Sonntag, 4. September 2016

Weder Mann noch Frau: Wenn Kategorien versagen Intersexualität /// Neither male nor female: If categories fail intersexuality


Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2016
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Weder Mann noch Frau: Wenn Kategorien versagen
Intersexualität
Nach Schätzungen des Sozialministeriums leben in Niedersachsen 4.000 bis 6.000 Menschen, deren Geschlecht sich nicht eindeutig zuordnen lässt. Die Zahlen schwanken - je nachdem wie Intersexualität definiert wird. Der Deutsche Ethikrat hat in siner "Stellungnahme zur Situation intersexueller Menschen in Deutschland" 2012 festgehalten, "dass intersexuelle Menschen als Teil gesellschaftlicher Vielfalt Respekt und Unterstützung der Gesellschaft erfahren müssen. Zudem müssen sie vor medizinischen Fehlentwicklungen und Diskriminierung in der Gesellschaft geschützt werden." Außerdem hat er empfohlen, eine dritte Geschlechtskategorie im Personenregister einzuführen - neben "männlich" und "weiblich" etwa die zusätzliche Kategorie "anders". Seit November 2013 besteht die Möglichkeit, das Geschlecht eines Kindes nach der Geburt offen zu lassen. Ein Offenlassen sei aber keine Lösung, kritisiert die Unterstützergruppe "Dritte Option". Vielmehr solle die Identität anerkannt werden. In einigen Ländern, etwa in Neuseeland, Nepal und Indien, gibt es eine dritte Kategorie. Im Juli 2014 hat in Emden die erste vom Land geförderte Beratungsstelle für intersexuelle Menschen ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist Anlaufstelle für Eltern von intersexuellen Kindern und Erwachsenen. Weitere Informationen bieten auch die "Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität" und der Verein "Intersexuelle Menschen".

Vanja ist 25 Jahre alt, trägt kurze braune Haare, Brille und einen Bart. Wer versucht, Vanja in eine der Kategorien "männlich" oder "weiblich" zu pressen, kommt schnell an seine Grenzen. Es geht schlicht nicht. Vanja ist nichts davon oder beides; intersexuell - mit Anteilen beider Geschlechter. "Der 25-Jährige" oder "Die 25-Jährige"?  "Ich glaube, ich finde es immer ganz schön, wenn für mich Pronomen vermieden werden", sagt Vanja. Es gebe auch die Möglichkeit, von "er/sie" zu sprechen. Wenn das aber gar nicht ginge, dann doch lieber "er" als "sie".

Viele intersexuelle Kinder werden nach der Geburt operiert
Es gibt viele verschiedene Ausprägungen von Intersexualität - abhängig etwa von Chromosomen, Hormonen und Anatomie. Bei manchen Kindern kann das Geschlecht gleich nach der Geburt nicht eindeutig festgestellt werden. Oft werden sie dann operiert, damit sie zweifelsfrei in die eine oder andere Kategorie passen. Doch bei Vanja war es anders: "Meine Eltern haben mich als weiblich eintragen lassen, weil ich auch erst mal als weiblich wahrgenommen wurde."

"Ich fand das alles gar nicht seltsam"
Je älter Vanja wurde, desto mehr stellte sich heraus, dass er/sie sich doch nicht klar zuordnen ließ und auch nicht zuordnen lassen wollte. Die Stimme wurde tiefer, dem "Mädchen" wuchs ein Bart. "Ich glaube, ich fand das für mich selber gar nicht so seltsam. Es war einfach so", erinnert sich Vanja. Problematisch sei eher die Reaktion von anderen gewesen: "Es gibt dann so Jungs- und Mädchengruppen und Jungs- und Mädchenspiele und wenn das dann da alles nicht so rein passt, dann reagieren Leute schon manchmal komisch."

"Es stimmt einfach nicht, dass es nur Männer und Frauen gibt"
In Vanjas Ausweis steht, dass er/sie eine Frau ist. Doch das will Vanja ändern lassen. Deshalb hat er/sie beim Standesamt in Gehrden (Region Hannover) beantragt, dass der Eintrag in der Geburtsurkunde in "inter/divers" geändert wird. "Es stimmt einfach nicht, dass es nur Männer und Frauen gibt. Ich bin keine Frau in dem Sinne."  "Ist doch egal, was im Ausweis steht" könnte jetzt eine Antwort sein. Aber das ist Vanja eben nicht egal. Es geht um eine rechtliche Anerkennung der Identität. "Bei den sinnlosesten Sachen wird erwartet, dass Angaben zum Geschlecht gemacht werden, sogar wenn ich ein Zugticket im Internet bestelle", sagt Vanja. Jedes Mal müsse er/sie falsche Angaben machen. "Es ist immer irritierend und passt einfach nicht."

Vanja ist bewusst an die Öffentlichkeit gegangen
Diskriminierung im Alltag erlebt Vanja immer wieder, auch wenn sie oft gar nicht als solche gemeint ist. "Von öffentlichen Toiletten, wo es kompliziert wird, bis hin zu Klamottenläden, die streng nach Geschlechtern getrennt sind". Doch am meisten treffen Vanja Aussagen wie "So was gibt es doch gar nicht"  und "Was bist du denn nun wirklich". Auch deshalb hat er/sie entschieden, nicht klammheimlich beim Gehrdener Standesamt die Änderung zu beantragen, sondern an die Öffentlichkeit zu gehen. "Es ist ein Kreislauf, der sich gegenseitig bestärkt: Menschen, die nicht Männer oder Frauen sind, trauen sich nicht, darüber zu sprechen oder sollen sich anpassen, damit sie nicht auffallen." Und weil niemand darüber rede, fühle sich der Rest darin bestätigt, dass es ja nur Männer und Frauen gibt.

"Es gibt noch viel Unwissen und Vorurteile"
Vanja ist nicht alleine. Er/sie wird unterstützt von der Gruppe "Dritte Option". Die Mitglieder halten Vorträge zu Intersexualität und klären auf. Das Thema sei mittlerweile zwar schon bekannter, trotzdem gebe es immer noch viel Halbwissen und Vorurteile, sagt Unterstützer Moritz.

Unterstützergruppe will bis vor der Bundesverfassungsgericht ziehen
Noch wartet Vanja auf eine Entscheidung über den Antrag. Die Gruppe ist aber fest entschlossen, bis vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen, sollte es nötig werden - und rechnet sich gute Chancen aus: "Unsere Argumentation ist juristisch recht wasserdicht", sagt Louis, einer der Anwälte der Gruppe. Der Deutsche Ethikrat habe bereits anerkannt, dass es Menschen gibt, die nicht in die Kategorien "männlich" oder "weiblich" passen. "Wenn das zugestanden wird, dann muss es diesen Personen auch ermöglicht werden, ihre Identität im Ausweis eintragen zu lassen." Es sei nur die Frage, wann sich ein Gericht findet, das sich traut, die ungewöhnliche Entscheidung zu treffen.


Vanja kämpft weiter für das dritte Geschlecht
Der Rechtsstreit um die Feststellung des Geschlechts der intersexuellen Person Vanja geht in die nächste Runde. Vanja hatte beim Amtsgericht Hannover die Eintragung eines dritten Geschlechts erstreiten wollen. Das lehnte das Gericht in einem schriftlichen Verfahren ab. Die Angabe des Geschlechts mit "inter" oder "divers" sei gesetzlich nicht vorgesehen, hieß es im Oktober. Nun hat Vanja Beschwerde eingelegt. Der Fall geht damit zum Landgericht in Hannover.

Nicht Frau, nicht Mann
Vanja hatte bewusst den Weg an die Öffentlichkeit gewagt, um auf alltägliche Diskriminierungen aufmerksam zu machen. Oft, so Vanja, seien sie gar nicht als solche gemeint. Vor öffentlichen Toiletten etwa werde es für Vanja - weder Mann, noch Frau - immer kompliziert. Vanja trägt Anteile beider Geschlechter in sich. Die Eltern nahmen Vanja als Mädchen wahr, doch wuchs ihrem "Mädchen" schon bald ein Bart. Die Entscheidung, nach einer Ablehnung vom Amtsgericht Beschwerde einzulegen, war schnell getroffen. "Wir haben schon damit gerechnet, dass das Amtsgericht den Antrag ablehnen wird", sagte ein Sprecher von Vanjas Unterstützergruppe im Oktober. Sie wollen im Zweifel bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, um eine dritte Kategorie durchzusetzen.

"Inter" oder "Divers" gibt's im Gesetz nicht
Das Amtsgericht Hannover hat im Fall "Vanja" die Eintragung eines dritten Geschlechts abgelehnt. Der/die 25-Jährige hatte mit einem Antrag erreichen wollen, dass in der Geburtsurkunde die Geschlechtsangabe von "weiblich" in "inter" oder "divers" geändert wird. Die Richterin entschied in dem schriftlichen Verfahren, dass die Angabe "inter" oder "divers" gesetzlich nicht vorgesehen ist. Eine Vorlage beim Bundesverfassungsgericht sei nicht notwendig, da nicht zu erkennen sei, dass die gesetzliche Regelung gegen die Verfassung verstößt, so die Richterin. Gegen die Entscheidung kann Beschwerde eingereicht werden.

Eine politische, keine rechtliche Frage

Das sogenannte Personenstandsgesetz erlaube mittlerweile zwar, dass der Eintrag nach der Geburt ganz offen gelassen wird; aber eben nicht die sogenannte dritte Kategorie. "Die Frage nach einer dritten Option im Pass ist momentan eine politische Frage, keine rechtliche", sagte Amtsgerichtssprecher Jens Buck NDR 1 Niedersachsen. Um einen dritten Eintrag möglich zu machen, müsste das Gesetz geändert werden.

Eltern ließen das Kind als Mädchen eintragen
Geschätzt 4.000 bis 6.000 Menschen in Niedersachsen können und wollen nicht in die eine oder andere Kategorie gesteckt werden, denn ihre Körper haben Merkmale beider Geschlechter - sie sind intersexuell. In ihrem Ausweis müssen sie sich aber für "männlich" oder "weiblich" entscheiden. So geht es auch Vanja. Die Eltern haben das Kind als Mädchen eintragen lassen; obwohl das so nicht stimmt. Deshalb beantragte Vanja nun im Alter von 25 Jahren vor dem Standesamt Gehrden, dass der Eintrag in der Geburtsurkunde in "inter/divers" geändert wird. Die Behörde hatte den Antrag zur Entscheidung an das Amtsgericht Hannover weitergeleitet.

 
Nächste Instanz ist das Landgericht

"Wir haben schon damit gerechnet, dass das Amtsgericht den Antrag ablehnen wird", so eine Sprecher von Vanjas Unterstützergruppe. Daher seien sie nicht enttäuscht. Die Gruppe will die Entscheidung des Amtsgerichts aber nicht hinnehmen und Beschwerde einlegen. Dafür hat sie nun einen Monat Zeit. Als nächste Instanz muss sich dann das Landgericht Hannover mit dem Fall beschäftigen. Vanja und seine/ihre Unterstützer wollen sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, um eine dritte Kategorie durchzusetzen.

Oberlandesgericht: Kein "inter" als Geschlecht
Es geht um ein einzelnes Wort: In Vanjas Geburtsurkunde soll die Angabe "weiblich" gestrichen und stattdessen "inter/divers" eingetragen werden. Diesen Antrag hatte der 25-jährige Vanja im Sommer im Standesamt Gehrden (Region Hannover) beantragt, ohne Erfolg. Die Behörde hatte den Antrag zur Entscheidung an das Amtsgericht Hannover weitergeleitet, das die Eintragung eines dritten Geschlechts im Oktober ablehnte. Die Angaben "inter" oder "divers" seien gesetzlich nicht vorgesehen, erklärte die Richterin damals. Nun hat auch das Oberlandesgericht Celle die Beschwerde zurückgewiesen. 

 "Drittes Geschlecht nicht vorgesehen"

Das Gericht urteilte, dass die Voraussetzungen für einen solchen Eintrag nicht vorlägen. Wenn ein Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuzuordnen sei, dann könne die Angabe des Geschlechts zwar offenbleiben, ein drittes Geschlecht "divers" oder "inter" sei jedoch nicht vorgesehen. Vanja könne demnach, so das Gericht, eine Streichung des Eintrags "weiblich" erreichen.
Im Notfall bis vor das Bundesverfassungsgericht
Vanja wird von der Initiative "Dritte Option" unterstützt. Um eine dritte Kategorie durchzusetzen, wollen sie nun gemeinsam vor den Bundesgerichtshof ziehen. Der Staat müsse geschlechtliche Identitäten jenseits von Frau und Mann anerkennen. In Deutschland haben nach Angaben des Bundesverbandes Intersexueller Menschen rund 80.000 bis 120.000 Menschen zugleich männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale.

 Nicht Frau, nicht Mann

Vanja hatte bewusst den Weg an die Öffentlichkeit gewagt, um auf alltägliche Diskriminierungen aufmerksam zu machen. Oft, so Vanja, seien sie gar nicht als solche gemeint. Vor öffentlichen Toiletten etwa werde es für Vanja - weder Mann, noch Frau - immer kompliziert. Vanja trägt Anteile beider Geschlechter in sich. Die Eltern nahmen Vanja als Mädchen wahr und ließen ihn bei der Geburt als Mädchen registrieren. Doch wuchs ihrem "Mädchen" schon bald ein Bart. Er sieht sich weder als Mann noch als Frau. Es stimme einfach nicht, dass es nur Männer und Frauen


Fall Vanja: BGH gegen drittes Geschlecht
Ist Vanja eine Frau oder ein Mann? Aus Vanjas Sicht keines von beiden. Zwar wurde 1989 in das Geburtenregister das Geschlecht "Mädchen" eingetragen, doch eine Antwort auf die Geschlechter-Frage ist für sie oder ihn nur schwer zu geben. Vanja aus der Nähe von Hannover will sich nicht zwischen den beiden Kategorien entscheiden müssen. Vanja ist intersexuell und kämpft nun bereits seit Jahren dafür, sich als Geschlecht eine dritte Variante wie "inter" oder "divers" in die Geburtsurkunde eintragen zu lassen. Doch das hat nun auch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgelehnt - eine Entscheidung, die der Unterstützerkreis "Dritte Option" nicht akzeptieren will. Die Kampagne hat eine Verfassungsklage für September angekündigt.
Weiteres Geschlecht nicht Wille des Gesetzgebers
Seit November 2013 ist es möglich, das Geschlecht eines Neugeborenen offenzulassen, wenn eine eindeutige Zuordnung nicht möglich ist. Mehr erlaubt das "binäre Geschlechtersystem" der deutschen Rechtsordnung aber nicht - so die Auffassung der BGH-Richter. Die Schaffung eines weiteren Geschlechts entspreche nicht dem Willen des Gesetzgebers. Vanja habe allerdings die Option, das Geschlecht "Mädchen" nachträglich aus dem Geburtenregister löschen zu lassen.

 Eine Ablehnung nach der anderen

Vanjas juristischer Weg nahm seinen Anfang im Sommer 2014 am Standesamt Gehrden (Region Hannover). Dort hatte "er" - wenn Vanja sich entscheiden müsste, wäre das das am ehesten passende Pronomen - den Antrag auf eine dritte Kategorie zunächst gestellt. Die Behörde reichte den Antrag zur Entscheidung an das Amtsgericht Hannover weiter. Das lehnte ab - genauso wie die nächste Instanz, das Oberlandesgericht Celle.



Freitag, 2. September 2016

Akromegalie

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Akromegalie
Diese Darstellung wurde von Frau Priv. Doz. Dr. Ursula Plöckinger, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum erarbeitet. Sie ist bestimmt für Laien, kann aber in keinem Fall das Gespräch mit dem Arzt ersetzen. Nur dieser kann alle Einzelheiten des jeweils persönlichen Falles beurteilen, entsprechend weitere individuelle Aufklärung geben und gebotene diagnostische und ggf. therapeutische Maßnahmen einleiten. Die hier gegebenen Informationen entsprechen dem Wissensstand Mitte 2004. Neue Erkenntnisse können Teile hiervon oder die ganze Darstellung veraltet werden lassen.

Akromegalie entsteht durch einen (gutartigen) Tumor der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), der vermehrt und unkontrolliert Wachstumshormon ausschüttet. Eine vermehrte Sekretion von Wachstumshormon (somatotropes Hormon [STH], oft auch englisch growth hormone [GH]) führt zum Krankheitsbild der Akromegalie. Kommt es bereits im Kindesalter hierzu, so entsteht ein Riesenwuchs (Gigantismus). Die Häufigkeit (Inzidenz) beträgt 3-4 Patienten/Mill/Jahr. Dies entspricht in Deutschland etwa 250-330 Neuerkrankungen/Jahr. Es leben etwa 3000-6000 Patienten in Deutschland mit dieser Erkrankung (Prävalenz). In der Regel vergehen ungefähr acht Jahre vom Auftreten erster Symptome bis zur Diagnose. Die körperlichen Veränderungen sind anfangs gering, da sich das charakteristische Krankheitsbild schleichend entwickelt, ohne sprunghafte Änderungen des Äußeren. Die Diagnose wird dann häufig zufällig gestellt, z.B. bei einem Arztwechsel. Dann liegt meist bereits das Vollbild der Akromegalie vor. Die Chancen einer Heilung sind dann - im Vergleich zu einer Diagnose im Frühstadium der Erkrankung - jedoch bereits deutlich geringer. In sehr seltenen Ausnahmefällen kann eine Akromegalie auch eine andere Ursache als einen Hypophysentumor haben (weniger als 1% der Patienten).

Klinisches Bild und Symptome

Die Akromegalie wird am häufigsten zwischen dem 3. und 5. Lebensjahrzehnt diagnostiziert. Die kräftig erscheinenden Patienten klagen über rasche Ermüdbarkeit, verringerte körperliche Belastbarkeit, Konzentrationsschwäche, vermehrte Schweißneigung, oft über Kopfschmerzen und gelegentlich über diffuse Gelenkbeschwerden. Die Veränderung der Haut - sie ist verdickt, zeigt deutliche Schweißneigung und vermehrte Talg-Sekretion (Seborrhöe) - wird häufig nicht als krankhaft wahrgenommen. Die charakteristisch warm-feuchte, leicht konsistenzvermehrte Hand des akromegalen Patienten ist verbreitert und plump. Veränderungen des Bindegewebes und der Knochen führen zu den spezifisch akromegalen Gesichtszügen mit ausgeprägten Stirnfalten, tiefen Falten um den Mund und dem häufig anzutreffenden Hervortreten der Lidwülste. Weitere Symptome können sein ein Carpaltunnel Syndrom (Missempfindungen in den ersten dreieinhalb Fingern der Hand durch Druck auf den Medianus-Nerven im Handgelenk), sowie Schnarchen und ein Schlafapnoe Syndrom (kurze Atemaussetzer während des Schlafes). Weitere typische Zeichen der Akromegalie sind ein Auseinandertreten der Zähne im Unterkiefer, Vergrößerung der Zunge und tiefe Stimme. Folgeerkrankungen sind oft Zuckerkrankheit, hoher Blutdruck und Gelenkveränderungen. Die Raumforderung in der Hypophyse kann zu Einschränkungen der Funktion des gesunden Teiles der Drüse führen (Menstruationsstörungen, Unterfunktion von Nebennieren oder Schilddrüse). Bei Ausdehnung des Tumors nach oben kommt es zur Beeinträchtigung der Sehnerven mit Tunnelsehen (Gesichtsfeld-Einschänkung) und ggf. Verlust des Sehvermögens.

Diagnostisches Vorgehen

Als Such-Test kann die Bestimmung des Insulin-like growth factor-I (IGF-I) herangezogen werden, der unter dem Einfluss des Wachstumshormons in der Leber gebildet wird und viele Wirkungen des Wachstumshormones vermittelt. Eine alters- und geschlechtsspezifisch normale IGF-I Konzentration schließt jedoch die Akromegalie nicht mit Sicherheit aus. Der "Goldstandard" in der Diagnostik ist der Zuckerbelastungstest. Die Gabe von Zucker (Glukose) führt bei Gesunden zur Hemmung der Wachstumshormon-Ausschüttung. Werden keine Wachstumshormon-Werte kleiner als 1µg/L erreicht, so ist die Diagnose gesichert. Dann muss auch die Funktion der übrigen Hirnanhangsdrüse überprüft werden (Hypophysenhormone, die für die Funktion von Eierstock/Hoden, der Nebenniere und der Schilddrüse wichtig sind). Ein Kernspintomogramm (MRT) muss den Tumor in der Hypophyse nachweisen und dessen Größe und seine Beziehung zu den umgebenden Strukturen bestimmen, besonders zur darüber liegenden Sehnerven-Kreuzung. Liegt ein Tumor vor, der über die Sella turcica (Türkensattel, die knöcherne Struktur an der Schädelbasis, in der die Hypophyse liegt) hinausgewachsen ist, so muss eine augenärztliche Untersuchung veranlasst werden.


Operative Therapie

Das Ziel der Therapie ist die Beseitigung des STH-Überschußes (STH kleiner als 1 µg/L im Zuckerbelastungstest, IGF-I normal) durch die vollständige Entfernung des Tumors. Dies soll möglichst unter Erhalt oder Wiederherstellung der übrigen Hypophysen-Funktionen geschehen (sog. selektive Adenomektomie). In der Regel wird hierzu ein transsphenoidaler Zugangsweg gewählt. Adenomektomie angestrebt (d.h. die Entfernung des Tumors über einen Zugang durch die Nase). Der Erfolg ist abhängig von der Größe des Tumors (und damit auch von der rechtzeitigen Diagnose) und der Erfahrung des Neurochirurgen. (Anhaltspunkt: mehr als 30 derartige Operationen/Jahr). In erfahrenen Händen ist das Komplikations-Risiko gering (unter 1-2%, Hirnhautentzündung, Abfluss von Gehirnwasser [Liquor]) und diese sind meist gut beherrschbar. Die Sterblichkeit liegt unter 0,5%. Bei Vorliegen eines Mikroadenoms (Tumordurchmesser kleiner als 1cm) liegen die Heilungsaussichten bei 80% und höher. Liegt jedoch ein Makroadenom vor (Tumordurchmesser größer als 1cm), so sinkt die Heilungsrate unter 50%, bei Vorliegen einer seitlichen Tumorausdehnung auf nur noch 35-45%.
Ist postoperativ das Therapieziel nicht erreicht, so stehen als Zweit-Therapie die medikamentöse Behandlung oder die Strahlentherapie zur Verfügung. Bei der medikamentösen Therapie kann nach einem Stufenschema vorgegangen werden:

Medikamentöse Therapie

Dopamin-Agonisten (DA) hemmen die STH-Ausschüttung bei rund 20%-50% der Patienten mit Akromegalie. Eine Normalisierung der STH Konzentration wird jedoch selten erreicht. DA müssen einschleichend verabreicht werden. Eine langsam ansteigende Dosierung erlaubt nach 6 Wochen die erste Erfolgskontrolle und verhindert nahezu vollständig Nebenwirkungen wie Übelkeit, Blutdruckabfall im Stehen (Orthostase), Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Neuere DA (Cabergolin, Quinagolid) sind möglicherweise etwas effektiver und Nebenwirkungs-ärmer als die DA der ersten Generation (wie Bromocriptin). Somatostatin Analoga (SSA) vermindern die STH-Konzentration bei 75% der Patienten um etwa 50%. Sie werden heute meist als lang-wirkende Präparate gegeben, die etwa alle 4 Wochen injiziert werden. Die Hälfte der Patienten erreicht das Therapieziel. Die klinische Besserung der Patienten ist oft ausgeprägter als die Senkung der STH oder IGF-I Konzentration. Der Therapieeffekt ist individuell nicht vorhersehbar. Empfohlen wird ein Therapieversuch für 3 Monate. Die Nebenwirkungen der Therapie, wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall, klingen in der Regel nach 3-5 Tagen ab. Während der Therapie ist die Kontrolle der Blutzuckerwerte und bei langjähriger Behandlung auch des Vitamins B12 erforderlich. Das Risiko einer Gallensteinbildung erfordert regelmäßige (alle 3 Monate) sonografische Untersuchungen.
Wachstumshormon Antagonist: Für Patienten, die mit SSA keine ausreichende Senkung der STH Konzentration erreichen, steht mit Pegvisomant ein neues therapeutisches Prinzip zur Verfügung. Dies ist ein Wachstumshormon-Antagonist, der die Wirkung des STH im Gewebe blockiert (ein sog. Rezeptor-Antagonist). 98% der Patienten erreichen eine normale IGF-I Konzentration. Die Erfahrungen mit dieser Therapie sind jedoch noch gering. Die Therapie kann möglicherweise mit einer Vergrößerung des Tumors einhergehen, eine entsprechende Überwachung (MRT) ist daher erforderlich. Auf einen Anstieg der Leberenzyme muss geachtet werden.

Strahlentherapie

Führen die genannten Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg, oder kommt es zu erneutem Tumorwachstum, so ist die Strahlentherapie möglich. Sie senkt die Wachstumshormon-Konzentration um etwa 10% pro Jahr. Bei hoher Ausgangskonzentration sind die STH-Werte dann noch bis zu 10 Jahre und länger erhöht. Dieser Zeitraum muss mit einer zusätzlichen medikamentösen Therapie überbrückt werden. Wichtigste Nebenwirkung ist das Auftreten einer Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse noch Jahre nach der Bestrahlung. Bestrahlungs-bedingte Zweittumore sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 1-2% innerhalb von 10 Jahren nach Bestrahlung möglich. Auch Gefäßkomplikationen des Gehirns können möglicherweise eintreten.

Nachsorge

Alle Patienten mit einer Akromegalie müssen zeitlebens in ärztlicher Kontrolle bleiben. Leider sind Rezidive nach anfänglicher scheinbar vollständiger Heilung auch noch nach 10 und mehr Jahren beobachtet worden. Die Betreuung sollte in enger Kooperation von Hausarzt und einem Endokrinologen erfolgen.


Dienstag, 30. August 2016

Welche anderen Bezeichnungen und Synonyme gibt es von Intersexuallität? /// What other names and synonyms there from Intersexual formality?

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Welche anderen Bezeichnungen und Synonyme gibt es von Intersexuallität?

Man spricht auch von Testikulärer Feminisierung, Pseudohermaphroditismus masculinus,
Hermaphroditismus, CAIS (Komplette Androgeninsensivität mit 46 XY), PAIS (Partielle Androgensensivität mit 46t XY), Gonadendysgenesie, Swyer-Syndrom (46XY), 5-alpha-Reduktase mangel (46XY), 17-beta-HSD-Mangel (46XY), Leydigzell-Hypoplasie (46XY), CAH (AGS), Typ 5 (17-Hydroxylase-Defekt), DSD und vielen anderen mehr…

Obwohl bereits bei der Verschmelzung von Ei und Samenzelle das chromosomale Geschlecht des künftigen Kindes festgelegt wird (46,XX - weiblich, 46,XY - männlich), entwickeln sich innere und äußere Geschlechtsmerkmale erst im Verlauf der ersten Schwangerschaftswochen aus einem neutralen Stadium.

Diese Entwicklung wird beim männlichen Embryo im wesentlichen durch das Y-Chromosom gesteuert, das mit der Bildung der Hoden den Weg zur Erzeugung von Androgenen freigibt, welche im weiteren Verlauf die Prozesse der Vermännlichung des Embryos einleiten und regeln.

Fehlt das Y-Chromosom oder ist seine Wirkung durch bestimmte Umstände gestört, entwickelt sich der Embryo in die weibliche Richtung. Die weibliche körperliche Erscheinungsform ist demnach das Grundmodell der menschlichen Entwicklung.

Dies hat zur Folge, daß sich durch verschiedene genetisch bedingte Ursachen ein Embryo trotz des 46,XY-Chromosomensatzes zu einem äußerlich weiblichen Baby entwickeln kann - daher auch "testikuläre Feminisierung" (ein Begriff der für viele Betroffene eher als unangenehm empfunden wird und heute kaum noch verwendet wird).

Einige dieser Ursachen sind:

das Gewebe ist für Androgene unempfindlich (Androgen Insensibilität, komplett (CAIS) oder partiell (PAIS))
die Ausbildung von Hoden findet aus verschiedenen Gründen nicht statt (z.B. Swyer's Syndrom oder reine Gonadendysgenesie, XO/XY-Mosaik usw.)
fehlende Entwicklung der Zellen in den Hoden durch mangelnde Reaktion auf Hormone der Hirnanhangdrüse (z. B. Leydig-Zell-Agnesie oder -hypoplasie)
Enzymstörungen in der Biosynthese von männlichen Hormonen (Androgenen) (z. B. 5-Alpha-Reductase-Mangel, 17-Beta-HSD-Mangel usw.)
Allen Syndromen gemeinsam sind die Begriffe "Testikuläre Feminisierung" und "Pseudo-Hermaphroditismus Masculinus" In unserer Selbsthilfegruppe haben sich bisher Betroffene mit folgenden Syndromen zusammengefunden:

CAIS

(Complete Androgen Insensitivity Syndrom - Komplette Androgen-Resistenz)
Bei diesem Syndrom werden im Embryonalstadium Hoden ausgebildet, die Androgene (z. B. Testosteron) ausschütten. Aufgrund eines gar nicht auf die Androgene reagierenden Rezeptors können die Körperzellen diese Hormone nicht verarbeiten. Obwohl die inneren Fortpflanzungsorgane in männliche Richtung angelegt werden, formt sich die äußere ...
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PAIS

Partial Androgen Insensitivity Syndrom - Partielle Androgenresistenz
In diesem Fall ist der Rezeptor nur teilweise, und zwar in unterschiedlichen Ausprägungsformen, in seiner Funktion eingeschränkt. Daher können Androgene bereits im Embryonalstadium eine vermännlichende Wirkung entfalten. Dies setzt sich dann in der Pubertät fort, so daß das äußere Erscheinungsbild leicht bis stärker vermännlicht sein ...
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Swyer Syndrom

Reine Gonadendysgenesie
In diesem Fall arbeitet das auf dem Y-Chromosom liegende SRY-Gen nicht. Dieses Gen veranlaßt u. a. die Ausbildung von Hoden. Daher befinden sich bei diesen Betroffenen anstelle der Gonaden im kleinen Becken bindegewebige weißliche Stränge, sog. "Streaks", die keine Keimzellen enthalten und keine Hormone erzeugen. Betroffene haben eine normale ...
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Gemischte Gonadendysgenesie

In diesem Fall ist auf einer Seite die Gonade unterentwickelt, und auf der anderen Seite findet sich ein mehr oder weniger ausdifferenzierter Hoden. Das äußere Genital ist in unterschiedlicher Weise vermännlicht mit phallusähnlicher Klitoris, die in der Pubertät weiter wachsen kann. Eine Brustentwicklung bleibt meist aus.
5-Alpha-Reductase-Mangel

Bei dieser Enzym Störung werden die Androgene zwar normal gebildet, können aber aufgrund eines Enzymmangels in den entsprechenden Zielorganen nicht ihre volle Wirkung entfalten. Die phänotypische Erscheinungsform ist weiblich mit unterschiedlich starker Klitoris Vergrößerung. In der Pubertät setzt eine spontane Vermännlichung ein (Wachstumsschub, maskuline Muskulaturentwicklung, Stimmbruch, Klitoriswachstum). Die Entwicklung weiblicher Brüste unterbleibt.



Will you truths, here is a real story! /// Wollt Ihr Wahrheiten, hier eine Reale Geschichte!

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Wollt Ihr Wahrheiten, hier eine Reale Geschichte!
Es ist 14:03 Uhr, ich stehe vorm Ströck in der Karsplatzpassage. Ich bin ein paar Minuten zu spät und halte Ausschau nach ihr: Charlie. Ich weiß nicht, wie Charlie aussieht aber sie kennt mich von meinem Blog und wird mich schon finden. Plötzlich steht sie vor mir: eine wunderhübsche, attraktive Frau mit langem, blonden Haar, toller Figur, sie ist so klein wie ich, nur zierlicher.

Wir sitzen im Café und Charlie ist sichtlich nervös, ihre Augen glasig, ich möchte sie am liebsten umarmen, weil sie so tapfer ist und mit mir über etwas spricht, worüber sie nur mit wenigen Menschen spricht. Flashback.
1990 wird Charlie geboren. Sie verbringt eine ganz normale Kindheit, außer, dass sie etwas wilder ist, als die anderen Mädchen. Sie klettert auf Bäume, spielt Fußball, schlägt sich das Knie beim Radfahren auf und schneidet der Barbie ihrer Schwester die Haare ab. Zwischendurch verhält sich Charlie aber wie ein klassisches Mädchen, oder zumindest so, wie die Gesellschaft es von Mädchen erwartet. Zum Schulfoto mit 7 besteht sie auf das rosa Kleid.

Fünf Jahre später: Charlie ist 12 und merkt, dass etwas anders ist. Die meisten Mädchen in ihrer Klasse kaufen sich die ersten BH’s, die Schambehaarung beginnt zu wachsen, sie bekommen ihre Regel. “Du bist halt eine Spätentwicklerin, das liegt in der Familie!” beschwichtigt sie ihre Mutter. Innerlich weiß Charlie aber bereits, dass das nicht der Fall ist. Sie weiß, dass sie anders ist. Charlie besteht auf eine ärztliche Untersuchung, landet schlussendlich im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, mehrere Blutuntersuchungen und Ultraschalle später die Diagnose: Charlie ist intergeschlechtlich.

Charlie ist erst 12 Jahre alt, als sie erfährt, dass sie keine Eierstöcke, keine Gebärmutter hat und demnach nie Kinder bekommen kann. Stattdessen hat Charlie Gonaden im Bauchraum. Auch Keimdrüsen oder Hoden genannt. Es sind zwei Buchstaben, die Charlies Leben verändern: XY. Ihre Chromosomen sagen, sie sei männlich.

Es gibt unzählige Formen der Intergeschlechtlichkeit, Charlies Form nennt sich complete Androgene Insensitivity Syndrome, kurz cAIS. Das bedeutet, dass Charlie rein chromosomal ein Mann ist, ihr Körper jedoch resistent gegen männliche Hormone ist. Charlies Gonaden im Bauchraum wanderten also nicht nach unten, produzierten aber gleichzeitig männliche Hormone, die der Körper aber nicht aufnehmen konnte und in Östrogen umwandelte. Deswegen entwickelte sie auch weibliche, äußere Geschlechtsmerkmale.

Charlie ist 12. Sie erfährt, dass ihre Scheide nur 5 cm lang ist und somit zu kurz, um problemlos heterosexuellen, vaginalen Geschlechtsverkehr zu haben. Die Ärztin bietet die operative Entfernung der Gonaden an, auch eine Scheidenverlängerung sei möglich. Charlie ist 12, sie möchte einfach so schnell wie möglich, so normal wie möglich sein. Jetzt. Sofort.

Nachdem die im Bauchraum verbliebenen Hoden warm sind, befürchten die Ärzte die Gefahr eines Tumors. Heute weiß man, dass das Risiko bei Weitem nicht so hoch ist, wie man glaubte. Die Familie und Charlie entscheiden sich für die Entfernung der Gonaden. Charlie ist somit, wie viele andere XY-Frauen, auf lebenslange Hormonersatztherapie angewiesen, da die Gonaden im Bauchraum für die Hormonproduktion verantwortlich waren. Eine Zwangskastration, die zu mangelnder Hormonproduktion führt sozusagen. Bei vielen intergeschlechtlichen Menschen wird diese OP bereits im Kinderalter durchgeführt, ohne dass das Kind überhaupt Mitspracherecht hat, ob es ein Leben mit Hormonersatztherapie überhaupt will. Statt der Scheidenverlängerung rät die Ärztin zu einem Phantom, einem Stück Kunststoff, das die Scheide weiten und verlängern soll. Ihre ganze Jugend über muss Charlie immer größer werdende Phantome in ihre Scheide einführen, immer vor dem Schlafengehen.

“Stell dir vor, du bist auf Schullandwoche, und musst, wenn alle schon im Bett sind, aufstehen, um dir ein Stück Kunststoff einzuführen, um deine Scheide zu weiten. Und du bist die, die vor allen anderen aufsteht, um es wieder rauszuholen.”
Viele weiblich eingestufte, intergeschlechtliche Menschen bekommen Neovaginas, sie werden sozusagen “penetrationsfähig gemacht”. Mikropenisse werden abgeschnitten, Geschlechtsteile entfernt, Menschen für immer sterilisiert. Säuglinge werden operiert, weil die Harnröhre nicht in der Eichel, sondern im Schaft endet, damit sie im Stehen und nicht nur im Sitzen pinkeln können. Denn ein echter Mann, der muss ja im Stehen pinkeln können. Wir wollen uns Menschen so zurechtformen, wie wir uns das vorstellen, ohne dabei zu verstehen, dass das an Folter grenzt.

“Es war psychisch sehr schwer, das als Jugendliche zu verkraften. Gerade in dieser Zeit will man ja eigentlich nur dazugehören. Ich glaube die meisten Mädchen hassen ihren Körper in dieser Zeit, aber wenn dir dann auch noch gesagt wird, dass du eigentlich kein Mädchen hättest sein sollen, dann hasst du dich selbst wahrscheinlich noch viel mehr.”

Ein äußeres Geschlechtsmerkmal, das unter 0,7 cm liegt, gilt als Klitoris. Alles über 2,5 cm als Penis. Und dazwischen? Das Dazwischen rücken, schneiden und stutzen wir so lange zu Recht, bis wir es zu Mann oder zur Frau gemacht haben, koste es was es wolle. Als wäre es ein verdammter Bonsai-Baum. Doch wir sprechen hier nicht von einer winzigen Randgruppe, wir sprechen von 1,7% der Bevölkerung, 20-25 Kinder jährlich in Österreich, die völlig im Stich gelassen werden. Es gibt ungefähr so viele intergeschlechtliche Menschen, wie es Rothaarige gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir einige intergeschlechtliche Menschen kennen, die sich nicht trauen, sich zu outen, ist also sehr hoch.

Ob intergeschlechtliche Menschen es wollen oder nicht: sie müssen sich einordnen, denn in unserer Welt haben wir keinen Platz für Grauzonen. Mann oder Frau, schwarz oder weiß. 170 Operationen an weiblichen eingestuften Kindern unter 5 Jahren waren es im Jahr 2014 in Deutschland. Diesen Kindern wird eines entzogen: das Menschenrecht auf einen unversehrten Körper.
“Es ist schwer nicht ein Schema zu passen wenn sich die ganze Gesellschaft nach diesem Schema richtet. Damit habe ich sehr oft zu kämpfen. Auch mit dem Vorurteil ‘Zwitter’ kann ich nicht umgehen. Ich mag das Wort einfach nicht.” Wir stehen jeden Tag vor Entscheidungen, die uns leicht fallen: auf’s Damen- oder Herrenklo, ob wir das Kreuzerl bei “weiblich” oder “männlich” machen. Und Charlie? Ist sie nun männlich oder weiblich? Charlie ist Charlie. Punkt.

In unserer Gesellschaft gibt es kaum Möglichkeiten, aus der Zweigeschlechtlichkeit auszubrechen. Nicht mal auf medizinischem Niveau, ist es intergeschlechtlichen Menschen möglich, durchzuatmen. Wenn im Pass “Frau” steht und man aber eine Prostata-Untersuchung braucht, weil man eben eine Prostata hat, dann wird die nicht von der Krankenkasse übernommen. Wenn Charlie ins AKH muss, muss sie auf die Transsexuellen-Ambulanz, obwohl sie nicht transsexuell ist. Die Krankenschwester fragt “sie sind also transsexuell?” und Charlie ist völlig bloßgestellt, muss einer wildfremden Person, zu der sie kein Vertrauensverhältnis hat, erklären, dass sie intergeschlechtlich ist und was das eigentlich bedeutet. Ihr ganzes Leben lang ist sie solchen Situationen ausgesetzt. Nach der Gonadenentfernung als junger Teenager wird sie zur Psychologin geschickt, die erste Frage lautet “wie kommst du mit deiner Regel zurecht?”.

“Mann und Frau sind nur die Endpunkte auf einer Linie, wieso schenken wir dem, was dazwischen liegt, nicht mehr Akzeptanz? Wieso MUSS ich mich entscheiden?”

Charlie hat große Angst davor, ungewollt geoutet zu werden. “Es gibt keinen Platz für mich in der Gesellschaft. Es gibt keine ‘dritte Option’, die ich wählen kann. Wenn es einen Platz für intergeschlechtliche Menschen gäbe, wenn andere wüssten, was das eigentlich ist und wir uns nicht mehr zwei Kategorien zuordnen müssten, wäre das einfacher.” Sie ist seelisch noch nicht bereit, sich so zu akzeptieren wie sie ist. Sie weiß, dass es ein harter, sehr anstrengender und emotional aufreibender Weg wird. Früher wollte sie so schnell wie möglich, so “normal” wie möglich sein. Heute möchte sie einfach nur sie selbst sein und das akzeptieren können.

Wir stehen vor der Toilette auf der TU, auf die linke Tür ist der Umriss eines Menschen mit einem Kleid angebracht, gegenüber der Umriss eines Menschen in Hose, dazwischen eine Wand. “Genau genommen, müsste ich jetzt in diese Wand rennen. Gleis 9 3/4 sozusagen.” Wir beide lachen. Manchmal geht es nur mit Humor.
Doch am Ende des Tages, kann ich nicht drüber lachen. Denn es macht mich wütend, dass wir in unserer Welt alles und jeden Normalisieren und Stereotypieren. Es macht mich wütend, dass intergeschlechtlichen Menschen ein Schamgefühl aufgezwungen wird, weil man ihnen das Gefühl gibt, nicht der Erwartung zu entsprechen. Obwohl es gar keine Erwartung gibt, denn am Ende des Tages, sind wir nicht weiblich oder männlich, sondern menschlich.

Wieso können wir Menschen, nicht Menschen sein lassen? Wieso muss  “weiblich” oder “männlich” über das bestimmen, was wir sein sollen. “Du läufst wie ein Mädchen”. Das weibliche Klischee ist rund, das männliche Klischee ist eckig. Und Charlie? Charlie ist ein Dreieck. Ein verdammt schönes, vollkommenes Dreieck.



“Why not change minds, instead of bodys?”


Dienstag, 23. August 2016

Transgender: neurons differently networked! /// Transgender: Neuronen anders vernetzt

Copyright © 2011-2021 Nikita Noemi Rothenbächer- Alle Rechte vorbehalten!
Geschrieben und Bearbeitet von Nikita Noemi Rothenbächer 2016
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Transgender: Neuronen anders vernetzt

Dass Identität und Geschlecht nicht übereinstimmen können, spiegelt sich in den Mikrostrukturen des Gehirns, zeigen Studien der Med-Uni Wien Unser Gefühl, dem weiblichen oder männlichen Geschlecht anzugehören, ist fester Bestandteil des menschlichen Identitätsempfindens.

In der Regel stimmen Geschlechtsidentität und körperliches Geschlecht überein. Ist das nicht der Fall, spricht man von Transidentität oder auch Transsexualität.

In einer aktuellen Studie konnte der Hirnforscher Georg S. Kranz von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Med-Uni Wien zeigen, dass sich die ganz persönliche Geschlechtsidentität jedes Menschen in der Vernetzung zwischen Hirnregionen widerspiegelt und nachweisbar ist.

Psyche und neuronale Vernetzung Während sich das biologische Geschlecht in der Regel im körperlichen Erscheinungsbild manifestiert, ist die individuelle Geschlechtsidentität nicht direkt beobachtbar und primär in der Psyche des Menschen verankert.

Da das Gehirn für unser Denken, Fühlen und Handeln verantwortlich ist, sind weltweit mehrere Forschungsinstitutionen der neuronalen Repräsentation der Geschlechtsidentität auf der Spur. In einer im "Journal of Neuroscience" publizierten Studie unter der Leitung von Rupert Lanzenberger von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Med-Uni Wien konnten nun neuronale Korrelate (Entsprechungen) des Identitätsempfindens in der Vernetzung des Gehirns nachgewiesen werden.
Mittels diffusionsgewichteter Magnetresonanz-Tomografie (MRT) wurden sowohl Transgenderpersonen, als auch weibliche und männliche KontrollprobandInnen untersucht.

Dabei fanden sich signifikante Unterschiede in der Mikrostruktur der Hirnverbindungen zwischen weiblichen und männlichen Kontrollprobanden. Transgenderpersonen nahmen eine Mittelstellung zwischen beiden Geschlechtern ein. Testosteron als Treiber Außerdem konnte ein starker Zusammenhang zwischen der Mikrostrukturverbindungen dieser Netzwerke untereinander und dem im Blut gemessenen Testosteronspiegel gefunden werden.

Lanzenberger: "Diese Ergebnisse legen nahe, dass sich die Geschlechtsidentität in der Struktur von Hirnnetzwerken widerspiegelt, welche sich im Laufe der Entwicklung des Nervensystems unter dem modulierenden Einfluss von Geschlechtshormonen bilden." - derstandard.at/2000010065276/Transgender-Neuronen-anders-vernetzt



Gender identity is biologically detectable! /// Geschlechtsidentität ist biologisch nachweisbar

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Geschlechtsidentität ist biologisch nachweisbar

Ein Wiener Projekt hat Ursachen für Depressionen aus der Geschlechterperspektive untersucht. Das Ergebnis: Geschlechtsidentität spiegelt sich im Gehirn wider

Frauen und Männer unterscheiden sich oft deutlich in Bezug auf psychische Erkrankungen. Um die Ursachen dafür zu erforschen, wurde in einem Projekt des Wissenschaftsfonds (FWF) untersucht, wie die geschlechtsangleichende Hormontherapie von Transgenderpersonen das Gehirn beeinflusst.
Um biologischen Faktoren psychischer Erkrankungen, wie Depressionen oder Angststörungen, auf den Grund zu gehen, hat ein Forscherteam der MedUni Wien untersucht, wie Hormone auf das Gehirn wirken. Dabei haben die Wissenschafter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin und dem Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik eine wesentliche Erkenntnis gewonnen, indem sie feststellten, dass sich die Geschlechtsidentität im Gehirn widerspiegelt und zwar auch bei Transgenderpersonen.

Die Studie hat international sowohl in der Fach- als auch Medienwelt ein so großes Echo hervorgerufen, "dass Forscher aus den USA, die selbst Transsexuelle sind, uns hier am Wiener AKH besuchen", so Projektleiter Rupert Lanzenberger in einer Aussendung. "In der Psychiatrie haben wir viele Erkrankungen, die jeweils bei Frauen und Männern viel häufiger sind, wie etwa Angststörungen und Depressionen bei Ersteren oder Suchterkrankungen und Autismus bei Letzteren. Wir wollten die Ursachen dieser Erkrankungen aus der Geschlechterperspektive untersuchen und haben daher ein Modell gesucht, das uns Effekte auf das Gehirn in Zusammenhang mit dem Hormonsystem zeigt."

"Mittelstellung" zwischen den Geschlechtern

Dabei hat ein Team um Lanzenberger über einen Zeitraum von fünf Jahren Transgenderpersonen untersucht, die eine Hormontherapie im Rahmen der von ihnen gewünschten Geschlechtsangleichung selbst anstreben und medizinische Hilfe benötigen. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) wurde bei den Probanden, wie auch bei weiblichen und männlichen Kontrollpersonen, beobachtet, was im Gehirn passiert, wenn gegengeschlechtliche Hormone über längere Zeit gegeben werden, um physiologische gegengeschlechtliche Hormonwerte im Blut zu erreichen.

"Dabei konnten wir einen Hormoneffekt auf die Sprachverarbeitung, auf Funktionen wie Risikoverhalten, auf räumliche Vorstellung und die Impulsivität, sowie auch auf die Struktur der Hirnverbindungen zwischen weiblichen und männlichen Personen nachweisen", erklärt Lanzenberger. Interessanterweise zeigten die Scans dabei auch, dass bereits vor der Behandlung mit Hormonen die Gehirnstruktur der Transgenderpersonen eine "Mittelstellung" zwischen beiden Geschlechtern einnahm.

Die Forschergruppen der MedUni Wien zeigten, dass eine Zunahme des Testosteronspiegels im Blut mit einer Abnahme des Volumens zweier für die Sprachverarbeitung zentraler Hirnregionen verbunden ist und auch deren Verbindung verändert wird. "Das legt den Schluss nahe, dass die Wirkung von Testosteron auf die Sprachverarbeitung über den Einfluss auf die Struktur der grauen und weißen Substanz der dafür zuständigen Hirnregion läuft", sagt Lanzenberger. "Wir gehen davon aus, dass manche der gefundenen Unterschiede in der weißen Substanz schon sehr früh angelegt sind, möglicherweise im Mutterleib oder vor der Pubertät. Das wäre eine biologische Information, ein Marker für Geschlechtsidentität."

Gene durch Hormone ein- und ausgeschaltet

Das Wissen, dass sich Gehirnverbindungen in ihrer Funktion durch Hormone und auch im Erwachsenenalter noch ändern können, spielt beispielsweise dann eine Rolle, wenn die sogenannte Neuroplastizität des Gehirns reduziert ist, wie das bei Depressionen vermutet wird. In einem weiteren bildgebenden Verfahren, der Positronenemissionstomografie (PET), haben die Forscher daher untersucht, wie der Nervenbotenstoff Serotonin, der als stimmungsaufhellend bekannt ist, auf Hormone reagiert. Es dürfte demnach zu einer verstärkten Wirkung durch eine höhere Konzentration der Proteine kommen, welche Serotonin transportieren.

Das Projektteam erfasst auch Daten über das Schmerzempfinden, den Geruchssinn, über Veränderungen im Verhalten oder die Lebensqualität der Probanden, um sie mit den Resultaten der Gehirnscans in Verbindung zu bringen und schließlich Geschlechtsunterschiede besser zu verstehen. "Wir schauen uns weiters auch die Genetik an, weil wir davon ausgehen, dass Hunderte Gene durch Hormone ein- und ausgeschaltet werden", sagt Lanzenberger. Sexualhormone haben einen wesentlichen Einfluss auf das (erwachsene) Gehirn, wie die Forscherteams in Wien zeigen konnten. Geschlechtsidentität ist also nicht nur ein psychologisches Phänomen, sondern vielmehr biologisch nachweisbar. (APA, 22.8.2016)

Originalstudie:

Gender transition affects neural correlates of empathy: A resting state functional connectivity study with ultra high-field 7T MR imaging.


Mittwoch, 10. August 2016

Diskriminierung im Alltag

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Diskriminierung im Alltag

Seit zehn Jahren gibt es das Gleichbehandlungsgesetz. Nun wird seine Verschärfung gefordert.
Ob Herkunft, Geschlecht oder sexuelle Identität, Lebensalter oder Behinderung - fast jeder Dritte fühlte sich in den vergangenen zwei Jahren diskriminiert in Deutschland. Das ergab eine Umfrage im Rahmen der Evaluierung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Das Gesetz, das seit zehn Jahren in Kraft ist, habe die Sensibilität für Benachteiligung gestärkt, sagte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. "Wir sehen aber auch, dass Diskriminierung immer noch Alltag ist und wohl wieder zunehmen wird." Gründe seien der Flüchtlingszuzug und damit verbundene Ängste. Um Intoleranz effektiver zu bekämpfen, müsse das Gesetz reformiert werden.
Das Gleichbehandlungsgesetz wurde 2006 von der großen Koalition eingeführt, auf Druck der EU und des Europäischen Gerichtshofs. Es soll Benachteiligung verhindern am Arbeitsplatz und im Zivilrecht, etwa bei Anmietung einer Wohnung oder beim Restaurantbesuch mit einem behinderten Kind. Vor seiner Verabschiedung warnte die Wirtschaft vor Kosten von 1,73 Milliarden Euro pro Jahr. Juristen befürchteten eine Klagewelle, andere sahen ein bürokratisches Monster kommen. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs (CDU), warnte damals, Anhänger von Scientology oder NPD könnten sich mit dem Gesetz in Betriebe einklagen.
Das Niveau der Debatte sei im Rückblick "erstaunlich" und erinnere an den aktuellen Streit ums Entgeltgleichheitsgesetz, sagte Lüders. Die Befürchtungen von damals aber hätten sich nicht bestätigt. Der Staat könne zwar keine Toleranz verordnen, wohl aber Möglichkeiten schaffen, sich gegen Intoleranz zu wehren.
Wie viele Menschen seit 2006 geklagt haben, ist nicht bekannt. Bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ging nur ein Teil der Beschwerden ein. In27 Prozent ging es um Diskriminierung wegen Behinderung, in 23 Prozent um Herkunft oder Geschlecht, in 20 Prozent ums Lebensalter, in fünf Prozent um Religion oder sexuelle Identität. 15 000 Menschen hatten sich insgesamt an die Stelle gewandt. In einer Umfrage gaben 31,4 Befragte an, sie seien in den vergangenen zwei Jahren diskriminiert worden, so Lüders. Benachteiligung sei also nicht verschwunden, werde heute aber "klar geächtet und zunehmend offen thematisiert".
Das Gesetz sei ein "Meilenstein". Dennoch bleibe es für viele Betroffene schwer, gegen Diskriminierung rechtlich vorzugehen, sagte Alexander Klose vom Büro für Recht und Wissenschaft Berlin, das die Evaluierung des Gesetzes durchgeführt hat. Oft verhindere die Angst, den Job oder die Wohnung zu verlieren, eine Klage. Hier bleibe die privatrechtliche deutsche Regelung hinter Europarecht zurück. Nötig seien längere Fristen und ein Verbandsklagerecht, das qualifizierten Verbänden erlaube, die Rechte Einzelner vor Gericht wahrzunehmen, ähnlich etwa wie Verbraucherschutzzentralen.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wies dies zurück. "Die Vorschläge aus dem verzerrenden Evaluationsbericht gehören nicht ins Bundesgesetzblatt - sondern in den Papierkorb", meinte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter. Michael Fuchs dagegen sagte in der ARD, das Gesetz habe sich bewährt. Allerdings lehne er Verbandsklagen ab: "Ich bin dagegen, dass wir eine Art Sittenpolizei in Deutschland aufbauen." Wer Recht suche, könne zum Anwalt gehen.

Quelltext: http://www.sueddeutsche.de/politik/gesetz-evaluiert-diskriminierung-im-alltag-1.3114760

Das Menschliche

Und Sie wissen nicht, mit was Sie es zutun haben! Doch diese bekommen euch, ein Fakt!

Heute in den TV- Medien, die Massen - Vergewaltigung einer 15 jährigen Schülerin, angeblich "Gastarbeiter bzw. FLÜCHTLINGE auch Poliz...