Samstag, 27. Juni 2015

Meine Damen und Herren, Die Evolution hat kein Ziel und läuft nicht vorhersehbar ab.

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Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2015

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Meine Damen und Herren

Die Evolution hat kein Ziel und läuft nicht vorhersehbar ab.

Vieles wird geschrieben über vieles wird Spekuliert ob nun Wissenschaft wie Forschung mehr noch Medizin und Politik über dieses Phänomen Transgender welches bei weitem nicht nur Deutschland betrifft sondern ein Phänomen ist welche Welt weit immer mehr in Erscheinung tritt.
Da mich mit dieser Thematik Zeit vielen Jahren beschäftige da selbst von Intersexualität betroffen bin, ist meine subjektive Meinung wie folgt:

Die Evolution hat kein Ziel und läuft nicht vorhersehbar ab.

Gott ist das einzige Wesen, 
das, um zu herrschen, 
nicht einmal des Daseins bedarf.
 

Von Charles Baudelaire

Alle Lebewesen entwickeln sich in jeder Phase gleichzeitig. Das bedeutet, dass moderne Menschenaffen genauso modern sind wie der moderne Mensch, sonst hätten sie es nicht geschafft, die Evolution bis heute zu überdauern. Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Homines sapientes haben gemeinsame Vorfahren. Der Mensch stammt von einem affenartigen Wesen ab. Vor etwa 200.000 Jahren entwickelten sich in Afrika im Zuge der Evolution die ersten Homines sapientes. Affen, Neandertaler und Homines sapientes entwickelten sich parallel weiter. Mensch und Menschenaffe sind genetisch fast identisch.

Vor etwa 100.000 Jahren war die evolutionäre Entwicklung des menschlichen Gehirns abgeschlossen. Homines sapientes und Neandertaler haben sich - wie man durch DNA-Analyse seit 2010 weiß - von vor etwa 100.000 Jahren bis vor etwa 50.000 Jahren etwas miteinander vermischt; etwa 2 Prozent in uns sind Neandertaler; das gilt für den europäischen und den asiatischen Raum, nicht für Afrika und Amerika, wo es keine Vermischung zwischen Homines sapientes und Neandertaler gab. Die Neandertaler starben vor etwa 30.000 Jahren aus. Die Homines sapientes entwickelten vor etwa 12.000 Jahren in Anatolien die erste Kultur. Zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Kultur gehört die Darstellung einer nackten Frau mit weit gespreizten Schenkeln, entstanden vor etwa 12.000 Jahren in Anatolien. Allererste Belege für menschliche Kultur sind etwa 75.000 Jahre alt und stammen aus der südafrikanischen Kap-Region: in Hämatit gravierte Zeichen.

Die moderne Wissenschaft bestätigt Charles Darwin, und die Evolutionstheorie ist unter allen seriösen Wissenschaftlern unumstritten. Charles Darwin ist aufgrund seiner Evolutionstheorie einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler.

Weltweit zeichnet sich ein menschenrechtlicher Trend ab, Menschen mit so genannten „geschlechtlichen Normabweichungen”, wie transsexuelle und intersexuelle Menschen, in ihrem eigentlichen Geschlecht, das vom standesamtlich eingetragenen abweichen kann, auch rechtlich anzuerkennen. Dänemark folgte als erstes Land in Europa dem Vorbild Argentiniens, die rechtliche Anerkennung nicht mehr von medizinischen Bedingungen abhängig zu machen. Auch das Bundesverfassungsgericht in Deutschland hatte 2011 Teile des “Transsexuellengesetzes” als nicht verfassungskonform erachtet, in denen körperliche Voraussetzungen für die Änderung des Personenstandes vorgeschrieben wurden.

Intersexuelle Menschen

In der jüngeren Zeit wird die Gruppe von intersexuellen Menschen in Ergänzung zu den oben genannten LGBTI einbezogen, unter anderem werden sie in dem oben beschriebenen LGBTI-Maßnahmenkatalog der EU erwähnt. Unter Intersexualität oder Zwischengeschlechtlichkeit versteht man viele unterschiedliche Phänomene nicht eindeutiger Geschlechtszugehörigkeit mit jeweils verschiedenen – z.B. chromosomalen und zellulären – Ursachen. In der Bundesrepublik leben etwa 80.000 bis 120.000 medizinisch mit dem Begriff intersexuell bezeichnete Menschen.

In einem von Betroffenen geschriebenen, sogenannten "Schattenbericht" zum deutschen Externer Link, öffnet in neuem FensterCEDAW-Bericht (Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau) von Februar 2009 wird die Situation der Betroffenen geschildert. Der CEDAW-Ausschuss hat Deutschland aufgefordert, in einem Dialog mit Nichtregierungsorganisationen von intersexuellen und transsexuellen Menschen einzutreten, um ein besseres Verständnis für deren Anliegen zu erlangen und wirksame Maßnahmen zum Schutz ihrer Menschenwürde zu ergreifen. Die Bundesregierung hat hieraufhin den Deutschen Ethikrat beauftragt, eine Stellungnahme zur Situation von intersexuellen Menschen vorzulegen.

Homosexuelle und Transgenderpersonen

14 Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren, alle Zöglinge einer katholischen Lehranstalt, haben in Porto im Februar 2006 eine Transsexuelle, sie hieß Gisberta, brutal zu Tode gefoltert. Sie traktierten ihr Opfer über vier Tage lang mit Steinen und Schlägen und vergewaltigten die Frau mehrfach mit diversen Gegenständen. In den ersten drei Tagen ließen sie die Schwerverletzte in einem leer stehenden Parkhaus zurück, am vierten Tag verscharrten sie die Sterbende in einem metertiefen Graben. Die Schüler haben die Tat gestanden, sind jedoch nach portugiesischem Recht noch nicht strafmündig.
Der Leiter des Heimes, in dem die Jungen leben, der katholische Priester Lino Maia, gestand den Jungen "mildernde Umstände" zu. Er versucht, die Institution, die er leitet und die Jungen für die er verantwortlich ist, zu entschuldigen: die Jungen hätten "Gerechtigkeit mit ihren eigenen bloßen Händen" geübt.

In Portugal herrscht noch immer ein Klima der Gewalttätigkeit und sozialer Ausgrenzung gegen Homosexuelle und Transgender, das in weiten Bereichen von der katholischen Kirche geschürt wird. Polizei und Presse versuchen die Übergriffe zu vertuschen. In Portugal sind 95 Prozent römisch-katholisch.

In der islamischen Türkei werden Transsexuelle nicht als Menschen wahrgenommen. 1997 starb die Transsexuelle Gamze durch 16 Messerstiche in den Rücken, 1998 die Transsexuelle Nilüfer durch die Folgen einer Vergewaltigung, 2000 wurde die Transsexuelle Seher in ihrem Auto ermordet, 2003 starb die Transsexuelle Aydan in ihrer Wohnung durch Messerstiche in den Rücken, 2004 wurde die Transsexuelle Serpil in ihrer Wohnung ermordet und danach auf einer Müllkippe gefunden, 2005 wurde die Transsexuelle Sitem zuhause mit einer Wäscheleine erwürgt, im selben Jahr starb die Transsexuelle Cibali an den Folgen einer Vergewaltigung, 2006 wurde die Transsexuelle Nese auf der Straße ermordet, auch die Transsexuelle Dilek Ince wurde 2006 ermordet, sie starb in einem Krankenhaus in Ankara, nachdem sie von 8 Schüssen aus einem Gewehr in den Kopf getroffen worden war. Sofern es in der Türkei überhaupt zu Anklagen kommt, folgt postwendend der Freispruch.

Auch in Ländern wie Chile (85 Prozent sind Christen) und Brasilien (89 Prozent sind Christen) sind Morde an Transsexuellen Kavaliersdelikte. In Brasilien wird alle 36 Stunden ein Schwuler, eine Lesbe oder ein Transgender ermordet.

In Los Angeles wurde einer Transsexuellen auf offener Straße die Kehle aufgeschnitten, als sie auf dem Asphalt verblutete, wurde sie von Täter und Passanten ausgelacht.

Als ich in Chicago war, saß ich unten an der Hotelbar und erfuhr nebenbei durch die Nachrichten des dort ständig laufenden Fernsehers, dass in der Stadt letzte Nacht vier Transgender, die einen Fashion-Shop haben, von Afroamerikanern abgestochen wurden, zwei waren tot. Die afroamerikanische Gang wurde nicht gefasst. Ich glaube aber nicht, dass es diese Chicago-Lokalnachrichten über Illinois hinaus geschafft haben.

Auch in Deutschland ist Gewalt gegen Homosexuelle und Transgender-Personen ein Tabuthema. Allein in St. Georg wurden 2006 12 Mal Homosexuelle von Muslimen brutal zusammengeschlagen. Bei einer Studie zum Thema Homosexualität unter Muslimen kam der blanke Hass von Muslimen gegen Homosexuelle zum Vorschein.

Ein Homosexueller wurde in Deutschland mit Fahrradketten solange geschlagen, bis Brust und Rücken kaum noch zu erkennen waren. Egal ob in Berlin oder sonst wo, immer wieder kommt es zu Gewalt gegen Homosexuelle und Transgender-Personen. Die Medien berichten nicht darüber, die deutsche Öffentlichkeit interessiert sich nicht dafür.

Eine Studie der Christian-Albrecht-Universität Kiel über die Einstellung von Jugendlichen in Deutschland zu Homosexualität brachte das Ergebnis, dass türkische Einwandererjugendliche besonders schwulenfeindlich sind und dass dabei die Religion eine zentrale Rolle spielt.

Eine medizinische Behandlung, die transsexuellen, intersexuellen und allen von geschlechtlichen Normen abweichenden Menschen hilft, und das Wohl des Einzelnen in den Vordergrund stellt, ist möglich.
Mit der vorliegenden Erklärung wollen wir ethische und menschenrechtliche Aspekte des respektvollen Umgangs im Bereich der Medizin, Psychotherapie, Beratung und Begleitung mit transsexuellen, intersexuellen und allen von geschlechtlichen Normen abweichenden Menschen aufzeigen und erklären, was möglich und notwendig ist, um sinnvolle Hilfe und Unterstützung, sowie respektvollen Umgang miteinander möglich zu machen.

Die Würde des Menschen

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Dies beinhaltet die Akzeptanz aller erwachsenen Menschen als mündig und fähig, selbst zu wissen, wer sie sind, welchem Geschlecht sie angehören, Entscheidungen über sich selbst zu fällen und die Verantwortung für die Folgen zu übernehmen. In diesem Sinne ist jeder Mensch fähig, selbst über seinen Körper und über sein Geschlecht zu bestimmen.
Auch minderjährige Menschen haben eine Würde, die nicht verletzt werden darf. Dazu gehört es, ihre Entscheidungen und Willenserklärungen zu respektieren, zu achten, geschlechtliche Selbstbestimmung und Selbstakzeptanz zu ermöglichen und nicht zu verhindern bzw. ihnen ihre geschlechtliche Selbstwahrnehmung nicht abzusprechen.

Die Verfügbarkeit von Geschlecht

Geschlecht ist nicht verfügbar. Das Geschlecht eines Menschen kann nicht durch andere bestimmt werden, was einer Fremdbestimmung und Inbesitznahme gleich käme. Nur der einzelne Mensch kann auf Grund seines Wissens über sich selbst über sein eigenes Geschlecht, seine Geschlechtszugehörigkeit, verlässlich Auskunft geben. Allein ihm obliegt es, sein Geschlecht zu bestimmen.

Das Geschlecht und die Anerkennung desselben gehören zum Intimbereich und sind zentraler Bestandteil des Menschen, seines Selbstverständnisses und seiner Würde.

Eine Nichtanerkennung des Geschlechts, als welches sich ein Mensch begreift, kommt einer Entmenschlichung und Aberkennung seiner Würde gleich.

Recht auf Gesundheit

„Das erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit ist eines der grundlegenden Rechte eines jeden Menschen“ (WHO)[1].

Diese werden ihm auch durch den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Artikel 12 (1)) zuerkannt.

Zudem hat jeder das Recht, alle Maßnahmen in Anspruch zu nehmen, die es ihm ermöglichen, sich des besten Gesundheitszustandes zu erfreuen, den er erreichen kann (Europäische Sozialcharta Teil 1/11.). Es sollte als selbstverständlich erachtet werden, dass nur ein Mensch selbst eine verlässliche Aussage über den für ihn besten Gesundheitszustand zu treffen vermag. Dritte können ihn allenfalls dabei unterstützen, dies herauszufinden.

(Anm.: [1] WHO (World Health Organisation): Health for All in the Twenty-First Century, WHA51.7, Agenda item 19, 16 May 1998)

Montag, 22. Juni 2015

Zentrale Konzepte und Begriffe

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Zentrale Konzepte und Begriffe


Neben Homo- und Transphobie, gibt es auch Biphobie. Als (noch) nicht gängiges Konzept beschreibt Biphobie die Angst vor Bisexuellen, basierend auf spezifischen Stereotypen und Vorurteilen gegen diese, was zu Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung führen kann.

Bisexuelle
Als Bisexuelle werden Männer und Frauen bezeichnet, die sich emotional und/oder sexuell sowohl zu Männern als auch zu Frauen hingezogen fühlen. Sie können mit den beiden Geschlechtern sexuelle und/oder nicht-sexuelle Beziehungen eingehen oder sich dies wünschen.

Cisgender/Cissexismus
Cissexismus beschreibt die Ablehnung, Ausgrenzung und Diskriminierung von Trans*Menschen durch Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht in Einklang steht bzw. noch nie hinterfragt wurde (auch cisgender oder cisgeschlechtliche Menschen genannt). Cissexismus resultiert in Abwertungsstrategien, der Aufrechterhaltung von zweigeschlechtlichen Überlegenheitssystemen und oft in Gewalt gegen Trans*Personen. Das lateinische Präfix “cis-” (auf dieser Seite, diesseits, binnen, innerhalb) bildet das Antonym von trans- (über-, hinüber-, durch-, hindurch-). Cis- und Begriffe wie cisgender, wurden von der Trans*Bewegung eingeführt, um Trans* nicht immer als Abweichung von der Norm zu definieren. Cissexismus soll im Unterschied zu Transphobie außerdem die Gewaltförmigkeit und systemische Verankerung des Zweigeschlechtersystems betonen und auch die Spezifika der Ablehnung von Trans* im Vergleich zu Sexismus deutlich machen.

of Color, People / Queers (PoC, QPoC)
Die Bezeichnung People of Color ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrungen in weißen Mehrheitsgesellschaften. Der Begriff ist nicht ins Deutsche übersetzbar und wird von PoC selbst auf Englisch verwendet. Er verbindet Menschen, die aufgrund phänotypischer Eigenschaften wie Haut-, Augen- und/oder Haarfarbe, Haarstruktur sowie unterstellter, angenommener oder tatsächlicher Migrationsgeschichte nicht als Zugehörige der weißen Mehrheitsgesellschaften identifiziert und anerkannt werden.
Queers of Color beziehen sich auf die Bezeichnung PoC. Sie grenzen sich damit nicht nur von der weißen Mehrheitsgesellschaft ab, sondern auch von den rassifizierten Dominanzverhältnissen innerhalb von LSBTI-Bewegungen.

Drag King

Drag Kings sind – meist, nicht immer – Personen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, und die u.a. im Rahmen von Performances Männlichkeiten darstellen bzw. parodieren. Beim gezielten Einsatz von Geschlechter-Zeichen (z.B. Bärte, Körpersprache, Kleidung) geht es dabei z.T. um das Aufzeigen der Konstruiertheit von Geschlecht, aber auch teilweise um den Ausdruck eigener Identitäten.

Drag Queen

Drag Queens sind – meist, nicht immer – Personen mit männlichem Geburtsgeschlecht, die u.a. im Rahmen von Performances Weiblichkeiten darstellen bzw. parodieren. Beim gezielten Einsatz von Geschlechter-Zeichen geht es dabei z.T. um das Aufzeigen der Konstruiertheit von Geschlecht, aber auch teilweise um den Ausdruck eigener Identitäten.
Frau/Mann mit transsexueller/transidentischer Vergangenheit
Diese Bezeichnung wählen manche Menschen, für die Trans* keine Identität und kein Lebenskonzept, sondern ein Durchgangsstadium auf dem Weg in ihr Identitätsgeschlecht als Frau oder Mann ist.
Geschlechtsidentität
Unter Geschlechtsidentität versteht man das tief empfundene innere und persönliche Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, das mit dem Geschlecht, das einem Menschen bei seiner Geburt zugewiesen wurde, übereinstimmen kann, jedoch nicht muss, und außerdem nicht zeitlich stringent erfahren werden muss. Geschlechtsidentität manifestiert sich u.a. in der Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Repräsentanz nach außen.

Homonationalismus

Der Begriff Homonationalismus wurde von Jasbir Puar geprägt.4 Er verweist auf die Vereinnahmung von LSBTI-Emanzipationsforderungen für nationalistische Ziele. Prominente Beispiele für Homonationalismus sind die Legitimation von restriktiven Einwanderungspolitiken oder Kriegen, die im Namen des Schutzes von „sexuellen Minderheiten“ geführt werden. Dazu gehören auch Formen des anti-muslimischen Rassismus und Ausgrenzung queerer Migrant_innen in LSBTI-Communities.

Homophobie

Homophobie beschreibt die Angst und Ablehnung von gleichgeschlechtlich lebenden und liebenden Männern und Frauen, die zu Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt führen kann. Homophobie beruht auf einer systemisch abgesicherten, zwangsförmigen Zweigeschlechtlichkeit, in der sexuelles und emotionales Begehren nur zwischen Frau und Mann gedacht werden kann, was als Heteronormativität bezeichnet wird.

Inter*

Inter* ist ein Begriff, der sich aus der Community entwickelt hat, und der als ein emanzipatorischer und identitärer Überbegriff die Vielfalt intergeschlechtlicher Realitäten und Körperlichkeiten bezeichnet. Inter* fungiert damit vermehrt als deutscher Oberbegriff für Intersexuelle, Intersex, Hermaphroditen, Zwitter, Intergender sowie inter- oder zwischengeschlechtliche Menschen, die mit einem Körper geboren sind, der den typischen geschlechtlichen Standards und Normen von Mann und Frau nicht entspricht. Intersexualität wird als pathologisierende Diagnose auf diese Personen verwandt, weil deren körperlichen Merkmale medizinisch nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können. Viele Inter* lehnen sie daher als Selbstbezeichnung ab. Neuerdings wird von medizinischer Seite zunehmend die Bezeichnung “DSD” (engl. „Disorders of Sexual Development“; dt. „Geschlechtsentwicklungsstörung“) verwendet. Diese Bezeichnung wird jedoch aufgrund des Störungsbegriffes von vielen inter* Menschen noch stärker abgelehnt. Inter* kann eine Geschlechtsidentität sein im Sinne der Selbstdefinition als Zwitter, Hermaphrodit, Intergender etc sein. Inter*Menschen können sich aber auch als Männer, Frauen oder je nach Kontext anders definieren.

Intergeschlechtliche Menschen

Intergeschlechtliche Menschen (auch: Intersexuelle, Inter*Personen, Zwitter, Hermaphroditen) werden mit körperlichen Merkmalen geboren, die medizinisch als „geschlechtlich uneindeutig“ gelten. Intergeschlechtliche Kinder sind immer noch sehr oft normierenden medizinischen (operativen und anderen) Eingriffen mit dem Ziel der Herstellung geschlechtlicher Eindeutigkeit ausgesetzt. Diese Praktiken werden von Intersex-Organisationen als Menschenrechtsverletzungen kritisiert.5

Zwischen den Diskriminierungs- sowie Menschenrechtssituationen intergeschlechtlicher und trans* Menschen, ihren Anliegen sowie der unterschiedlichen Positionierung in den Feldern Recht und Medizin ist sorgfältig zu unterscheiden (vgl. Kromminga 2005; Klöppel 2010).

Manche Menschen verorten ihre Erfahrungen sowohl im Bereich der Intergeschlechtlichkeit als auch in dem der Trans*Lebensweisen.6

Interphobie

Neben Homo- und Transphobie, spielt auch Interphobie eine spezifische Rolle. Als (noch) nicht gängiges Konzept beschreibt Interphobie die Angst vor zwischengeschlechtlichen Lebens- und Ausdrucksweisen sowie vor körperlich-geschlechtlicher Vielfalt, die zu Gewalt, Diskriminierung, Ausgrenzung und v.a. der medizinisch-gesellschaftlich-rechtlichen Verunmöglichung von Inter* Identitäten und Körperlichkeiten führt.7 Es besteht gleichzeitig Kritik an der Verharmlosung der Gewaltsamkeit der Inter*Vernichtung durch den Phobie-Begriff. Andererseits wurde er geschaffen, um Inter* und die spezifischen Formen ihrer Diskriminierung sichtbar zu machen.

LSBTI

Die Abkürzung LSBTI für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter*. An dieser Stelle sei auf einige Probleme verwiesen, die mit dem Akronym verknüpft sind. Erstens bleibt festzuhalten, dass – auch wenn in der Abkürzung das „I“ und „T“ enthalten sind – insbesondere Inter*-, aber auch Trans*Aktivist_innen und deren Anliegen in der LSBTI-Bewegung kaum vertreten sind. Zu berücksichtigen ist zweitens, dass sich nicht alle Inter* oder Trans*Menschen als Teil einer sexualitätsbasierten LSB-Emanzipationsbewegung verstehen. Drittens ist herauszustellen, dass LSBTI westliche Definitionen zusammenfasst, die einen einschränkenden, uniformierenden und hegemonialen Charakter haben. Im Rahmen der vorliegenden Studie sollen diese Bezeichnungen nicht suggerieren, dass es sich hierbei um lebenslang und universell gültige Identitätsformen handelt. Sie werden in der Studie strategisch benutzt, um über die unterschiedlichsten sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten über alle kulturellen, geographischen, sprachlichen und zeitlichen Grenzen hinweg sprechen zu können. Andere lokale und indigene Selbstdefinitionen wie z.B. Lesbi (Indonesien), Shamakhami (Bangladesch), Hijra (Indien/Pakistan), Jota (Mexiko), Two Spirit (USA/Kanada) etc. sind notwendigerweise darin nicht repräsentiert. Viertens produzieren Aufzählungen immer Ausschlüsse.

Phobie

Das Wort Phobie ist altgriechischen Ursprungs und bedeutet Angst oder Furcht. In Verbindung mit Trans-, Inter-, Homo- oder Biphobie wird daher oft befürchtet, dass durch die Betonung der individuellen Furcht vor Trans*, Inter*, Homo- und Bisexuellen deren systemische Diskriminierung aus dem Blick gerät.

Queer/queer lebende Menschen

Queer fungiert nicht als Identitätsbegriff, sondern verweist u.a. auf Praktiken und gesellschaftliche Positionen, die zweigeschlechtliche und heterosexuelle Normen in Frage stellen.

Rassismus

Als Rassismus wird nach John Stuart Hall9 eine soziale Praxis bezeichnet, die eine Gesellschaft nach Hautfarben unterteilt. In rassistischen Diskursen fungieren körperliche Merkmale als Bedeutungsträger innerhalb eines Systems der Differenz und Macht. Es entsteht ein rassistisches Klassifikationssystem, welches auf „rassischen“ Charakteristika beruht. Dient dieses Klassifikationssystem dazu soziale, politische und ökonomische Praxen zu begründen, die bestimmten Gruppen den Zugang zu materiellen oder symbolischen Ressourcen verwehren, so handelt es sich um rassistische Praxen. Rassistische Praxen beziehen sich auf Rassen, obwohl es nachgewiesenermaßen keine Rassen gibt. Diese Paradoxie ist nach Hall bestimmend für den ideologischen Diskurs. Die Verknüpfung von Ausgrenzung und Macht bildet die rassistische Ideologie welche dazu dient, bestimmte Gruppen vom Zugang zu materiellen, kulturellen und symbolischen Ressourcen auszuschließen.

Trans*

Trans* ist ein recht junger, im deutschsprachigen Raum inzwischen verbreiteter, weit gefasster Oberbegriff für eine Vielfalt von Identitäten und Lebensweisen. Dabei dient der Stern * als Platzhalter für diverse Komposita. Trans* findet Verwendung in einem Spektrum von trans*, LSBT- und queer-feministischen Kontexten, die von Selbsthilfe- bis hin zu aktivistischen Gruppen reichen.

Aufgrund dieser Verbreitung und Inklusivität verwenden wir Trans* als Oberbegriff, um ein breites Spektrum von Identitäten, -Lebensweisen und -Konzepten zu bezeichnen, auch solche, die sich geschlechtlich nicht verorten (lassen) möchten. Gleichzeitig ist es uns ein Anliegen, die jeweils spezifischen Erfahrungen, Positionen und Selbstbezeichnungen zu differenzieren und zu bennenen, die im Folgenden vorgestellt werden. Die Schwierigkeiten und Grenzen eines Oberbegriffs sind uns bewusst.

Trans

Trans (ohne *) wird seit Ende der 1990er Jahre insbesondere im englischen Sprachraum als möglichst inklusiver Oberbegriff verwendet (vgl. Whittle 2006).11 Jedoch problematisieren einige Autor_innen die Weiße und westliche Prägung von Begriffen für Menschen, die Geschlechtergrenzen überschreiten, und plädieren für eine differenzierte Bezeichnungspraxis, die Selbstbezeichnungen von People of Color zur Sprache bringt.

Transe

Manche Trans*Personen/Gruppen eignen sich den ursprünglich pejorativen Begriff „Transe“ als Selbstbezeichnung an, andere empfinden ihn jedoch weiterhin als abwertend und lehnen ihn ab.

Transfrau

Transfrauen leben im selbstgewählten weiblichen Geschlecht (bei vormals zugewiesenem männlichen Geschlecht). Je nach eigener Perspektive und/oder Verortung im Spektrum von transsexuell, transgender, trans* etc. verstehen sich Transfrauen z.T. auch als Transweiblichkeiten, Mann-zu-Frau-Transsexuelle (MzF – bzw. aus dem Englischen MtF oder M2F für „male to female“) oder Mann-zu Frau-Transidenten.

Transmann

Transmänner leben im selbstgewählten männlichen Geschlecht (bei vormals zugewiesenem weiblichen Geschlecht). Je nach eigener Perspektive und/oder Verortung im Spektrum von transsexuell, transgender, trans* etc. verstehen sich Transmänner z.T. auch als Transmännlichkeiten, Frau-zu-Mann-Transsexuelle (FzM – bzw. aus dem Englischen FtM oder F2M für „female to male“), Frau-zu-Mann-Transidenten. „Transmann“ wird im deutschsprachigen Raum auch als weit gefasster Begriff verwendet für alle Menschen, die sich mit ihrem ehemals weiblichen Geburtsgeschlecht nicht oder nur teilweise identifizieren können.

Transgender

Virginia Prince (1912-2009) prägte den Transgender-Begriff in den 1970er Jahren in den USA. Sie lebte als Frau, ohne ihren ‚männlichen’ Körper operativ verändern zu lassen, und fand ihre Lebensweise weder mit dem Begriff „Transvestit“ noch mit dem der „präoperativen Transsexuellen“ repräsentiert. Mit der Selbstbezeichnung „Transgenderist“ grenzte sie sich von der Pathologisierung durch den medizinisch-psychiatrischen Diskurs ab: “We ain’t broken – so stop trying to fix us!“

Im Laufe der 1990er Jahre wurde der Transgender-Begriff ausgeweitet und wird u.a. verwendet

für andere Weisen von Geschlechtswechsel bzw. –veränderung, als es das medizinische Transsexualitätsmodell vorsieht

als politischer Begriff für Identitäten und Lebensweisen, die das Zwei-Geschlechter-Modell in Frage stellen

als Oberbegriff für vielfältige Weisen von Trans*

Die Verwendung als Oberbegriff ist verbreitet, stößt jedoch auch auf Kritik: So lehnen es transsexuelle Menschen z.T. ab, sich unter der Kategorie Transgender subsumieren zu lassen, vor allem wenn sie ihren Geschlechtswechsel innerhalb einer Zwei-Geschlechter-Struktur verorten und sich klar von geschlechtlicher Uneindeutigkeit unterschieden wissen möchten.

Transgeschlechtlichkeit

„Transgeschlechtlich“ beschreibt eine Vielzahl geschlechtlicher Identitäten und Ausdrucksweisen jenseits der Zwei-Geschlechter-Norm, ohne auf das medizinische Vokabular zurückzugreifen.

Transidentität

Diese Wortschöpfung aus dem deutschen Sprachraum verzichtet auf den irritierenden Sexualitätsbegriff in „transsexuell“ und betont stattdessen den geschlechtlichen Identitätsaspekt. So definieren sich manche Trans*Menschen als transidentisch oder Transident.

Transphobie

Transphobie beschreibt die Angst und Ablehnung von Trans*Menschen, die zu Gewalt, Diskriminierung, Ausgrenzung führen kann. Wie Homophobie, beruht auch Transphobie auf einer systemisch abgesicherten, zwangsförmigen Zweigeschlechtlichkeit, die auf der Permanenzannahme und Fremdzuweisung von Geschlecht aufgebaut ist. Um die Gewaltförmigkeit des Zweigeschlechtersystems zu betonen werden auch oft alternative Begriffe wie Cissexismus oder Trans*Misogynie als die auf Frauenfeindlichkeit beruhende Angst vor Transfrauen benutzt. Viele Trans*Menschen erfahren auch Homophobie, wenn ihre in dem Fall nicht sichtbare oder wahrgenommene Geschlechtsidentität als Homosexualität ausgelegt wird.

Transsexuell/Transsexualität

Als Transsexuelle bezeichnen sich Menschen, die sich mit dem ‚Gegengeschlecht’ des ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts identifizieren. Oft ist ihnen die Veränderung ihres Körpers mittels Hormonen, sogenannten geschlechtsangleichenden Operationen und anderen Schritten ein starkes Bedürfnis, weil sie ihren Körper (in individuell unterschiedlichem Ausmaß) als nicht stimmig empfinden und dies als leidvoll erleben.

Transsexualität ist eine medizinisch-psychologische Kategorie und in ihrer heutigen Form in den 1950er Jahren geprägt worden. Der Begriff umschreibt das andauernde, starke Bedürfnis, dem ‚Gegengeschlecht’ anzugehören und den Körper diesem angleichen zu wollen.

Manche sich als transsexuell identifizierende Menschen füllen den Begriff in Anlehnung an das medizinische Konzept, andere auf individuelle Weise. So können sich durchaus auch Personen selbst als transsexuell definieren, die keine, nur manche oder andere als dem medizinischen Standard entsprechende Körperveränderungen anstreben.

Transvestit/Transvestitismus

Auch diese Begriffe entstammen der medizinisch-psychologischen Diagnostik. Sie bezeichnen das Tragen ‚gegengeschlechtlicher’ Kleidung (engl. Cross-Dressing), um zeitweilige Zugehörigkeit zum ‚anderen Geschlecht’ zu erleben, ohne den Wunsch nach dauerhaftem Geschlechtswechsel oder chirurgischen Eingriffen. Meist sind dabei Personen im Blick, deren zugewiesenes Geschlecht männlich ist. Jedoch gibt es auch selbstidentifizierte Transvestitinnen bzw. Cross-Dresser, deren zugewiesenes Geschlecht „weiblich“ lautet (vgl. Sullivan 2006).

Der Begriff des „fetischistischen Transvestitismus“ verbindet das Tragen ‚gegengeschlechtlicher’ Kleidung mit sexueller Motivation.

Manche Trans*Menschen identifizieren sich selbst als Transvestiten oder Cross-Dresser23, grenzen sie sich jedoch von der verbreiteten pejorativen Bedeutung des Begriffs bzw. der negativen Besetzung einer Verbindung der Geschlechtsveränderung mit sexueller Stimulation ab (vgl. Prince 1997).



Tunte

„Tunte“ ist ein deutschsprachiger Begriff für Personen – meist, nicht immer – männlichen Geburtsgeschlechts, die Weiblichkeiten darstellen und parodieren, z.T. als Kritik an herrschenden Geschlechter- und Sexualitätsnormen oder als bewegungspolitische Gesellschaftskritik.24



Zwischengeschlechtliche Menschen


Zwischengeschlechtlichkeit umfasst verschiedenene Selbstdefinitionen und Lebensweisen zwischen den üblichen zwei Geschlechtern bzw. jenseits davon. Dies kann sich sowohl auf trans* als auch auf intergeschlechtliche Menschen beziehen.25 In dieser Expertise ist in der Regel von zwischengeschlechtlichen Selbstdefinitionen und Lebensweisen im trans* Kontext die Rede, u.a. von Menschen, die sich als dazwischen/inbetween, als weder*noch* oder sowohl-als-auch verstehen und dies auf unterschiedliche Weise ausdrücken, mit und ohne Körperveränderungen.26 Weitere Alternativen zu zweigeschlechtlichen Konstrukten, oft aus dem englischen Sprachraum, finden gelegentlich Verwendung in hiesigen Trans*Kontexten, z.B. genderqueer, polygender, gender bender, pangender, no gender, gender variant, gender non-conforming, cross-gender.

Freitag, 19. Juni 2015

Geschlechtsunterschiede aus neurowissenschaftlicher Sicht

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Geschlechtsunterschiede aus neurowissenschaftlicher Sicht

Unterschiede im Verhalten zwischen männlichen und weiblichen Tieren, die in der ethologischen Forschung (Ethologie) festgestellt wurden (geschlechtsspezifisches Verhalten), ließen schon früh nach deren Ursachen forschen. Die dabei gestellten Fragen lauteten vor allem, ob ihnen morphologische Unterschiede im Gehirn zugrunde liegen, ob diese Differenzen Einfluß auf die kognitiven Fähigkeiten haben könnten und - vor allem - inwieweit der Mensch davon betroffen ist.

Unterschiede in der Gehirngröße

Wenn man ein menschliches Gehirn vor sich hat, kann man nicht nur von der Betrachtung her sagen, ob es männlichen oder weiblichen Ursprungs ist. Rein statistisch beträgt die durchschnittliche Hirnmasse (Gehirngewicht) bei der Frau 1245 g und beim Mann 1375 g. Da es eine Korrelation zwischen Hirnmasse und Körpermasse gibt und Frauen im Durchschnitt kleiner sind als Männer, leitet sich daraus zunächst auch ein kleineres weibliches Gehirn ab. Das Verhältnis von Hirnmasse zu Körpermasse verschiebt sich nach einigen Untersuchungen sogar zu Gunsten des weiblichen Geschlechts: Die Hirn-Körpermasse-Relation beträgt danach bei der Frau 1:46 (22g Hirnmasse pro kg Körpermasse) und beim Mann 1:50 (20g pro kg). Allerdings gibt es inzwischen auch neuere Befunde, die wiederum zum gegenteiligen Schluß kommen. In jedem Fall sagen solche Durchschnittswerte jedoch nichts über die geistige Leistungsfähigkeit eines bestimmten Individuums aus - Ausnahmen bestätigen dabei wie immer die Regel. Ein besonders kleines Gehirn muß daher nicht zwangsläufig einer Frau gehören; es kann ebenso einem kleinen Mann zugeordnet werden. Systematische Untersuchungen zu Geschlechtsunterschieden im menschlichen Gehirn aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, daß solche Unterschiede bereits bei Neugeborenen vorhanden, also vermutlich genetisch bedingt sind. Diese Differenzen sind zwar gering, aber signifikant, und bleiben beim Erwachsenen bestehen.

Die Ausreifung kognitiver Leistungen (Kognition) des Gehirns hängt von der Interaktion mit der Umwelt ab und beruht letztendlich auf Lernprozessen während der Individualentwicklung. Hier zeigt sich ein wichtiger Punkt bei der Betrachtung männlicher und weiblicher Gehirne, der zu der zugespitzten Frage "Natur oder Erziehung" führt (Anlage-Umwelt-Kontroverse). Weil kulturelle Aspekte (Kultur) bei der Erziehung Heranwachsender nicht zu vermeiden sind, eignet sich der Mensch schlecht zur Klärung dieses Problems. Man untersucht daher Nagetiere, die man ohne Gonaden (Geschlechtsorgane) aufzieht, und kann dann während der Entwicklung männliche oder weibliche Hormone (Sexualhormone) kontrolliert hinzugeben.

Hormonale Grundlagen des menschlichen kognitiven Verhaltens

Das Hauptresultat diesbezüglicher Forschungsergebnisse lautet, daß Männer und Frauen sich in der Art ihrer Intelligenz unterscheiden, und zwar vor allem in ihrer Art, abstrakte Aufgaben zu bewältigen. Die hormonabhängige Differenzierung beginnt beim Menschen in einer frühen Embryonalphase der vorgeburtlichen Entwicklung. Der ursprüngliche Bauplan ist weiblich. Gegen Ende des zweiten Embryonalmonats bilden sich bei Vorhandensein von X- und Y-Chromosom die männlichen Keimdrüsen aus. Diese Keimdrüsen, die Hoden, beginnen im Normalfall mit der Produktion von Androgenen (den männlichen Hormonen). Störungen in der Hormonbildung haben eine unvollständige Maskulinisierung (Vermännlichung) zur Folge. Die männlichen Hormone bewirken nicht nur die Maskulinisierung von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, sondern leiten auch spezifische Differenzierungen im sich entwickelnden Gehirn ein ( siehe Zusatzinfo 1 ). Eine Besonderheit dabei ist, daß das eigentlich aktive Hormon das weibliche Hormon Östradiol ist, in welches das Testosteron durch Enzyme im Gehirn umgewandelt wird. Das weibliche Gehirn muß demzufolge vor einem maskulinisierenden Einfluß des an sich weiblichen Hormons (Östrogene) durch ein spezielles Alpha-Fetoprotein geschützt werden. Das Androgen Testosteron kann sowohl in Östrogen als auch in Dihydrotestosteron umgewandelt werden. Es wird aber umgekehrt auch im weiblichen Organismus aus Progesteron gebildet. Dies erklärt die Tatsache, daß im Speichel der Frau Testosteron quantitativ bestimmt werden kann, also ein Leben lang vorhanden ist. Der Testosteronspiegel liegt jedoch beim weiblichen Geschlecht viel niedriger als beim Mann. Dennoch bestimmt Testosteron das Verhalten und die kognitiven Fähigkeiten beider Geschlechter in signifikanter Weise; das trifft nicht nur für den Menschen, sondern auch für z.B. Ratten zu (siehe unten).

Geschlechtsabhängige Problemlösestrategien

Probleme, bei deren Lösung Frauen Männern überlegen sind, lassen sich wie folgt aufzählen: 1) Frauen sind besser bei optischen Wahrnehmungen, bei denen es auf die Geschwindigkeit, das detailgetreue Erinnerungsvermögen und die Entscheidungsschnelligkeit ankommt. 2) Frauen haben eine flüssigere Sprache, sprachlich den größeren Einfallsreichtum und können besser exakt rechnen. 3) Frauen verfügen über eine feinere Motorik der Hand. 4) Frauen besitzen eine höhere Wahrnehmungsgeschwindigkeit.

Männer sind dagegen bei den folgenden Leistungen im Vorteil: 1) Männer haben ein besseres Abstraktionsvermögen und sind bei mathemathischen Schlußfolgerungen Frauen überlegen. 2) Männer können besser zielgerichtet werfen und auffangen. 3) Männer haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen. 4) Männer zeigen bessere optische Leistungen bei Suchbildern, d.h. beim Auffinden versteckter geometrischer Figuren.

Drei dieser Eigenschaften - räumliches Vorstellungsvermögen, mathematisches Schlußfolgern und Wahrnehmungsgeschwindigkeit - wurden bei männlichen und weiblichen Probanden in ihrer Abhängigkeit vom Testosterongehalt untersucht. Die Ergebnisse sind überraschend. Frauen mit hohem Testosteronspiegel lösen Fragen zum räumlichen Vorstellungsvermögen (männliche Domäne) besser als Frauen mit niedriger Testosteronkonzentration. Bei Männern ist es umgekehrt: ein niedriger Testosteronspiegel korreliert mit besseren Leistungen. Bei dem Test zur Wahrnehmungsgeschwindigkeit (weibliche Domäne) gibt es dagegen keine Korrelation zwischen Hormongehalt und kognitiver Leistung. Der Test zum mathematischen Schlußfolgern wiederum, bei dem Männer besser abschneiden als Frauen, ergibt die besten Leistungen bei Männern mit niedrigem Testosteronspiegel ( siehe Zusatzinfo 2 ). Diese und ähnliche Tests zeigen übrigens auch Unterschiede zwischen homo- und heterosexuellen Männern. Daraus ergibt sich, daß die optimale Testosteronkonzentration für die genannten kognitiven Aspekte offensichtlich ein Prozentsatz ist, der höher als der normale weibliche und niedriger als der normale männliche Spiegel ist.

Auch bei Ratten gibt es geschlechtsabhängige Problemlösestrategien; beispielsweise orientieren sich weibliche Ratten genauso wie Frauen mehr an markanten Punkten als an Winkeln und Formen der Gänge im Labyrinth.

Morphologie

Eine andere Möglichkeit zur Feststellung von geschlechtsspezifischen Unterschieden besteht darin, gezielt nur bestimmte Hirngebiete, denen sich eindeutig Funktionen mit geschlechtsspezischen Unterschieden zuordnen lassen, zu untersuchen und zu vergleichen. Dabei fanden sich z.B. Unterschiede in der Gestalt oder Größe bestimmter Nervenzellen. Ein besonders spektakulärer Versuch ist die Transplantation von "Männlichkeit" auf eine junge weibliche Ratte. Hierbei wird Gewebe desjenigen Hirnareals, welches das Sexualverhalten steuert, von neugeborenen Männchen entnommen und weiblichen Geschwistertieren an Stelle des entsprechenden weiblichen Hirngebietes eingepflanzt. Diese weiblichen Ratten entwickeln dann als Erwachsene ein männliches Kopulationsverhalten. Die ausgetauschten Zentren liegen bei Säugern in relativ kleinen, unscheinbaren Arealen des Diencephalons (im Hypothalamus) und weisen bei Ratten und anderen Nagern geschlechtsspezifische Größenunterschiede auf. Ähnliche Zentren findet man auch bei Vögeln im Vorderhirn (Prosencephalon). Hier sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern noch ausgeprägter, z.B. für das Hyperstriatum ventrale pars caudale, das im Jahresrhythmus den Balzgesang steuert. Ebenfalls eindeutige Befunde wurden von Gorski (1984) am Nucleus praeopticus medialis (mediales präoptisches Areal) der Ratte erhoben. Dieser Nervenkern des Hypothalamus ist in männlichen Rattengehirnen viermal größer als in weiblichen.

Beim menschlichen Gehirn sind die Beweise für morphologische Unterschiede nicht so eindeutig. Das liegt nicht zuletzt an der komplexen Interaktion von neuronalen und hormonellen Komponenten, die über das limbische System Verhalten und kognitive Fähigkeiten beeinflussen.

Neuropsychologie und Lateralisierung

Die Großhirnrinde als Station des bewußten Erlebens von Sinneseindrücken erweist sich von der Gestalt her als relativ geschlechtsneutral und bilateral symmetrisch. Dieser morphologischen Uniformität stehen funktionelle Asymmetrien der Hirnhälften gegenüber. Viele Forscher meinen, daß besonders die Sprache und das räumliche Vorstellungsvermögen bei Männern stärker als bei Frauen lateralisiert seien (Asymmetrie des Gehirns). Die Pubertät markiert dabei einen wichtigen Punkt der Entwicklung. Bis zu diesem Stadium kann man sich Sprachen allein dadurch aneignen, daß man ihnen ausgesetzt ist, danach muß man sie aktiv erlernen. Untersuchungen über den zeitlichen Verlauf der Lateralisierung, d.h. der Spezialisierung der Hirnhälften (u.a. Links- und Rechtshändigkeit), an hirngeschädigten Kindern zeigten, daß die Fähigkeit zum Spracherwerb und die Lateralisierung gekoppelt sind. Hatten die untersuchten Kinder die Schädigung vor dem Ende des zweiten Lebensjahres erlitten, begannen sie normal zu sprechen, unabhängig davon, welche Hirnhälfte geschädigt war. Diese plastische Fähigkeit ist während der frühkindlichen Entwicklung geschlechtsunabhängig. Bei Erwachsenen treten ausgeprägte Geschlechtsunterschiede nach Hirnverletzungen auf. Sprachstörungen, die die Wortwahl betreffen (Aphasien), finden wir bei Frauen am häufigsten, wenn vordere Teile des Gehirns verletzt sind, bei Männern, wenn hintere Teile beschädigt wurden. Schwierigkeiten, angemessene Handbewegungen auszuführen (Apraxien) zeigen sich bei Frauen nach Läsionen der vorderen linken Hirnhälfte und bei Männern nach Läsion in hinteren Regionen. Dabei scheint der Mann stärker zu einer Spezialisierung seiner Hirnhälften zu neigen als die Frau. Gegensätzliche Ergebnisse erbrachte jedoch wiederum die Untersuchung von Linkshändern. Linkshändigkeit wird auf die geringere Dominanz der linken Hemisphäre zurückgeführt. Es gibt jedoch eindeutig mehr linkshändige Männer als Frauen. Selbst bei Rechtshändern benutzten Frauen die rechte Hand öfter als rechtshändige Männer. Die Geschlechtsunterschiede bei funktionellen Asymmetrien variieren also von Funktion zu Funktion: in einigen Fällen kann man bei der Frau eine stärkere Asymmetrie beobachten, in anderen beim Mann.

Welche Bedeutung hat die unterschiedliche Lateralisierung von Mann und Frau nun für deren Intelligenzquotienten (IQ)? Zur geschlechtsneutralen Bewertung kann der Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene herangezogen werden. Er besteht aus nonverbalen und verbalen Untertests. Als Maß für den IQ berücksichtigt man sowohl die im nichtsprachlichen Teil ermittelten als auch die im sprachlichen Teil bestimmten IQ-Werte. Bei Männern beeinträchtigt z.B. eine Schädigung der linken Hirnhälfte den sprachlichen IQ mehr als den nichtsprachlichen.

Abschließend und zusammenfassend kann festgestellt werden, daß Frau und Mann in den einzelnen kognitiven Fähigkeiten mitunter wesentlich differieren, aber nicht in der Gesamtintelligenz, für die der IQ im übrigen nur ein Bewertungsaspekt unter vielen sein kann.

Lit.: Gorski, R.A.: Sex differences in the rodent brain: Their nature and origin. In: Sex differences in the brain. Eds.: De Vries, DeBruin, Uylings and Corner. Elsevier, Amsterdam-New York-Oxford 1984, pp.37-67. Kimura, D., Harshman, R.A.: Sex differences in brain organization for verbal and nonverbal function. In: Sex differeneces in the brain. Eds.: De Vries, DeBruin, Uylings and Corner. Elsevier, Amsterdam-New York-Oxford 1984, pp.423-439. Springer, S.P., Deutsch, G.: Linkes-rechtes Gehirn: funktionelle Asymmetrien. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1987.

Geschlechtstypische Unterschiede beim Menschen sind im Bereich der Sinneswahrnehmungen gut untersucht: Frauen sind empfindlicher für Berührungen und Gerüche, bemerken schneller Veränderungen in der Anordnung von Objekten; Männer sehen im mittleren Gesichtsfeld besser, unterscheiden mehr Einzelheiten bei bewegten Objekten usw. Auch in komplexeren Verhaltensweisen zeichnen sich Unterschiede ab, auch wenn manche Allgemeingültigkeiten inzwischen angezweifelt werden. Jungen scheinen nicht unbedingt häufiger als Mädchen aggressiv zu sein, vielmehr soll nur die Art variieren, wie die Aggressivität ausgedrückt wird. Jungen bevorzugen die augenfälligeren, körperbetonten Varianten, doch ein wütender Blick, Spott oder verbale Kommentare zeugen ebenso von Aggressivität. Auch die Festlegung der Rangordnung innerhalb gleichgeschlechtlicher Gruppen unterscheidet sich entsprechend. Bereits im frühen Kindergartenalter, sobald also Kinder in Gruppen miteinander zu spielen beginnen, ist bei Jungen die sog. Dominanz-Hierarchie zu finden, bei Mädchen die Geltungs-Hierarchie. Diese und andere geschlechtstypischen Verhaltensdispositionen dürften auf der in der menschlichen Stammesgeschichte früh angenommenen arbeitsteiligen Familien- und Gruppenstruktur beruhen. Man geht von der grundlegenden Sicherstellung der Versorgung durch die Sammeltätigkeit der Frauen aus, während die tierische Nahrung vorwiegend durch die Jagd männlicher Gruppenmitglieder herbeigeschafft wurde. An dieser Vorstellung wird in den letzten Jahren jedoch vermehrt Kritik geübt: man nimmt zunehmend an, daß Frauen gleichfalls an der Erbeutung tierischer Nahrung beteiligt waren. Auch die geschlechtsabhängig divergierenden Orientierungsmethoden im Raum - werden Orientierungsmarken entfernt, haben Frauen größere Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden, Männer dagegen, wenn die räumlichen Dimensionen verändert werden - werden mit den arbeitsteiligen Aufgaben im Ernährungsbereich zu erklären versucht. Überleben und Fortpflanzung, die unterschiedliche Beteiligung an der Versorgung und den Betreuungsaufgaben des Nachwuchses erforderten demnach im Verlauf der Menschheitsgeschichte im jeweiligen Geschlecht andere soziale Strategien, Eigenschaften und Fertigkeiten, die sich in diesen unterschiedlichen Verhaltensdispositionen niederschlugen. In den letzten Jahren belegen auch technisch aufwendige Untersuchungen zur Arbeitsweise des Gehirns geschlechtsabhängige Unterschiede. Männer nutzen z.B. für die Entschlüsselung gelesener Worte oder gesprochener Sprache bevorzugt Teile der linken Hirnhemisphäre, Frauen Areale beider Gehirnseiten. Auch bei mathematischen Aufgaben (die Differenz zwischen den durchschnittlichen mathematischen Leistungen von Mädchen und Jungen vermindert sich in den letzten Jahren immer mehr) und auf Emotionen (wobei ebenfalls morphologische Variationen festgestellt wurden) ausgerichteten Anforderungen weichen die aktiven Gehirnareale voneinander ab. Bei einigen Untersuchungen zeigte sich jedoch auch, daß bei manchen Frauen das Gehirn wie bei den Männern "funktioniert". Unterschiede bei den gestellten Aufgaben treten meist dann deutlicher hervor, wenn man sehr spezielle Fertigkeiten abfragt. Bei komplexeren Aufgaben, zu deren Bewältigung viele Fähigkeiten erforderlich sind, verringern sich die Unterschiede, falls sie überhaupt nachweisbar sind. Die Aufschlüsselung geschlechtsabhängiger Eigenschaften mit Hilfe neuer Technologien der Hirnforschung steht noch immer weit am Anfang, zudem ist die untersuchte Probandenzahl aufgrund der aufwendigen Methoden vergleichsweise gering. Endgültige Aussagen über die Ursachen sind nach wie vor nicht möglich. Die Vermutung liegt aber nahe, daß Gründe im variierenden Hormonhaushalt (Hormone) der Geschlechter im Verlauf der Entwicklung zu suchen sind. Hormonveränderungen beeinflussen die Leistungen, das Denken und Fühlen beständig. Tests an Frauen zu verschiedenen Zeiten ihres Menstruationszyklus belegten, daß sie während der Phase hohen Östrogenspiegels in Sprachtests am besten abschnitten, die räumlichen Fähigkeiten jedoch nachließen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern beruhen sicherlich auch auf der geschlechtsrollenabhängigen Sozialisation. Die Plastizität des Gehirns sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Bereits durch kurzfristige Übungen wird die Art verändert, in der sich das Gehirn organisiert. Entsprechendes ist auch für langfristige Sozialisationserfahrungen zu erwarten. Man geht aber auch davon aus, daß aufgrund der frühen und spontanen Bevorzugung von gleichgeschlechtlichen Interaktions- und Spielpartnern für ein Individuum die Mitglieder des eigenen Geschlechts über attraktivere Verhaltensmuster verfügen, da sie dessen individuellen Neigungen besser entsprechen. Die Orientierung eines Kindes zum eigenen Geschlecht hin verstärkt folglich geschlechtstypische Verhaltensweisen zusätzlich.

E.K.

Lit.: Wickler, W., Seibt, U.: Männlich - Weiblich. Ein Naturgesetz und seine Folgen. Heidelberg 1998.

Geschlechtsunterschiede aus neurowissenschaftlicher Sicht

1 Die Befunde zur geschlechtsspezifischen, hormonabhängigen Differenzierung des Gehirns vor der Geburt werden bestätigt durch Untersuchungen an Mädchen, die im Mutterleib oder als Neugeborene einem Übermaß an Androgenen ausgesetzt waren oder einen genetischen Defekt haben, der eine Vergrößerung der Nebennieren bewirkt, die der Bildungsort der Steroidhormone sind. Diese verhalten sich wie Jungen, auch wenn die Geschlechtsunterschiede operativ korrigiert wurden oder medikamentös der Androgeneinfluß zurückgedrängt wurde. Die vorgeburtlichen Auswirkungen auf das Gehirn lassen sich offensichtlich nicht mehr umkehren.

Geschlechtsunterschiede aus neurowissenschaftlicher Sicht

2 Die Hormonabhängigkeit kognitiver Leistungen ist nicht nur geschlechtsspezifisch. Bei Männern ist ein testosteronabhängiger Jahresrhythmus festzustellen. Bei Frauen schwanken die Fähigkeiten während des Menstruationszyklus mit dem Östrogenspiegel.

Der im Vergleich zum männlichen Geschlecht immer relativ hohe Östrogenspiegel der Frau erhöht die Schwelle für Schizophrenie bei der Frau. Nach der Monatsblutung, wenn der Östrogenspiegel ansteigt, schützt das Östrogen bis zu einem gewissen Grad auch Frauen, bei denen die Krankheit ausgebrochen ist, vor schizophrenen Symptomen, deren Stärke mit dem Abfall des Östrogenspiegels erneut zunimmt. Der relative Schutz der Frau vor der Erkrankung geht mit den Wechseljahren verloren. In diesem Zusammenhang wurde in Tierversuchen nachgewiesen, daß Östrogene die Empfindlichkeit von Dopaminrezeptoren (Typ 2) vermindern, also neuromodulatorisch wirken.


Donnerstag, 18. Juni 2015

Mal eine Erklärung zu Intersexualität und deren Folgen!

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Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2015

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Mal eine Erklärung zu Intersexualität und deren Folgen!

Mit dem medizinischen Zugriff auf intergeschlechtliche Körper wird in ganz besonderer Weise Einfluss auf die Geschlechtsentwicklung genommen.

Durch die sexuellen und geschlechtlichen Zurechtweisungen im Sinne der gesellschaftlichen Normen ist es zwar auch bei Menschen mit körperlich gültigem (und dem Empfinden entsprechenden) Geschlecht problematisch, von einer autonomen Geschlechtsentwicklung zu sprechen. Es macht jedoch einen Unterschied,  ob Geschlecht gleichsam ‘ins Fleisch geschnitten’ und also der Körper normalisierend zugerichtet oder dem Menschen über normative gesellschaftliche Werte vermittelt wird. Die Geschlechtsentwicklung wird dann eine ‘außergewöhnliche’, wenn sich der Herrschaftsmechanismus der Normalisierung durch medizinische Zugriffe im intergeschlechtlichen Körper materialisiert.
Es sind nicht mehr die disziplinierenden Interaktionen und Zuschreibungen über die Lesbarkeit des Antlitz und die Sprache, das Antlitz wird lesbar gemacht, mit für die Entwicklung des Individuums maßgeblichen Folgen.

Intersexualität mag inzwischen mehr Menschen theoretisch bekannt sein, verbessert hat sich der Umgang mit den Betroffenen bis heute wenig.

Auch heute noch übt die Medizin in “fortschrittlichen” Ländern mit Skalpellen und anderen Instrumenten Gewalt gegen intersexuelle Menschen aus, sobald sie ihrer habhaft werden kann. Diese Behandlungen ohne medizinische Notwendigkeit dienen nicht dem Kindswohl, sondern mutmaßlichen oder auch nur eingebildeten Bedürfnissen nicht-intersexueller Menschen.

Die lebenslangen Folgen für die Betroffenen können unter anderem Schmerzen, Verlust der sexueller Empfindungsfähigkeit, und schwere körperliche Schäden beinhalten; erschwerend tritt eine Traumatisierung ein, besonders wenn Betroffenen gegenüber geschwiegen oder gelogen wird, was jahrzehntelang als “Standard” galt.

Ungeachtet des Ausmaßes an Menschenrechtsverletzungen, wie es ein erheblicher Anteil der Betroffenen erlitten hat, erschrecken auch die Zahlen derer, die vermeintlich “glimpflich” davon gekommen sind, zumal sich viele anscheinend nicht der Zusammenhänge bewusst sind; sie neigen dazu, die Ursache für körperliche und seelische Probleme bei sich und ihrem angeborenen So-Sein zu suchen, statt bei den Tätern im Medizinsystem.

Intersexualität wurde von Gesellschaftswissenschaftlern und politischen Organisationen anderer Zusammenhängen zwar entdeckt und angeführt, aber statt sich mit den Zwittern gegen die Zwangsoperationen und -behandlungen zu solidarisieren, ging es um die Interessen anderer Gruppen, bisweilen wurden sogar “Mittäter” als “Experten” herangezogen.

Da ja intersexuelle Menschen gar nicht so selten sind, kommen sie auch in lesbischen oder “queren” Zusammenhängen vor; der tatsächliche Umgang mit ihnen sollte an Offenheit und Akzeptanz gewinnen.

Eine zu große Klitoris zu haben ist nicht erlaubt in Deutschland.

Mit zu “groß” wird die Länge bei Neugeborenen bei ca. 1,5 cm angesetzt, ungefähr die Länge einer Fingerkuppe. Ein zu kleiner Penis mit weniger als ca. 2 cm ist ebenfalls nicht erlaubt.

Bei einer großen Klitoris hat man/n die Befürchtung, dass sie sich über Gebühr erigieren könnte, und bei einem kleinen Penis befürchtet man/n eine nicht genügende Erektionsfähigkeit.

Solche Genitale werden zum Störfaktor der strikt aufrecht gehaltenen und beruhigenden sozialen Ordnung unserer heutigen Gesellschaft, in der jede/r zu glauben hat, dass unsere Körper nur in zwei Formen zu existieren haben: perfekt männlich oder perfekt weiblich.

Unsere Genitale sind jedoch überraschend mehr- und auch uneindeutig. 

Tag für Tag werden Kinder in unsere Gesellschaft geboren, die nicht zu dem reflexartigen Ausruf “Es ist ein Mädchen!” oder “Es ist ein Junge!” animieren, und noch viele mehr haben Genitalien, die als “maskulinisiert” oder “feminisiert” definiert werden, obwohl das Geschlecht des Kindes außer Frage steht.

Gemäß der Leitlinie der Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin wird empfohlen, die Genitalien der Kinder im Alter von ca. einem Jahr operativ zu modifizieren, um ihre Körper in eine Richtung zu manipulieren, die dem gesellschaftlichen Konsens der “wahren” Weiblichkeit oder Männlichkeit entsprechen.

Klitorale Chirurgie und Phalloplastie sind brutal und unlogisch und – egal wie man es nennen will – sie sind immer eine Verstümmelung. 

Sonntag, 14. Juni 2015

Eigentlich kann jeder sich informieren über Nebenwirkungen im Netz! "Androcur"

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Eigentlich kann jeder sich informieren über Nebenwirkungen im Netz!

                                               "Androcur"

Wir sprechen von einem Medikament welches unter Transgender immer häufiger in Frage gestellt wird, wir berichten über die Thematik  „Androcur“!
Spezifische Fragen welche Nebenwirkungen haben dieses Medikament ist es geeignet?
Nebenwirkungen
Sehr häufige Nebenwirkungen bei Frauen:
Eisprung-Hemmung, unregelmäßige Blutungen, Ausbleiben der Regelblutung.

Sehr häufige Nebenwirkungen bei Männern:
Samenbildungshemmung (vorübergehend), Libido-Verminderung, Erektionsstörungen.

Häufige Nebenwirkungen:
Kurzatmigkeit, Gewichtsveränderungen, Leber-Reaktionen (Gelbsucht, Leberentzündung, Leberversagen), Depression, Unruhe (vorübergehend), Antriebsminderung.
zusätzlich bei Frauen:
Müdigkeit, Magenbeschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Brustschmerzen, Brustspannen, Brustvergrößerung.
zusätzlich bei Männern:
Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Brustdrüsenschwellung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Blut-Prolaktin-Konzentrationserhöhung, Ausschlag, trockene Haut, Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen (Männer), Libido-Verminderung (Frauen).

Seltene Nebenwirkungen:
Blutzuckeranstieg (bei Diabetikern), Blutgefäßverstopfungen, Überempfindlichkeitsreaktionen, Libido-Steigerung (bei Frauen).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Blut-Kortisol-Konzentrationsabfall, Blutarmut, Lebergeschwulste, Leberkrebs, Osteoporose (Männer).

Besonderheiten:
Bei höheren Dosen (200 bis 300 Milligramm Cyproteron pro Tag) können schwere Leberschäden auftreten.

Wechselwirkungen
Alkohol vermindert die hemmende Wirkung auf einen gesteigerten Sexualtrieb. Der Behandlungserfolg ist bei dauerhaftem Alkoholmissbrauch gefährdet.

Im Falle einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kann sich der Bedarf an Blutzuckersenkern zum Einnehmen (Sulfonylharnstoffe) oder Insulin verändern.

Obwohl keine Studien zu Wechselwirkungen durchgeführt wurden, ist zu erwarten, dass die Wirkung von Cyproteron durch die Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol, und Clotrimazol, sowie den HI-Virushemmer Ritonavir verstärkt wird.

Andererseits können das Antibiotikum Rifampicin, das Antiepileptikum Phenytoin und Produkte, die Johanniskraut enthalten, die Cyproteron-Wirkung abschwächen.

Wird hochdosiertes Cyproteron mit Statinen (zur Senkung erhöhter Blutfette) kombiniert, kann der Wirkstoff deren Nebenwirkungen, eine Muskelerkrankung (Myopathie) oder Gewebsauflösung (Rhabdomyolyse) fördern.

Bei der Kombinationsbehandlung schwerer Zeichen von Vermännlichung bei Frauen sind zusätzlich die Angaben über Wechselwirkungen in der Gebrauchsinformation des verwendeten anderen Hormonpräparate (Estrogen oder Estrogen-Gestagen-Kombination zur Verhütung ("Pille") zu beachten.
Gegenanzeigen
Cyproteron darf nicht angewendet werden bei:
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
Leberkrankheiten (auch Ausscheidungsstörungen wie Dubin-Johnson- und Rotor-Syndrom)
Lebertumoren (auch in der Vorgeschichte) und allen anderen krebsartigen Erkrankungen (außer Prostatakrebs)
Wucherungen der Gehirnhäute (Meningiomen), auch in der Vorgeschichte
schweren und andauernden Depressionen
Sichelzellanämie, einer erbliche Veränderung der roten Blutkörperchen mit Blutarmut
Patienten mit vorausgegangenem Gefäßverschluss oder Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) mit Gefäßveränderungen
Bei der Behandlung von Frauen mit dem Wirkstoff sind außerdem weitere Einschränkungen zu beachten. So darf Cyproteron nicht eingesetzt werden bei
ärztlich nicht abgeklärten Blutungen aus der Scheide und einer Gelbsucht oder einer Herpesinfektion während einer vorausgegangenen Schwangerschaft.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?
In der Schwangerschaft darf Cyproteron auf keinen Fall eingenommen werden. Vor Beginn der Behandlung von Frauen mit diesem Wirkstoff muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Auch muss während der Behandlung für eine sichere Empfängnisverhütung gesorgt werden. Wird eine Antibabypille eingenommen, sollte der Gehalt an Ethinylestradiol möglichst niedrig sein. Behindern andere Erkrankungen oder Begleitmedikamente die Wirksamkeit der Antibabypille, sind unbedingt zusätzliche empfängnisverhütende Maßnahmen wie Kondome bis zum Ende der Therapie anzuwenden.

Bleibt bei der Behandlung mit Cyproteron die Regelblutung aus oder werden Zwischenblutungen beobachtet, muss eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden.

Eine besonders häufige ärztliche Kontrolle ist bei gleichzeitigem Vorliegen folgender Erkrankungen erforderlich: Bluthochdruck, Epilepsien (Krampfleiden) und Diabetes mellitus.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Kinder und Jugendliche vor Abschluss der Pubertät dürfen nicht mit Cyproteron behandelt werden. Es ist nämlich möglich dass sich der Wirkstoff störend auf die reifenden Funktionskreise der Sexualhormone auswirkt oder das Längenwachstum hemmt.

Warnhinweise
Das Medikament kann in den ersten Behandlungswochen die Reaktionsfähigkeit so weit beeinträchtigen, dass Vorsicht im Straßenverkehr und bei der Bedienung eventuell gefährlicher Maschinen geboten ist.
Vor Beginn und während der Behandlung müssen ärztliche Blut- und Urintests erfolgen.
Der Arzt muss während der Behandlung mit dem Medikament regelmäßig Blutdruck und Gewicht kontrollieren.
Der Arzt muss regelmäßig die Nieren- und Leberfunktion kontrollieren.
Zuckerkranke müssen während der Behandlung alle zwei Monate zur ärztlichen Kontrolluntersuchung.
Bei Frauen muss eine gründliche frauenärztliche Untersuchung und Hormonbestimmungen vor der Behandlung durchgeführt werden.
Junge Frauen mit unregelmäßiger Monatsblutung müssen während der Behandlung sorgfältig durch den Arzt überwacht werden.
Bleibt die Regelblutung aus, muss eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden.
Vor Operationen und Bettlägerigkeit muss bei gleichzeitiger Einnahme der Antibabypille das Medikament durch den Arzt abgesetzt werden.
Bei Neigung zur Fettsucht sollte begleitend zur Behandlung eine kalorienreduzierte Ernährung erfolgen.
Bei Behandlung von Frauen muss das Medikament mit einem geeigneten Estrogen oder einer geeigneten Gestagen- Estrogen-Kombination ("Pille") kombiniert werden, um den notwendigen Schutz vor Schwangerschaft und eine gute Kontrolle des Zyklus zu erreichen.
Das Medikament enthält Lactose (Milchzucker), die von manchen Patienten schlecht vertragen wird.
Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Samstag, 13. Juni 2015

Nicht gelebte Transsexualität hat tödliche Nebenwirkungen


Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
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„Nicht gelebte Transsexualität hat tödliche Nebenwirkungen“

Manuel Ricardo Garcia ist ein attraktiver Mann mit einer angenehm dunklen Stimme. Auf seinen trainierten Oberarmen hat der Münchner mit mexikanisch-bayrischen Wurzeln je ein Tattoo. Auf dem rechten Oberarm steht „Jesus Christus“, auf dem linken ein indianisches Symbol und die Abkürzung „FTM“ für „female to male“: Manuel ist ein Frau-zu-Mann Transsexueller.

Wer Manuel Ricardo Garcia trifft, steht einem selbstbewussten Mann gegenüber, der weiß, dass er auf viele Menschen männlich und attraktiv wirkt. Im Gegensatz zu seinem Umfeld wusste Manuel Ricardo Garcia schon seit seiner Kindheit, dass er ein Junge ist. Sein Problem war allerdings, dass die Gesellschaft ihm aufgrund seiner körperlich weiblichen Geschlechtsmerkmale die Rolle der Frau zugeschrieben hatte und er für seine Umwelt Manuela war. „Ich bin in einer bayrischen Kleinstadt aufgewachsen. Dort gab es keine Transsexuellen“, erinnert sich Manuel Ricardo Garcia. „Als Kind wusste ich, dass ich Manuel und ein Junge bin. Mit der Pubertät und der Verweiblichung meines Körpers fingen dann die Probleme an: Bestimmte Körperteile entsprachen nicht mehr meiner männlichen Identität.“

Für den 44-jährigen Transmann ist heute klar: „Nicht gelebte Transsexualität ist nicht möglich, denn Transsexualität ist nicht therapierbar. Das wurde längst anerkannt und deshalb gibt es auch ein Transsexuellengesetz, das uns die Transition, also die Geschlechtsangleichung, unter bestimmten Auflagen ermöglicht.“ 2002 fand der damals 32-Jährige einen Arzt, der mit ihm unbürokratisch die Hormontherapie mit Testosteron begann. Dies war der Beginn eines langen Prozesses, durch den sich sein Äußeres seiner männlichen Identität anpasste. Der Stimmbruch setzte ein, Haare und Bart fingen an zu wachsen. Die zweite Pubertät begann und der Körper wurde männlicher. Ein Jahr später ließ Manuel Ricardo Garcia die Mastektomievornehmen, das heißt, die Brustdrüsen wurden entfernt. „Die Brüste mussten weg, die gehörten einfach nicht zu mir und haben sich schon immer falsch angefühlt und mich unglücklich gemacht“, sagt Manuel Ricardo Garcia mit Nachdruck. Alle weiteren geschlechtsangleichenden Operationen waren ein längerer Prozess.

Eltern reagieren oft panisch

Sein „Coming Out“ verlief eher unspektakulär. Manuel Ricardo Garcia legte seinen Chefs selbstbewusst den gerichtlichen Beschluss der Vornamensänderung vor und teilte ihnen mit, dass er künftig mit dem männlichen Pronomen angesprochen werden wolle. Chefs und Kollegen akzeptierten seine Entscheidung. Emotionaler war die Reaktion von Familienangehörigen. „Es gibt schließlich keine Eltern auf der Welt, die ,juchu!´ schreien, wenn das Kind sagt, es ist transsexuell“, sagt Garcia. Dieses Verhalten habe leider viel mit Unwissenheit zu tun. Auch von anderen Transsexuellen weiß er, dass Eltern oft panisch reagieren und Angst vor den Nebenwirkungen der Hormone und Operationen haben. „Vielen ist aber nicht bewusst, dass nicht gelebte Transsexualität viel schlimmere – nämlich tödliche – Nebenwirkungen haben kann. Der Leidensdruck ist irgendwann so stark, dass die Betroffenen dem Alkohol verfallen, Drogenabhängig werden oder nicht selten keinen anderen Ausweg als den Selbstmord sehen.
Simone ist ein FTM. Er ließ sich in Italien  fotografieren. Foto: Manuel Ricardo Garcia
Simone ist ein FTM. Er ließ sich in Italien
fotografieren. Foto: Manuel Ricardo Garcia
Garcia setzt sich dafür ein, dass die Gesellschaft endlich damit aufhört, Transsexuelle und Menschen, die jenseits des Zweigeschlechtersystems leben, auszugrenzen und zu problematisieren – nur weil ihr Äußeres nicht der konventionellen Sichtweise entspricht. Viele Transgender befreien sich von dem Zwang des Zweigeschlechtersystems, das ihnen viel Leid gebracht hat, durch ihr „Coming Out“. Gleichzeitig beginnen dann aber die Probleme mit den Mitmenschen, weil diese den Anpassungsdruck erhöhen. Und genau hier setzt Manuel Ricardo Garcia´s Aufklärungsarbeit an: „Ich versuchen den Menschen, die Transgender diskriminieren, klar zu machen, dass auch sie unverschuldet - zum Beispiel durch einen Unfall oder eine Behinderung - täglich an den Rande der Gesellschaft gerückt werden können. Dann würden auch sie die volle Härte nachempfinden können, die einen trifft, wenn man nicht in ihrem Sinne „normal“ ist.“ Aus eigener Erfahrung weiß Garcia, dass Transgender nicht nur verbal attackiert werden, sondern oft auch Opfer von Gewalt sind und in einigen Ländern sogar ermordet werden.

Mit Fotos Menschen berühren

Um aufzuklären, engagiert sich Manuel Ricardo Garcia als Transaktivist und organisiert unter anderem die regelmäßig stattfindende „Transtagung München“. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Teilnehmer und Eltern von transsexuellen Kindern nach der Tagung viel entspannter mit dem Thema umgehen. Denn die Workshops und Vorträge nehmen vielen ihre Unwissenheit, die oft der Grund für die Unsicherheit im Umgang mit Transgendern ist. Durch den direkten Kontakt zu anderen Transmenschen können die Teilnehmer der Transtagung positive Vorbilder sehen und erleben.


Da aber nicht alle Menschen auf einer sachlichen Ebene zu erreichen sind, versucht Garcia seit einigen Jahren auch als Künstler das Thema „Transsexualität“ den Menschen auf einer emotionalen Ebene näher zu bringen. Auf diese Weise will er Menschen die Angst vor Andersartigkeit nehmen. Er ist für sein Fotobuch „TransMen of the World“ durch die ganze Welt gereist und hat insgesamt 30 Transmänner in Europa, Afrika, Asien und Amerika fotografiert und sie ihre Geschichten erzählen lassen. Unter den Interviewpartnern waren Transmänner, die aufgrund ihres Andersseins verfolgt werden, aber auch Transmänner, die voll akzeptiert in der Gesellschaft leben. 500 Exemplare des Buchs konnte er bereits verkaufen. Außerdem wurden seine Fotos in München, Berlin, Amsterdam und Kiew ausgestellt.
Manuel Garcia ist heute ein Mensch, der mit sich im Reinen ist und selbst sagt, dass er sich „prächtig und vogelfrei“ fühlt. Wenn er eine Frau kennenlernt, die sich für ihn interessiert, sagt er ganz offen, dass er „trans“ ist. „Die Frauen sagen oft, das sei ihnen egal, sie mögen oder lieben mich so, wie ich bin“, sagt Manuel Ricardo Garcia. Als Transaktivist weiß er aber auch, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Er hat Freunde, die sich aus Angst vor Ausgrenzung bis heute nicht getraut haben, sich als Transmann zu „outen“. Deshalb wird er auch weiter seine Fotos von Transmännern weltweit ausstellen. Denn Manuel Ricardo Garcia hat einen großen Wunsch: „Ich möchte die Menschen mit meinen Fotos im Herzen berühren, denn nur so kann ich etwas ändern.“

Quelltext:http://www.journalistenakademie.de/dossierbeitrag.php?b=2930

Donnerstag, 4. Juni 2015

Nach der Wahl in Irland für das Recht auf Ehe für Homosexuelle, ein aufgewühltes Deutschland, oder Angst vor der Blamage

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Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2015

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Nach der Wahl in Irland für das Recht auf Ehe für Homosexuelle, ein aufgewühltes Deutschland, oder Angst vor der Blamage

Die Ablehnung der Homosexualität im Christentum beruht auf der Verurteilung homosexueller Praktiken im 3. Buch Mose und einigen weiteren Textstellen.

Die römisch-katholische Kirche und die orthodoxe Kirche berufen sich auf die Verurteilung von homosexuellen Handlungen in der Bibel und stigmatisieren Homosexualität als Sünde.

Die Amerikanerin Virginia Prince hat den Begriff Transgender in den siebziger Jahren als Selbstdefinition gewählt - für all jene, die nicht in dem Geschlecht leben können oder wollen, welchem sie bei ihrer Geburt zugeordnet wurden.

Wir von http://trans-weib.blogspot.de/ denken jeder Mensch, der seine Sinne einigermaßen beieinander hat, fordert Gleichberechtigung und ein Recht für alle. Wenn gegengeschlechtliche Personen heiraten dürfen, müssen selbstverständlich gleichgeschlechtliche Paare auch heiraten dürfen - ansonsten wäre die Ehe generell abzuschaffen.

Der ethisch-demokratische Maßstab für eine Staatsform, eine Institution - wie eine Religionsgemeinschaft - oder eine Gesellschaft ist der Umgang mit homosexuellen Frauen und Männern - es bewährt sich jedes Mal, den Wert einer Gesellschaft mit diesem Maßstab zu messen.

Auch in Deutschland ist Gewalt gegen Homosexuelle und Transgender-Personen ein Tabuthema.

Man muss nicht viel Recherchieren bzw. suchen aber um einige Wichtige auf zu führen, allein in St. Georg wurden 2006 12 Mal Homosexuelle von Muslimen brutal zusammengeschlagen. Bei einer Studie zum Thema Homosexualität unter Muslimen kam der blanke Hass von Muslimen gegen Homosexuelle zum Vorschein.

In der islamischen Türkei werden Transsexuelle nicht als Menschen wahrgenommen.

1997 starb die Transsexuelle Gamze durch 16 Messerstiche in den Rücken, 1998 die Transsexuelle Nilüfer durch die Folgen einer Vergewaltigung, 2000 wurde die Transsexuelle Seher in ihrem Auto ermordet, 2003 starb die Transsexuelle Aydan in ihrer Wohnung durch Messerstiche in den Rücken, 2004 wurde die Transsexuelle Serpil in ihrer Wohnung ermordet und danach auf einer Müllkippe gefunden, 2005 wurde die Transsexuelle Sitem zuhause mit einer Wäscheleine erwürgt, im selben Jahr starb die Transsexuelle Cibali an den Folgen einer Vergewaltigung, 2006 wurde die Transsexuelle Nese auf der Straße ermordet, auch die Transsexuelle Dilek Ince wurde 2006 ermordet, sie starb in einem Krankenhaus in Ankara, nachdem sie von 8 Schüssen aus einem Gewehr in den Kopf getroffen worden war. Sofern es in der Türkei überhaupt zu Anklagen kommt, folgt postwendend der Freispruch.

Auch in Ländern wie Chile (85 Prozent sind Christen) und Brasilien (89 Prozent sind Christen) sind Morde an Transsexuellen Kavaliersdelikte.

In Brasilien wird alle 36 Stunden ein Schwuler, eine Lesbe oder ein Transgender ermordet.

In Los Angeles wurde einer Transsexuellen auf offener Straße die Kehle aufgeschnitten, als sie auf dem Asphalt verblutete, wurde sie von Täter und Passanten ausgelacht.

Als ich in Chicago war, saß ich unten an der Hotelbar und erfuhr nebenbei durch die Nachrichten des dort ständig laufenden Fernsehers, dass in der Stadt letzte Nacht vier Transgender, die einen Fashion-Shop haben, von Afroamerikanern abgestochen wurden, zwei waren tot. Die afroamerikanische Gang wurde nicht gefasst. Ich glaube aber nicht, dass es diese Chicago-Lokalnachrichten über Illinois hinaus geschafft haben.
Verschwinden in der Masse von Frauen und Männern, einfach in der Gesellschaft.

Es gibt Transgender, die mit Hilfe von Operationen und Hormontherapie ihr Geschlecht vollständig wechseln und anschließend in der Masse von Männern und Frauen verschwinden wollen.
Es gibt jene, die zwar im anderen Geschlecht leben, ihren Körper aber nicht antasten wollen. Anderen sind zwei Geschlechter zu wenig - sie verweigern eine Antwort auf die Frage "männlich" oder "weiblich" und hassen die Entscheidung, welche Toilettentür sie heute wählen sollen. Und es gibt jene, die nur sporadisch die Kleider des anderen Geschlechts tragen.

Einige Erfahrungen teilen jedoch alle Transgender: Aggressive Sprüche auf der Straße bis hin zu Gewalt, Diskriminierung am Arbeitsplatz, auf Ämtern, bei Versicherungen oder beim Arzt, Gesetze, die sie in ihrer Selbstbestimmung einschränken.

Transgender sind Menschen, die sich nicht mit ihrer geschlechtlichen Zuweisung als "männlich" oder "weiblich" identifizieren können, oder deren Erleben ihrer selbst nicht den erwarteten Normen entspricht. Dies schließt explizit auch intersexuelle Menschen ein, die mit ihrer Geschlechtszuweisung Probleme haben.
Transgender ist eine Variante geschlechtlicher Identität, die vielfach noch mit einem Tabu behaftet ist. Menschen, die das sichere Gefühl haben, einem anderen als dem zugewiesenen Geschlecht anzugehören, stoßen oft noch auf Unverständnis, Unbehagen und Ablehnung.

Daneben kursieren reißerisch und voyeuristisch aufgeladene Phantasiebilder über Transgender, die mit der Lebensrealität von Transfrauen und Transmännern wenig zu tun haben. In den vergangenen Jahren haben sich viele Transgender von den ihnen zugeschriebenen Klischees emanzipiert. Der Rest der Gesellschaft ist ihnen nicht oder nur teilweise auf diesem Wege gefolgt. Trotz gewisser rechtlicher Fortschritte werden Transgender in vielen Bereichen weiterhin diskriminiert. 

Transgender kämpfen seit vielen Jahren mit zunehmendem Erfolg gegen diese Diskriminierung und für die Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität. Vieles mussten sie sich erst vor Gericht erstreiten, zum Beispiel das Recht, nach der Vornamensänderung auch entsprechend als Herr oder Frau angesprochen zu werden oder qualifizierende Zeugnisse rückwirkend ändern zu lassen.

Die soziale Anerkennung wird Transgendern aber oft noch vorenthalten.

Geschlecht allein als „biologisch gegeben" zu betrachten, greift zu kurz. Geschlechterrollen, gesellschaftliche Zuschreibungen und Leitbilder für Mann oder Frau sind historisch gesehen stetig im Fluss. Es findet ein ständiger Diskurs über Geschlechterrollen statt. Daran gilt es sich offensiv zu beteiligen, mit dem Ziel, die Akzeptanz von Transgender zu erreichen.

Es geht darum, Transgender als eine der vielen Möglichkeiten menschlicher Existenz zu begreifen, also nicht als Störung oder Abweichung, sondern als einen Teil menschlicher Normalität.

Wir von http://trans-weib.blogspot.de/ bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit
Mit freundlichen Grüßen
Nikita Noemi 

Das Menschliche

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