesellschaft.

DIE WELT: Da aber nun niemand nach dem Reisepass fragt: Was müsste sich Ihrer Meinung nach im Alltag ändern – außer der flächendeckenden Einführung von Unisex-Toiletten?

Schmidt: Intersexuelle Menschen werden ständig diskriminiert, nicht nur beim Gang zur Toilette. Deswegen ist die Forderung des Bundesverfassungsgerichts für uns ja so ein großer Erfolg – weil sie Folgeregelungen nach sich ziehen wird, die man bis jetzt gar nicht auf dem Schirm hatte. Was ist etwa mit geschlechtergetrenntem Sportunterricht? Mit getrennten Umkleidekabinen und Duschen in Schwimmbädern? Was ist mit der Elternschaft, bei der Festlegung von Vater und Mutter? Ich bin guter Dinge, dass sich nach dem heutigen Tag auch in diesen Bereichen viel tun wird.





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Das dritte Geschlecht - eine Revolution /// The third gender - a revolution!


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Das dritte Geschlecht - eine Revolution   ///   The third gender - a revolution!


Das Bundesverfassungsgericht beendet die bloße Mann-Frau-Betrachtung der Geschlechtlichkeit im deutschen Recht. Das ist ein historischer Spruch.

The Federal Constitutional Court terminates the mere husband-wife-contemplation of sexuality in German law. This is a historical saying.

Der biblischen Schöpfungsgeschichte zufolge hat Gott die Menschen ausschließlich als Mann und Frau geschaffen. Aber das stimmt so nicht ganz - weil es nun einmal seit jeher Menschen gibt, die männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale haben. Selbst sehr religiöse Menschen werden nicht leugnen wollen, dass auch die Intersexuellen Geschöpfe Gottes sind. Fundamentalisten werden gleichwohl den Karlsruher Beschluss, der die Intersexualität als drittes Geschlecht anerkennt, heftig attackieren. Sie hätten es lieber, die Intersexuellen würden gezwungen, sich einem dieser beiden Geschlechter anzupassen, wie das seit jeher der Fall war. Das Bundesverfassungsgericht verlässt diesen Weg endgültig und grundsätzlich. Es erkennt ein drittes Geschlecht an.
Das Bundesverfassungsgericht hat schon viele Entscheidungen getroffen, die als außerordentlich oder spektakulär, als bahnbrechend oder bewusstseinsprägend gelten. Der Karlsruher Beschluss, mit dem ein drittes Geschlecht ausdrücklich anerkannt wird, verdient jede dieser Beschreibungen: Dieser Beschluss ist außerordentlich und spektakulär und bahnbrechend und wohl auch bewusstseinsprägend. Dieser Beschluss stellt mit verfassungsrechtlicher Kraft fest, dass es nicht nur Männer und Frauen, sondern auch ein drittes, ein unbestimmtes Geschlecht gibt - und dass dieses dritte Geschlecht von der gesamten Rechtsordnung anerkannt und respektiert werden muss. Damit ist die bloße Mann-Frau-Betrachtung der Geschlechtlichkeit jedenfalls im deutschen Recht zu Ende. Das ist eine juristische und gesellschaftspolitische Revolution.

Die mentale Binarität muss aufgebrochen werden
Sie hat Auswirkungen, die auf die Schnelle gar nicht überschaubar sind. Zunächst muss das Personenstandsgesetz geändert werden: Danach war es bisher in den amtlichen Registern so, dass entweder "m" für männlich oder "f" für weiblich oder aber - so galt es seit einer Gesetzesänderung zum 1. November 2013 - gar nichts eingetragen wurde. "Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche rechtliche Angabe in das Geburtenregister einzutragen". So lautete der einschlägige Paragraf seit vier Jahren. Diese Leerstelle genügt dem Bundesverfassungsgericht nicht; es will, dass ein drittes Geschlecht positiv, also ausdrücklich, einzutragen ist - die gesetzlichen Änderungen dafür müssen bis Jahresende vorgenommen werden.

Das allein wird nicht genügen. Die gesamte Rechtsordnung, auch noch die sogenannte Ehe für alle, ist bisher auf binäre Geschlechtlichkeit ausgerichtet - Mann/Frau, Frau/Frau, Mann/Mann. Dass ein Mensch mit unbestimmten Geschlechtsmerkmalen mit einem anderen Menschen mit unbestimmten Geschlechtsmerkmalen eine Ehe eingehen darf - das zum Beispiel ist bisher nicht ausdrücklich geregelt; vieles andere auch nicht. Die bisherige sprachliche Zweigeschlechtlichkeit der Rechtsordnung muss reformiert und die mentale Binarität aufgebrochen werden. Ersteres wird leichter sein als Letzteres. Das geht hinein bis in die Anrede: "Meine sehr verehrten Damen und Herren" - das ist künftig eigentlich keine ausreichende Begrüßung mehr. Wenn es nun ein drittes Geschlecht gibt, wird man vielleicht "Liebe Leute" sagen müssen - oder sich ganz neue Formeln überlegen müssen.
Intersexuell sind Menschen mit nicht eindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen, früher hat man von Hermaphroditen gesprochen. Diese Intersexualität ist von der Transsexualität zu unterscheiden: Transsexuell sind Menschen, die körperlich eindeutig zum männlichen oder weiblichen Geschlecht gehören, sich aber als Angehörige des anderen Geschlechts fühlen und als solche anerkannt werden wollen. Für sie gibt es das Transsexuellen-Gesetz, das dies und die Voraussetzungen für eine juristische Geschlechtsanpassung zu regeln versucht. Es geht um das gefühlte, um das empfundene und gelebte Geschlecht. Bei Intersexuellen gibt es diese gefühlte Eindeutigkeit nicht. Das Bundesverfassungsgericht will es diesen Menschen nicht nur ersparen, sich eindeutig zu einem Geschlecht bekennen zu müssen - es anerkennt ihre Uneindeutigkeit ausdrücklich als drittes Geschlecht.

Das ist ein historischer Spruch. Vorderhand fügt er sich ein in eine lange Reihe von Entscheidungen, in denen Karlsruhe die Rechte von Minderheiten anerkannt und ausgebaut hat: von Strafgefangenen, von Pazifisten, von Homo- und Transsexuellen, von nichtehelichen Kindern, den Armen in dieser Gesellschaft. Karlsruhe hat ihre Rechte gestärkt. Aber die Entscheidung zur Intersexualität geht über die Stärkung der Rechte einer kleinen Minderheit hinaus. Das Gericht sagt: Es gehört zur eigenen Identitätsstiftung der Intersexuellen, dass sie nicht als geschlechtliches Nullum behandelt, sondern in ihrer geschlechtlichen Identität ernst genommen und anerkannt werden. Die Nichtanerkennung des intersexuellen Geschlechts, so sagen die höchsten Richter, stelle eine Diskriminierung dieser Menschen dar. Das ist eine richtige, wichtige Entscheidung.
Der Erste Senat weist den Gesetzgeber darauf hin, dass er auch darauf verzichten könnte, am Geschlecht als wesentlichem Merkmal für den Personenstand weiter festzuhalten. Dies ist in der Logik der Entscheidung konsequent. Aber es wird sich wohl noch lange an der Wirklichkeit reiben - denn die Einteilung in Mann oder Frau ist eine, die nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt gängig ist und bisher als Anknüpfungspunkt für spezifische Rechte dient.

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist in einer Welt, die zunehmend illiberaler wird, ein Höhepunkt an aufgeklärter Liberalität.





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Donnerstag, 2. November 2017

Court stops Trump's trans ban in the military A federal judge largely dismissed an order to exclude transsexual and transgender soldiers - and clearly criticized the government in its ruling. /// Gericht stoppt Trumps Trans-Verbot im Militär


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Court stops Trump's trans ban in the military A federal judge largely dismissed an order to exclude transsexual and transgender soldiers - and clearly criticized the government in its ruling.


Gericht stoppt Trumps Trans-Verbot im Militär

Eine Bundesrichterin hob eine Anordnung zum Ausschluss von transsexuellen und transgender Soldaten größtenteils auf – und kritisierte die Regierung in ihrem Urteil deutlich.
Ein US-Bundesgericht hat am Montag ein von US-Präsident Donald Trump verkündetes Verbot von transsexuellen Soldaten im US-Militär vorerst zurückgenommen. Die verkündeten Richtlinien beruhten "nicht glaubhaft auf berechtigte Bedenken hinsichtlich der militärischen Wirksamkeit oder Budgetbeschränkungen", sondern seien "stattdessen von dem Wunsch geleitet, generell eine Missbilligung von Transgender-Personen zu bekunden", betonte die Richterin Colleen Kollar-Kotelly vom United States District Court des Hauptstadtbezirks in Washington.

Transsexuelle Angehörige der Streitkräfte, die gegen das Verbot geklagt haben, hätten gute Chancen, die Klagen zu gewinnen, schrieb die Richterin laut der Agentur AP, die deshalb die Umsetzung der Richtlinie per Erlass stoppte, bis deren (Un-)Rechtmäßigkeit abschließend von der Justiz geklärt ist. Den ersten Medienberichten zufolge bleibt allerdings ein Verbot bestehen, die Kosten für operative Geschlechtsangleichungen und ähnliche Prozeduren zu übernehmen. Ansonsten gelte der Status Quo, wie er vor der Ankündigung des Verbots durch Trump bestanden habe.

In dem 76-seitigen Urteil meinte die Richterin, aufgrund mehrerer Faktoren – "darunter die schiere Breite des von den Richtlinien angeordneten Ausschlusses, die ungewöhnlichen Umstände, die mit der Ankündigung des Präsidenten zusammenhängen, die Tatsache, dass die Gründe dafür nicht durch Tatsachen gestützt zu sein scheinen, und die jüngste Ablehnung dieser Gründe durch das Militär selbst" – sei mit einer Niederlage der Regierung zu rechnen. Die Argumente für das Verbot erschienen ihr überwiegend "hypothetisch und extrem ausgeweitet", so die Richterin, und seien durch Studien und Aussagen des Militärs bereits größtenteils widerlegt.

Die Klage in dem Verfahren, eines von mehreren, hatten die Gruppen National Center for Lesbian Rights (NCLR) und GLBTQ Legal Advocates & Defenders (GLAD) im August im Namen von sechs Militärangehörigen und zwei Rekruten eingereicht. Die Regierung hatte eine Abweisung verlangt, da die Richtlinien noch nicht in Kraft seien – die Richterin betonte, dass dieser Schritt zwangsläufig folgen und die Kläger betreffen werde. Das gelte in den vorliegenden Fällen allerdings nicht in der Frage der Finanzierung von Geschlechtsangleichungen.

Ausgrenzung via Twitter

Trump hatte das Trans-Verbot im Militär Ende Juli via Twitter angekündigt: "Nach Konsultationen mit meinen Generälen und Militärexperten weisen wir darauf hin, dass die US-Regierung weder akzeptieren noch zulassen wird, dass Transgender-Personen in irgendeiner Funktion in der US-Armee dienen", so Trump damals.
Er begründete den Schritt mit "enormen medizinischen Kosten" und "Störungen" im Ablauf des Militärs, die die Transpersonen mit sich brächten. Die Streitkräfte müssten sich "auf den endgültigen und überwältigenden Sieg konzentrieren". Die Führungen der unterschiedlichen Streitkräfte hatten sich von der Ankündigung allerdings überrascht gezeigt und angekündigt, an der aktuellen Praxis zunächst nichts zu ändern.

Bis Februar sollten Richtlinien folgen

Im August hatte Trump dann die Ankündigung in einem Memorandum an das Verteidigungsministerium konkret gemacht (queer.de berichtete). Es hebt eine von der Obama-Regierung im letzten Sommer verkündete Aufhebung des bisherigen Verbots für transsexuelle und transgender Personen, in den Streitkräften zu dienen, wieder auf. Damit ist zunächst ein Einstellungsstopp verbunden, der nach dem Obama-Erlass eigentlich zum 1. Juli diesen Jahres aufgehoben werden sollte.

Zudem sollte Verteidigungsminister James Mattis bis zum 21. Februar 2018 konkrete Richtlinien zum Umgang mit dienenden transsexuellen und transgender Soldaten sowie Reservisten erlassen. Den – unterschiedlichen Schätzungen nach 2.000 bis 15.000 – Betroffenen, die sich teilweise nach Obamas Ankündigung geoutet hatten, droht Entlassung oder eine Versetzung.

Auch hatte Trump erlassen, dass die Armee nicht mehr für geschlechtsangleichende Operationen und ähnliche medizinische Leistungen aufkommt, solange diese nicht bereits begonnen wurden – entsprechende Ausgaben lagen zuletzt jährlich zwischen 2,4 und 8,4 Millionen US Dollar, während die Armee allein 84 Millionen für Potenzmittel wie Viagra für Soldaten, Reservisten und Veteranen ausgab.

Mattis hatte danach angekündigt, eine Expertenkommission zur Erarbeitung der Richtlinien einzusetzen (queer.de berichtete). Eine Zustimmung des Parlaments ist für alle geplanten Schritte nicht notwendig.




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Sonntag, 29. Oktober 2017

The struggle for the sex 2.5 million Germans convert man and woman into Niemandsland. And from this Niemandsland they want to get out. They want recognition. This is about the importance of interpretation, language regulation and truth. They fight with astonishing brutality, with hostilities, extermination campaigns, and Shitstorms.

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Der Kampf um das Geschlecht

2,5 Millionen Deutsche wandeln im Niemandsland zwischen Mann- und Frausein. Und aus diesem Niemandsland wollen sie raus. Sie wollen Anerkennung. Dabei geht es um Deutungshoheit, Sprachregelungen und um Wahrheit. Gekämpft wird mit erstaunlicher Brutalität, mit Anfeindungen, Vernichtungsfeldzügen und Shitstorms. 

The struggle for the sex
2.5 million Germans convert man and woman into Niemandsland. And from this Niemandsland they want to get out. They want recognition. This is about the importance of interpretation, language regulation and truth. They fight with astonishing brutality, with hostilities, extermination campaigns, and Shitstorms.

Die Signale in der angesagten Bar Silver Future in Berlin-Kreuzberg sind klar: An der einen Wand ein Porträt von Audrey Hepburn – mit Schnauzbart. An der anderen ein Bild von Superman – mit voluminösen Brüsten. Hinter dem Tresen das Schild: "Congratulations. You are leaving the heteronormative Sector." Man verlässt hier also den heteronormativen Sektor und wird dazu beglückwünscht.


"Heteronormativ", das lernt schnell, wer in die Szene eintaucht, ist ein Kampfbegriff. "Heteronormativ" ist ein permanenter Vorwurf an die Welt jenseits von Orten wie Silver Future, an jene überkommene Gesellschaft da draußen, die die Menschheit noch in Mann und Frau einteilt und zur Norm erklärt, dass Männlein sich mit Weiblein paart. Ihr gegenüber stehen die, die anders leben wollen. Sie fassen sich im sperrigen Akronym LGBTIQ zusammen: also Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queere. Lange Zeit forderten sie vor allem die Akzeptanz der homosexuellen Liebe. Nun – nachdem dieses Ziel so wie gut erreicht ist – hat sich ihr Streben weiterentwickelt: Sie bestehen auf dem Recht, sich gar nicht mehr auf ein Geschlecht festlegen lassen zu müssen.

Laut der groß angelegten ZEIT- Vermächtnis-Studie von 2016 wandeln 3,3 Prozent der deutschen Bevölkerung in einem Niemandsland zwischen Mann- und Frausein. Entweder weil sie heute ein anderes Geschlecht haben als bei ihrer Geburt oder weil sie sich weder mit dem Attribut weiblich noch männlich identifizieren. 3,3 Prozent der Deutschen: Das sind knapp 2,5 Millionen, so viel wie alle Einwohner der Großstädte München und Köln zusammen. Menschen, die die Öffentlichkeit lange kaum wahrnahm, drängen nun mit aller Macht auf Anerkennung. Nicht nur hierzulande, sondern in allen Ländern der westlichen Welt.
Erhebliches Aufsehen erregten sie vor allem mit der Toilettenproblematik oder dem bathroom war, wie die Debatte in den USA mittlerweile genannt wird. Dabei geht es – für Einsteiger ins Thema – darum, ob in öffentlichen Gebäuden Toiletten für Menschen vorgehalten werden sollten, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen. Oder ob man nur noch "Unisex-Klos" für alle Geschlechter braucht.
Berlin, dessen rot-rot-grüne Regierung im Koalitionsvertrag verspricht, die Stadt zur Regenbogenhauptstadt zu machen, prüft gerade die Einrichtung solcher Toiletten. Die Gegner des Plans greifen sich an den Kopf: Hat die Hauptstadt keine anderen Probleme? Als eine seiner letzten Amtshandlungen verschickte Präsident Barack Obama die Anordnung an alle Schulen, jedes Kind dürfe von nun an die Toilette seiner Wahl benutzen, auch wenn Pass oder Körperbeschaffenheit ein anderes Geschlecht nahelegten. Dies war eine der ersten Regelungen, die Donald Trump kippte. Er ist ein heteronormativer Politiker, keine Frage.

Der Toilettenstreit wirkt bizarr, ist aber Symptom einer weitaus grundsätzlicheren Auseinandersetzung. Wer die Frontlinien abschreitet, merkt: Es geht um die Frage, ob die Zweiteilung in die ewigen Menschheitskategorien Mann und Frau künftig obsolet wird. Aber wer befindet über deren Abschaffung? Die Minderheit, die sich diskriminiert fühlt? Oder die Mehrheit, die darauf beharrt, dass das Schema für die allermeisten Menschen immer noch passt?

Es geht um Deutungshoheit, um Sprachregelungen, um Wahrheit. Gekämpft wird mit erstaunlicher Brutalität, mit Anfeindungen, Vernichtungsfeldzügen und Shitstorms. Die Sache mit dem Geschlecht ist womöglich eins der am verbissensten geführten ideologischen Gefechte der Gegenwart.

Beginnen wir mit der biologischen Grundlage, am besten an der Hochschule Merseburg, in einem Wissenschaftlerbüro, 20 Gehminuten von der Innenstadt, aber deutlich weiter vom gesellschaftlichen Konsens entfernt. Professor Heinz-Jürgen Voss, Ende 30, schwul, schwarzes Shirt, schwarze Wolljacke, hat sich Zeit genommen, um seine Botschaft zu erläutern. Das ist auch notwendig. Denn Voss verkündet Ungewöhnliches: "Die Einteilung in Männer und Frauen hat mit biologischen Eigenschaften wenig zu tun." Unser Sortieren in zwei Geschlechter sei vereinfachend und werde der Komplexität der menschlichen Biologie nicht gerecht. Voss ist ein fachlicher Zwitter. Er hat Biologie mit Schwerpunkt Genetik studiert, aber auch Sozialpolitik und Geschlechterforschung. Heute ist er Professor für Sexualwissenschaft, und als solcher hat er ein Ziel. Er will, dass Geschlecht als etwas Fließendes begriffen wird. "Es ist eine extreme Zuspitzung, zu behaupten, dass es nur zwei Entwicklungsmöglichkeiten gibt", sagt er.

In der Tat: Am Anfang sind wir alle geschlechtslose Urwesen. Bis zur sechsten Schwangerschaftswoche haben Embryonen äußerlich noch kein unterscheidbares Geschlecht. Die Organe wachsen erst später, männliche bei den Embryonen, die ein Y-Chromosom tragen. In der Regel.

Aber eben nur in der Regel. Bei etwa jedem 500. Neugeborenen bricht die Natur mit diesem Prinzip und erschafft Zwischengeschlechter, das ist ungefähr ein Kind in jeder größeren Schule. Deren Schicksal nehmen wir aber kaum wahr, denn noch immer formen Mediziner intersexuelle Babys mithilfe von Skalpell und Hormonen entweder zu Jungs oder zu Mädchen. Dabei ist es inzwischen gesellschaftlicher Konsens, dass Entscheidungen von derartiger Tragweite eigentlich jeder selbst treffen sollte, vor der Pubertät zum Beispiel.

Für Heinz-Jürgen Voss sind solche geschlechtlich unbestimmten Kinder der Beweis, dass es zwischen der männlichen und der weiblichen Hemisphäre ganze Welten gibt, die wir nicht länger ignorieren dürfen. Und vielleicht, sagt er, sei unsere Geschlechtersortierung nach Chromosomensätzen sowieso willkürlich. Das lehre doch schon ein Blick ins Tierreich. "Es gibt Säugetiere, bei denen wir keinen Chromosomen-Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Tieren erkennen", sagt er. Welche? "Japanische Landratten und Mull-Lemminge."
In den nächsten zwei Stunden dekliniert er alle messbaren Unterschiede zwischen den Geschlechtern durch, erst Gehirn, dann Körper. In einem Punkt hat Voss fraglos recht: Viele der neurologischen "Warum Frauen nicht einparken und Männer nicht zuhören können"-Studien stehen auf extrem dünnen Daten-Beinchen. Da wird von minimalen Fallzahlen hochgerechnet, da werden statistische Unschärfen aufgeblasen, und es wird sehr munter verallgemeinert. Die amerikanische Psychologin Janet Hyde hat 7.000 Einzeluntersuchungen zu Geschlechterunterschieden ausgewertet. Ihre Liste der glasklaren Mann-Frau-Eigenschaften ist kurz: Frauen werfen nicht so weit, sie lehnen Gelegenheitssex tendenziell eher ab, sind weniger aggressiv und masturbieren seltener. Etliche Untersuchungen legen zudem nahe, dass Männer ein besseres Raumverständnis haben. Eine überschaubare Liste.

Betrachtet man aber die menschlichen Körper, sieht alles schon anders aus. Und da, so scheint es, greift Voss in dieselbe Trickkiste wie die "Der Mann stammt vom Mars"-Prediger. Er räumt ein, dass es im Durchschnitt Geschlechterunterschiede bei der Muskelmasse, dem Fettgehalt, der Hormonverteilung gibt. Allerdings nie ohne ein angehängtes Aber. Sind Männer nicht größer, haben sie kein schmaleres Becken, sind sie nicht muskulöser, und ist nicht der Testosterongehalt in ihrem Blut höher? Doch, das mag "im Schnitt" so sein, sagt Voss, aber es gibt Frauen, die diese Werte ebenfalls erreichen.

Er denkt etwa an Caster Semenya, die 800-Meter-Läuferin mit dem kantigen Körper, die als Teenager vor fast zehn Jahren bei der Leichtathletik-WM in Berlin all ihren Konkurrentinnen spielend davonlief und an der nachher die Sportfunktionärswelt verzweifelte, weil ihr weiblicher Körper die hormonelle Ausstattung eines Mannes aufwies, wie der Dopingtest ergab. Ein Jahr lang brüteten die Experten darüber, ob Semenya nun ein Mann sei oder eine Frau. Sie durfte als Frau starten, musste aber zunächst Testosteronsenker nehmen. 2015 fiel diese Regel, Semenya lief ohne medikamentöse Bremse gegen andere Frauen und gewann das 800-Meter-Rennen bei den Olympischen Spielen in Rio. Ihr Fall zeigt, wie schwer wir uns, auf Schwarz und Weiß getrimmt, mit dem Grau zwischen den Geschlechtern tun.
Der Kampf um das Geschlecht
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Aber ignoriert der Vorschlag des Geschlechterforschers Voss, auf Geschlechtereinteilungen im Sport künftig ganz zu verzichten, nicht die Tatsache, dass es im Durchschnitt eben doch Schattierungen gibt? (Und was würden die Frauen sagen, die bei den Wettkämpfen dann meistens verlören?)

Das alles könnte diskutiert werden. Langsam, vorsichtig und abwägend. Wenn es denn möglich wäre. Aber so kompliziert männliche und weibliche Gehirne auch sein mögen, eines scheint moderne Menschen unisex zu einen: Sobald die Sprache auf das Thema Geschlecht kommt, brennen alle Sicherungen durch.

Gender-Gaga heißt das Buch der Publizistin Birgit Kelle, für die jedes Nachdenken über die Beschaffenheit des Geschlechts ein Angriff auf die naturgegebene Weiblichkeit ist. Und natürlich der Schriftsteller Akif Pirinçci, der in seinem wirren Buch Die große Verschwulung eine Entmännlichung des gemeinen Mitteleuropäers herbeifantasiert. "Gender-Mainstreaming ist ein von geisteskranken und faulen Lesben, die komplett vom Staat alimentiert werden, erfundener Scheißdreck", zetert er in einem Interview. Heinz-Jürgen Voss beleidigt er sogar als "geisteskranken Schwulen mit Dachschaden". Und auch die AfD nimmt sich der Gender-Diskussion mit besonderer Leidenschaft an. Wer bei AfD-Veranstaltungen zugegen ist, weiß, dass oft schon eine Bemerkung zu zusätzlichen Toiletten für Transleute genügt, um den Raum in hämisches Gelächter zu versetzen.

Auch die Industrie besteht auf zwei Geschlechtern, denn Ordnung muss sein. Kinder werden mit Produkten in Blau und Rosa zugeschüttet, als führten sämtliche Hersteller den finalen Kampf zur Verteidigung von Geschlechterklischees. Das ist auch die Weltsicht weiter Teile des Bürgertums. Als mein kleiner Sohn kürzlich bloß mit rosafarbenem Jäckchen bekleidet am Strand entlanglief, schrie ein Kind entsetzt: "Mama, warum hat das Mädchen einen Puller?" Doch anstatt dem Kind zu antworten: "Weil es ein Junge mit rosafarbener Jacke ist", zischte die Mutter mich an: "Ist doch krank, was manche Leute ihren Kindern anziehen." Das ist die eine Seite. Die Eindeutigkeit des Geschlechts wird mit Inbrunst verteidigt, als sei sie eine der letzten Wahrheiten in unserer Welt.
Im jungen, urbanen Milieu, das die Individualität zum allerhöchsten Gut erkoren hat, gehört es hingegen mittlerweile dazu, sich in Geschlechterfragen uneindeutig zu geben. Dem Time Magazine zufolge lehnen in den USA zwölf Prozent der Millennials, also der um die Jahrtausendwende Geborenen, die Kategorien Mann und Frau für sich selber ab. Facebook hat zuletzt einen PR-Erfolg gefeiert, als das Unternehmen verkündete, die User nicht mehr auf zwei Geschlechter festzulegen, sondern sie selbst aus 60 verschiedenen Angeboten wählen zu lassen, genderfluid zum Beispiel oder weder-noch oder gendervariabel. Alle drei Begriffe bezeichnen Menschen, die sich irgendwo zwischen Mann und Frau verorten. Das Angebot passt. Soziale Netzwerke dienen dem Zelebrieren der eigenen Besonderheit – jetzt eben auch beim Thema Geschlecht.

In Berlin ist es mancherorts inzwischen üblich, genderneutral zu formulieren. Auch ich selbst, wohnhaft in Kreuzberg, wurde schon mehrmals gemahnt, nicht zu sagen: "Der Letzte macht das Licht aus." Sondern korrekt: "Die Person, welche zuletzt den Raum verlässt, lösche das Licht." Und gerade hat mir mein Bezirk mitgeteilt, man suche noch "Wahlhelfende". Wer das nicht besonders gelungen findet – weil es, wie Max Goldt schrieb, dann seltsame Wesen gäbe, wie "biertrinkende Studierende" oder "sterbende Lehrende" –, gilt als das Allerletzte und reaktionär. So sieht die andere Seite aus.

Überhaupt, Berlin: Die Bezirksverordnetenversammlung in Friedrichshain-Kreuzberg akzeptiert, genau wie in anderen Teilen der Stadt, ohnehin nur noch Anträge, die geschlechtsneutral formuliert sind. An vielen deutschen Universitäten wird Studenten heute mit Punktabzug gedroht, sollten sie ihre Hausarbeiten rein männlich formulieren. Die vermeintliche Minderheit macht sich also immer deutlicher bemerkbar im Alltag der Mehrheit. Und als mein kleiner Sohn eine Kindergärtnerin bekam, die früher ein Mann war, herrschte Konsens, dass darüber nicht gesprochen würde. Als mein größerer Sohn, gerade Grundschüler, den Kleineren dann mit abholte und als Erstes laut rief: "Hey, wieso spricht denn die neue Erzieherin wie ein Mann?", ignorierten alle peinlich berührt das fragende Kind, als gäbe es da nichts zu erklären, als könnte man dem Menschen verbieten zu staunen. Als könnte Akzeptanz gelingen durch Totschweigen.

René_Hornstein (der Unterstrich im Namen ist Absicht) kommt mir am Berliner Nordbahnhof entgegen. Groß und schlank und optisch zweigeteilt: unten Jeans, oben Bluse, links rasiert, rechts mit Bart, auf der einen Seite das blonde Haar lang und wellig, auf der anderen kurz geschoren. Hornstein sieht sich als "nicht binär", als Person jenseits der zwei Geschlechter. In Briefen soll keine Anrede "liebe" oder "lieber" die Höflichkeit wahren, und in diesem Text für das ZEITmagazin sollen kein er und kein sie auftauchen. Folgende Formulierungen sind erwünscht: Hat René_Hornstein gesagt, hat die Person gesagt, hat der Mensch gesagt, oder neu ersonnene, uneindeutige Pronomen wie "hen" oder "sier" oder "per" sollen die Person bezeichnen. Hornstein ist Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung der Transmenschen namens Trans* und Dauererklärende(r) – in Ministerien, bei Verwaltungen, auf der Straße. "Wenn ich mich in der Öffentlichkeit bewege, wie ich möchte, also auch geschminkt, mit Absätzen, im Rock, ist das gefährlich. Denn das heißt für mich: ausgelacht, beschimpft und angespuckt zu werden, eigentlich bei jeder U-Bahn-Fahrt", sagt Hornstein. In Berlin hat die Gewalt gegen Schwule, Lesben und Transpersonen nach deren eigenen Angaben im vergangenen Jahr massiv zugenommen. Junge Transmenschen nehmen sich häufiger das Leben als andere Jugendliche. "Wir haben das Selbstbild einer liberalen Gesellschaft, in der Personen so leben können, wie sie wollen. Beides ist falsch." Argentinien, Malta oder Irland seien in der Gesetzgebung viel moderner. Jedes Geburtsregister, das in Jungen und Mädchen einteilt, jedes Formular, das eine Entscheidung zwischen Frau und Mann verlangt, jede Verwaltung, die das Geschlecht nach Aktenlage kategorisiert, so Hornsteins Eindruck, stempelten nicht binäre Menschen als abnorm ab. Erst im Jahr 2011 kippte das Bundesverfassungsgericht die Regelung, wonach sich Personen, die ihr Geschlecht ändern, sterilisieren lassen müssen. Seitdem können auch Menschen, die der Erscheinung nach männlich sind, gebären. "Meine Utopie ist es, irgendwann so, wie ich bin, nicht mehr aufzufallen", sagt René_Hornstein, "und die Rolle als special snowflake, die nicht in der Masse der anderen Schneeflocken verschwinden kann, hinter mir zu lassen."

Wie lange könnte das dauern? Hornstein zuckt mit den Schultern. "Wir haben viel erreicht in den letzten Jahren. Aber wenn ich mir den Populismus ansehe, in den USA, in Polen, auch in Deutschland, fürchte ich mich davor, dass all das wieder verloren gehen könnte." Mit "all das" meint Hornstein zum Beispiel, dass auch Menschen, die in der Grauzone zwischen Mann und Frau wandeln, präsent sind. Die amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning – als Mann geboren, als Soldat namens Bradley berühmt geworden – schickte nach ihrer Haftentlassung Mitte Mai das Foto ihres neuen, weiblichen Ichs um die Welt. Sängerin Miley Cyrus bezeichnet sich als genderfluid, Conchita Wurst siegte beim Eurovision Song Contest. In Transparent erzählt Hollywood im Rahmen einer Familienserie die Wandlung eines Menschen von Papa Mort zu Mama Maura, der von seiner Tochter dann zärtlich Mapa genannt wird. Und der Jugendroman George schließlich ist die klassische Coming-of-Age-Geschichte, allerdings aus der Perspektive eines Transkindes. Erste zaghafte Schritte in Richtung Normalität.

Dann muss Hornstein los, "sier", "hen" oder "per" sind die drei geschlechtslosen Pronomen, die ich nutzen soll. Wenn ich später anderen von dieser Begegnung erzähle, gelingt es mir nie, männliche und weibliche Pronomen ganz zu meiden.

"Wie reagieren Sie, wenn jemandem ein er oder sie rausrutscht?", hatte ich Hornstein gefragt. Antwort: "Das ist schwierig für mich, es ist eine schmerzhafte Situation, eine verletzende Handlung, und ich wünsche mir, dass die Person sich entschuldigt."

Gern. Damit sind wir endgültig an der Hauptfront des Gender-Gefechts angelangt: dem Kampf um die politisch korrekte Sprache. Man muss dem Deutschen nämlich ziemlich Gewalt antun, um ihm die Zweigeschlechtlichkeit auszutreiben. Manche sagen, Sprache sei durabel und dehnbar, andere befürchten, sie könnte unter der Last dieser Anforderung brechen, reißen, zerstört werden. Auf jeden Fall aber wird Sprache unter den Anforderungen vom Werkzeug, das Menschen verbindet, zum Code, der die Zugehörigkeit zum richtigen Milieu bescheinigt. Eine Person, die * (Sternchen) oder _ (Unterstrich) benutzt, die nie stolpert, wenn sie die Buchstabenkombination LGBTIQ aufsagt, und Menschen in Verlaufsformen zwängt, sie zu Radfahrenden und Arbeitenden und Steuerzahlenden macht, gilt also als fortschrittlich. Alle anderen eben nicht. "Kann es denn nicht sein, dass jemand Ihnen zugewandt ist und trotzdem nicht genderneutral spricht?", hatte ich Hornstein gefragt. Die Antwort: Das sei schwer vorstellbar. "Wenn jemand sagt: Liebe Studenten ..., finde ich es ganz schwierig. Dann weiß ich: Die Person hat mich nicht mitgedacht und ist vielleicht sogar eine problematische Person."

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt, soll Wittgenstein gesagt haben. Andere Länder zeigen sich in Sachen geschlechtsneutraler Sprache flexibler als wir. England zum Beispiel hat die Anrede Mx. (gesprochen Mix oder Max) ersonnen, tauglich für Männer, Frauen und alle dazwischen, und gerade ins Oxford English Dictionary aufgenommen. In Schweden ist hen, als drittes, geschlechtsloses Pronomen, seit zwei Jahren offiziell in den Sprachschatz integriert.
"Alle politische Veränderung funktioniert über Sprache", so formuliert es Lann Hornscheidt, groß, blondes kurzes Haar, Jeans und Kapuzenpulli. Hornscheidt sitzt in der Teeküche des kleinen Berliner Verlages w_orten & meer, der eine Sprache jenseits der Zweigeschlechtlichkeit erschaffen will und manchmal in Happenings alles Männliche und Weibliche aus Büchern und Gedichten tilgt. Auch Hornscheidt will weder als Mann noch als Frau wahrgenommen werden, "ich verstehe mich als entzweigendernd".


Gut 30 Jahre lang hieß Hornscheidt Antje. "Aber ich konnte mich mit den Stereotypen davon, was Weiblichkeit ist, nicht identifizieren. Wusste aber auch: Männlichkeit ist für mich keine Option. Und dann habe ich gedacht: Vielleicht stimmt die Kategorie Geschlecht für mich generell nicht."

Hornscheidt nennt sich nun also Lann und bittet das Gegenüber um "respektvolle Anreden, die nicht Zweigeschlechtlichkeit aufrufen". Dafür schlägt Lann gleich selbst neue Wortformen vor. Vor drei Jahren zum Beispiel lehrte Lann Hornscheidt noch an der Humboldt-Uni und bat, nicht als Professor oder Professorin tituliert zu werden, sondern als Professx. Und peng, brannten wieder tausend Sicherungen durch. Und rauchen noch heute. Journalisten posteten Hornscheidts Foto, versehen mit Altherrenwitzen, im Internet. Kaum ein Kommentar zum vermeintlichen Gender-Wahnsinn kommt ohne das Professx-Beispiel aus. Und seither erhält Hornscheidt Hassmails und hat für all die Beschimpfungen, Morddrohungen und Vergewaltigungsfantasien sogar ein eigenes Postfach eingerichtet. "Manchmal schreiben mir Leute: Ist das schon eine Hassmail? Oder kann ich das noch an Ihre normale Adresse senden?" Hornscheidt lacht, wirkt überhaupt wenig verbittert. "Das wollen sie vielleicht, dass ich frustriert bin und aufgebe. Dafür ist mir mein politisches Ziel aber zu wichtig."

Hornscheidt empfindet die Tatsache, dass sich Menschen ständig einem Geschlecht zuordnen, als Zwang, als Diskriminierung, als Genderismus, vergleichbar mit anderen -ismen wie Sexismus oder Rassismus. "Meine Vision ist, dass wir eine neue Sprache finden. Dass wir Kindern nicht mehr bei Geburt ein Geschlecht zuweisen, sondern sie mit 18 wählen lassen: Möchte ich als Frau oder als Mann wahrgenommen werden oder weder noch? Dann wird das Geschlecht vielleicht zu einer Art Hobby, aber wäre nicht mehr die bestimmende zweite Haut, die Menschen übergestülpt wird."
Das ist das Ziel der Anstrengung? "Ja, und ich glaube, ich werde es noch erleben, dass Geschlecht als Eintrag in den Pass wegfallen wird, dass es nicht mehr bei Geburt zwangszugeschrieben wird." Hornscheidt lehnt sich zurück und sagt: Eigentlich zeige der Hass auf den Professx-Vorschlag, dass die Gegenseite begriffen habe, es wird ernst. "Eine Veränderung hat begonnen und ist nicht mehr aufhaltbar."

Hornscheidt selbst hat mit der Professx-Phase übrigens abgeschlossen und nennt sich jetzt: Prof.ecs – die Schlusssilbe steht für exit gender, "Geschlecht verlassen". Auf der Homepage veröffentlicht Hornscheidt Sprachbeispiele: "Lann ist Lesecs von vielen Romanen. Lann und ecs Freundecs haben ecs Rad bunt angestrichen." (Lann ist Leser/in von vielen Romanen. Lann und ihre/seine Freunde haben ihr/sein Rad bunt angestrichen.) Klingt wie Satire. Ist aber ernst.

Bereits vergangenen Juli persiflierte Steffen Königer, Brandenburger AfD-Landtagsabgeordneter, die geschlechtssensible neue Sprache, als er unter den irritierten Blicken des Präsidiums bei seiner Begrüßung im Plenum 60 Anreden aneinanderreihte: "Sehr geehrte Androgyne, sehr geehrte Bi-Gender, sehr geehrte Frau-zu-Mann" und so weiter – zweieinhalb Minuten lang. 100 000 Menschen haben sich das Video auf YouTube bislang angeschaut. Sehen öffentliche Auftritte in Zukunft so aus? Warum braucht es ein derart gewaltiges Umerziehungsexperiment? Was soll es bringen? Lann Hornscheidt verspricht sich davon ein Mehr an Freiheit: Wir würden uns wieder als Menschen wahrnehmen, so ecs Utopie, nicht als männliche und weibliche Abziehbilder absurder Idealvorstellungen. Klingt wie ein apartes Gedankenexperiment. Aber die meisten Menschen scheinen von dieser Utopie nichts wissen zu wollen. Sie rufen unbeirrt bei Geburt: "Es ist ein Junge!", und herzen das Schwesterchen als Prinzessin.

Darf ich offen sprechen? Auch mir gelingt es bei aller Mühe nicht, Menschen weder als Frau noch als Mann "einzulesen", obwohl Hornscheidt mir das im Gender-Jargon ans Herz legt.

Ich lese zum Beispiel Sphinx, den in den 1980er Jahren erschienenen Roman der Französin Anne Garétta. Es ist die Geschichte zweier Liebender: das lyrische Ich, Anfang 20, am Beginn einer Karriere an der Universität, und A***, zehn Jahre älter, aus New York, Star einer Cabaret-Revue, eine klassische Lovestory von Begehren und Verlust. Allerdings erwähnt Garréta das Geschlecht der Liebenden nie. Sofort versuche ich diesen Leerraum zu füllen, sammle Indizien dafür, dass die beiden ein schwules Paar sind. Viele Rezensenten, so lese ich später, sind sich sicher, es handle sich um zwei Lesben. So treiben die Menschen das Spiel mit den ewigen Kategorien Mann und Frau eben weiter. Ganz reizlos ist das nicht.

Vielleicht wird eines Tages tatsächlich die Prophezeiung der New York Times wahr werden: "In einer Generation", heißt es dort, "wird uns die Einteilung in Geschlechter vielleicht so seltsam vorkommen, wie uns die Rassensegregation von einst heute erscheint." Es würde passen als letzte Evolutionsstufe des hyperindividuellen Menschen. Vielleicht aber auch nicht. Und dabei könnte man es eigentlich belassen.

"Das wäre schön", sagt Patsy auf dem plüschigen Sessel in ihrem Berliner WG-Zimmer. Aber viele in der Szene könnten nicht ertragen, dass die Menschen nicht so weit sind und vielleicht nie sein werden. "Ihre Reaktion ist dann: Wir müssen mit aller Härte gegen diese Menschen vorgehen."

Patsy l’Amour laLove, so ihr vollständiger Name, nennt sich Polittunte. Abends trägt sie ein schwarzes Paillettenkleid, Perücke und rosa Haarreif. Jetzt, an diesem Morgen, erinnern nur die lackierten Nägel an das Frausein. Vor mir sitzt Patrick Henze, Ende 20, schwuler Mann. Aber bleiben wir bei "Patsy" und "sie", das ist Henze lieber.

Patsy lässt sich ins Deutsche übersetzen mit: "Sündenbock". Das passt. Nestbeschmutzer, Verräter, fügen viele aus der Gender-Szene hinzu, schicken Drohfotos, kündigen an, Patsy l’Amour laLove die Perücke vom Kopf zu reißen oder ihr die Zähne einzuschlagen. Es ist derselbe Hass, der auch aus Lann Hornscheidts Postfach quillt, nur erreicht er Patsy von der anderen Seite, aus der "queeren" Szene, wo all die vermeintlich fortschrittlichen Menschen zu Hause sind, die für sich beanspruchen, auf der richtigen, der "guten Seite" zu stehen.
Nun ist Patsy l’Amour laLoves Sünde recht überschaubar: Sie hat ein Buch herausgegeben. Beißreflexe heißt es, und es kritisiert ebenjenes, was sie selbst seit Erscheinen des Buches im Frühjahr nun am eigenen Leibe studieren kann: die totalitären Züge der Szene, in der jeder fertiggemacht wird, der im Verdacht steht, die reine Lehre nicht zu 100 Prozent zu unterstützen.


Drei typische Beispiele:

1. Ein Seminar an der Humboldt-Universität im Fach Genderstudies im Jahr 2016 beginnt mit einer Pronomen-Runde, in der jeder sagt, ob er oder sie mit sie oder er oder lieber neutral angesprochen werden möchte. Später redet ein Student eine gewünschte Sie fälschlich als Er an. Er wird für die nächsten Termine vom Seminar ausgeschlossen und soll – für alle nachlesbar – in einem Google-Dokument sein Vergehen "reflektieren".

2. Im September 2016 soll es in Berlin einen Vortrag zum Thema "Sichtbarkeit von Lesben" geben. Geladen ist auch Sookee, eine Rapperin, die in ihrem Song If I Had a Dick fantasiert, was sie mit einem Penis so alles anstellen würde. Ein derartiges Lied sei eine Beleidigung von Transpersonen, die ihr männliches Geschlecht loszuwerden wünschen, tobt die Szene im Netz. Die Veranstaltung wird abgesagt.

3. Als im Jahr 2013 bei einem Konzert der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet in Bielefeld der Schlagzeuger sein T-Shirt auszieht, erzwingen einige, dass der Auftritt unterbrochen wird. Ihr Vorwurf, der sich übrigens bei fast allen Queer-Camps oder Festivals wiederholt: Wenn ein Mann sich oben ohne zeigt, nutzt er schamlos seine Privilegien aus, da von Frauen erwartet wird, ihre Brustwarzen bedeckt zu halten.
In fanatischen christlichen Sekten gibt es Eltern, die ihren Kindern verbieten, Bananen oder Zwieback zu essen, da sie Erstere an einen Penis und Letzterer (die Oberkante!) an eine Scheide erinnern. Erstaunlicherweise scheint die queere Szene ähnlich besessen vom Thema Geschlechter zu sein, obwohl gerade sie vorgibt, diese Kategorien beenden zu wollen.

Die Reihe der Zwangsmaßnahmen und Tugendwächtereien ließe sich endlos fortsetzen. Weiße Feministinnen erzählen mir, dass sie als Rassistinnen beschimpft werden, weil sie die Burka für problematisch halten. Heteropaare, die sich in der Öffentlichkeit küssen, gelten als ekelerregend und dominant. Wer darauf hinweist, dass dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange zwar Vergewaltigung vorgeworfen wird, er aber bislang nicht verurteilt ist, wird behandelt, als sei er mitschuldig.

Das alles klingt grotesk, es ist für die Betroffenen selbst aber ein Drama. Nur ein nicht korrektes Wörtchen – und schon rollt die Anschuldigungswalze über den Frevler hinweg. Die vermeintlichen Sünder, erklärt Patsy l’Amour laLove das Prinzip, werden massiv beschuldigt und isoliert. Jeder, der sich nicht vom "Täter" lossage, werde mit fertiggemacht. Patsys sich aufdrängendes Fazit: "Stalinistische und K-Gruppen verhielten sich ähnlich."

"Diese schnelle und harte Verurteilung Andersdenkender, das Unterdrücken offener Diskurse: Mich erinnert das an die Denunziationspraktiken der DDR", sagt auch die Feministin Katrin Rönicke, die – einst Ziel solcher Angriffe geworden – ihren Twitter-Account löschte und sich ein ganz neues Umfeld suchte.

Das alles, so fürchten beide Dissidenten, führt dazu, dass Menschen sich einander nicht mehr neugierig und gutwillig annähern, sondern dem anderen von Anfang an das Schlechteste unterstellen. Und so verschanzt sich die Szene in ihrer Blase, zieht sich in sogenannte Schutzräume zurück, aus denen jeder verwiesen werden kann, der diskriminierender Äußerungen geziehen wird.

Einst sei es die Mission der queeren Aktivisten gewesen, einen Kampf für die Freiheit zu fechten, sagt Patsy l’Amour laLove. Dafür, dass jeder so leben und lieben kann, wie er will. Dieses Ziel sei vielen, die heute von der Unterdrückung und Umerziehung des Menschen träumen, verloren gegangen. "Der Maßstab muss doch das schöne Leben für alle sein", findet Patsy. "Damit muss man doch locken."

Zum Schluss erzählt sie von einer Szene, die klingt wie ein Witz: Sitzt ein Uni-Seminar zur Pronomen-Runde beisammen. "Mein Pronomen ist heute er", sagte einer, "meines sie", ein anderer, "ich bin hen", so geht die Reihe. Dann kommt eine Transfrau dran, gerade in die große Stadt gezogen und noch unerfahren mit dem großen Identitätsding. Sie schaut in die Runde und sagt: "Also, ihr könnt einfach Du zu mir sagen."

Und dann hocke ich noch im Büro von Mari Günther, langes Haar, mit schwarzer Spange hochgehalten, enge Jeans. Glückliche Transfrau soll ich sie nennen, sagt sie, oder Väterin. Auch zu Mari darf man Du sagen, Sie natürlich auch. Nur er bitte nicht, wenn’s geht. Länger sei der Beipackzettel ihres Selbst aber nicht, sagt Frau Günther, zum langen Theoretisieren über Mann oder Frau fehle ihr die Zeit.

Mari Günther berät beim Projekt "Queer Leben" Jugendliche, die zweifeln, ob ihr Geburtsgeschlecht für sie das richtige ist. Der Gesprächsbedarf sei riesig, sagt sie. Sie zeigt auf zwei Zettel an der Wand: "Die sind mein Antrieb." Auf dem einen ist ein Gesprächstermin notiert, den eine junge Frau verlangte, die aber nie aufgetaucht ist. Daneben die Nummer der Mutter mit Rückrufbitte, sie wollte wissen, was in ihrem Kind vorgegangen war. Das Mädchen hatte sich das Leben genommen.

Daneben hat Mari Günther einen kleinen Brief gepinnt. "Lieber Anton", steht da in Schülerschreibschrift. "Herzlichen Glückwunsch zum Namenstag. Dein alter Name Lisa ist jetzt Geschichte. Ich wünsche Dir viel Glück auf Deinem weiteren Lebensweg. Dein Freund Joel." Kinder seien die wahren Buddhisten, sagt Mari Günther. Die meisten reagierten völlig entspannt, wenn ein Mitschüler nun nicht mehr Anton heiße, sondern Lisa. Das sei eine Haltung, die sie auch Erwachsenen empfehle.

Am Ende der Recherche stauen sich in meinen Blöcken tausend Überlegungen zu Mann und Frau, zu Geschlecht und Rollenmustern. Kann die Beraterin Mari Günther, selbst zwischen Mann und Frau wandelnd, helfen, das Dickicht zu durchdringen? Wie ist es denn nun, frage ich zuletzt: Gibt es ein Geschlecht, Frau Günther? "Vor zehn Uhr morgens schon mal gar nicht", antwortet sie. "Und dann kann man sich natürlich über die Tatsache, was an unserem Bild von männlich und weiblich konstruiert und was angeboren ist, nächtelang streiten. Aber ich finde, man kann mit seinen Nächten viel Besseres anstellen."


Hinter der Geschichte

Unsere Autorin kam in Berlin mit dem Thema Geschlecht schon oft in Berührung, aber vor den ersten Interviews für diese Geschichte musste sie das Vokabular der Gender-Szene wie eine Fremdsprache lernen: nonbinär, Transfrau, heteronormativ. Dann folgte die Lektüre einer knapp 300-seitigen Sammlung der größeren Berichte, die von beiden Seiten der Gender-Front in den vergangenen drei Jahren veröffentlicht wurden. Erst dann hat sich Julia Friedrichs in ein knappes Dutzend Gespräche und Begegnungen gewagt.


Mittwoch, 25. Oktober 2017

Transsexual and intersexual - victims of the same ideology /// Transsexuelle und Intersexuelle - Opfer derselben Ideologie

Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2017

Bitte kopiert den Link und Gebt diesen euren Verwandten, Freunde, Bekannten und Familie denn Information beugt vor, einer Minderheit anzugehören!

Hey Du hast es und brauchst es, deswegen Spende Blut, denn es fehlt in der ganzen Welt!
Ich habe Ihn, Du auch? Organspenden können andere zum Leben verhelfen, sei stolz auf dich selbst mache Ihn Dir den Organspende Ausweis!
Hey you have it and need it, so donating blood, because it is missing in the world!
I had him, you also? Organ donation can help others to life, be proud of your self  doing Him Get donor card!

Wenn euch dieser Blog gefällt, helft „Teilt“ Ihn mit mir denn Wissen ist Macht!

Wir wiederholen so einiges so auch dieses Forderungen welche vor 4 Jahren gestellt wurden zum großteil Unerhört bleiben!


Queeramnesty Hamburg traf sich kurz vor der Bundestagswahl mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Markus Löning (FDP), um sich zum Thema Menschenrechtsverletzungen an Lesben, Schwulen, Trans, Bi- und Intersexuellen (LGBTI) auszutauschen. Schwerpunkt des Gesprächs war die Menschenrechtssituation intersexueller Menschen in Deutschland.
Die Stellungnahme und die Empfehlungen des Deutschen Ethikrats bestärkten Queeramnesty 2012 in der Erwartung, dass das Thema mit großer Dringlichkeit auch im Rahmen gesetzgeberischer Regelungen im Sinne der Menschenrechte angepackt wird – dies ist aber nicht geschehen. Lediglich eine Änderung im Personenstandsgesetz wurde vorgenommen, die jedoch insbesondere nichts zu der dringend erforderlichen Verhinderung von Operationen an intersexuellen Kindern beiträgt.

Löning verteidigte die Bundesregierung in unserem Gespräch damit, dass die verantwortlichen Ärzte und auch Gesundheitsminister der einzelnen Länder noch zu wenig Einsicht hätten und das Thema insgesamt zu wenig verstünden. Eine gesetzliche Regelung sei nicht geplant, doch grundsätzlich werde sich wohl an die Empfehlungen des Deutschen Ethikrates gehalten.
Die schweren Menschenrechtsverletzungen an intersexuellen Menschen wurden in Deutschland mit dem Deutschen Ethikrat 2012 erstmalig von einer regierungsnahen Institution benannt, anerkannt und dokumentiert. Priorität für die Bundesregierung hatten diese Erkenntnisse nicht. Queeramnesty fordert mit aller Deutlichkeit die fundamentalen Rechte auf Selbstbestimmung, Würde und körperliche Unversehrtheit auch für intersexuelle Menschen!
Amnesty International hat bereits im August einen Forderungskatalog vorgelegt, der sich an die neue Bundesregierung und an die Mitglieder des neuen Bundestages richtet – darin werden auch LGBTI Rechte eingefordert.
Aus anderem Zusammenhang wird deutlich, dass Gesetzeslücken in vielen europäischen Ländern hinsichtlich des Schutzes von LGBTI bestehen. So wird die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht als Tatmotiv für Hassverbrechen anerkannt. Dies geht aus demaktuellen Bericht von Amnesty International „Because who I am. Homophobia, transphobia and hate crimes in Europe“ hervor, der im September in Brüssel vorgestellt wurde. Der Bericht belegt außerdem, dass die heutigen EU-Standards bezüglich Hassverbrechen nicht ausreichen, um homophobe oder transphobe Gewalt wirksam zu bekämpfen und kritisiert dabei auch Deutschland.

Quelltext: http://www.amnesty-hamburg.de/bezirk-hamburg/veranstaltungsberichte/71-forderungen-an-die-bundesregierung-zum-thema-lgbti-und-menschenrechte



Transsexuelle und Intersexuelle - Opfer derselben Ideologie

Viele Menschen sind heute der Ansicht, dass man klar zwischen Intersexualität und Transsexualität unterscheiden muss. Intersexualität wird von diesen Menschen als geschlechtliche Uneindeutigkeit gesehen und Transsexualität als psychische Störung definiert. Dass dabei Transsexualität per Definition als Identitätsstörung angesehen wird, und intersexuelle Menschen genitalen Zwangsoperationen unterzogen werden, hat aber die selbe ideologische Ursache: Die Annahme, dass Geschlechtsidentität anerzogen werden kann, da Geschlecht lediglich ein "soziales Konstrukt" sei. Die Folgen dieser Ideologie sind bis heute massive Menschenrechtsverletzungen - eben bei trans- sowie intersexuellen Menschen.

Um die Hintergünde der Ideologie, die meint man könne das Geschlecht eines Menschen "umwandeln" besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Es war in den 60er Jahren als die Theorie um die "Wandelbarkeit von Geschlecht" in Mode kam, "Gender" als Begriff einstand, und Menschen anfingen zu glauben, dass die geschlechtliche Identität eines Menschen nichts mit der Natur zu haben müsse. Geschlechtsidentität, und damit auch letztendlich das gelebte Geschlecht (gender) wäre, ganz in der Tradition von Sigmund Freuds Psychonanalyse, etwas was nicht von Natur aus existent wäre, sondern erst in der Kindheit entstünde, so die These. Wenn es überhaupt ein körperliches Merkmal gäbe, an dem sich die Identität eines Menschen entwickele, wäre das zwischen den Beinen zu finden: Ein Penis. So die Theorie der Psychoanalyse Sigmund Freuds:

Die infantile Sexualität wird von ihm als polymorph-pervers bezeichnet, womit zum Ausdruck gebracht werden soll, dass das Kind noch über keine stabile sexuelle Identität verfügt und unterschiedliche Arten des Lustgewinns praktiziert, welche teilweise an sexuelle Devianzen erwachsener Patienten erinnern. Freud postulierte in der Entwicklung der Libido eine orale (1. bis ca. 3. Lebensjahr), eine anale (ca. 3. bis 5. Lebensjahr), eine genitale (5.-7. L.j.), eine Latenzphase, Pubertät und Adoleszenz. [...] In der Adoleszenz werden die unterschiedlichen Partialtriebe schließlich unter das Primat der Genitalität gestellt.
(aus Wikipedia: Psychoanalyse)

Diese Ideologie könnte man mit "Die Psyche folgt der Erziehung und den Genitalien" zusammenfassen. Die Schlussfolgerungen dieser Menschen waren also:

- Geschlecht wäre wandelbar (Man könne aus Männern Frauen machen und aus Frauen Männer)
- Transsexualität sei eine psychische Störung, da sich die Psyche hier nicht analog zu den Genitalien entwickele
- Menschen, die mit uneindeutigen Genitalien geboren werden könne man zuordnen, wenn man ihre Genitalen zuordne und sie richtig erziehe

Man könnte auch sagen, in dieser Zeit wurden zweierlei Grundsteine gelegt, deren Auswirkungen wir heute noch erleben können:

Die erste Auswirkung der psychoanalytischen Geschlechterideologien der 60er-Jahre ist eine Stereotypisierung von Geschlecht. Schliesslich braucht der, der Geschlecht für eine Erziehungssache hält, dazu Stereotype wie z.B. feminine oder maskuline Kleidung, geschlechtsspezifisches Spielzeug, o.ä.. Insofern sind die gesellschaftlich, medial verbreiteten Klischeebilder über das, was ein Mann zu sein hat und wie eine Frau auszusehen hat, Folgen dieser Theorie.

Die zweite Auswirkung der Genderideologien der 60er und frühen 70er-Jahre ist weitaus heftiger, da sie direkte Menschenrechtsverletzungen zur Folge hat: Eine Stärkung phalluszentrierter Geschlechtsdefinition, die Reduktion des menschlichen Geschlechts auf den Penis bzw. das Fehlen des selbigen. Menschen mit uneindeutigen Genitalien begann man in dieser Zeit verstärkt genital zuzuordnen (in der aberwitzigen Annahme der Penis wäre identitätsstiftend), transsexuelle Menschen begann man als "psychisch krank" zu bezeichen - der Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" kam in Mode (Menschen, die sich dem "Gegengeschlecht" zugehörig fühlten, natürlich ausgehend vom genitalen Geschlecht, das kurzerhand zum biologischen erklärt wurde).

Der Link zwischen Intersexuellen und Transsexuellen

Wer auf der Suche nach dem "Missing Link" zwischend den beginnenden Menschenrechtsverbrechen zwischen intersexuellen und transsexuellen Menschen ist, wird beim Genitalverstümmler höchstpersönlich, John Money fündig. John William Money (* 8. Juli 1921 in Morrinsville, Neuseeland; † 7. Juli 2006 in Towson, Maryland) war ein US-amerikanischer Psychologe und Sexologe bekannt für seine Forschungen über Geschlechteridentitäten, Geschlechterrollen (aus Wikipedia). Er etablierte in den 60er Jahren an der Johns Hopkins University in Baltimore genitale Operationen an intersexuellen Kindern. In einem Artikel der FAZ vom 7. September 2006 heisst es:

"Entsprechend propagierte Money die 'Geschlechtsneuzuweisung' als Therapie für intersexuelle Säuglinge. Das bedeutet zunächst einmal chirurgische Eingriffe, zumeist die Entfernung der Hoden. Moneys Auffassung setzte sich weltweit durch - zumal sonst niemand eine Lösung für das Problem anzubieten hatte, schon gar nicht eine derart einfache. Ungezählte Kinder mit Fehlbildungen der Geschlechtsorgane wurden seither operativ, mit Hormongaben und durch Erziehung zu Mädchen umgebildet.

Money wandte seine Theorie der 'psychosexuellen Neutralität' auch auf Transsexuelle an. Unter seiner Leitung wurde am Johns-Hopkins-Krankenhaus die 'Gender Identity Clinic' zur operativen Geschlechtsumwandlung Erwachsener gegründet, die erste der Welt. Sie wurde zum wissenschaftlichen und publizistischen Eisbrecher dieses bald weithin anerkannten Verfahrens. Auch die Gesetzgebung in der westlichen Welt hat sich dem angepaßt. "

Welchen Einfluss John Money auch auf deutsche Medizinstandards sowie die Gesetzgebung hatte, lässt sich in einem Artikel "Der Zeit" von 1970 lesen:

"Im vorigen Jahr hat eines der auf diesem Gebiet erfahrensten Forscherteams einen Sammelband über die vorläufigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Transsexualität und über deren Behandlungsmöglichkeiten vorgelegt (Richard Green, John Money: Transsexualism and Sex Reassignment. The Johns Hopkins Press 1969). Noch in diesem Jahr wird im Enke Verlag, Stuttgart, die deutsche Fassung einer zweiten umfassenden und bisher unveröffentlichten Arbeit erscheinen, die die Ergebnisse sämtlicher am Johns- Hopkins-Hospital in Baltimore/Maryland ausgeführten Einzeltherapien darstellt. "

Interessant ist, was später einmal im selben Verlag erscheinen sollte (Friedemann Pfäfflin, Transsexualität - Beiträge zur Psychopathologie, Psychodynamik und zum Verlauf...Ferdinand Enke Verlag Stuttgart 1993), doch zu den weiteren Folgen der psychoanalytischen Gendertheorie später mehr. Hier zuerst einmal ein weiterer Ausschnitt aus dem Artikel "Der Zeit" von 1970. Er macht deutlich, dass sich später sowohl der deutsche Gesetzgeber an die Ausführungen und Empfehlungen John Moneys gehalten hat (nämlich als das sogenannte Transsexuellengesetz geschaffen wurde), als auch medizinische Standards eingeführt wurden, die direkt auf den Ideen des Genitalverstümmlers aus Baltimore basieren:

"- Der Proband muß 'authentisch' motiviert sein das heißt: Die gegengeschlechtliche Identifikation, nicht jedoch das Geschlecht des gewünschten Sexualpartners oder ein anderer Faktor bestimmmen sein Verlangen.
- Demgegenüber darf ein Patient, der in die Gender Ideritity Clinic aufgenommen wird, kein Kandidat für eine Psychotherapie sein. (Bei 'echten' Transsexuellen versagen sowohl Verhaltenstherapie wie Psychoanalyse wie alle anderen Methoden psychischer Beeinflussung.)
- Keinerlei Hinweise auf eine Geistes- oder Gemütskrankheit dürfen gefunden werden
- Es muß weitgehend ausgeschlossen werden können, daß der Patient nach Abschluß der Behandlung in eine soziokulturelle Krisensituation gerät. Dieses Risiko wird unter anderem dadurch verringert, daß die Probanden zum Zeitpunkt ihrer Anmeldung schon zwei Jahre ausschließlich oder doch vorwiegend in der neuen Geschlechtsrolle gelebt haben
- Ehen in der alten Geschlechtsrolle müssen vor Beginn der Behandlung gelöst sein."

Auswirkungen auf die deutsche Gesetzgebung und Medizin

Wer sich diese Empfehlungen von John Money aus den 60ern näher betrachtet, wird, sofern er die einschlägige Natur der deutschen Sexologie seit den 70er-Jahren kennt, feststellen, dass hierin doch die Ursprünge liegen, für Behandlungsmethoden, die noch heute, menschenverachtenderweise, ihre Gültigkeit haben. So gibt es heute in Deutschland immer noch sogenannte "Standards of Care" (die hierzulande von der Psychoanalytikerin Sophinette Becker erstellt wurden, einer "Kollegin" von Friedemann Pfäfflin), die z.B. einen Alltagstest ala John Money verlagen und vorschlagen, dass "der Patient [...] das Leben in der gewünschten Geschlechtsrolle mindestens ein Jahr lang kontinuierlich erprobt (sog. Alltagstest)".

Dass die Theorien des John Money offiziell auch in Deutschland breite Unterstützer fanden (und immer noch finden), zeigt sich nicht nur an den zahlreichen Abhandlungen aus der "Sexologie" und "Psychoanylse", die weiterhin behaupten, es gäbe "Geschlechtsumwandlungen", sondern auch der Gesetzgebung. Bis heute gibt es ein Gesetz, welches die Geschlechtszugehörigkeit des Menschen sowohl an der Psyche (den Genitalien folgend), als auch an den Genitalien festmacht, eben ganz nach John Moneys Ideen. Es ist ein Gesetz, welches "Transsexuellengesetz" genannt wurde, aber eigentlich mit dem Namen "Transgendergesetz", besser beschrieben wäre, da hier die Gender-Theorien aus Baltimore ideologische Grundlage auch für dieses Gesetz waren. Es werden in diesem Gesetz nicht nur Gutachten über eine angebliche "psychische Störung", nämlich dem Wunsch dem "Gegengeschlecht" anzugehören (wobei hier wieder das genitale Geschlecht zum biologischen erklärt wurde) verlangt, die bis heute nicht bewiesen wurde, sondern auch die körperliche Annäherung der Genitalien an das "Gegengeschlecht", eine Zwangssterlisationspraxis, um die (natürlich dann eindeutigen) Genitalien wieder zum Mittelpunkt des geschlechtlichen Seins zu erklären.

Zwar mag sich die phallus-zentrierte Geschlechtsdefinition (der eine Teil der Moneyschen Transgender-Logik) langsam ändern, was auch längst überfällig war, wenn man die Auswirkungen dieser Penislogik kennt (wie Zwangssterilisationen bei transsexuellen Menschen und Genitalverstümmelungen bei intersexuellen Menschen), von der anderen, ebenso paradoxen und menschenverachtenden Seite der Money-Logik, wollen sich seine Jünger aber nur allzu ungern trennen: Dass das menschliche Geschlecht eine soziale Konstruktion wäre und "Geschlechtsumwandlungen" daher möglich seien. Die eine Seite einer falschen Geschlechterideologie als "Fehler" einzugestehen, andererseits aber an der anderen Seite festzuhalten, ist aber ein Unterfangen, das zwangsläufig scheitern muss. So schreiben die Nachkömmlinge der Money'schen Schule noch heute folgendes:

In einem Buch von Udo Rauchfleisch (Psychoanalytiker aus der Schweiz): "denn nach wie vor ist spürbar, dass der Trans-Mann kein »wirklicher« Mann und die Trans-Frau keine »wirkliche« Frau ist"
(Transsexualität - Transidentität. Begutachtung, Begleitung, Therapie 2006)

Sophinette Becker (Psychoanalytikerin aus Frankfurt): "Früher hat es mehr Männer gegeben, die Frauen werden wollten..."
(Anfang 2008, ZDF)

Hertha Richter-Appelt (Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung, Juli 2008 im DeutschlandfunkUnd): "ein biologischer Mann sagt, ich bin eine Frau und eine biologische Frau sagt, ich bin eigentlich ein Mann."

Noch deutlicher wird ein Mann, der wie Sophinette Becker in Frankfurt tätig ist:

Bernd Meyenburg (Führt reparative Therapien an homosexuellen und transsexuellen Jugendlichen an der Uni-Klinik in Frankfurt durch): "Sie sehen doch, das Kind hat einen Penis, also ist es kein Mädchen"
(Interview 2008)"

Worunter also transsexuelle Menschen, sowie intersexuelle Menschen tatsächlich zu leiden haben ist eine Geschlechtsdefinition, die entweder offen oder versteckt (aus Angst, zugeben zu müssen auch Moneyaner zu sein), den Phallus eines Menschen in den Mittelpunkt der Geschlechtsdefinition stellt. Dass in Wirklichkeit Menschen aber nicht nur aus einem Penis bestehen, sondern die geschlechtlichen Facetten eines Menschen zahlreich vorhanden und vielfältig in der Ausprägung sind, wäre die grosse Aufgabe, will man die Menschenrechtsverbrechen an Menschen mit geschlechtlichen Besonderheiten endlich beenden. Das Propagieren einer geschlechtlichen Zwischenstufe zwischen "Mann" und "Frau" dagegen - wie es auch bei Ex-Money-Anhängern mittlerweile schick geworden ist - ist lediglich der Versuch weiterhin Geschlecht auf weniger Merkmale zu reduzieren und diese dann als "biologisch" zu etikettieren. Dabei wäre es doch ein einfaches, bei der Realität zu bleiben bzw. zu ihr zurückzukehren.

Geschlecht ist mehrdimensional

Die Besonderheiten der Natur, und gerade das Vorhandensein geschlechtlicher Unterschiedlichkeit, das durch Intersexuaität oder Transsexualität offenbar wird (wie das Wissen darum, dass ein xy biologisch nicht immer zu einem Penis führt - wie bei Pseudohermaphroditismus -  aber das Fehlen eines Penis auch nicht immer ein Mädchen macht - wie bei Transsexualität) sollte doch wahrgenommen werden können. Dass sich das Geschlecht des Menschen dann eben nicht auf einer Linie zwischen Mann und Frau ansiedeln lässt, da Chromosomen eben etwas anderes sind, als die Genitalien oder da das Gehirngeschlecht nichts mit den inneren Geschlechtsorganen zu tun haben muss (was auch klar macht, dass genitale Operationen auch nicht das Geschlecht eines Menschen verändern), ist eine ebenso wichtige Schlussfolgerung aus der Beobachtung von geschlechtlichen Besonderheiten, wie die Tatsache, dass es Nur-Frauen und Nur-Männer daher als biologischer Sicht niemals geben kann. Wer dann, wie die Jünger John Moneys weiter behauptet, man könne Geschlecht umwandeln, obwohl die Existenz von geschlechtlichen Uneindeutigkeiten ja gerade der Beweis dafür sind, dass dies unmöglich ist (was für eine Geschlechtsfacette soll den umgewandelt werden?), muss sich den Vorwurf gefallen lassen, ideologisch verblendete Theorien zu verbreiten, die bis heute Menschenrecht verletzen. Sei es, dass versucht wird, das Geschlecht eines Menschen mit genitalen Operationen (z.B. Genitalverstümmelungen bei intersexuellen Menschen) zuzuordnen, dass Gesetze aufrecht erhalten werden, in denen genau diese Idee der genitalen Geschlechtszuordnung weiter propagiert wird (wie die genitalen Zwangsoperationen, die immer noch im deutschen Transsexuellengesetz verankert sind), aber auch dass Menschen, die das Wissen über ihre biologische Geschlechtszugehörigkeit äussern, als "identitätsgestört" bezeichnet werden können, da dieses Wissen - nach den psychoanalytischen Gendertheorien - nicht zu den Genitalien passen will.

Es gibt keine Geschlechtsumwandlungen - was es gibt, sind Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen.

Trotzdem existieren in Deutschland immer noch transsexuellen-, transidentitäts- oder transgender-Organisationen, welche sich aber in das Fahrwasser der Gender-Theorien John Moneys begeben. Warum sie das tun, ist ein paradoxes Rätsel der Geschichte, leiden ja gerade transsexuelle Menschen ebenso unter den Geschlechtertheorien der späten 60er-Jahre, wie intersexuelle Menschen. Alleine die psychische Zwangsbehandlung sich als Frau in die Hände eines Psychologen begeben zu müssen, der nach psychoanalytischem Lehrbuch diese Frau als "Mann mit Identitätsstörung" ansehen wird, weil sie mit Penis und Hoden geboren wurde, zeigt auf, in welche paradoxe Situation sich transsexuelle Menschen auch heute noch begeben müssen. Dass hier Transsexuellenorganisationen mitspielen, ist eine der traurigsten Vorstellungen, welche in Deutschland aufgeführt werden. So ist auf einschlägigen Seiten von transsexuellen Gruppierungen u.a. folgendes zu lesen:

"Transsexualität wird oftmals beschrieben als ‚... eine tiefe innere Gewissheit, dem anderen als dem Geburtsgeschlecht anzugehören ...'. Diese Gewissheit besteht oft schon seit frühester Kindheit."

"Fast alle Spezialisten auf diesem Gebiet sehen derzeit den Geschlechtswechsel samt geschlechtsangleichender Operation als einzige Möglichkeit der Linderung an."

"Transfrau ist eine Bezeichnung für Transgender der Richtung Mann-zu-Frau."

""Transsexuelle Menschen können sich nicht mit ihrem angeborenen, biologischen Geschlecht identifizieren, sondern sie wissen und empfinden sich als dem Gegengeschlecht zugehörig. Sie fühlen sich ‚im falschen Körper' und streben eine "Geschlechtsumwandlung" an."

Vielleicht liegt es an der Käuflichkeit der menschlichen Seele, dass es verlockend erscheint, sich auf die Theorien der Sexologie einzulassen und selbst daran zu glauben nicht das zu sein, von dem mensch weiss dass er es ist - eine Selbstverleugnung der einfachen Behandlung willen - wer mitspielt und die Gender-Theorien brav bestätigt, der braucht weniger Menschenrechtsverletzungen befürchten, als nun normalerweise üblich. Anstatt das "normalerweise" näher zu hinterfragen und eine grundsätzliche Kritik zu äussern, wird mitgespielt. Kein Wundern, dass manch intersexueller Mensch, der unter den Folgen genitaler Zwangsverstümmelung zu leiden hat, davon angewidert sein muss, wenn transsexuelle Menschen auch noch sich selbst für verrückt erklären um dann im gleichen Atemzug zu behaupten, dass "Geschlechtsumwandlungen" möglich wären.

Die Geschlechtsumwandlungs-Lüge

Wären "Geschlechtsumwandlungen" tatsächlich möglich, hätten wir nicht die fatalen Folgen genitaler Zwangszurodnungen - Menschen die sich plötzlich ganz und gar nicht so "fühlen" wollen, wie ihre genitale Zuordnung. Zu Recht fordern die meisten Intersexuellen-Organisationen auch deswegen einen Stopp derartiger Verstümmelungspraktiken und eine deutliche Nennung der Täter. Dies wird aber nur gelingen, wenn nicht nur die auführenden Operateure (die oft nur auf Anweisung von Psychologen ihren Job verrichten) auf der Anklagebank sitzen, sondern vorallem diejenigen, welche das ideologische Gedankengebäude errichtet haben, das solche Zwangszurodnungen erst ermöglicht hat. Jedem Menschenrechtler sollte daran gelegen sein, die Täter zu benennen, diejenigen zu "outen", die bislang unbehelligt an ihren Schreibtischen Texte für ihre Bücher entwerfen konnten, in denen von "Geschlechtsumwandlungen", "psychosexueller Neutralität" bzw. "psychosexueller Entwicklung" und "Geschlechtsidentitätsstörungen" gefaselt wird. Wer behauptet, dass das Geschlecht eines Menschen änderbar wäre, darf sich hier mitschuldig fühlen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Auflistung von Autoren, welche am sogenannten "International Journal for Transgenderism" mitgeschrieben haben. Hierzu gehörten, neben dem Herausgeber "Friedemann Pfäfflin" in Ulm auch, und so erstaunlich ist das nicht, John Money höchstpersönlich. Weitere Verbindungen nach Deutschland zeigen sich auch in folgendem Wikipedia-Eintrag:

"[John Money]...wurde 2002 von der Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, für die er arbeitete, mit der Magnus-Hirschfeld-Medaille ausgezeichnet."

Man mag ja fast fragen, für was er diese Medaille erhalten hat. Eine ebenso spannende Verbindung gibt es zu Volkmar Sigusch, einem der berühmtesten Sexologen Deutschlands. Dieser hatte 1973 zusammen u.a. mit John Money die sogenannte "International Academy for Sex Research" gegründet, deren aktueller Vorsitzender Eli Coleman ist, der zuvor bei der Organisation Präsident war, bei der auch schon Friedemann Pfäfflin Vorsitzender sein durfte: Der ehemaligen "Harry Benjamin International Gender Dysphoria Assoication, Inc.", die sich heute WPATH - "World Professional Association for Transgender Health" nennt. Volkmar Sigusch war derjenige welche, der in den 70er Jahren massgeblich an den Formulierungen des Transsexuellengesetzes mitgearbeitet hatte, Friedemann Pfäfflin derjenige, der sich stark dafür machte, den Begriff "Transsexualität" noch konsequenter durch den Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" zu ersetzen. Friedemann Pfäfflin ist aktuelle Mitglied des "Gender Identity Disorders Subcommittee" der APA, der American Psychiatric Association, die im Jahr 2012 eine neue Definition für "Geschlechtsidentitätsstörungen" erstellen will. Man darf nicht annehmen, dass sich die Moneyschen Jünger aber bereit ihre Fehler eingestehen. So streitet Pfäfflin weiterhin ein mehrdimensionales Geschlechterbild ab, und reduziert, ganz Psychoanalytiker, das Geschlecht des Menschen letztendlich doch wieder auf wenige Merkmale. In dem Buch "Sexualitäten" (von 2008) führt Pfäfflin auf, wie er und Kollegen einem Aufruf der englischen Organisation GIRES, biologische Tatsachen zu akzeptieren (wie die Angeborenheit von Transsexualität), nicht gefolgt ist, welche geschafft hat, im Vereinten Königreich zu weitreichen Menschenrechtsverbesserungen zu kommen (Gender Recognition Act):

"Richard Green (2006), ein früherer Mitarbeiter von Robert Stoller, Gründer und langjähriger Herausgeber der Archives of Sexual Behavior, die das offizielle Organ der International Academy of Sex Research sind, Ken Zucker (2006), der derzeitige Herausgeber dieser Fachzeitschrift, und ich (Pfäfflin 2006b) sind der Aufforderung, dieses Manifest zu unterzeichnen, nicht gefolgt, sondern haben kritische Kommentare geschrieben, worauf die Gender Identity Research and Ed-ucation Society (2006b) wiederum eine Entgegnung formulierte."

Interessant sind wieder die Namen, die hier auftauchen: So steht hier wieder etwas von "der International Academy of Sex Research" (siehe: Volkmar Sigusch), aber auch Namen wie Ken Zucker, einem offen agierenden Money-Jünger, tauchen auf, einem kanadischen Psychologen, der reparative Therapien an transsexuellen Kindern durchführt und meint, dass "geschlechtsuntypisches Verhalten" geheilt werden könne - ausgehend davon, dass die Genitalien eines Menschen natürlich wieder einmal im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Besser kann das dann, auch wenn das Zitat weiter oben schon einmal aufgetaucht ist, ein Freund Zuckers ausdrücken, der Frankfurter Bernd Meyenburg:

"Sie sehen doch, das Kind hat einen Penis, also ist es kein Mädchen" (2008)

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Zusammenhänge zwischen den Theorien John Moneys und der psychoanalytisch geprägten Sexologie nicht nur auf ein paar Figuren reduziert werden kann, sondern sich zahlreiche Professoren und Professorinnen in Deutschland an der Weiterverbreitung dieser Ideologien beteiligt haben, weitgehend unbehelligt und ohne, dass hier eine grosse Öffentlichkeit bereits wahrgenommen hätte, welche Schattenseiten die sexuelle Revolution der 60er hervorgebracht hat - eine Phalluszentriertheit im Denken, das Verstärken von Geschlechtersterotypen und letztendlich massive Menschnrechtesverletzungen an intersexuellen und transsexuellen Menschen. Am dringensten wäre es, die Menschenrechtsverletzungen zu beenden - die gesellschaftlichen Auswirkungen die sich aus einer offenen Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Moneyschen Gendergeneration ergeben, können nur positiv sein - auch bei den Menschen, die "lediglich" von einer geschlechtssterotypen Gesellschaft betroffen sind, und bislang nicht befürchten mussten, genitalverstümmelt oder zu psychisch krank erklärt zu werden. Es möge die Aufklärung beginnen.

Wikipedia:

John William Money (* 8. Juli 1921 in Morrinsville, Neuseeland; † 7. Juli 2006 in Towson, Maryland) war ein US-amerikanischer Psychologe und Sexologe bekannt für seine Forschungen über Geschlechteridentitäten, Geschlechterrollen. Er wurde 2002 von der Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, für die er arbeitete, mit der Magnus-Hirschfeld-Medaille ausgezeichnet.

Der gebürtige Neuseeländer Money migrierte 1947 in die Vereinigten Staaten und studierte an der University of Pittsburgh Psychologie. Er erwarb 1952 seinen Doktor der Psychologie an der Harvard-Universität. Er war in den 1950ern kurz verheiratet und hatte keine Kinder. Money war Professor für medizinische Psychologie an der Johns-Hopkins-Universität von 1951 bis zu seinem Tod.

Money war einer der ersten, die wissenschaftlich zu beweisen versuchten, dass Geschlecht nur erlernt sei, er war einer der Pioniere der Gender-Theorie. Money unterzog 1967 den knapp zwei Jahre alten Jungen Bruce Reimer einer Geschlechtsumwandlung, dessen Penis zuvor bei einer Beschneidung (versehentlich) verstümmelt worden war. Das Experiment lief jedoch aus dem Ruder: Schon als kleines Kind riss sich Brenda, wie Bruce nun hieß, die Kleider vom Leib, um Mädchenspielzeug machte sie einen weiten Bogen. Als Brenda mit 14 erfuhr, dass sie als Junge auf die Welt gekommen war, ließ sie die Geschlechtsumwandlung rückgängig machen. Im Frühjahr 2004 erschoss sich Bruce Reimer. Sein Zwillingsbruder starb zwei Jahre zuvor, es gibt Vermutungen, wonach er Selbstmord begangen haben soll, weil er die Leiden seines Bruders nicht mehr ertrug.

Trotz des Fehlschlags diente der "John/Joan-Fall" einem Teil der Frauenbewegung als wissenschaftlicher Beleg für die Thesen des Gleichheitsfeminismus. So schrieb Alice Schwarzer 1975, dass "die Gebärfähigkeit auch der einzige Unterschied ist, der zwischen Mann und Frau bleibt. Alles andere ist künstlich aufgesetzt." Das Experiment Money würdigt sie als eine der "wenigen Ausnahmen, die nicht manipulieren, sondern dem aufklärenden Auftrag der Forschung gerecht werden" ("Der kleine Unterschied", 1975, Seite 192f).


Ergänzung:

In dem deutschen Verlag, in welchem die Ideologien John Moneys Platz finden konnten, dem Enke Verlag, erschien zuvor auch ein anderes Werk. Es ist eine Abhandlung der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung, unter dessen Federführung das deutsche Transsexuellengesetz entstand:  

Tabelle 1939Bürger-Prinz, H., Albrecht, M., & Giese, H.: Zur Phänomenologie des Transvestitismus bei Männern. Beit. Sexualforsch., Stuttgart, F. Enke Verlag, 1953, No. 3.

Wer aber war Bürger-Prinz?

Hans Bürger-Prinz (* 16. November 1897 in Weinheim; † 29. Januar 1976 in Hamburg) war ein deutscher Psychiater.

Bürger-Prinz wurde 1931 Oberarzt der Universitätsnervenklinik in Leipzig, trat 1933 in die NSDAP und die SA ein und war zudem Mitglied im NS-Lehrerbund, NS-Ärztebund und im NS-Dozentenbund und Mitglied einer Kommission der Reichsstelle für deutsches Schrifttum. Nebenbei war er ehrenamtlicher Richter am Erbgesundheitsgericht.
[...]
1949-51 war Bürger-Prinz weiterhin Hochschullehrer und Klinikleiter. Er war an der Errichtung einer Forschungsstelle für menschliche Erb- und Konstitutionsbiologie beteiligt und seit 1950 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung.
(wikipedia)

Was war das Erbgesundheitsgericht?

Die Erbgesundheitsgerichte wurden im Deutschen Reich durch das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 eingeführt. Sie entschieden in äußerlich rechtsförmig gestalteten Verfahren über (Zwangs-)Sterilisationen (vermeintlich) Kranker und waren damit Werkzeug zur Durchsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene, die den Menschen zum bloßen Objekt staatlicher Verfügungsgewalt herabwürdigte. Bis Mai 1945 wurden aufgrund der Beschlüsse der Erbgesundheitsgerichte etwa 350.000 Menschen zwangssterilisiert.

Da verwundert es kaum, dass es in Deutschland bis 2011 noch ein Gesetz wie das Transsexuellengesetz gab, welches Zwangssterilisationen an transsexuellen Menschen forderte. Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung beeinflusst immer noch Politik und Justiz, insbesondere in der Ansicht, wie mit transsexuellen Menschen zu verfahren sei. So gibt es immer noch richterliche Begutachtungen transsexueller Menschen, die an die Behandlung homosexueller Menschen in den 40er-Jahren erinnern, in der wie Transsexualität heute, Homosexualität für "widernatürlich" gehalten wurde.

So wird heute behauptet, transsexuelle Menschen seien "biologisch" un-echt und es handele sich bei Transsexualität um einen Wunsch (in einer Geschlechtsrolle leben zu wollen), der begutachtet werden müsse. Ähnlich wie beispielsweise 1944 noch "Lebensführung" und "Gesamtpersönlichkeit" eines homosexuellen Menschen vor Gericht begutachtet wurde (aus: Homosexualität in der NS-Zeit, Günter Grau, Fischer Verlag Frankfurt 2004), geschieht dies heute bei transsexuellen Menschen immer noch. So meinte das Bundesverfassungsgericht Anfang 2011 noch, dass man von transsexuellen Menschen gesetzlich fordern könne, als Voraussetzung für die Korrektur von Papieren, sich in "Kleidung, Aufmachung und Auftretensweise" zu zeigen, die ein Gerichtsgutachter für angemessen genug erachtet (Bundesverfassungsgericht 2011, - 1 BvR 3295/07 -). Das Kapitel der Menschenrechtsvebrechen an Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen scheint in Deutschland (leider) immer noch nicht abgeschlossen.



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